Missbildungen bei Kindern um Atomkraftwerke
"Umstrittene Studie
Missbildungen bei Kindern um Atomkraftwerke?
23. Juli 2010
[nachrichten-café] Einer Studie der Universität Mainz zufolge haben Kleinkinder in der näheren Umgebung der Atomkraftwerks-Standorte Biblis (Hessen) und Philippsburg (Baden-Württemberg) kein höheres Risiko, mit einer angeborenen Fehlbildung zur Welt zu kommen als Kinder in anderen Regionen Deutschlands. Das mit der Untersuchung beauftragte Geburtenregister der Universität Mainz hatte in der Umgebung der beiden Atomkraftwerke die Häufigkeit angeborener Missbildungen ermittelt und die Daten mit der Fehlbildungshäufigkeit in einer Atomkraftwerks-freien Region verglichen. Die Ärzteorganisation IPPNW übte heftige Kritik an der Untersuchung mit dem Titel "Kinder und Kernkraft" (KuK-Studie). Die Studie habe aufgrund geringer Fallzahlen eine zu geringe statistische Nachweisstärke (power), um einen Effekt in ähnlicher Größenordnung wie in der vorangegangenen Studie zu Kinderkrebs um Atomkraftwerke (KiKK-Studie) nachzuweisen, so die Ärzteorganisation. Eine alternative Auswertung der Daten zeigt, dass das Risiko für Fehlbildungen im unmittelbaren Nahbereich der beiden Atomkraftwerke offenbar deutlich zunimmt.
Die als atomenergie-freundlich bekannten Mainzer Mediziner erfassten im Umkreis von zehn Kilometern um die beiden Atomkraftwerke Biblis und Philippsburg sowie in der Vergleichsregion alle Geburten und Aborte zwischen November 2006 und Februar 2008. Die Studie umfasste 5273 Kinder und Föten, davon 5218 Lebendgeborene, 30 Totgeborene und 25 Aborte. Die Lebendgeborenen seien von speziell geschulten Kinderärzten untersucht, alle erfassten Fehlbildungen von einem internationalen Expertengremium bewertet worden.
Nach Beurteilung des Physikers und Statistik-Experten Alfred Körblein wird mit derart geringen Fallzahlen keine hinreichende statistische Nachweisstärke erreicht. Er bemängelt schon im Mai in einer Auswertung im "Strahlentelex", dass die KuK-Studie lediglich an zwei Kraftwerksstandorten (Atomkraftwerke Phillipsburg und Biblis) im Umkreis von nur 10 Kilometern durchgeführt wurde, und der Studienzeitraum lediglich etwas mehr als 15 Monate umfasste.
Trotz der dünnen Datenlage zeige sich aber eine deutliche Zunahme des Risikos mit der Nähe zum Atomkraftwerk, wenn die Auswertung der Daten auf den Entfernungsbereich größer 3 Kilometer beschränkt werde. Eine Ausweitung der Untersuchungsregion auf einen Radius von mindestens 15 Kilometer und des Untersuchungszeitraums auf 2 Jahre hätte laut Körblein vermutlich genügt, um einen Entfernungstrend in ähnlicher Höhe wie bei der KiKK Studie statistisch signifikant nachzuweisen.
Entgegen dieser fachlichen Kritik erwecken die Mainzer Wissenschaftler in ihrer Pressemitteilung vom 15. Juli den Eindruck, als sei es wissenschaftlich erwiesen, dass Kinder, deren Mütter in der Nähe von Kernkraftwerken wohnen, kein erhöhtes Risiko haben, mit Fehlbildungen zur Welt zu kommen. Die Forscher aus Mainz stellten "keinen Zusammenhang von angeborenen Fehlbildungen in der Umgebung deutscher Kernkraftreaktoren fest".
Die IPPNW und der Wissenschaftler Körblein verweisen auf die von den Mainzer Wissenschaftlern im Jahr 2007 veröffentlichte Studie zu den Kinderkrebsraten um Atomkraftwerke (KiKK-Studie), die alle deutschen Atomkraftwerke und einen wesentlich längeren Untersuchungszeitraum umfasste. Aufgrund dieser statistischen Power zeigte sich: Je näher ein Kleinkind an einem der 16 bundesdeutschen Atomkraftwerksstandorte wohnt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit für das Kind, an Krebs und insbesondere an Leukämie zu erkranken.
Die IPPNW fordert vor diesem Hintergrund, Strahlenschutzstandards und Grenzwerte nicht an einem gesunden, jungen Mann (Reference Man), sondern am extrem strahlensensiblen Embryo (Reference Embryo) zu orientieren."
http://www.nachrichten-cafe.de/2010/07/23/missbildungen-kinder-atomkraftwerke-umstrittene-studie
Missbildungen bei Kindern um Atomkraftwerke?
