Warnung vor FALSCH-Diagnosen

Warnung vor FALSCH-Diagnosen

Beitragvon Palau » Sonntag 29. August 2010, 20:09

Heute erhielt ich eine Info, die ich hier weitergeben möchte:

Es ist eine Mitteilung auf der Website von "abekra":

Thema: Gesundheitspolitik - WARNUNG von FALSCH- Diagnosen

http://www.abekra.de/Aktuelles/Aktuelles_Frame.htm
Palau
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Warnung vor FALSCH-Diagnosen

Beitragvon Palau » Sonntag 29. August 2010, 23:41

Um das SUCHEN auf der Website zu ersparen, anbei der gemeinte Text:

Gesundheitspolitik

Warnung vor Falschdiagnosen

Die SachbearbeiterInnen staunten nicht schlecht: Als sie die Diagnosen überprüften, stießen Mitarbeiter einer kleinen Krankenkasse mit rund 370.000 Versicherten auf 84 Fälle von HIV-Infektionen. Stutzig machte sie, dass diese Erkrankten meist älter als 70 Jahre waren und die Diagnose überwiegend von Augenärzten gestellt worden war. HIV-Neuinfektionen bei Greisen?

Weitere Nachforschungen ergaben, dass es sich um Scheinkranke handelte, die eine Software in Arztpraxen generiert hatte. Der Hintergrund ist, dass seit der Reform des Gesundheitswesens durch die Rot-Schwarze Koalition vom Gesundheitsfond den Krankenkassen der GKV für 80 Erkrankungen Zuschläge aus dem Risikostrukturausgleich zugewiesen werden. Für eine HIV-Infektion gibt es knapp 10.000,- Euro zusätzlich. Bluthochdruck bringt den Kassen 402,- Euro, Asthma 949,- Euro und Reflux-Krankheit 912,- Euro pro Diagnose zusätzlich.
Alle diese Erkrankungen unterliegen einer besonderen Kodierung. Seit Einführung dieser Regelung haben sich bundesweit diese Diagnosen aus dem Kodierungskatalog vervielfacht.

Es deckt sich auch mit den Erfahrungen von abeKra e. V., dass kaum ein Patient/eine Patientin die Praxis eines niedergelassenen Arztes oder Ärztin ohne eine dieser Diagnosen verlässt.

Besonders beliebt sind Diagnosen aus dem Bereich der "psychischen" Störungen oder Erkrankungen. Die Diagnose "leichte depressive Episode" bringt der Krankenkasse ca. 1.000,- Euro zusätzlich, die "dissoziative Störung" ca. 2.000,- Euro und eine "bipolare affektive Störung" mehr als 3.400,- Euro. 6.000,- Euro zusätzlich sind bei der Diagnose "Schizophrenie" drin.

Was sich hier abzeichnet, ist für alle Versicherten der bundesdeutschen Sozialversicherungen eine Katastrophe. Im Klartext bedeutet das, keiner ärztlichen Diagnose kann mehr vertraut werden. Schon heute reagieren die Deutsche Rentenversicherung (RV), die Arbeitsagenturen, Integrationsämter und Pflegekassen, als seien die ärztlichen Befundungen, die ihnen Versicherte bei Antragsstellungen auf Leistungen vorlegen, reine Erfindungen, denen grundsätzlich zu misstrauen sei. Den Schaden tragen die Versicherten davon. Noch ärger stellt sich diese neue Entwicklung im Bereich der Gesetzlichen Unfallversicherung dar. Scheindiagnosen werden hergenommen, um die Berufsbedingtheit von chronischen Verletzungen oder die Folgen von Arbeits- bzw. Wegeunfällen zu leugnen und die geltend gemachten Gesundheitsschäden zur Privatangelegenheit der Betroffenen zu erklären.

