Psychiatrisierung durch Krankenkassen

Psychiatrisierung durch Krankenkassen

Beitragvon Dundee » Dienstag 27. September 2005, 15:34

Leserbrief zum Thema: Die Psychiatrisierung der Kranken durch die Krankenkassen. ZFU, 2001
Seit anderthalb Jahren kämpfte Dr. S. Laur damals als langjährig Pyrethroid-Vergiftete um ihre Rechte als Versicherte der Vereinten Krankenversicherung. Am 11. 8. 2001 hat sie sich in einem offenen Brief an den Vorsitzenden des Vorstands der Vereinten Krankenversicherung, Dr. Ulrich Rumm, gewandt.

Sehr geehrter Herr Dr. Rumm!

Die Güte einer Krankenversicherung zeigt sich bei schwerer chronischer Erkrankung. In einem solchen Fall ist es doch wohl Sinn und Zweck einer Krankenversicherung, den in seiner physischen Existenz bedrohten Menschen, der die vielfältigen Widrigkeiten des Krankseins neben Schmerzen und Pein ertragen muss, von den Sorgen um die Bezahlung der Krankheitskosten freizuhalten, damit sich die kranke Person um Maßnahmen zur Genesung und Gesundung ohne größere weitere Belastungen kümmern kann.

Die Krankenversicherung der Vereinten wird ihrer Zweckbestimmung nicht nur nicht gerecht, sie erblickt ihren Sinn offenbar in ganz anderen Bereichen, zum Beispiel in der Ökonomie, das heißt, sie möchte in erster Linie Gewinne erwirtschaften – Gewinne offenbar auch durch Machenschaften, die ihre erkrankten Versicherungsnehmer schädigen und um ihre Rechte der Kostenerstattung bringen.

In meinem Vergiftungsfall (chronische Intoxikation durch das Langzeitpyrethroid Permethrin plus Piperonylbutoxid) lagen Ihrer Versicherung die toxikologischen Analysenbefunde vor, außerdem zwei Gutachten von namhaften Umweltmedizinern, die Ergebnisse der Spiroergometrie, die enorme Leistungseinschränkungen der Muskulatur durch Alterationen des Muskelstoffwechsels aufzeigte, die pathognomonischen Resultate von PET und Hirnstamm-SPECT, weiterhin Laborbefunde, die die bei mir bestehende Immundefizienz klar nachwiesen. An der bei mir bestehenden Intoxikation konnte es also keinen Zweifel geben.

Trotzdem wurde eine bereits vor einem Jahr beantragte stationäre Behandlung in einer Entgiftungsklinik – untermauert von mehrfachen gutachterlichen Attesten von Facharztseite – bis heute nicht beschieden, immer wieder, schon letztes Jahr, Rezepte über orthomolekulare Medikamente zurückgewiesen und auf die darauf erfolgten Widersprüche einfach nicht reagiert.

Am 9.4.2001 wurde ich von einem Psychiater angerufen, der mich in übertölpelnder Weise zu einer Terminabsprache für eine Begutachtung zu drängen versuchte. Nach seiner Qualifikation für Umwelterkrankungen respektive Vergiftungen befragt, negierte er eine solche, die "auch nicht notwendig sei", und bekundete seine enge Verhaftung mit der Vereinten durch die Angabe, dass er alle Gutachten für diese fertigen würde.

Meine mehrfachen Erkundigungen nach Anlass und Fragestellungen dieses Gutachtens blieben von Ihrer Versicherung unbeantwortet. Die Fehlbegutachtung eines Vergiftungsfalls durch neurotoxische Pestizide durch einen Psychiater, der keinerlei Ahnung von den toxischen Effekten am ZNS hat, ist programmiert. Möchten Sie vielleicht durch diesen Kunstgriff der Psychiatrisierung, zu dem neuerdings manche Krankenkassen greifen, die Leistungspflicht Ihrer Kasse auf eine Schmalspurpsychotherapie begrenzen?

Auf meine Fragen erfolgte von Seiten Ihrer Kasse lediglich der lapidare Hinweis auf meine Obliegenheitspflicht, mich jederzeit, von welchem Arzt und zu welchem Zweck auch immer – bei Androhung des Ausschlusses aus der Krankenkasse – untersuchen zu lassen.

Die Psychiatrisierung der chronisch Kranken, in der zurzeit manche Kassen ihre Rettung vor den Kosten zu erblicken scheinen, hätte für die Betroffenen über die therapeutischen Konsequenzen weit hinausreichende in gesellschaftspolitischer Hinsicht: eine Diskriminierung mit allen nur denkbaren juristischen Nachteilen.

Psychiatrisierung mit Leistungseinschränkung oder Rausschmiss, scheint die Alternative zu lauten, die mir von der Vereinten zurzeit angeboten wird. Wirklich generös!

Dr. med. S. Laur, Friedberg-Wulfertshausen
Dundee
 

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