Wie hilft man einem jungen Mädchen???

Wie hilft man einem jungen Mädchen???

Beitragvon Sonnenstrahl » Montag 11. Juni 2012, 11:07

Meine Nachbarin ist völlig verzweifelt. Ihre 14 jährige Tochter klinkt gerade aus.
Die Mutter hat einen kleine Blumenladen und das Mädchen nimmt sich ständig diese langen Preisstangen aus Kunststoff die zu den Blumen gesteckt werden und kaut nahezu Tag und Nacht darauf herum. Sie wird dann nach einer weile ganz bösartig und sie können ihr nicht Herr werden. Liebe Worte helfen nicht, Androhung von Strafe auch nicht.
Die Mutter hat Angst, dass das Mädchen durch die Kunststoffchemikalien krank wird.

Das Mädchen war auf dem Gymnasium dort scheiterte sie allerdings und ist jetzt auf der Hauptschule.
Wahrscheinlich realisiert sie jetzt was dieser Absturz bedeutet und ist unglücklich.
Die Mutter wollte mit ihr zum Psychologen. Sie meinte: "Mach doch, der werde ich was erzählen..."

Was kann die Mutter tun?
Sie weiß nicht mehr weiter.
Habt Ihr dipomatische Tipps?
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Beitragvon Clarissa » Montag 11. Juni 2012, 11:33

Sorry da muss ein Profi ran, das ist nichts mehr für Amateure!
Und allen Leugnern zum Trotz, im DIMDI
ICD-10-GM Version 2018 - Stand Oktober 2017 ist MCS immer noch im Thesaurus unter
T 78.4 zu finden und wirklich nur dort und an keiner anderen Stelle!
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Beitragvon Pennylane » Montag 11. Juni 2012, 16:13

Das Mädchen ist tief unglücklich. Meine Interpretation.
Kann die Mutter mit ihr in Urlaub fahren?
Ein Erlebnisurlaub wo sie völlig neue Impulse bekommt.
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Beitragvon mirijam » Montag 11. Juni 2012, 21:06

Ob das mit dem Kauen vielleicht ein Suchtverhalten ist? Auf jeden Fall sollte die Mutter versuchen, mit ihrer Tochter in aller Ruhe zu reden. Sie sollte sich aber Zeit nehmen und nicht quasi zwischen Tür und Angel. Am besten an einem angenehmen, gemütlichen, ruhigen Ort. Sie sollte dabei völlig neutral und verständnisvoll sein und versuchen, herauszufinden, warum ihre Tochter sich so verhält. Und Geduld braucht man in solchen Fällen im Übermaß, denn junge Leute, die noch in der Entwicklung sind, können manchmal solche extremen Phasen haben.

Man sollte auch versuchen, herauszufinden, wann dieses seltsame Verhalten anfing. Nicht nur in Bezug auf auslösende Erlebnisse, sondern auch und insbesondere in Bezug auf auslösende Stoffe (Antibiotika und andere medikamentöse Behandlungen, Impfungen, Zahnarztbehandlungen, Renovierungen zu Hause (insbesondere das Zimmer des Mädchens). Keine Zusatzstoffe in der Nahrung: alle Süßstoffe, Geschmacksverstärker Glutamat und dergleichen, Farbstoffe, bestimmte Kosmetika, Deo und Parfüm strikt meiden.

Erstens weil es ungesund ist, zweitens, um eventuelle chemische Auslöser dieses Verhaltens finden zu können. Man muss dabei wie ein Detektiv vorgehen.

Versuchen, herauszufinden, ob eventuell Missbrauch von irgendwelchen Drogen oder Lösungsmitteln in Haarspray und sonstiges im Spiel ist.

Man darf dem Mädchen keine Vorwürfe machen, denn sie hat bestimmt keine Schuld und braucht Hilfe. Vielleicht kann die Mutter zuerst mit einem Psychologen sprechen, ohne dass die Tochter davon weiß, und ihn fragen, wie man taktvoll das Mädchen dazu bringen kann, freiwillig zum Psychologen zu gehen. Bitte auf keinen Fall zum Psychiater und auf keinen Fall Psychopharmaka. Das wäre total falsch.

Ich wünsche der Mutter viel Glück und Kraft.

LG, Mirijam

- Editiert von mirijam am 11.06.2012, 22:37 -
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Beitragvon mirijam » Montag 11. Juni 2012, 21:31

Zitat

"Das Mädchen war auf dem Gymnasium dort scheiterte sie allerdings und ist jetzt auf der Hauptschule. Wahrscheinlich realisiert sie jetzt was dieser Absturz bedeutet und ist unglücklich."

