Wieviel Psychogeblubber muss man ertragen?

Wieviel Psychogeblubber muss man ertragen?

Beitragvon Lucca » Mittwoch 12. März 2008, 12:20

Sorry, aber ich muss mir Luft machen:

Wieviel Psychogeblubber muss man als MCS Patient erdulden, bis einem der Kragen platzt?
Das die Beschuldigung >MCS sei psycho< nicht korrekt ist, weiß jeder von uns der den CSN Blog
verfolgt oder sich sonst über die wissenschaftliche Seite von MCS informiert.

Gibt es einen einzigen Grund, warum wir es uns bieten lassen müssen, daß wir als psychisch
Kranke gelten oder daß wir doch endlich zugeben sollen, daß die Psyche einen so großen
Einfluß auf unseren Körper hat, daß wir auf Chemikalien reagieren? Das die Psyche den Körper
regiert und alles über die Psyche heilbar ist.

Ganz nach dem Motto: Leg Dich endlich auf die Psychiatercouch und dann biegen wir Dich hin.

Mir stinkt es, daß jetzt sogar SHG's aus dem Umweltbereich in diese Richtung "Aufklärung"
betreiben wollen und ihr Geschwätz verbreiten. Muß das sein???
Lucca
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Wieviel Psychogeblubber muss man ertragen?

Beitragvon Juliane » Mittwoch 12. März 2008, 14:19

Zitat
"Mir stinkt es, dass jetzt sogar SHG's aus dem Umweltbereich in diese Richtung "Aufklärung"
betreiben wollen und ihr Geschwätz verbreiten. Muß das sein???"

Lieber Lucca,

diese Psychoaktivisten liegen voll im gesellschaftlichen Trend. Weißt du, bei Psycho ist es eben einfach mitreden zu können, da muß man die Birne nicht sehr anstrengen.Es gibt ja heute niemand mehr, der sich nicht zutraut, seinen Psycho-Senf irgendwo dazuzugeben. Das haben die Printmedien ,vorneweg die Frauenzeitschriften , den Menschen in diesem Land Jahrzehntelang eingebläut. Die Lektion hat gewirkt, wie man sieht.

Und dann kann man ja auch mit seinen Psycho-Macken alles erklären. Früher hat der Pfarrer die Absolution erteilt, heute geht man zu seinem Seelenklempner und der verstärkt einen dann noch die Macken. Klar, der verdient ja auch nicht schlecht dabei. Und so sind dann alle "ein Stückweit weitergekommen", der Klient und der Therapeut. Und das Schöne daran: Der Klient braucht sich nicht zu ändern.

Lucca ich sage mal ganz offen meine Meinung: Die meisten Menschen, die an einer MCS erkrankt sind, sei es im Beruf oder durch eine Schadstoff oder Schimmelbelastete Wohnung, werden niemals als MCS Kranke diagnostisiert.

Und jene, die in Selbsthilfegruppen auf der Psycho- und/oder Esoterikschiene agieren, hatten vielleicht mal ein SBS.

Ein Mensch, der in der Tat an MCS erkrankt ist, käme niemals auf die Schapsidee, MCS beim Psychotherapeuten behandeln zu lassen.
Juliane
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Psychogeblubber muss man nicht dulden

Beitragvon Lennox » Mittwoch 12. März 2008, 20:06

Lucca, mach Dir Luft, Dein Ärger ist gerechtfertigt.
Als ob es nicht schon reicht, daß durch gekaufte Ärzte und Gutachter
ständig von Psycho gefasselt wird. Nee jetzt kommen kleine Grüppchen
und wollen mit diesem Gefassel Beifall erhaschen. Wo leben diese
Seelenverkäufer? Wenn die auf die Couch wollen, na denn nix wie ruff.
Richtig kranke Leute, die genug gebeutelt sind und arglos bei denen Hilfe
suchen so zu verbrennen, das ist nicht zu erklären oder zu entschuldigen.
Das sind keine von uns und die gehören angeprangert, einer nach dem Anderen.
Lennox
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Wieviel Psychogeblubber muss man ertragen?

Beitragvon Marina » Mittwoch 12. März 2008, 20:50

Hallo Lucca,

es ist echt nervig, dass immer wieder versucht wird, MCS in die Psychoecke fahren zu wollen. Ich kann nur sagen, wer der Auffassung ist, MCS ist psychisch, der hat einfach keine Ahnung und soll sich mal ordentlich Aufklären (lassen) oder sich besser selber auf die Couch begeben. Diese Menschen haben nicht den geringsten Schimmer, von dem was wir täglich durchmachen müssen. Wären sie selber MCS-krank, würden sie niemals auf solche Ideen kommen, über die wir doch eigentlich nur lachen können, wenn es nicht so traurig wäre. Solche Leute lässt man am besten links liegen, denn die wollen es ja eh nicht kapieren. Ist also reine Zeitverschwendung.

Liebe Grüße
Marina
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Psychogeblubber

Beitragvon Lucca » Mittwoch 12. März 2008, 21:21

Stimmt, man sollte diese Leute ganz links liegen lassen.
Das Problem ist, die haben es laut eigener Aussage, für sich gepachtet,
für uns sprechen zu wollen in der Öffentlichkeit.

