Duftstoffe aus dem Gully

Duftstoffe aus dem Gully

Beitragvon Lulabee » Montag 17. Juli 2006, 08:01

Damit es uns nicht mehr stinkt - Parfüm für die Berliner Gullys
Susanne Kröck

Berlin - Es ist nicht gerade Chanel No. 5. Aber doch ein frischer, fruchtiger Zitrusduft. Damit parfümieren die Wasser-Betriebe ihre Abwasserkanäle, damit sie nicht so stinken.

Bella Italia in Biesdorf! Denn dort liegt wie im sonnigen Süden ab heute ein Hauch von Zitronen in der Luft. So wie bisher am Köpenicker Schloßplatz oder in Grünau. Das Geheimnis des guten Geruchs sind Gel-Platten, die die Wasser-Betriebe in die Kanalisation hängen – damit wir nicht vom ekligen Gully-Gestank belästigt werden. Weil die Berliner mit dem Wasser knausern (44 Prozent weniger als 1990), rauscht auch weniger Abwasser durch die Rohre. Weil das so langsam fließt, fängt's schon vorm Klärwerk an zu stinken.

Damit es am noblen Gendarmenmarkt nicht ordinär stinkt, wenden die Wasser-Betriebe dort eine andere Methode an: Sie kippen im Pumpwerk am Werderschen Markt Salpeter in die Kanalisation. Das ersetzt für die geruchsabbauenden Bakterien den dort fehlenden Sauerstoff. Als Nächstes wird der Potsdamer Platz so vom Gully-Gestank befreit.

Berliner Kurier, 7.7.2006

http://www.berlinonline.de/berliner-kurier/berlin/129186.html
Lulabee
 

Duftstoffe aus dem Gully

Beitragvon Clarissa » Montag 17. Juli 2006, 09:23

na das ist ja ne tolle nummer, ich werde mal gleich eine protestmail an die wasserwerke schreiben und mich auf die presseerklärung des uba beziehen.

frechheit und das darf ich dann auch noch mit meinen wasser und abwassergebühren bezahlen!
Und allen Leugnern zum Trotz, im DIMDI
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T 78.4 zu finden und wirklich nur dort und an keiner anderen Stelle!
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Duftstoffe aus dem Gully

Beitragvon Clarissa » Montag 17. Juli 2006, 09:53

Clarissa hat eine Protestmail verfasst:

Guten Tag, wie ich heute einer Pressemeldung entnehmen musste, versuchen sie einen normalen Geruch mit chemischen Duftstoffen zu überdecken, ich möchte ihnen in diesem Zusammenhang die Presseerklärungen und Empfehlungen des Umwelt Bundes Amtes zur Kenntnis geben.

Als Multiple Chemical Sensitivity-Erkrankte und Duftstoffallergekerin möchte ich auf das schärfste protestieren, das sie mit Geldern (Abwassergebühren) die ich auch bezahlen muss, Stoffe in die Umwelt freisetzen die absolut nicht nötig wären und obendrein eine Gefährdung von Menschen darstellen. Teilen Sie mir bitte mit, inwieweit Spuren dieser chemischen Stoffe in das Abwasser gelangen können und ob sie evtl. über den Waserkreislauf wieder in das Frischwasser gelangen können.

Wie ihnen bestimmt bekannt ist, sind viele Stoffe nicht abbaubar und reichern sich in Lebewesen an.

Ich bitte sie um eine Stellungsnahme zu diesen Problemen und den Empfehlungen de UBA.

mfg
Clarisa von Maus

http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-presse/2004/pd04-064.htm

Presse-Information 64/2004

Duftstoffe nicht wahllos einsetzen


Eine ausführlichere Darstellung zum Expertengespräch ist im Umweltmedizinischen Informationsdienst 1/2004 unter http://www.umweltbundesamt.de/umid/1-04/index.htm nachzulesen.

Berlin, den 15.07.04


http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-presse/2006/pd06-035.htm

Presse-Information 035/2006

Duftstoffe: Betörend mit möglichen Nebenwirkungen
Umweltbundesamt informiert über Raumbeduftung und gibt Empfehlungen, um die Gesundheit zu schonen


Ausführliche Informationen enthält das 15-seitige Hintergrundpapier „Duftstoffe: Wenn Angenehmes zur Last werden kann“. Es steht im Internet unter http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-daten/daten/gesundheit/veroeffentlichungen.htm zum kostenlosen Download bereit.

Dessau, den 30.05.2006
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Duftstoffe aus dem Gully

Beitragvon Alex » Montag 17. Juli 2006, 10:22

Sehr gut geschrieben Clarissa!

Auf Asthma können andere auch verweisen.
Duftstoffe sind Asthmaauslöser Nr. Eins
und Asthma ist akzeptiert.