(siehe ersten Post ganz oben)


Man kann dem Mädchen Mut machen, dass es nicht zu spät ist, und dass man trotz Hauptschule später auch einen anderen, einen besseren Abschluss machen kann. Man muss herausfinden, wo das eigentliche Problem liegt. Sich und das Kind unter Druck setzen bringt gar nichts.

Man sollte dem Kind an erster Stelle zeigen, dass man es lieb hat und für sie da ist, und dass man daran glaubt, dass das Kind ein wertvoller Mensch ist, der seinen Weg machen wird.
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Beitragvon Juliane » Dienstag 12. Juni 2012, 00:38

Wenn sich das Ganze schon zu einem Machtkampf entwickelt hat, wäre es das Beste, die Mutter ignoriert das Verhalten der Tochter. Manchmal hilft schon so eine einfache Maßnahme. Wenn das Kauen nicht mehr im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht, wird es für die Tochter möglicherweise auch uninteressant.

Um herauszufinden ob die Tochter unter dem Schulwechsel leidet, müsste man natürlich mal Fachpersonal einschalten. Normalerweise kann man einen Termin beim Staatlichen Schulamt vereinbaren. Dort gibt es Psychologen, deren Job das wäre. Das macht natürlich keinen Sinn, wenn nicht alle Beteiligten freiwillig einen Termin wollen.

Auf jeden Fall sollten die Eltern den Schulwechsel nicht dramatisieren. Man kann auch mit einem Hauptschulabschluss noch über Berufsfachschulen und berufliche Gymnasien zu einem guten Bildungsweg kommen. Das ist für viele Jugendliche ein guter Weg. Mit "fortschreitendem Alter" entwickelt man oft mehr Eigenmotivation.
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Beitragvon Beobachter » Dienstag 12. Juni 2012, 04:53

Mutter und Tochter sollten freiwillig eine Beratungsstelle aufsuchen.
Dort kann man wohl am ehesten dazu raten, welche entsprechende professionelle Hilfe geeignet wäre.

Man sollte sich hüten, Ferndiagnosen zu stellen oder konkrete Ratschläge zu erteilen, wenn man weder die beteiligten Personen, noch die Familienstruktur und die äußeren Lebensumstände genau kennt.

LG Beobachter
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Beitragvon Sonnenstrahl » Dienstag 12. Juni 2012, 07:17

Herzlichen Dank für Eure Vorschläge und Ideen.
Ich kenne das Mädchen gut und habe ihm als Baby schon die Pampers gewechselt.
Ein Psychologe ist hinzugezogen, was nichts gebracht hat.
Mein Eindruck ist dass unkonventionelle Vorgehensweisen vielversprechender sind.

@Beobachter
Es stellt hier niemand Ferndiagnosen. Die Forumjaner haben Erfahrung und konnten
in Vergangenheit oft wertvolle Hinweise geben. Deshalb habe ich hier für Hilfe
gebeten. Der klassische Weg ist Psychoklinik und Psychopharmaka. Das wollen wir vermeiden,
weil dann das Leben gelaufen ist für diesen jungen Menschen.
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Beitragvon Kira » Dienstag 12. Juni 2012, 07:44

da tun sich mir z.B. noch viele Fragen auf:
- Alleinerziehend? .... Verlust Vater wann und besteht Kontakt zu ihm?..... wieviel Zeit bleibt für die Tochter? ....evtl. falsche Erwartungshaltung von Mutter u. Tochter gegenseitig?
- Schulwechsel?..... was steckte hinter dem Scheitern ( ausser ihrem Versagen) ..... evtl. Mobbing auch an neuer Schule .....
- welcher Freundeskreis besteht?
"Wo der Mut keine Zunge hat, bleibt die Vernunft stumm."
(Jupp Müller, deutscher Schriftsteller)

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Beitragvon Mike » Dienstag 12. Juni 2012, 07:59

"Die Mutter hat einen kleine Blumenladen" könnten da auch Pestizide eine Rolle spielen?
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Beitragvon Sileah » Dienstag 12. Juni 2012, 08:06

Ich finde auch, das ist ein Fall für einen Fachmann. Nicht jeder Arzt gibt gleich Psychopharmaka, ein Psychologe schon gar nicht, da er keine Rezepte ausstellen darf. Zudem gibt es noch verschiedene Beratungsstellen, auch ohne Rezeptblock.
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Beitragvon Sonnenstrahl » Dienstag 12. Juni 2012, 08:30

Kontakt, Anbindung des Falls zu einer Beratungsstelle und einer Psychologin besteht.

@ Kira
alleinerziehend.
Kontakt zum Vater ist da und harmonisch. Er Kommt sie oft abholen und nutzt jede Ferien um mit
ihr in Urlaub zu fahren.
Blumenladen ist im Haus (Belastung)
Zeit ist da, weil der Laden im Haus ist. Die Oma lebt auch dort und kümmert sich.
Der Schulwechsel wurde wegen "kein Bock" nötig, nicht aus mangelnder Intelligenz.
Sie ist eher unterfordert als überfordert.
Pubertät ist ein schwieriges Alter.