Könnt Ihr Euch vorstellen, wie es anderen sehr Kranken geht, die nicht
mehr alles Wichtige lesen können und sich nicht mehr artikulieren können
wie wir? Die bekommen Existenzangst durch solche Reden und Machtansprüche
mit Inkaufnahme von deren totalem Untergang.Wir bauen mühsam auf und die wracken
alles ab und grinsen noch süffisant dabei.
Lucca
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Dämliche Psychoblubberer ignorieren

Beitragvon Mary Poppins » Donnerstag 13. März 2008, 17:12

Nicht aufregen Lucca, ignorieren ist besser. Solche Dummschwätzer laufen
sich von selbst tot. Ich verstehe Deine Sorge aber gut, nicht
daß Du mich falsch verstehst. Wenn wir die Chemikaliensensiblen
über die Wahrheit aufklären, dann werden auch Schwache stark und
solchen Wichtigmachern hört keiner mehr zu, weil jeder dann weiß, das
es Lüge und Angstmache ist, um sich ins Licht zu setzen. Ärgere
Dich also nicht mehr.
Mary Poppins
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Beitragvon Marina » Donnerstag 13. März 2008, 19:18

Lucca, es gibt halt freie Meinungsäußerung. Meinung können sie ja haben so viel sie wollen, aber was wirklich zählt, wenn es zur Sache geht, sind Fakten und Selbsterfahrung. Und die haben sie nicht! Ich denke, jemandem dem es sehr schlecht geht, können die mit ihren Meinungen trotzdem nicht manipulieren, dafür sind die Zusammenhänge von Ursache und Wirkung für einen selbst zu offensichtlich. Außer es ist jemand der gar kein eigenes Körpergefühl hat und seine Umgebung nicht wahrnimmt. Kann ich mir aber nur sehr schwer vorstellen.

Ich schließe mich auch an Mary Poppins an: wir müssen uns gegenseitig stärken, dann haben sie es umso schwerer und keiner nimmt sie mehr ernst!
Marina
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Psychogeblubber muss man nicht ertragen

Beitragvon Lulabee » Donnerstag 17. Juli 2008, 12:33

Ich erwähne Psycho nicht wenn ich mit anderen rede.
Warum sollte ich auch? Ich habe keine psychischen Probleme das ist amtlich,
also gibts nichts dazu zu sagen.

Wenn jemand damit anfängt, sage ich denen: Ja, ja, das hätte die Industrie gerne so.
Diskussion ob doch kommt danach eigentlich nie. Wenn doch, leg ich nach mit ein
paar Fakten die ich mir aus dem CSN Blog rausgezogen habe.
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Beitragvon Monja » Donnerstag 17. Juli 2008, 13:44

für die meisten bist du doch schon Psycho, wenn du vor
Parfüm flüchtest.So grad erlebt bei unserem Hausmeister.
Ihm und all denen, die uns so viel Leid zufügen wünsche
ich MCS mal für einen Tag. Das ist böse? Nein, gerecht !
Was werden die heulen, schreien und jammern- und uns nie
wieder diskriminieren. Gerechtigkeit komme !!!
Liebe Grüße von Monja
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Beitragvon sunday » Donnerstag 17. Juli 2008, 17:44

hallo,

bei leuten, die ich nicht näher kenne, sage ich immer nur, daß ich eine parfümallergie habe. da kann sich jeder was drunter vorstellen und da allergien heute häufig und somit "normal" sind, kam da noch nie jemand auf die idee, daß meine beschwerden "psycho" sind o. ä. (oder sie haben es sich nicht anmerken lassen *g*).

leute, die ich etwas besser kenne, kommen auch dann nicht auf die idee, daß bei mir was "psycho" ist, wenn ich ihnen sage, daß ich mcs und allergien und nahrungsmittelunverträglichkeiten usw. mit 3000 beschwerden habe, da sie wissen, daß meine psyche in ordnung ist und ich auch nicht hypochondrisch o.ä. bin.

bei ärzten hab ich früher auch ein paar mal das psycho-geblubber erlebt, bwohl ich auch da schon einige symptome hatte, die man beim besten (oder schlechtesten)willen nicht als psycho bezeichnen konnte.

also bin ich dann dazu übergegangen, bei neuen ärzten nicht mehr solche sachen wie ständige müdigkeit etc. zu erwähnen, sondern hab gesagt, daß ich wegen psych.-som. beschwerden komme und dann nur die aufgezählt, die auch bei den blödesten ärzten als nicht-psych.-som. gelten.
da haben sie mir natürlich immer gleich widersprochen und gesagt, daß meine beschwerden nicht psych.-som. sind, aber genützt hat das auch nichts.
es wurden dann zwar ein paar untersuchungen gemacht, aber was ich wirklich habe, konnten sie damit nicht herausfinden und haben dann versucht, mich dadurch abzuwimmeln, daß sie mir empfohlen haben, mal in die uniklinik zu gehen o.ä.
seit ein paar jahren geh ich garnicht mehr zum arzt, weil es eh nur zeitverschwendung ist und brauche daher auch nicht mehr zu tricksen, um blöde bemerkungen zu vermeiden.

liebe grüße
sunday
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Beitragvon Leckermäulchen » Donnerstag 17. Juli 2008, 19:39

Es fällt während dieses Procedere kein einziges Mal irgendwo die Silbe„sycho (außer im nachfolgenden amtlichen Schriftverkehr):

Denn die beim Amt wissen sehr wohl Bescheid und lassen einen genau deshalb bis zum Schluss, d. h. wenn man einige Wochen nach der „Untersuchung“ deren „Diagnose“ schwarz auf weiß in Händen hält, über ihre Ansicht bzw. Absicht im dunkeln.

