europäisches Schweige-Epos - die EPIC-Studie

europäisches Schweige-Epos - die EPIC-Studie

Beitragvon Juliane » Mittwoch 3. Oktober 2012, 05:41

Das europäische Schweige-Epos - die EPIC-Studie
Von Udo Pollmer

"Erinnern Sie sich noch an die vehementen Aufrufe, fünfmal am Tag Obst und Gemüse zu speisen? Das sollte uns vor Krebs schützen; bis zu 50 Prozent weniger Krebsfälle wurden von den Ernährungsmedizinern uns in Aussicht gestellt. Fünf mal 400 Gramm, also lausige zwei Kilo am Tag würden schon reichen. Diese Empfehlung galt weltweit für alle Menschen ab dem zarten Alter von zwei Jahren.

Da es damals keinerlei Studien gab, die mit einer sauberen Methodik den Nutzen von Obst und Gemüse nachgewiesen hatten, wurde die berühmte EPIC-Studie ins Leben gerufen - die European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition. Sie sollte den Umfang des Krebsschutzes in harte Zahlen fassen. Europaweit wurde über eine halbe Million Menschen erfasst, zehn Länder haben sich daran beteiligt. Begonnen wurde 1992, abgeschlossen wurde die Erhebung im Jahre 2000. Danach wurden der Öffentlichkeit ein paar Häppchen vorgeworfen - aber nun ist das lange Schweigen gebrochen, endlich wurde das amtliche Endergebnis in einem amerikanischen Fachblatt publiziert.

Darin lesen wir als ersten Satz - den die Elite von Europas Ernährungsforschern formuliert hat: "Es wird allgemein angenommen, dass man Krebs durch eine hohe Aufnahme von Obst und Gemüse vorbeugen kann. Leider haben die uneinheitlichen Ergebnisse vieler Studien es nicht erlaubt, eine inverse Beziehung zwischen dem Obst- und Gemüsekonsum und dem allgemeinen Krebsrisiko zu etablieren." Will sagen, die Studienlage war immer diffus und es gab nie Beweise für den allerorten verkündeten Schutz vor Krebs durch artiges Essen. Die Fünf-am-Tag-Kapagne war also nicht eine Gesundheitsmaßnahme, sondern eine Marketingidee mit ungewissem Ausgang........




Das Deutsche Ärzteblatt verweist in einem Bericht über das Ergebnis der EPIC-Studie darauf, dass dies schon vorher Stand der Dinge war: "Die seit den Fünfzigerjahren durchgeführten prospektiven Studien konnten die optimistischen Annahmen (in Sachen Krebsschutz d. A.) nicht bestätigten. Selbst für den Darmkrebs konnte eine frühere Meta-Analyse keine signifikante protektive Wirkung finden."


http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/mahlzeit/1179265/


http://jnci.oxfordjournals.org/content/102/8/529.full.pdf
Juliane
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