Arzneimitteltherapie mit " Systemfehler "

Arzneimitteltherapie mit " Systemfehler "

Beitragvon Juliane » Dienstag 4. Mai 2010, 09:10

Autofahren ist sicherer geworden, und in den hochindustrialisierten Ländern kommen mehr Menschen durch Medikamente ums Leben als durch Autofahren. Unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) sind in den USA die sechsthäufigste Todesursache bei Krankenhauspatienten: Mehr Menschen sterben dort durch Medikationsfehler als durch Arbeitsunfälle. ....


Die immer wieder kritisierten Defizite bei der praktischen Arzneimitteltherapie sind nicht primär als individuelles ärztliches Verschulden, sondern als Systemfehler zu betrachten. Die Entwicklung geeigneter und für die deutsche Ärzteschaft hilfreicher, praktikabler Systeme zur Fehlervermeidung sollte dem Staat, der auch für die Einrichtung von Leitplanken auf den Autobahnen verantwortlich ist, ein dringliches Anliegen werden....

Prof. Dr. med. Bruno Müller-Oerlinghausen
Arzneimittelkommission der
deutschen Ärzteschaft, Fachausschuss der BÄK

Kongressbericht: Moderne Wege zu einer individualisierten Arzneitherapie

Dtsch Arztebl 2004; 101(23): A-1682 / B-1400 / C-1349


http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=42188
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Arzneimitteltherapie mit " Systemfehler "

Beitragvon Sonora » Dienstag 4. Mai 2010, 13:45

Welche Konsequenzen werden aus dieser unhaltbaren Situation gezogen?
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Arzneimitteltherapie mit " Systemfehler "

Beitragvon Juliane » Dienstag 4. Mai 2010, 18:10

Man lässt forschen, Sonora. Aber es geschieht nichts.


Springer informierte die Mediziner online:


“Für eine Reihe anderer arzneimitteltherapeutischer Maßnahmen, etwa vor einer Azathioprin-Therapie (Bestimmung der Thiopurin-Methyltransferase-Aktivität), vor einer 5-Fluorouracilbehandlung (Dihydropyrimidindehydrogenase-Diagnostik) oder vor Therapie mit bestimmten trizyklischen Antidepressiva bzw. Neuroleptika (CYP2D6-Diagnostik) muss man aber heute schon fragen, ob ihre Durchführung ohne eine vorangehende pharmakogenetische Diagnostik noch zu vertreten ist.”

J. Kirchheiner , A. Seeringer, J. Brockmöller, Stand der Pharmakogenetik in der klinischen Arzneimitteltherapie, State of the art of pharmacogenetic diagnostics in drug therapy, Zeitschrift Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz, Stand der Pharmakogenetik in der klinischen Arzneimitteltherapie, Springer online, 4. Oktober 2006.



http://www.springerlink.com/content/y80t369h2782w777/
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Beitragvon Juliane » Dienstag 4. Mai 2010, 18:11

In einem ZEIT-Artikel forderte Pharmakologe Jürgen Borlak vom Fraunhofer-Institut schon vor Jahren einen Gentest:

“Die einfache Analyse kostet pauschal ungefähr 400 Euro, doch das wird leider nicht von den Krankenkassen übernommen”, moniert Borlak. Das sei sehr kurzsichtig, denn ein falsches Medikament oder eine Überdosierung könne schnell mehrere Tausend Euro an Folgekosten verursachen. Schätzungen zufolge sterben in Deutschland jährlich etwa 60.000 Menschen im Zusammenhang mit unerwünschten Arzneimittelreaktionen… (Pharmakologe Jürgen Borlak vom Fraunhofer-Institut.)

http://www.zeit.de/zeit-wissen/heilung?page=all
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Beitragvon Juliane » Dienstag 4. Mai 2010, 18:11

Die bundesrepublikanische Medizinlandschaft ist nicht uninformiert darüber, dass nicht alle Menschen gleich sind.

Prof. Dr. Bauer schrieb vor 6 Jahren Im Ärzteblatt:

Über 30 Prozent der Bevölkerung weisen gegenüber bestimmten, häufig verordneten Medikamenten eine signifikant reduzierte Entgiftungsfunktion auf. Die Ursache hierfür ist ein Polymorphismus des P450-Enzymsystems (1-3). Angesichts einer inzwischen zur Verfügung stehenden Diagnostik, welche angepasste Dosierungen ermöglichen und das Risiko von Nebenwirkungen massiv reduzieren würde, ergibt sich Handlungsbedarf.

http://www.aerzteblatt.de/V4/archiv/artikel.asp?id=37331
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