Sehr „schön“ kommt das dadurch rüber, dass sie zunächst
· Alle beweisenden umweltärztlichen sowie homöopathisch erhobenen Befunde anfordern
· Deren Erhalt dankend und „wohlwollend“ bestätigen (wobei sie sie allerdings kpl. ignorieren, was sie einem natürlich nicht mitteilen)
· Einem dann zum Wochenende – wenn man nichts mehr machen kann – schriftlich einen Termin zu Beginn der folgenden Woche beim Neurologen aufzwingen unter Androhung von Entzug bzw. Quasientzug der Existenzgrundlage bei Nichtbefolgung (Hartz 4).
· Der Neurologe stellt dann solch einem Mittfünfziger im wesentlichen während des vielleicht 20 min. dauernden Gesprächs Fragen nach Kindergartenerfahrungen, wobei er nach jedem zweiten oder dritten Satz, insgesamt so ca. sechs ... sieben Male, die Frage zwischenschiebt: „Und wie geht es Ihnen JETZT?“, die man konsequent mit „gut“ beantwortet. Er macht dann noch ca. eine Viertelstunde körperliche Koordinationstests ähnlich den Schulreifetests für Fünf- bis Sechsjährige, was auch völlig störungsfrei abläuft.
· Er gibt einem durch nichts zu erkennen, dass er dabei jetzt eine „Krankheit“ im Sinne der Agentur für Arbeit aufgespürt hat und lässt einen nach Hause gehen.
· Nachdem dann die „untersuchende“ Ärztin der AfA das Gutachten des Neurologen – nach Aktenlage (NATÜRLICH!!!) – unterzeichnet hat, was man dann schließlich in Händen hält, heißt es darauf schwarz auf weiß, dass man an einer Somatisierungsstörung leidet, aber kein psychosomatisches Krankheitsverständnis vorliegt, sodass therapeutische Ansätze kaum gegeben sind.

Mit anderen Worten: Sie haben in hinterhältigster Weise bewusst eine an den Haaren herbeigezogene „Diagnose“ gestellt. Warum das Wort „untersuchende“ Ärztin in Gänsefüßchen steht: diese Ärztin hatte mit besagtem Patienten weit mehr als zwei Jahre zuvor nur ein sehr knappes Gespräch geführt, in dem sie um weitere Informationen bat, wenn diese vorliegen. Der Patient hatte zu dem Zeitpunkt gerade die Telefonnummer eines Umweltmediziners erhalten und wollte diesen anrufen, um einen Termin auszumachen.

Auf schriftlichen Widerspruch des Patienten hin kam es dann vom Amt schriftlich zurück, er sei persönlich und ausführlich von dieser Ärztin begutachtet worden (*lach*) und diese Zweitmeinung nach über zwei Jahren des Neurologen stimmt mit der Erstbegutachtung überein.

Fazit:
Wer zu solchen Methoden greifen muss, zieht sich den Schuh, den er anderen unbedingt anziehen will, damit m. E. selber an.
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Beitragvon Annamaria » Donnerstag 17. Juli 2008, 21:37

Irrsinn!
Muss man sich das wirklich bieten lassen, mit allen Konsequenzen?
Wir leben doch in einer Demokratie, oder nicht, liebe Politiker?
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Psychogeblubber beenden

Beitragvon Gatano » Sonntag 20. Juli 2008, 23:05

Wir sollten eine handfeste und knallharte Kampagne dagegen starten.
Die Zeit ist oberreif.
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Beitragvon Eddy » Mittwoch 6. August 2008, 10:03

Was schlägst Du vor Gatano?
Ich bin auf alle Fälle dabei,

Gruss Eddy
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Beitragvon Monja » Mittwoch 6. August 2008, 10:43

Bei 80 Prozent meiner Gutachter kann ich behaupten,
der "Psycho" saß auf der anderen Seite des Tisches!!!
Komplett unwissend, an Selbstüberschätzung leidend,
Profilierungssucht gepaart mit Inkompetenz bezüglich
MCS- und der Prozentsatz der Menschlichkeit lag weit
unter der Raumtemperatur, nämlich bei Null. Der neuste
Trend bei ihnen war dann, die mitgebrachten eindeutigen
MCS- Diagnosen einfach nicht mehr zu lesen, selbst wenn
ich sie ihnen immer wieder rüberschob. Sie wollten MCS
doch lieber beurteilen, in dem man in Hemdchen und Höschen
vor ihnen mehrmals auf und ab ging und derlei Nonsens.
Wenn ich vorsichtig etwas dazu sagte, standen in den Gut-
achten dann so nette Sachen wie: Patientin kam mit vorge-
fasster Meinung oder Patientin kleidet sich nicht alters-
gemäß. Wer ist hier Psycho? Noch Fragen?
LG Monja
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Beitragvon Marina » Mittwoch 6. August 2008, 19:36

Wie bitte? Patientin kleidet sich nicht altersgemäß? Ja ist denn das zu fassen? Also solange Du nicht die Socken mit der Mütze verwechselst, geht den das doch einen Sch... an, wie Du Dich kleidest. Eine Frechheit!!!!

