Isoliertes Leben

Isoliertes Leben

Beitragvon Seelchen » Montag 7. Dezember 2009, 17:04

An manchen Tagen - so kraftlos und müd -
kannst du nicht mehr lachen,noch singen.
Denn du bist verzweifelt nur darum bemüht,
die Trauer in dir zu bezwingen.

Du siehst die Familien zusammensein,
sich an der Gemeinschaft erfreun,
du läufst an ihnen vorbei ganz allein,
selbst zu grüßen würdst du dich ja scheuen.

An manchen Tagen - so kraftlos und müd -
möchtst du dich nur schlafen legen
wie ein Tier im Versteck,wo dich keiner mehr sieht
denn du willst ja kein Mitleid erregen.

Oft kramst du in den Adressen herum,
um an irgendjemand zu schreiben
denn um dich ist alles erfroren und stumm,
du willst diese Kälte vertreiben.

An manchen Tagen -so kraftlos und müd -
verbirgt sich ds Wunder des Lebens,
das doch so verschwenderisch um dich erblüht,
wie ein Blinder suchst du es vergebens.

Rings um dich das Meer der Verlassenheit
als graue,endlose Weite,
Kein nahendes Ufer,dass dich befreit,
kein Freund steht dir zur Seite.

An manchen Tagen - so kraftlos und müd -
versuchst du um Hilfe zu schreien...
doch keiner will wissen,was mit dir geschieht -
du hast es gelernt zu verzeihen.

Man nennt diesen Zustand leichthin Depression -
welch abgedroschenes Wort!
Wieviel Leben hat sie verschlungen schon
riss kalt aus dem dasein es fort.

Von einer Betroffenen,die keinen PC hat für euch alle.
Wer fühlt nicht an manchen Tagen sooooooo?????????????????

Alles Liebe von der Glasprinzessin
Seelchen
 

Isoliertes Leben

Beitragvon Leckermäulchen » Montag 7. Dezember 2009, 18:01

Ja, das ist seeeehhhr treffend gedichtet. Man findet sich darin wieder.
Leckermäulchen
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Isoliertes Leben

Beitragvon sunday » Montag 7. Dezember 2009, 18:32

sehr schön.

ich hatte mal ein gedicht geschrieben als mir aufgrund eines artikels die millionen menschen einfielen, die im kz gelitten haben und grausam gefoltert und umgebracht wurden und die millionen menschen (vor allem kinder), die auch heute noch verhungern, gefoltert, verstümmelt, mißbraucht, mißhandelt und ermordet werden.
und diese kinder haben niemanden, können noch nicht mal am pc mit anderen darüber reden, sondern nur unmenschlich leiden und sterben.
aber es paßt auch für schwer mcs-kranke, die niemanden mehr haben, mit dem sie reden können und der mal was für sie einkauft, wenn sie garnicht aufstehen können.

ich werde es nachher mal raussuchen.

lg sunday
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Isoliertes Leben

Beitragvon Sina » Montag 7. Dezember 2009, 20:29

Dankeschön, liebes Seelchen, für dieses gute Gedicht. Als MCS-Kranker geht es einem so, und es gibt eigentlich keinen so richtigen Weg raus. Da, wo bei vielen Menschen das Leben erst anfängt, hört es bei \"uns\" Schwerkranken auch schon wieder auf (also, ich meine das in erster Linie, den ganz normalen Alltag/das tägliche Leben betreffend). So empfinde ich das manchmal.

Man kann einfach nicht mehr so viel machen. So wie Seelchen schreibt - kraftlos und müde -.

Aber es bringt auch nichts, den anderen nacheifern zu wollen. Dieser Schuß kann ja dann auch nach hinten losgehen. Man muß in seinem eigenen Rhythmus tanzen. Ich muß sehr langsam tun, bei dem, was ich tue. Bei mir gilt halt die Devise oftmals: Weniger ist mehr. Oder besser noch; den Mut haben, zur Langsamkeit.

Liebe Grüße von Sina

- Editiert von Sina am 08.12.2009, 11:20 -
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