Ich habe das Mädchen heute zum Essen eingeladen. Sie freut sich drauf mit mir zu quatschen und dass wir etwas zusammen machen.
Mir liegt das Mädchen am Herzen.
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Beitragvon Maus 22 » Dienstag 12. Juni 2012, 13:52

oft hilft auch Sport.
Vielleicht kann man irgendwo ein Probetraining mitmachen.
Meine Tocter hat mal Kickboxen ausprobiert und ist dann zum Eishockey gekommen. Eine Sportart, wo man sich vollkommen auspauern kann. Rollhockey, Fußball, Tennis, Badminton, Leichtathletik, Volleyball, Rudern....
Frag mal, wozu sie Lust hat und probiert es einfach aus.
Aber bitte nicht zum Sport zwingen. Das bringt nix.
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Beitragvon Juliane » Dienstag 12. Juni 2012, 16:37

Also ich habe es ja oben schon mal geschrieben:

Hätte man mir diesen Fall angetragen, wäre mein Rat unbedingt die mütterliche Aufmerksamkeit von der Tochter abzuwenden. Solche Verhaltensweisen schaukeln sich gegenseitig hoch.

Wenn die Tochter aktuell keinen Bock hat, ist es besser das so zu akzeptieren.

Ich habe einige Jahre in einer Beratungsstelle gearbeitet und erfolgreich den Eltern geraten, Null Bock erst mal stehen zu lassen. Es gibt nicht nur das Gymnasium. Und mit der Zeit klärt sich manches von ganz alleine.
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Beitragvon mirijam » Dienstag 12. Juni 2012, 18:55

Hallo Sonnenstrahl,

vielleicht kannst du dem Mädchen helfen. Eine gute Freundschaft wäre sicher fördernd für sie.

Bezüglich der Frage, warum sie keine Lust hat, zu lernen, obwohl sie intellektuell in der Lage wäre: aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass bei mir damals die Gründe entweder der Lehrer oder Dozent waren oder Schadstoffe.

Beispiel: eines meiner Lieblingsfächer auf dem Gymnasium war Geschichte, ich hatte immer sehr gute Noten und immer viel Spaß am Unterricht. Dann kam eine andere Lehrerin und ich nahm auf einmal nur selten am Unterricht teil und hatte keinen Spaß mehr.

An der Uni studierte ich einige Semester Psychologie. Im Fach Statistik hatten wir einen Professor, der zwar nicht schlecht war, aber ich verstand trotzdem gar nichts und ging zwei Semester lang gar nicht zur Prüfung (Klausur). Danach kam ein neuer Dozent und auf einmal verstand ich alles, machte die Klausur und bekam eine 2. Das muss natürlich nicht bei jedem so sein, aber bei vielen spielt es vielleicht eine Rolle.

Dann brach ich das Studium ab, weil ich mich plötzlich zum ersten Mal in meinem Leben sehr müde fühlte und kaum konzentrieren konnte. Zu der Zeit hatte ich meine erste starke Schadstoff-Exposition und vermutlich dadurch eine Form von CFS. Damals ahnte ich allerdings noch nichts von diesen Dingen.

Später erholte ich mich einigermaßen und studierte Germanistik und Slavistik.

Deshalb schrieb ich oben in meinem ersten Post, dass man alle möglichen Faktoren überprüfen sollte, wenn man die Ursache finden will.

- Editiert von mirijam am 12.06.2012, 19:56 -
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Beitragvon Sonnenstrahl » Mittwoch 13. Juni 2012, 09:33

Guten Morgen,

gestern Abend war ich mit dem Mädchen essen. Es war ein voller Erfolg.
Sie war sogar extra zum Friseur so hat sie sich auf unseren Abend gefreut.
Ich berichte Euch nachher mehr. Ich bin noch völlig müde.
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Beitragvon Sonnenstrahl » Mittwoch 4. Juli 2012, 08:44

Es ist leider schlimmer geworden. Das Mädchen hat angefangen sich selbst zu verletzen.
Jetzt wird ein erfahrener Psychiater hinzugezogen.

Sehr traurig diese "Hilfeschreie" eines jungen Menschen.
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Beitragvon Molly » Sonntag 16. September 2012, 07:59

Ohne psychologische Hilfe wird es bei Selbstverletzung wohl nicht gehen.
Kenne selber eine junge Frau, die ihr Leben nicht geregelt bekommt und sich auch selber verletzt. Sie soll Borderline erkrankt sein.
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