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Mehr Licht aber zur rechten Zeit

BeitragVerfasst: Freitag 10. Dezember 2010, 09:34
von Juliane
http://wissen.dradio.de/chronobiologie-die-innere-uhr.88.de.html?dram:article_id=7154

Ein Vortrag von Russell G. Foster, in Kooperation mit dem Einstein Forum in Potsdam.

Unser Lebensalltag ist bestimmt von Uhren und Zeitmessungen: dem Wecker, der uns aus dem Schlaf reißt, der minutengenauen Abfahrtszeit des Busses, Arbeitsbeginn um 9 Uhr, Tagesschau um 20 Uhr.

Dabei werden unser Körper und unser Gehirn in Wirklichkeit von inneren Uhren bestimmt. Die legen unsre Körpertemperatur und unseren Blutdruck fest und bestimmen, wann wir munter und wann wir müde sind. Gespeist werden diese inneren Uhren vor allem über unsere Augen - durch den Wechsel von Licht und Dunkel. Unser Leben folgt einem so genannten „zirkadianen“, das heißt einen Tag-langen, 24-stündigen Rhyhthmus.

Die Erforschung dieses zirkadianen Rhythmus ist der Arbeitsschwerpunkt des Chronobiologen und Neurowissenschaftlers Russell G. Foster, er ist Professor an der Universität von Oxford. Zu seinen wichtigsten Forschungsergebnissen zählt die Entdeckung, dass auch blinde Augen über Rezeptoren verfügen, die unsere innere Uhr mit Informationen über den Tag-Nacht-Rhythmus versorgen.

In seinem Vortrag berichtet Foster von dieser Entdeckung und erzählt, was für Folgen es hat, gegen den natürlichen Tagesrhythmus unseres Körpers zu leben.

Seinen Vortrag "Light, Biological Clocks, and the Healthy Brain“ hat Foster am 1. Dezember 2010 im Einstein Forum in Potsdam gehalten.



http://wissen.dradio.de/index.86.de.html?dram:broadcast_id=17&sid=





"Die Zeit regiert unser Leben, und wir benutzen wiederum die Zeit, um unser Handeln zu organisieren. Der Digitalwecker, der uns morgens aus dem Schlummer reißt, oder die Armbanduhr, die uns unerbittlich unsere Verspätung signalisiert, sind artifizielle Uhren. Unsere Biologie hingegen gehorcht dem Takt einer uralten Uhr, die vermutlich bereits sehr früh in der Evolution zu ticken begann und deren Bauplan in die genetische Struktur allen Lebens eingeschrieben ist. Sie folgt einem 24stündigen, sog. zirkadianen Rhythmus, der den Ablauf unseres Schlafes, die Wachphasen, unsere Munterkeit, Laune, körperliche Leistungskraft, unseren Blutdruck und vieles mehr steuert. Normalerweise nehmen wir in 24 Stunden einen Wechsel von hell und dunkel wahr, und dieser Lichtwechsel beherrscht auch unsere biologische Uhr: Abends fällt die Körpertemperatur, der Blutdruck sinkt, die Aufnahmefähigkeit schwindet und unsere Müdigkeit steigt mit dem Blick auf die vorgerückte Stunde auf dem Ziffernblatt. Bei Anbruch der Dämmerung und in den früheren Morgenstunden kehren sich die Vorgänge wieder um. In dem Vortrag werden nicht nur die biorhythmischen Abläufe und ihre Ursachen beschrieben, sondern auch die Folgen von Störungen des zirkadianen Rhythmus etwa durch Schichtarbeit oder aufgrund von Erkrankungen (z.B. Schizophrenie) aufgezeigt.