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Beitragvon Lawya » Donnerstag 7. August 2008, 12:23

Ich möchte an der Stelle noch einmal darauf hinweisen, dass die Gutachten über die DRV & Co. meistens mangelhaft sind. Konzentrations- und Merkfähigkeitstests werden ebensowenig gemacht wie der IQ des Betroffenen in das Verhältnis zu den Tests gesetzt. Es müsste daher
ADD 1 eine Liste erstellt werden, welche medizinischen Hammerfragen jeder Laie an den neurologischen psychologischen Gutachter stellen kann ggf. vor Gericht
ADD 2 verlangt werden, dass die Tests den Mindestinhalt
MWT-B Mehrfachwahl-Wortschatz- Intelligenztest
KAI Kurztest für allgemeine Basisgrößen der Informationsverarbeitung
ZVT Zahlenverbindungstest
Benton Test zur Überprüfung einer erworbenen cerebralen Schädigung
d2-test Aufmerksamkeits-Belastungs-Test
+
B-L/B-L' Beschwerdenliste

verlangen

(Ist ne Kopie aus nem anderen Thread)
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Beitragvon Annamaria » Samstag 16. August 2008, 09:49

Wollen hätten sie sich ja schon getraut, aber so richtig hat es gar nicht geklappt:


" Hintergrund: Umweltmedizinische Patienten geben häufig an, unter Konzentrations- und Gedächtnisstörungen zu leiden, ohne dass eine organische Ursache hierfür gefunden werden kann. Diese Beschwerden sind auch charakteristisch für Patienten mit einer Depression. Somit könnte eine unerkannte depressive Störung eine Erklärung für die Beschwerden der umweltmedizinischen Patienten sein.
Ziel der vorliegenden Arbeit war es, die von umweltmedizinischen Patienten angegebenen Hirnleistungsstörungen zu objektivieren und festzustellen, welche Ähnlichkeiten zu Patienten mit nachgewiesener Depression bestehen. ...

Schlussfolgerung: Weniger als 10% der umweltmedizinischen Patienten erfüllten die Kriterien einer Depression.
In beiden Kollektiven konnten keine Konzentrationsstörungen oder ein Mangel an kognitiven Fähigkeiten nachgewiesen werden. Es zeigte sich jedoch ein tendenziell besseres Abschneiden der umweltmedizinischen Patienten."

(Oder hatten wir von diesem Psychogeblubber schon irgendwo geschrieben?)
Aus: http://www.ecomed-medizin.de/sj/ufp/Abstract/ArtikelId/10642
Vergleich von Konzentrations- und Leistungsstörungen bei umweltmedizinischen Patienten und Patienten mit depressiver Beschwerdesymptomatik
Julia Wagner; Christina Reutelsterz; Anja zur Nieden; Bernd Gallhofer; Harald Gruppe; Uwe Gieler; Thomas Eikmann; Caroline Herr

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Beitragvon Lulabee » Montag 1. September 2008, 09:25

Was mich aufregt, nicht deprimiert, ist, dass diese "Experten" ein gutes Salär bekommen dafür.
Wir stehen weiter mit Schmerzen und ohne Hilfe da und werden wegen deren Veröffentlichungen als
Psychowracks abgestempelt. Das macht mich aggressiv, nicht depressiv.
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Beitragvon Kobold » Donnerstag 4. September 2008, 13:14

Dem kann ich mich nur anschließen. Die Apotheken Umschau zum Thema Umwelt in der Juli-Ausgabe und das anschließende Forum, haben in die gleiche Kerbe geschlagen. Das regt mich ebenfalls auf, das ging dort eindeutig alles in Richtung Verharmlosung der Problematik und wir und der Rest der Republik hat das Nachsehen - Neuerkrankungen werden gewissenlos in Kauf genommen.

Und wir können sehen wie wir zurechtkommen. Da packt mich die Wut!
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Beitragvon Alex » Donnerstag 4. September 2008, 21:08

Wißt Ihr was mich nervt?
Der Spruch über den "Leidensdruck" bei MCS Kranken. Wenn ich den Sprüch höre, platzt mir
der Kragen, alle Alarmglocken schrillen auf Hochton und ich muss meine Wut
in Zaum halten. Dieser Spruch der MCS-Gegner ist so hinterhältig wie nur was.
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Beitragvon Annamaria » Donnerstag 4. September 2008, 21:37

Lieber Alex,

ich gebe dir völlig Recht. Mit geht es genau so.
Da sollte man antworten können: "Ja, drum tut endlich was dagegen."

(An zweiter Stelle meiner Lieblingssprüche steht dann:
"Das haben hauptsächlich Frauen. Deshalb ist es psychisch bedingt."
Das "gefällt" mir auch irgendwie.)

Liebe Grüße
Annamaria
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Beitragvon Annamaria » Donnerstag 4. September 2008, 21:47

Hab ganz vergessen, eine der Quellen meines zweit liebsten Spruches anzugeben:
Toxikologie München Rechts der Isar
Annamaria
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Beitragvon Distelfink » Freitag 27. Februar 2009, 09:36

Das Psychogeblubber ist kontraproduktiv und es kostet Riesensummen.

Oder denkt Ihr "Verhaltenstherapie sowie Psychodynamik" helfen bei MCS einen Millimeter weiter?


