"Quellen im Internet überprüfen
Der Vergleich mehrerer Quellen
... ist für Christoph Schultheis der Schlüssel zur Wahrheit. Schultheis, einer der beiden Gründer von Bildblog.de, hat jahrelang die Fehltritte von Bild-Zeitung und Bild.de kommentiert und korrigiert. Vor kurzem hat er seinen Abschied von Deutschlands bekanntestem Watchblog verkündet. Seine Skepsis gegenüber Sensationsmeldungen aber bleibt:
"Ich rate immer dazu, bei Mediengeschichten, die auf den ersten Blick unglaublich oder außergewöhnlich erscheinen, lieber noch mal nachzuschauen – und sei es über Google News – ob auch andere darüber berichten. Es hilft immer zu sehen, ob sich verschiedene Medien auf eine Version einigen können."
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/panorama/1736455_Serioese-Recherche-Quellen-im-Internet-ueberpruefen.html
"Wikipedia-Einträge
... zu überprüfen ist vergleichsweise einfach. In jedem Artikel sind unter dem Punkt "Quellen" Links aufgeführt, die auf das Medium führen, aus dem die Informationen stammen. Die deutsche Wikipedia hat zudem begonnen, "gesichtete" Versionen einzuführen. Das sind Artikel, die von einem regelmäßigen Wikipedia-Autoren gelesen wurden und nach seiner Einschätzung keine groben Fehler enthalten.
Wer noch intensiver prüfen will, kann in jedem Artikel "Versionen/Autoren" anklicken. Dort werden alle Änderungen an dem Artikel und deren Verfasser aufgeführt. Zahlreiche anonyme Änderungen sind dabei eher ein schlechtes Zeichen. Bei vielen Themen lohnt es sich außerdem, den Begriff nicht nur in der deutschen, sondern auch in der englischen Wikipedia nachzuschlagen. Die englischen Fassungen sind oftmals ausführlicher und listen andere Quellen auf."
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/panorama/?em_cnt=1736455&em_cnt_page=2
"Blogs
... sind eine zwiespältige Angelegenheit. Zwar verlinken Blogger immer noch häufiger auf ihre Quellen als das etwa die Internetseiten von Tageszeitungen tun. Aber gerade hinter weniger prominenten Blogs stecken oft unbekannte Autoren. Bleiben die völlig anonym, ist Vorsicht geboten. Steht ein Name im Impressum oder an anderer Stelle im Blog, kann man den in eine Suchmaschine eingeben, um etwa herauszufinden, ob er Experte in seinem Gebiet ist und vielleicht an anderer Stelle etwas zu einem ähnlichen Thema veröffentlicht hat."
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/panorama/?em_cnt=1736455&em_cnt_page=3
"Private Homepages
... sind oft anonymisiert. Fehlt das Impressum, kann man über eine Whois-Abfrage herausfinden, wer Inhaber und Ansprechpartner der Domain ist. Die deutsche Domainverwaltung Denic erlaubt das nur zu bestimmten Zwecken, etwa bei rechtlichen Problemen mit dem Inhaber einer Seite.
Google ermöglicht eine Abfrage aber auch. "Whois beispiel.de" reicht als Suchbegriff. Um die Seriosität einer Homepage einordnen zu können, ist der Name des Inhabers, den man anschließend mit einer Suchmaschine überprüfen kann, ein erster Hinweis."
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/panorama/?em_cnt=1736455&em_cnt_page=4
"Zahlen aus Studien und Umfragen
... sind im Internet relativ leicht zu überprüfen. Viele Forschungsergebnisse werden online im PDF-Format veröffentlicht und entweder bei den Medien, die darüber berichten, verlinkt, oder beim jeweiligen Institut zum Download angeboten. Aber auch hier kann man noch in die Tiefe gehen, indem man recherchiert, wer der Auftraggeber der Studie ist. Die Frage, die sich ein kritischer User stellen muss, lautet: "Welchen Nutzen hat derjenige, der die Ergebnisse verbreitet, von der Studie?"
