Gentest könnte 17.000 Medikamente Tote verhindern

Gentest könnte 17.000 Medikamente Tote verhindern

Beitragvon Clarissa » Sonntag 14. November 2010, 07:15

Sogar bis zur Welt hat es sich herum gesprochen, aber lest bitte den kpl. Artikel hier: http://www.welt.de/gesundheit/article10893445/Gen-Profile-koennen-die-richtige-Dosis-bestimmen.html[hr]Bis zu 17.000 Menschen sterben jährlich wegen falscher Medikamenten-Dosierung
Medikamente sind normalerweise dazu da, dem Menschen bei seinen Beschwerden zu helfen und im besten Falle diese verschwinden zu lassen. Pro Jahr sterben aber zwischen 14.000 und 17.000 Menschen daran, dass das Medikament nicht so wirkt wie es sollte.

Ein Gen-Test könnte helfen zu entscheiden, ob ein bestimmtes Medikament überhaupt und in welcher Dosierung für den Patienten geeignet ist.


- Editiert von Clarissa am 14.11.2010, 06:21 -
Und allen Leugnern zum Trotz, im DIMDI
ICD-10-GM Version 2018 - Stand Oktober 2017 ist MCS immer noch im Thesaurus unter
T 78.4 zu finden und wirklich nur dort und an keiner anderen Stelle!
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Gentest könnte 17.000 Medikamente Tote verhindern

Beitragvon Juliane » Sonntag 14. November 2010, 16:55

Schlimm, dass darüber so selten berichtet wird.
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Gentest könnte 17.000 Medikamente Tote verhindern

Beitragvon Juliane » Sonntag 14. November 2010, 16:55

Hier mal zur Risikoeinschätzung:



"Bei der Vorordnung eines Medikamentes lässt sich oft nicht ausreichend vorhersagen, ob bei einem Patienten ein zufrieden stellender Therapieerfolg erreicht wird, oder ob die Gabe zu Therapieversagen bzw. Nebenwirkungen führen wird. Nach Erhebungen von Lazarou et al. [Lazarou, 1998] beträgt bei Klinikpatienten die Inzidenz schwerer unerwünschter Arzneimittelwirkungen 6,7 Prozent, die der tödlichen 0,37 Prozent. Arzneimittel­nebenwirkungen sind damit die fünfthäufigste Todesursache in den USA – nach koronarer Herzkrankheit, Krebs, Schlaganfall und Lungenkrankheiten und noch vor Unfällen, Diabetes mellitus und Pneumonie. Allein die direkten Folgekosten von Arzneimittel­neben­wirk­ungen werden in den Vereinigten Staaten auf 1,4 bis 4 Milliarden US-Dollar im Jahr geschätzt [Lazarou, 1998]. Für Europa liegen ähnliche Daten vor [Schneeweiss, 2002].



Tabelle 1: Wichtige Enzyme des Arzneimittel- bzw. Fremdstoff-Stoffwechsels, mit einem erblichen Polymorphismus

Phase I
Funktionelle Bedeutung des Polymorphismus
Häufigkeit homo­zygoter genetischer Varianten*
Bedeutung u.a. für folgende Arzneistoffe

Cytochrom P450 (CYP) 1A2
hohe Induzierbarkeit
46%
Clozapin, Imipramin, Koffein, Lidocain, Paracetamol, Theophyllin

CYP2A6
reduzierte Aktivität
1%
Fadrazol, Halothan, Losigamon, Nikotin, Tegafur

CYP2B6
reduzierte Aktivität
2%
Bupropion, Propofol

CYP2C8
reduzierte Aktivität
1,7%
Carbamazepin, Cerivastatin, Paclitaxel, Pioglitazon, Rosiglitazon, Tolbutamid, Verapamil, Warfarin

CYP2C9
reduzierte Aktivität
1-3%
Celecoxib, Clopidogrel, Diclofenac, Fluvastatin, Glibenclamid, Ibuprofen, Losartan, Phenprocoumon, Phenytoin, Piroxicam, Sildenafil, Tolbutamid, Torasemid, Warfarin

CYP2C19
fehlende Aktivität
3%
Diazepam, Lansoprazol, Omeprazol, Pantoprazol, Proguanil, Propranolol, Rabeprazol

CYP2D6
fehlende Aktivität

und

extrem hohe Aktivität durch Genduplikation
7%


2-3%
Ajmalin, Amitriptylin, Carvedilol, Codein, Flecainid, Fluoxetin, Galanthamin, Haloperidol, Metoprolol, Mexiletin, Ondansetron, Propafenon, Tamoxifen, Timolol, Tropisetron

CYP3A4,

CYP3A5,

CYP3A7
Aktivitätsabschwächung

Expression von CYP3A7 beim Erwachsenen
mehrere, teils seltene Mutationen
Chinidin, Cyclosporin A, Cortisol, Dapson, Diltiazem, Erythromycin, Lidokain, Midazolam, Nifedipin, Paclitaxel, Sildenafil, Simvastatin, Tacrolimus, Triazolam, Verapamil, Zolpidem

Flavinabhängige Monooxygenase 3 (FMO3)
verminderte Aktivität
9%
Perazin, Sulindac, Albendazol, Benzydamin

Butyrylcholinesterase (BCHE)
verminderte Aktivität
0,03%
Succinylcholin

Dihydropyrimidin­dehydrogenase (DPYD)
verminderte Aktivität
< 1%
5-Fluoruracil


Phase II

Arylamin-N-Acetyltransferase 2 (NAT2)
langsame Acetylierer
55%
Isoniazid, Hydralazin, Sulfonamide, Procainamid, Dapson

Uridin-Diphosphat-Glukuronosyltransferase 1A1 (UGT1A1)
reduzierte Aktivität
10,9%
Irinotecan

Glutathion-S-Transferase M1 (GSTM1)
fehlende Aktivität
55%
Disposition zu Harnblasenkarzinom

Catechol-O-Methyltransferase (COMT)
verminderte Aktivität
25%
Estrogene, L-Dopa, α-Methyldopa, Amphetamin

Thiopurin-S-Methyltransferase (TPMT)
fehlende Aktivität
0,3%
Azathioprin, 6-Mercaptopurin


* Häufigkeit auf homozygoten Genotyp unter Kaukasiern bezogen. Tabelle nach [Kirchheiner, 2003]


http://edoc.hu-berlin.de/habilitationen/kirchheiner-julia-2004-06-21/HTML/chapter1.html


viewtopic.php?t=10103
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Gentest könnte 17.000 Medikamente Tote verhindern

Beitragvon Amazone » Sonntag 14. November 2010, 17:54

In der Praxis sieht es so aus, dass weder Ärzte noch Apotheker Ahnung von dieser Materie haben. Also fragt besser nicht Euren Arzt oder Apotheker.

Gruß Amazone
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Gentest könnte 17.000 Medikamente Tote verhindern

Beitragvon Kira » Sonntag 14. November 2010, 20:24

Und trotzdem machen die hierfür Verantwortlichen weiter was sie wollen :0((

Hauptsache die Euronen stimmen, dafür gehen die auch über Leichen.
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