ZDF: Alles macht krank
Multiple Chemikalien Sensibilität ist nicht heilbar

Die multiple Chemikaliensensibilität, kurz MCS, ist eine Erkrankung, bei der das Immunsystem auf Spuren von Chemikalien und Umweltschadstoffen mit vielfältigen Symptomen reagiert. MCS ist bisher nur in wenigen Ländern als eigenständiges Krankheitsbild anerkannt. In Deutschland wird MCS unter "sonstigen Überempfindlichkeiten" eingeordnet. Experten und Betroffene kämpfen seit Jahren für mehr Forschung und Anerkennung der Komplexität dieses Krankheitsbildes und dem entsprechenden Therapiebedarf.

...Kombinationen, die helfen
MCS ist nicht heilbar. Sie kann aber, wenn sie frühzeitig erkannt und behandelt wird, mit verschiedenen Strategien so therapiert werden, dass der Betroffene in seinem Alltagsleben nicht völlig eingeschränkt ist. Als besonders vielversprechend gelten jene Therapieformen, die unterschiedliche Ansätze miteinander kombinieren. Dazu gehören Umweltmedizin, Allgemeinmedizin, Neurologie, Ernährungs- und Verhaltenstherapie sowie Psychodynamik.

http://www.vollekanne.zdf.de/ZDFde/inhalt/22/0,1872,7512534,00.html
Distelfink
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Wieviel Psychogeblubber muss man ertragen?

Beitragvon Maria » Freitag 27. Februar 2009, 10:44

Ich würde gerne einmal jemanden kennen lernen, bei dem die hier angesprochenen Therapien geholfen haben, denn ich habe bisher noch nicht davon gehört, dass die angeführten Therapien Erfolge verzeichnen können. Höchstens Ernährungstherapie, dahingehend, dass man sich von nun an biologisch ernährt, allerdings wäre das keine Ernährungstherapie sondern eine reine Ernährungsumstellung.

Interessant ist auch der Satz: "...Keine Hypochonder

Bisher gibt es keine festgelegten Diagnosekriterien. Aufgrund dessen und auch aufgrund der vielfältigen und heftigen, oftmals unerklärlich scheinenden Symptome gelten MCS-Patienten häufig als Hypochonder, also als eingebildete Kranke. Erfahrene Umweltmediziner haben Anamnesebögen zum Lebens- und Arbeitsumfeld..."

Die Verantwortlichen des Beitrags "Volle Kanne" mögen doch einmal hier genauer lesen:

http://www.csn-deutschland.de/blog/2008/05/14/diagnostik-von-chemikalien-sensitivitaet-mcs-in-der-praxis/

http://www.csn-deutschland.de/blog/2008/01/31/wissenschaftlicher-sachstand-zu-multiple-chemical-sensitivity-mcs/
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Beitragvon Monja » Freitag 27. Februar 2009, 10:47

Meine Nachbarin erzählte mir vorgestern, dass jetzt
"Spielsucht" als Krankheit anerkannt ist.
Und MCS nicht???
Die einzigen, die ne Therapie brauchen, sind offenbar
die, die solche Entscheidungen treffen,
Herzlichst Monja
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Beitragvon Galaxie » Freitag 27. Februar 2009, 15:37

Spielsucht ist schon länger, wie alle anderen Süchte anerkannt Monja; bedenke doch in Riddorf/Bredstedt wurde doch fast die gesamte Umweltabt. den Spielsüchtigen zugeteilt. - es lässt sich mit denen leichter und schneller Geld machen. - Da diene Nachbarin wohl ständig beim Klappskally sitzt und Mega Pharmaka schluckt, darf man sich über solche Ausagen nicht wundern (falls es die Parkinson-Erkrankte war). - Oft sind Psychiater wie Dealer. - Marc Rufer ein Antipsychatrischer Psychiater aus CH hat unter anderem Das Buch Glückspillen Ecstasy,Prozac und das Comeback Der Phsychopharmaka Knaur Vgl. ISBN 3-426-77178-0, - hat 1995 DM 12,90 gekostet und gibt es bestimmt noch.

Er hat viel darüber geschrieben:

Desingerdrogen sind "in". ob Aufputschmittel, Tranquilizer od. rosarote Pillen - für jeden ist etwas dabei. Eine ganze Gesellschaft ist auf der Jagd nach dem syntetischen Glück. Ecstay verspricht den totalen Partyrausch, Rede Bull gibt den Energiestoß für den Tag. Valium ist die klassische Nervennahrung, und frisch aus Amerika kommt Prozac, das verheißungsvolle Mittel bei leichten Depressionen. - Dann kommt und geht es ans eingemachte d. Pharmaka

so weit das Glücksversprechen der chemischen Wunderdrogen. Zu Risiken und Nebenwirkungenlesen Sie dieses Buch.

Marc Rufer war Assistenarzt i.d. staatlichen Psychiatrischen Anstalt in Königsfelden; heute lebt er als Arzt und Psychotherapeut in Zürich. Er hat sich ein Namen als Kritiker pharmakologischer Behandlungskonzepte gemacht; ... Autor mehrerer psychiatriekritischer Bücher.

Grüsse v. Galaxie!
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Beitragvon Galaxie » Freitag 27. Februar 2009, 20:32

Ach so, Marc Rufer war in der staatlichen Psychiatrischen Anstalt Königsfelden Chefarzt; habe da noch mal über das Internet nachgeschaut.