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/panorama/?em_cnt=1736455&em_cnt_page=5
"Twitter
... ist keine seriöse Quelle. Auch wenn etwa die Autoren von Augenzeugenberichte von den Terroranschlägen in Bombay schneller und näher dran waren als die meisten Journalisten vor Ort, ist es nicht möglich, den Wahrheitsgehalt der 140-Zeichen-Meldungen abzuschätzen. Häufig werden die Texte eines Users auch nur weitergereicht. Der Dienst eignet sich lediglich dazu, die Relevanz eines Themas einzuschätzen – wird viel darüber getwittert, dürfte es bald auch auf anderen Kanälen auftauchen."
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/panorama/?em_cnt=1736455&em_cnt_page=6
"Internetadressen
... führen nicht immer auf die Seiten, die der User aufrufen möchte. Verkürzungsdienste wie etwa TinyURL verschleiern das Ziel eines Links. Statt einer ellenlangen Adresse ist besonders bei Twitter oft nur etwas wie http://tinyurl.com/2unsh zu sehen – der Service leitet die Anfrage dann weiter.
Um festzustellen, wohin der Link wirklich führt, muss man ein "preview." einfügen: http://preview.tinyurl.com/2unsh. So landet man auf einer Seite von TinyURL, auf der steht, was das eigentliche Ziel der verkürzten Adresse ist.
Einen anderen Trick hat ein Witzbold am 1. April gewählt: Die Falschmeldung "Facebook kauft Twitter" gab er als Artikel der New York Times aus und präsentierte einen Link, der mit nytimes.com begann, also auf den ersten Blick authentisch aussah. Die komplette Adresse lautete allerdings nytimes.com.s3.amazonaws.com. S3 ist ein Service von Amazon, der Speicherplatz auf einem Server des Online-Unternehmens zur Verfügung stellt. Wer hinter dem jeweiligen Speicherplatz steckt, ist nicht ohne weiteres festzustellen. Hier hilft nur, die Adresse genau anzusehen und notfalls die Homepage, also erst einmal nur nytimes.com, aufzurufen und von dort aus die Nachricht zu suchen."
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/panorama/?em_cnt=1736455&em_cnt_page=7
"Profile
... in sozialen Netzwerken wie Facebook, StudiVZ, Myspace oder Xing können immer auch gefälscht sein oder von namensgleichen Personen stammen. Scherzprofile sind oft an den persönlichen Angaben zum Wohnort oder zum Alter erkennbar, oder an anderen Einträgen.
Wer etwa bei Facebook "Barack Obama" in die Eingabemaske der Personensuche tippte, bekam zeitweise sieben Profile angezeigt. Keines davon war das des US-Präsidenten. In so einem Fall ist es hilfreich, den gesuchten Namen sowie den des gewünschten Netzwerks in eine Suchmaschine einzugeben. Denn gerade bei bekannteren Personen taucht das echte Profil weit oben in der Trefferliste auf, weil es bekannt, beliebt oder gut verlinkt ist."
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/panorama/?em_cnt=1736455&em_cnt_page=8
"Legenden und Falschmeldungen
verbreiten sich im Netz besonders leicht. Die Behauptung etwa, Deutsch wäre um ein Haar Amtssprache in den USA geworden, weil bei einer entsprechenden Abstimmung im US-Kongress nur eine einzige Stimme fehlte, geistert seit vielen Jahren auch durchs Internet. Dass die Geschichte so nicht stimmt, erklären die Macher von snopes.com, die solche Legenden nachrecherchieren.
Auch der "Hoax-Info-Service" der TU Berlin klärt über solche Großstadtmärchen (urban legends) auf, ebenso erklärt und warnt er vor Kettenmails und gefälschten Viren-Warnungen."
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/panorama/?em_cnt=1736455&em_cnt_page=9