23. Juli 2010
[nachrichten-café] Einer Studie der Universität Mainz zufolge haben Kleinkinder in der näheren Umgebung der Atomkraftwerks-Standorte Biblis (Hessen) und Philippsburg (Baden-Württemberg) kein höheres Risiko, mit einer angeborenen Fehlbildung zur Welt zu kommen als Kinder in anderen Regionen Deutschlands. Das mit der Untersuchung beauftragte Geburtenregister der Universität Mainz hatte in der Umgebung der beiden Atomkraftwerke die Häufigkeit angeborener Missbildungen ermittelt und die Daten mit der Fehlbildungshäufigkeit in einer Atomkraftwerks-freien Region verglichen. Die Ärzteorganisation IPPNW übte heftige Kritik an der Untersuchung mit dem Titel "Kinder und Kernkraft" (KuK-Studie). Die Studie habe aufgrund geringer Fallzahlen eine zu geringe statistische Nachweisstärke (power), um einen Effekt in ähnlicher Größenordnung wie in der vorangegangenen Studie zu Kinderkrebs um Atomkraftwerke (KiKK-Studie) nachzuweisen, so die Ärzteorganisation. Eine alternative Auswertung der Daten zeigt, dass das Risiko für Fehlbildungen im unmittelbaren Nahbereich der beiden Atomkraftwerke offenbar deutlich zunimmt.
Die als atomenergie-freundlich bekannten Mainzer Mediziner erfassten im Umkreis von zehn Kilometern um die beiden Atomkraftwerke Biblis und Philippsburg sowie in der Vergleichsregion alle Geburten und Aborte zwischen November 2006 und Februar 2008. Die Studie umfasste 5273 Kinder und Föten, davon 5218 Lebendgeborene, 30 Totgeborene und 25 Aborte. Die Lebendgeborenen seien von speziell geschulten Kinderärzten untersucht, alle erfassten Fehlbildungen von einem internationalen Expertengremium bewertet worden.
Nach Beurteilung des Physikers und Statistik-Experten Alfred Körblein wird mit derart geringen Fallzahlen keine hinreichende statistische Nachweisstärke erreicht. Er bemängelt schon im Mai in einer Auswertung im "Strahlentelex", dass die KuK-Studie lediglich an zwei Kraftwerksstandorten (Atomkraftwerke Phillipsburg und Biblis) im Umkreis von nur 10 Kilometern durchgeführt wurde, und der Studienzeitraum lediglich etwas mehr als 15 Monate umfasste.
Trotz der dünnen Datenlage zeige sich aber eine deutliche Zunahme des Risikos mit der Nähe zum Atomkraftwerk, wenn die Auswertung der Daten auf den Entfernungsbereich größer 3 Kilometer beschränkt werde. Eine Ausweitung der Untersuchungsregion auf einen Radius von mindestens 15 Kilometer und des Untersuchungszeitraums auf 2 Jahre hätte laut Körblein vermutlich genügt, um einen Entfernungstrend in ähnlicher Höhe wie bei der KiKK Studie statistisch signifikant nachzuweisen.
Entgegen dieser fachlichen Kritik erwecken die Mainzer Wissenschaftler in ihrer Pressemitteilung vom 15. Juli den Eindruck, als sei es wissenschaftlich erwiesen, dass Kinder, deren Mütter in der Nähe von Kernkraftwerken wohnen, kein erhöhtes Risiko haben, mit Fehlbildungen zur Welt zu kommen. Die Forscher aus Mainz stellten "keinen Zusammenhang von angeborenen Fehlbildungen in der Umgebung deutscher Kernkraftreaktoren fest".
Die IPPNW und der Wissenschaftler Körblein verweisen auf die von den Mainzer Wissenschaftlern im Jahr 2007 veröffentlichte Studie zu den Kinderkrebsraten um Atomkraftwerke (KiKK-Studie), die alle deutschen Atomkraftwerke und einen wesentlich längeren Untersuchungszeitraum umfasste. Aufgrund dieser statistischen Power zeigte sich: Je näher ein Kleinkind an einem der 16 bundesdeutschen Atomkraftwerksstandorte wohnt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit für das Kind, an Krebs und insbesondere an Leukämie zu erkranken.
Die IPPNW fordert vor diesem Hintergrund, Strahlenschutzstandards und Grenzwerte nicht an einem gesunden, jungen Mann (Reference Man), sondern am extrem strahlensensiblen Embryo (Reference Embryo) zu orientieren."
http://www.nachrichten-cafe.de/2010/07/23/missbildungen-kinder-atomkraftwerke-umstrittene-studie