Grüsse v. Galaxie!
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Beitragvon Galaxie » Freitag 27. Februar 2009, 20:55

Der Gegenseite empfehle ich immer Das Buch der chemische Knebel, Autor und geschädigter Peter Lehmann, Antipsychiatrievgl. Über Bücher kann man sehr viel bei Google finden, was Antipsychiatrisierung betrifft.

Von nichts kommt nichts! - Galaxie!
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Beitragvon Yol » Freitag 27. Februar 2009, 22:24

Was ich so alles als ehrenamtliches Element in der Psychiatrie erlebt habe, das lässt keinen Zweifel daran, wer denn nun in diesen Häusern die wirklich "Verrückten" sind. Mit Sicherheit nicht die, die diesen "Label" tragen. Es ist tlw erheiternd mitzuerleben, wie sich Menschen, denen man nahezu alle Rechte und Freiheiten beschnitten hat, auf ihre unnachahmliche Weise am System rächen. Daraus liesse sich auch ein Buch schreiben. Je doofer, autoritärer, arroganter, unflexibler manche Ärzte sich benehmen, je schlauer reagieren die sogenannten Patienten (es sind auch wirklich sehr schlimm psychisch Kranke da) auf eine nicht als human und respektvoll anzusehende Behandlung.

Noch etwas, das ich schon mal geschrieben hatte: es gibt auch INTERNIERTE Psychiater - das entspricht teils der Realität, teils ist es sinnbildlich zu verstehen, denn die meisten verharren zu lange an einem Platz mit immer den gleichen Ritualen. Es gibt in der Psychiatrie zuwenig Rotation in der Ärzteetage, das erzeugt eine Statik der mit keiner vernünftigen Logik mehr beizukommen ist, ab einem gewissen Stadium.
Auch ist mir aufgefallen, dass sich viele Psychiater erschiessen. Warum das denn? Es muss wirklich schlimm sein, einen Beruf auszuüben, wo es keine Resultate gibt. Nicht weil keine möglich wären, aber es scheint in der Psychiatrie der bequemere (und einträglichere) Weg zu sein, die Patienten einfach auf Zeit zu "lagern", dann weiss man was man zu tun hat.
Und die Pharmaindustrie auch. Das nennt man vorrausschauend planen.

Und nun sind wir mit MCS auch fest in dieses "Planing" einbezogen, es sei denn wir würden den nicht vertrauenswürdigen Elementen, die an diesem Planing beteiligt sind, die für uns bestimmte Zwangsjacke überstülpen...
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Beitragvon Clarissa » Samstag 28. Februar 2009, 03:33

Aus meiner 10 jährigen berufspraxis kann ich sagen, dass das personal häufig selber "macken" bekommt wenn sie zulange da sind. Nach ca. 3-4 Jahren konnte ich das bei etlichen mitarbeitern solcher Häuser feststellen. Ich muss sagen, dass mich das überrrascht hat, aber irgendwie färbt die umgebung dieser orte auf die leute ab.
Und allen Leugnern zum Trotz, im DIMDI
ICD-10-GM Version 2018 - Stand Oktober 2017 ist MCS immer noch im Thesaurus unter
T 78.4 zu finden und wirklich nur dort und an keiner anderen Stelle!
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Wieviel Psychogeblubber muss man ertragen?

Beitragvon Annamaria » Dienstag 10. März 2009, 02:13

Das Psychogeplapper.

In einem Blog-Text "Warum glauben die Leute nicht, dass MCS existiert?" fand ich gestern
einen Satz, der mich erheiterte:

"Blaming someone else’s imagination for your own lack of understanding seems to be normal."
In etwa übersetzt: "Die Vorstellungsgabe eines anderen (d.h. des Erkrankten) verantwortlich zu machen für den eigenen Mangel an Verstehen scheint normal zu sein."

http://www.wildish.eu/
"Why don’t people believe MCS exists?"
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Beitragvon Annamaria » Mittwoch 25. März 2009, 09:33

Psychogeblubber mit tödlicher Folge bei ME:

ME - Doctors disbelief kills young woman

http://www.youtube.com/watch?v=0Y_T5ylWUv4&NR=1
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Wieviel Psychogeblubber muss man ertragen?

Beitragvon Lady in Black » Mittwoch 20. Mai 2009, 19:42

Psychogeblubber ist out, wir müssen MCS auf eine Weise kommunizieren,
dass keiner mehr welches hochfahren kann. Wissenschaftsbasiert und mit
knallhartem Nachdruck.

Die Zeit ist reif für ein : Yes we can.
Lady in Black
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Wieviel Psychogeblubber muss man ertragen?

Beitragvon mirijam » Mittwoch 23. November 2011, 13:47

Lady in Black hat recht.