Viele Grüße
Alex
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Duftstoffe aus dem Gully

Beitragvon Clarissa » Montag 17. Juli 2006, 10:27

Die Wasserwerke haben soeben geantwortet -- bla, bla, bla

wir möchten Ihnen in diesem Zusammenhang unsere Pressemitteilung zur Kenntnisnahme beifügen:

Eisen, Salz, Wasser oder Gel gegen Kanalgeruch


Pressemitteilung vom 06.07.2006


Abwasser fault zu Schwefelsäure und die zwickt die Nasen und den Beton

Die Berliner Wasserbetriebe sorgen nicht nur für gesundes und klares Wasser, sondern wenden auch fast 3 Mio. € für die Berliner Luft auf. Dafür wird an rund 90 Kanalisationsabschnitten in der Stadt mit Wasser, Salzen, Eisenschlamm oder Gel-Platten gegen Faulprozesse im Abwasser gearbeitet.

Hintergrund: Abwasser riecht zwar immer. Das liegt in seiner Natur. Aber der seit fast 20 Jahren sinkende Wasserabsatz lässt das Abwasser in den Kanälen immer langsamer fließen. Zersetzungsprozesse, die eigentlich im Klärwerk ablaufen sollen, beginnen schon im Untergrund. Wenn Abwasser fault bilden sich Schwefel-Verbindungen. Und die zwicken. Über Tage als Gas "nur" die Nasen, unter Tage als starke Säure auch den Beton der Schächte. Wo es viele Gaststätten gibt verstärken anbackende Fettreste und lange Stagnation in Fettabscheidern das Problem zusätzlich.

Wenn es die Nähe der Kanäle zu einem der neun Berliner Wasserwerke erlaubt, dann bannen wir das Problem durch die Einleitung von stark eisenhaltigem Wasser, das den Schwefel neutralisiert. Eisen wird in den Werken aus dem Grundwasser entfernt und ist damit praktisch als "nachwachsender Rohstoff" stets verfügbar. In der Nähe des Wasserwerks Kladow wird dies bereits praktiziert, bei den Werken Stolpe und Wuhlheide wird es vorbereitet.

An anderen Orten wie am Gendarmenmarkt, am Potsdamer Platz aber auch in Müggelheim wird an kritischen Stellen Calciumnitrat in den Abwasserstrom dosiert. Dennoch wird auf die "klassische" und zeit- und personalintensive Gegenwehr durch Hochdruckspülen auch künftig nicht überall verzichtet werden können.

"Das zur Bannung des Gestanks investierte Geld ist gut angelegt", sagt Jörg Simon, Vorstandschef der Berliner Wasserbetriebe. "Denn es sichert nicht nur die sprichwörtliche Berliner Luft, sondern auch die lange Lebensdauer unserer Kanalisationsschächte." Erfahrungen zeigen, dass solche Schächte nur etwa zehn Jahre dem Schwefel trotzen, wenn nichts getan wird. Für das Auswechseln dieser Einstiege würden dann jeweils 15.000 € fällig. Und hunderte der fast 200.000 solchen Schächte in Berlin wären ohne Gegenwehr gefährdet.

Wenn es einmal schnell gehen muss, dann helfen gegen den Geruch vorübergehend auch Gel-Platten. Sie können z.B. vor Straßencafés in die Schächte gehängt werden, wo sie dann wochenlang wie ein Deodorant wirken. Allerdings beseitigen sie die Ursachen nicht.

i.A. René Scholz


Ich habe natürlich sofort reagiert und folgendes geschrieben:
Ich bedanke mich für die schnelle Antwort, die jedoch leider nicht meine
Fragen beantwortet hat. Was sagen sie zu den Artikeln des UBA?
Wie können sie sicherstellen, das kranke Menschen und Kleinkinder nicht
direkt oder indirekt gefähdet werden?

Ich wäre ihnen sehr danbar für die konkrete Beantwortung meiner Fragen, denn
ihre Presserklärung ist ja nett zu lesen, sagt aber leider nichts über diese
spezielle Problematik aus.
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Duftstoffe aus dem Gully - vorläufiger Schluss

Beitragvon Clarissa » Montag 17. Juli 2006, 14:12

Die Wasserwerke wollen dazu keine konkrete Stellung beziehen, siehe ihre Antwort.

Sehr geehrte Frau von Maus,

wie Sie unserer Pressemitteilung entnehmen können verwenden wir keine Duftstoffe um Kanalgeruch zu überdecken.
Durch Hochdruckspülen, Einleiten von eisenhaltigen Wasser oder Calciumnitrat sollen die Geruchsentwicklungen gemindert werden.
Es wird also keine "Parfümierung" vorgenommen.

i.A. R. Sch.
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Beitragvon Tip » Montag 17. Juli 2006, 23:18

Hallo, wenn keine Parfümierung stattfindet weshalb schreibt der Berliner Kurier dann sowas? Wieso schreiben die was von parfümierten Gel-Platten wenn dies nicht stimmt? Hat sich schon jemand beim Kurier beschwert wegen Falschaussage? Grüße
Tip
 


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