Der stumme Frühling

Der stumme Frühling

Beitragvon Betty Zett » Dienstag 21. Juni 2005, 08:40

Das ist mir aus der Seele gesprochen und dieses Buch empfehle ich jedem. Man muß es gelesen haben. Ein guter Tipp übrigens zum Verschenken. Es kostet nicht viel und hat Wirkung.

Liebe Grüsse

Betty Zett

Köln, 21.06.2005: Zu den erfolgreichsten Umweltautorinnen der Welt gehörte die amerikanische Biologin und Schriftstellerin Rachel Carson (1907–1964). Ihr Buch "Silent Spring" (1962, deutsch: "Der stumme Frühling") über die Verseuchung der Umwelt durch Pestizide entwickelte sich zu einem Bestseller und gilt als Startsignal der Umweltbewegung. Das US-Magazin "Time" schrieb, ihr Buch habe den Lauf der Geschichte ähnlich beeinflusst wie die Werke des Naturforschers Charles Darwin oder des Begründers des Marxismus, Karl Marx.

Rachel Carson wurde am 27. Mai 1907 in Springdale (Pennsylvania) geboren. Sie begleitete ihre Mutter Maria, die sich als Amateurbotanikerin und -ornithologin betätigte, bei Exkursionen und begeisterte sich dabei für die Pflanzen- und Tierwelt. Von ihrer Mutter wurde Rachel auch zum Schreiben ermuntert. Das Mädchen gewann bereits als Elfjährige einen Preis für eine Kurzgeschichte, mit 14 erhielt sie erstmals ein Autorenhonorar.

Nach einem Biologiestudium in Baltimore und einem Aufenthalt an der Atlantikküste wandte sich Rachel Carson der Meeresforschung zu. Ihre Träume von einer Universitätskarriere wurden jedoch durch die Weltwirtschaftskrise zunichte gemacht. Sie musste ihre Doktorarbeit aufgeben und für ihre mittellose Familie sorgen. Mit dem Beispiel ihrer Mentorin und früheren Biologielehrerin Mary Scott Skinker vor Augen, die im von Männern beherrschten Forschungsbetrieb scheiterte, kehrte sie der Universität den Rücken.

Danach arbeitete Rachel Carson beim „Fish and Wildlife Service“, einer Regierungsbehörde, für die sie Broschüren und Pressetexte ver-fasste. In ihrer Freizeit schrieb sie wissenschaftliche Artikel, die sie an renommierte Zeitschriften schickte, sowie ein Buch über Meeresbiologie, das im November 1941 unter dem Titel „Under the Sea Wind“ erschien. Weil das Buch auf wenig Interesse stieß, kaufte sie die Restbestände auf und verschenkte die Exemplare an Freunde.

1945 bot Rachel Carson dem Magazin „Readers Digest“ einen Artikel über die ökologischen Nebenwirkungen des synthetischen Pflanzenschutzmittels Dichlordiphenyltrichloräthan (DDT) an. Doch die Zeitschrift erkannte die Brisanz dieses Themas nicht, das nach Ansicht der Autorin jeden betraf, und lehnte die Veröffentlichung des Beitrages ab.

Mehr Erfolg hatte Rachel Carson mit ihrem zweiten Buch „The Sea Around Us“ (1951, deutsch: „Geheimnisse des Meeres“). Es war ein Fachbuch, ein Stück Literatur und eine Mahnung zugleich. Darin warnte die Autorin, was sich in Jahrhunderten entwickelt habe, werde nun binnen weniger Jahre zerstört. 1951 zeichnete sich schon die drohende Überfischung der Weltmeere ab.

Der Titel „Geheimnisse des Meeres“ hielt sich sage und schreibe 86 Wochen lang auf den Bestsellerlisten. „Time“ rühmte Rachel Carson deswegen als „Poetin der Gezeitentümpel“. Der Erfolg ihres zweiten Buches ermutigte sie, ihren Job bei der Regierungsbehörde zu kündigen und sich völlig der Schriftstellerei zu widmen.

Auch privat erlebte Rachel Carson damals eine glückliche Zeit. Sie war der verheirateten Dorothy Freeman, einer Hausfrau und Mutter, begegnet und hatte sich in sie verliebt. Nahezu täglich schrieben sich beiden Frauen glühende Liebesbriefe, in denen Rachel ihre Freundin Dorothy als „weiße Hyazinthe“ bezeichnete.

1957 griff Rachel Carson das Thema der ökologischen Nebenwirkungen von DDT erneut auf. Sie arbeitete an einem Buchmanuskript hierüber, weil sie fest davon überzeugt war, mit ihren früheren Befürchtungen richtig gelegen zu haben. Als sie für dieses Werk recherchierte und schrieb, litt sie an Krebsgeschwüren in ihrer Brust und musste Operationen und eine Stahlentherapie erdulden. Außerdem plagten sie Arthritis, Schwindelanfälle und eine Augenentzündung, die sie zeitweise erblinden ließ.