Dieser Artikel aus dem CSN-Blog ist diesbezüglich bestens geeignet:


Die Psychiatrisierung von MCS-Kranken stellt in Deutschland den Tatbestand der Diskriminierung körperlich Behinderter dar

Menschen, die an Multiple Chemical Sensitivity (MCS) erkrankt sind, werden mit Faktoren konfrontiert, die bei kaum einer anderen Krankheit in vergleichbarem Maße in Erscheinung treten:

MCS Erkrankte leiden unter:

den Schmerzen durch ihre Krankheit
der Isolation, erzwungen durch ihre Reaktionen auf minimale Konzentrationen von Alltagschemikalien
mangelnder adäquater medizinischer Versorgung
dem Verlust von Beruf, Freunden, Vermögen,…
der Einbuße ihrer Freiheit und ihrer Lebensqualität
der Diskriminierung, der sie von vielen Seiten ausgesetzt sind
Der Faktor, den Chemikaliensensible als den Punkt anführen, unter dem sie am Allermeisten leiden, ist die Diskriminierung, der sie oft in unserer Gesellschaft und durch Behörden ausgesetzt sind.

MCS ist als körperliche Krankheit einklassifiziert
MCS ist im für Deutschland gültigen WHO Register der Krankheiten, dem ICD-10 GM, als körperliche Krankheit einklassifiziert. MCS trägt dort den Diagnoseschlüssel T.78.4 und ist dem Kapitel 19 unter “Verletzungen, Vergiftungen” zugeordnet. In Deutschland sind Ärzte und Dokumentare in Krankenhäusern nach dem Sozialgesetzbuch V dieser rechtsverbindlichen Klassifizierung verpflichtet. (1,2,3)

MCS ist eine körperliche Behinderung, aber…
Multiple Chemical Sensitivity (MCS) ist in Deutschland seit 2005 als körperliche Behinderung anerkannt (Ziffer 26.18, Register Einschränkung des Bewegungsapparates). Der Behindertenstatus wird auf Antrag im Einzelfall zugebilligt. Behinderte dürfen laut geltendem Recht nicht diskriminiert werden und stehen unter besonderem Schutz. Chemikaliensensible spüren jedoch wenig von der Sicherheit, die ihnen von Rechts wegen gewährt wird, im Gegenteil. Sie werden aufgrund von (teils bewusster) Desinformation als psychisch Kranke abgestempelt, obwohl der internationale wissenschaftliche Sachstand klar darlegt, dass es sich um eine körperliche Krankheit handelt. Ein Kriterium dafür sind die Anhaltspunkte für die ärztliche Gutachtertätigkeit im sozialen Entschädigungsrecht und nach dem Schwerbehindertenrecht (AHP), wie man nachfolgend erkennen kann:

In Deutschland wurde MCS im Jahr 2004 erstmals als Behinderung eingegliedert, jedoch hatte man Chemikalien-Sensitivität (MCS) und Chronische Erschöpfung (CFS) sehr zum Leidwesen der Erkrankten und deren Ärzte in den Leitlinien unter Ziffer 26.3 “Neurosen, Persönlichkeitsstörungen, psychische Traumen” gelistet. Die Erkrankten und ihre Ärzte empfanden diese Einstufung zu Recht als Diskriminierung, was zu einer Neueingliederung im Jahr 2005 führte. (4) Seitdem werden MCS und CFS unter Ziffer 26.18 “Haltungs- und Bewegungsapparat, rheumatische Erkrankungen” geführt. Zwar kann seither beim Vorliegen einer besonders schweren MCS ein GdB von mehr als 50 zuerkannt werden, aber in den Leitlinien befindet sich noch immer ein Punkt der Diskriminierung. MCS ist zwar körperlichen Einschränkungen zugeordnet, jedoch steht in der AHP Fassung 2008 zu lesen:

“Die Fibromyalgie und ähnliche Somatisierungssyndrome (z.B. CFS/MCS) sind jeweils im Einzelfall entsprechend der funktionellen Auswirkungen analog zu beurteilen.”

Diese Bewertung “ähnliche Somatisierungssyndrome” verwundert, denn bereits 1998 hatte der ärztliche Sachverständigen Rat, Sektion Versorgungsmedizin, Bundesministerium für Arbeit und Soziales, folgende Aussage getätigt:

“Gemäß Beschluss sind so genannte Umweltkrankheiten, wie das “MCS-Syndrom”, die mit vegetativen Symptomen, gestörter Schmerzverarbeitung, Leistungseinbussen und Körperfunktionsstörungen, etc. einhergehen, grundsätzlich als Behinderung nach dem Schwerbehindertenrecht SGB IX anerkannt. Es wird darauf hingewiesen, dass psychische oder psychiatrische Krankheiten nicht mit dieser Einstufung verbunden sind.” (5)

MCS Patienten-Initiative reklamiert Diskriminierung Behinderter
Die MCS Patienten-Initiative gegen Diskriminierung trat in Aktion und schrieb das zuständige Bundesministerium für Arbeit und Soziales an und erwirkte, dass der derzeitige Passus, in dem die Erkrankung MCS unangebrachter Weise als Somatisierungsstörung bezeichnet wurde, nun endgültig von diskriminierenden Bezeichnungen befreit und geändert wird: (6)


Abschrift des Briefes vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Bundesministerium
für Arbeit und Soziales

MCS Patienten-Initiative
gegen Diskriminierung

Bonn, 21.November 2008

Feststellung nach dem Schwerbehindertenrecht

Sehr geehrte Frau xxx

Wie im Schreiben des Parlamentarischen Staatssekretärs Herr Thönnes angekündigt, erfolgt nun die Antwort auf Ihr Schreiben vom 29.09.2008, nachdem der Sachverständigenbeirat Versorg-ungsmedizin getagt hat.