Russell G. Foster lehrt und forscht in der Abteilung für Ophthalmologie der Medizinischen Fakultät der Universität Oxford....."

http://www.einsteinforum.de/index.php?id=654

Mehr Licht aber zur rechten Zeit

BeitragVerfasst: Freitag 10. Dezember 2010, 09:45
von Juliane
Zitate aus einem FR Interview mit dem Chronobiologen Russell G.Forster:



"Herr Professor Foster, wie geht es Ihrer inneren Uhr an einem Wintermorgen beim Weckerklingeln?

Kommt darauf an, wie viel Schlaf ich hatte. In den vergangenen Tagen ging es ihr nicht gut. Ich musste sie ignorieren.

Warum?

Zu viele Sitzungen und Termine, zu wenig Schlaf. Äußere und innere Zeit passen bei mir gerade gar nicht zusammen. Ein Münchener Kollege, Till Roenneberg, bezeichnet das als sozialen Jetlag.

Ihr Rezept?

So früh wie möglich ins Bett gehen und schlafen, bis es hell wird.

Viele Menschen sind im Winter ständig müde. Ist ihre körpereigene Uhr stehen geblieben?

Die Erschöpfung hat mit Lichtmangel zu tun. In den Büros beträgt die Lichtintensität oft nur 400, 500 Lux und zu Hause ist es oft nicht anders. Was wir brauchen, sind hellere Lampen. .........



Sind Ihre Entdeckungen von praktischem Nutzen?

Wir konnten beobachten, dass Patienten mit einem Grauen Star, also einer Linsentrübung, nach der Operation viel besser schliefen – tiefer und länger. Nach dem Eingriff gelangt wieder mehr Licht zu den Helligkeitsrezeptoren im Auge. Derzeit sammeln wir sehr viele Fälle und bereiten eine Publikation vor. Das könnte zu der Empfehlung führen, die Linsentrübung so früh wie möglich zu behandeln. Aber nicht nur Augenkrankheiten, auch Nervenleiden wie Depression, Demenz und Schizophrenie haben viel mit Licht, Schlaf und der inneren Uhr zu tun.

Und bei anderen Krankheiten des Nervensystems?

Bei allen ist der Schlaf-Wach-Rhythmus gestört, die innere Uhr ist oft völlig durcheinander. Wir untersuchen seit Jahren Schizophrenie-Patienten. Sie haben in der Regel große Schlafprobleme. Das sei eine Nebenwirkung der Medikamente, sagen viele. Wir haben eine andere Theorie: Bei einer psychischen Störung sind zahlreiche Systeme zur Informationsübertragung im Gehirn gestört. Der Schlaf ist ein sehr komplizierter Mechanismus, er hat mit vielen dieser Systeme zu tun.

Könnte Schlafmangel die psychischen Störungen erst verursachen?

Es ist unklar, was die Ursache und was die Folge ist. Aber statt lange darüber zu debattieren, wollen wir zunächst den Schlaf in Ordnung bringen – und hoffen, dass sich die psychischen Störungen dadurch bessern. Mit meiner Arbeitsgruppe bereite ich derzeit eine große klinische Studie vor, mit Psychiatriepatienten in Oxford und im kanadischen Montreal.

Wenn Schlaf so wichtig für die Gesundheit ist: Wie viel braucht man mindestens?

Das ist individuell verschieden. Wer tagsüber erschöpft und reizbar ist, bekommt zu wenig Schlaf, daran kann man sich orientieren. Viele Menschen schlafen heute nicht genug. Im Vergleich zu den 50er Jahren sind es im Durchschnitt ein bis zwei Stunden weniger. Teenager brauchen neun Stunden Nachtschlaf, um ihre geistigen Fähigkeiten voll nutzen zu können. Sie kommen aber derzeit im Schnitt nur auf 6,5 Stunden. Schlafmangel beeinträchtigt auf Dauer auch das Immunsystem. ...."

Hier ist das Interview nachlesbar:

http://www.fr-online.de/wissenschaft/-spaziergaenge-lassen-uns-besser-schlafen-/-/1472788/4907056/-/index.html