Die Arbeit an dem Buch „Silent Spring“ ging nur mühsam voran. Einerseits feilte Rachel Carson – von jeher eine langsame Schreiberin – wie immer endlos an jedem Absatz, andererseits musste sie aus gesundheitlichen Gründen oft wochenlang pausieren. Ihre Assistentin Bette Haney befürchtete, dass das Buch nie fertiggestellt werden könnte. Doch 1962 lag das Werk – gedruckt und gebunden – endlich vor.

In „Silent Spring“ prangerte Rachel Carson „mit poetischer Kraft“ – so das Hamburger Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ – den Missbrauch synthetischer Pflanzenschutzmittel, vor allem von DDT, an. Sie schilderte eindrucksvoll, wie überall dort, wo die Pestizide vom Flugzeug aus versprüht wurden, Haustiere starben und Singvögel verstummten. Außerdem erklärte sie, wie sich die Pflanzengifte im Körper anreichern und dort Krebs auslösen oder das Erbgut schädigen können.

Die Reaktionen auf das Buch übertrafen alle Erwartungen der Autorin. Ihre Leserinnen und Leser schrieben ihr unzählige überwiegend zustimmende Briefe. Dagegen warf ihr die chemische Industrie unter anderem Polemik, Einseitigkeit, Unwissenschaftlichkeit und mitunter sogar kommunistische Konspiration vor. Der ehemalige Landwirtschaftsminister Ezra Taft Benson soll gesagt haben, warum sich eine alte Jungfer ohne Kinder so um Genetik kümmere.

Doch allmählich setzten sich die Ansichten Rachel Carsons durch. Die chemische Industrie musste einräumen, in der Vergangenheit Fehler gemacht zu haben, behauptete aber, jetzt alle Gefahren im Griff zu haben.

Die 1960 gewählte Regierung von John F. Kennedy (1917–1963) glaubte aber den Beteuerungen der Chemie-Lobbyisten nicht. Als eine Umweltkommission die Folgen des Einsatzes der Pestizide untersuchte, bat man im Sommer 1963 auch die todkranke Rachel Carson zur Anhörung. Dabei verlangte sie nicht – wie ihre Kritiker behaupteten – den Verzicht auf jeglichen Pflanzenschutz, sondern setzte sich für biologische Schädlingskontrolle als Alternative ein.

Am 14. April 1964 erlag Rachel Carson im Alter von 56 Jahren einem Herzversagen. Acht Jahre nach ihrem Tod – 1972 – wurde DDT in den USA verboten. In der Bundesrepublik Deutschland sind seit 1972 Herstellung, Ein- und Ausfuhr von DDT untersagt. Lebens- und Körperpflegemittel mit einem bestimmten Gehalt an DDT dürfen nicht verkauft werden. In etlichen Entwicklungsländern wird das Insektengift immer noch verwendet.
Betty Zett
 

Der stumme Frühling

Beitragvon Zara » Freitag 21. Oktober 2005, 19:28

Das ist mein Lieblingsbuch zum Weiterschenken!
Zara
 

Re: Der stumme Frühling

Beitragvon howl of wolves » Samstag 28. Januar 2017, 10:06

Corrected Link for Upcoming Program about Rachel Carson on PBS' American Experience


http://us6.campaign-archive1.com/?u=9eb ... 9cc0905554
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Re: Der stumme Frühling

Beitragvon Kira » Montag 30. Januar 2017, 18:57

American Experience | PBS

24. Januar um 16:30 ·

Rachel Carson premieres TONIGHT at 8/7c on PBS! Join the conversation on Twitter using #RachelCarsonPBS.

https://www.facebook.com/AmericanExperi ... 7714839122

http://www.pbs.org/wgbh/americanexperie ... d=33101069


American Experience | PBS

24. Januar um 05:00 ·


"I can remember no time when I wasn't interested in the out-of-doors and the whole world of nature."
Rachel Carson premieres tonight (Jan. 24) at 8/7c on PBS! Be sure to check your local listings.

https://www.facebook.com/AmericanExperi ... 673684122/

American Experience | PBSFollow
PBS’s Flagship History Series

Jan 18·8 min read


The Role for a Lifetime

For the last 25 years, actress and playwright Kaiulani Lee has traveled the world performing her play “A Sense of Wonder,” which tells the story of science writer Rachel Carson. American Experience recently premiered a film about Carson, and took the opportunity to interview Lee about what drives her life’s work.

By Cori Brosnahan
...

https://medium.com/americanexperiencepb ... .u0qfyebw1
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Re: Der stumme Frühling

Beitragvon Leckermäulchen » Dienstag 31. Januar 2017, 20:09

Ich hatte das Buch kürzlich auch gelesen - aus der Leihbücherei geholt - und war restlos begeistert :D :D :D
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