Die Sachverständigen haben empfohlen, den Satz
“Die Fibromyalgie und ähnliche Somatisierungssyndrome (z.B. CFS/MCS) sind jeweils im Einzelfall entsprechen der funktionellen Auswirkungen analog zu beurteilen.”
durch
“Die Fibromyalgie, Chronisches Fatigue Syndrom (CFS), Multiple Chemical Sensitivity (MCS) und ähnliche Syndrome sind jeweils entsprechen der funktionellen Auswirkungen analog zu beurteilen.”
zu ersetzen.

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag
Dr. Christa Rieck
Bundesministerium
für Arbeit und Soziales

Diskriminierung in Gutachterleitlinien beendet
In den Anhaltspunkten für die ärztliche Gutachtertätigkeit im sozialen Entschädigungsrecht und nach dem Schwerbehindertenrecht (AHP) für das kommende Jahr 2009 wird, wie im Schreiben des Bundesministeriums angekündigt, der betreffende Passus, der die Krankheit MCS als “Somatisierungsstörung” bezeichnete, abgeändert.

Bedeutung für Chemikaliensensible
Den AHP kommt zwar keine Rechtsnormqualität zu, sie sind aber auch nicht nur als unverbindliche Richtlinien für medizinische Sachverständige zur Bewertung von Sachverhalten aufzufassen. Vielmehr handelt es sich bei den AHP nach der ständigen Rechtsprechung des Bundessozialgerichts (BSG), die vom Bundesverfassungsgericht bestätigt wurde, um ein antizipiertes Sachverständigengutachten, das den aktuellen Wissens- und Erkenntnisstand der herrschenden medizinischen Lehrmeinung, d.h. der so genannten Schulmedizin, wiedergibt. Als einleuchtendes, abgewogenes und in sich geschlossenes Beurteilungsgefüge ermöglichen die AHP der Verwaltung und den Gerichten unter Wahrung des allgemeinen Gleichheitssatzes den zutreffenden MdE-Grad bzw. nunmehr GdS für eine Schädigungsfolge oder den GdB für eine Teilhabebeeinträchtigung zu bestimmen. (7)

Fazit für Chemikaliensensible
Durch die Eingliederung von MCS als körperliche Krankheit, der neuen Formulierung in den AHP und der Einklassifizierung von MCS als körperliche Krankheit im ICD-10 haben Chemikaliensensible endlich alles in der Hand, um ihre Krankheit auf Antrag als körperliche Behinderung anerkannt zu bekommen.

Wie aus den oben aufgeführten Tatsachen eindeutig ersichtlich, ist also die Klassifizierung von MCS als eine körperliche und nicht psychische Erkrankung in Deutschland allgemein rechtsverbindlich.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 24.12.2008
Literatur:
DIMDI Schreiben an CSN, MCS ICD-10, 04.09.2008
DIMDI Schreiben, 04.09.2008
Bundesministerium für Gesundheit, Anwendung der ICD-10 in der vertragsärztlichen Versorgung nach § 295 des Fünften Buches Sozialgesetzbuch, 18.12.1995
BMGS Berlin, MCS Ziffer 26.18, Anhaltspunkte für die ärztliche Gutachtertätigkeit, Anhaltspunkte 2005
Ärztlicher Sachverständigen Rat, Sektion Versorgungsmedizin, Bundesministerium für Arbeit, TOP 1.9, Nov. 1998.
Dr. Christa Rieck, Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Schreiben “Feststellung nach dem Schwerbehindertenrecht” vom 21.11.2008
Anhaltspunkte 2008, Rechtsnatur der Anhaltspunkte, Schillings/Wendler 08/2008

Interessante Artikel zum Thema:

MCS – Multiple Chemical Sensitivity – WHO ICD 10 T78.4
Wissenschaftlicher Sachstand zu Multiple Chemical Sensitivity (MCS)
Umweltkranke: Jetzt glauben sie mir endlich!
Umgang mit Umweltkranken: ein Fall für die Menschenrechtskommission

http://www.csn-deutschland.de/blog/2008/12/24/die-psychiatrisierung-von-mcs-kranken-stellt-in-deutschland-den-tatbestand-der-diskriminierung-koerperlich-behinderter-dar/
mirijam
 

Wieviel Psychogeblubber muss man ertragen?

Beitragvon Osmanthus » Montag 26. März 2012, 11:27

Durch die neuen Leitlinien und den Kurswechsel der Umweltmediziner werden Diskiminierungen von Umweltkranken zunehmen.
Hilfe durch Behörden zu erhalten wird schwieriger werden oder hinfällig.
Osmanthus
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Wieviel Psychogeblubber muss man ertragen?

Beitragvon Clarissa » Montag 26. März 2012, 12:27

Solange wie im ICD10, ICD11 und folgenden MCS nur unter der Ziffer T78.4 gelistet ist, werde ich gegen jeden dieser Kurpfuscher mittels Rechtsanwalt vorgehen. So nicht und nicht mit mir! Man hat mir meine Gesundheit, meine Würde, mein Leben, mein Geld genommen, was will man mir noch nehmen? Die Freiheit? Die habe ich als MCS Kranke schon lange verloren!
Und allen Leugnern zum Trotz, im DIMDI
ICD-10-GM Version 2018 - Stand Oktober 2017 ist MCS immer noch im Thesaurus unter
T 78.4 zu finden und wirklich nur dort und an keiner anderen Stelle!
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