Chronische Gesundheitsschäden durch Nerven zerstörende Substanzen wie z. B. organische Lösungsmittel, Metall-Ionen (Blei, Mangan, Beryllium, Quecksilber) oder Infektionen wie Lyme-Borreliose (Zecken) werden unter Hinweis auf z. B. "depressive Episoden" vom Tisch gefegt und behauptet, Depressionen erzeugten ebensolche organische Hirnschäden. Damit kann Betroffenen jeglicher Schutz durch die GUV entzogen werden. Auf diesem Wege schließt sich der Kreis.

Was diese Entwicklung, wird sie nicht gestoppt, allerdings bedeutet, wenn die Elektronische Patientenkarte flächendeckend eingeführt wird, kann sich jeder selbst ausmalen. Kein Patient, keine Patientin wird in der Lage sein, zu beweisen, dass es sich in seinem Fall um eine Scheindiagnose handelt. Nur bei Infektionen bestehen Beweismöglichkeiten, wobei wir hier wiederum eine fatale Umkehr der Beweislast zu verzeichnen hätten - ganz in deutscher Tradition: Das Opfer hat zu beweisen, dass es Opfer geworden ist; die Verursacher lachen sich derweil ins Fäustchen.

Sollten Beweise erbracht werden können, wird das jedoch den Versicherten auch nichts helfen. Sie haben keine Möglichkeit, ihre Daten auf dem externen Server, der mit ihrer Elektronischen Patientenkarte verbunden ist, vollständig einzusehen und Korrekturen zu veranlassen.

Wie systematisch dieser Betrug angelegt ist, zeigt ein Schreiben der AOK Bayern an den Bayerischen Hausärzteverband, der sich jüngst direkt mit der AOK Bayern zusammen getan hat. Darin heißt es: "Als Gegenleistung für das Entgegenkommen der AOK bitten wir Sie nochmals, eine entsprechende Kodierung bei den AOK-Patienten vorzunehmen.", berichtet DER SPIEGEL in dem ausführlichen Artikel von Alexander Neubacher (DER SPIEGEL Nr. 41 vom 05.10.2009, Seite 48 bis 51) Titel "Die Krankmacher". Weiter berichtet er, die AOK habe den Ärzten sogar angeboten, "eigene Leute vorbei zu schicken, um den Ärzten bei der Kodierung von Krankheiten gleich am Praxis-Computer zu helfen". Etwa 75 Prozent aller Hausärzte in Bayern gehören dem Bayerischen Hausärzteverband an. Der Vertrag ihres Verbandes mit der AOK sichert diesen Hausärzten etwa doppelt so hohe Honorare, wie früher üblich.

Wir können Ihnen nur raten, jede ärztliche Diagnose genau zu prüfen und den Arzt schriftlich aufzufordern, sie entsprechend zu korrigieren falls diese für Sie erkennbar unzutreffend ist. Ganz wichtig aber ist, dass Sie den Musterbrief in jeder der von Ihnen aufgesuchten Arztpraxis bzw. Krankenhaus hinterlegen. Ebenso wichtig ist es, dass Sie eine schriftliche Befundung von jedem Ihrer Arztbesuche an Ihre eigene Adresse zu übersenden einfordern. Die Ärzte sind verpflichtet, solche einfache Befundungen zu erstellen. Das ist eine Leistung, deren Kosten mit dem Arzthonorar bezahlt werden. Nur so kann es Ihnen gelingen, Scheindiagnosen zu entdecken und die Krankenkasse schriftlich aufzufordern, sie zu löschen bzw. zu korrigieren. Ob eine Anzeige gegen den verantwortlichen Arzt /Ärztin nach der ärztlichen Berufsordnung zu stellen wäre, können wir hier nicht erörtern. Das Problem ist zu neu.

Das kann u. U. einen erheblichen Mehraufwand an Arbeit für Sie bedeuten, doch kann er helfen, schlimmeres zu verhüten.

Angela Vogel, 12.10.2009
Palau
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