Antibiotika oft ohne Indikation verschrieben

Antibiotika oft ohne Indikation verschrieben

Beitragvon mirijam » Samstag 25. Februar 2012, 01:10

"Antibiotika oft ohne Indikation verschrieben

22.02.2012

Eltern sollten das Gespräch mit Ärzten suchen

Wird eine Mittelohrentzündung, Grippe oder fiebrige Erkältung diagnostiziert, verschreiben viele Ärzte auch Kindern Antibiotika. Eine Studie der Universität Bremen im Auftrag der Bertelsmann Stiftung zeigt nun: Deutsche Ärzte verschreiben jährlich 300 Tonnen Antibiotika. Für jedes zweite Kind sind sie vollkommen unnötig - eine gefährliche Entwicklung.

Welche Therapie für welche Krankheit sinnvoll ist, legen in Deutschland spezielle Leitlinien fest, die allerdings sehr unterschiedlich ausgelegt werden. Die Studie zeigt: Antibiotika werden zu schnell verschrieben, teilweise sogar gegen Virusinfektionen. Doch da helfen sie überhaupt nicht.

Der Studie zufolge erhielten 38 Prozent aller Kinder und Jugendlichen im Jahr 2009 ein Antibiotikum. Bei den Drei- bis Sechsjährigen waren es sogar über 50 Prozent. Während in manchen Regionen die Rate unter 20 Prozent lag, war sie in anderen fast dreimal so hoch. Im Süden Deutschlands ist man bei der Gabe von Antibiotika offensichtlich zögerlicher. Auch zwischen den verschiedenen Ärztegruppen gibt es Unterschiede: Hausärzte verordnen im Verhältnis deutlich mehr als Kinderärzte.

Alternativen suchen
Doch Antibiotika haben gerade bei Kindern starke Nebenwirkungen. Durchfall kommt häufig vor. Das Knochen- und Zahnwachstum kann gestört werden. Bekommt ein Kind im ersten Lebensjahr Antibiotika, steigt sein Risiko, später an Asthma oder Allergien zu erkranken. Die größte Gefahr liegt jedoch darin, dass mit zu häufiger Gabe resistente Bakterien gezüchtet werden. Denn je häufiger Erreger mit Antibiotika bekämpft werden, desto schneller werden sie dagegen quasi immun.

Selbst wenn man nicht krank ist, führt man seinem Körper Antibiotika zu: Denn sie werden auch in der Tiermast eingesetzt. Wir essen Medikamente - ungewollt. Kinder haben ein Immunsystem, das noch nicht vollständig leistungsfähig ist. Natürlich sind sie deswegen anfälliger für Infekte. Trotzdem müssen diese nicht immer gleich mit Chemie bekämpft werden. Häufig sind auch altbewährte Hausmittel erfolgreich. Bei Mittelohrentzündung kann zum Beispiel ein Zwiebelsäckchen, das auf das Ohr gelegt wird, helfen. Auch eine Wärmelampe zeigt Wirkung. Erst wenn die Beschwerden nach einigen Tagen nicht besser werden, sollte man über Antibiotika nachdenken.

Kommunikation mit Arzt intensivieren
Ein Schlüssel zu einem sinnvoll gehandhabten Einsatz von Antibiotika ist eine gute Kommunikation zwischen Arzt und Patient, so ein Fazit der Studie. Eltern sollten sich daher entsprechend für das Arztgespräch rüsten, denn nicht selten glaubten Ärzte, mit dem Verschreiben von Antibiotika eine Erwartungshaltung der Eltern zu erfüllen.

So sollten Sie zum Beispiel abklären, ob die Art des Infekts abgegrenzt werden kann (bakteriell oder viral). Manchmal kann es sinnvoll sein, vor der Gabe eines Antibiotikums den Krankheitsverlauf abzuwarten. Klären Sie, ob das im speziellen Fall infrage kommt, welche Kontrollen sinnvoll sind und ob Sie eventuell ein Schmerzmittel zur Überbrückung verabreichen können. Fragen Sie nach unterstützenden Therapien. Sollte sich die Antibiotika-Einnahme nicht vermeiden lassen, fragen Sie genau nach Dauer und Art der Anwendung sowie nach Nebenwirkungen!

Infobox
Entscheidungen gemeinsam treffen
Die Studie plädiert allgemein dafür, Ärzte und Eltern als gleichberechtigte Partner zu verstehen. Sie regt Eltern an, gemeinsam mit dem Arzt Entscheidungen zu treffen: Empfiehlt er eine bestimmte Behandlung, sollten der Nutzen, die möglichen Risiken sowie Alternativen besprochen werden. Bei Zweifeln kann es sinnvoll sein, eine zweite ärztliche Meinung einzuholen. Auch eine Patientenberatungsstelle kann weiterhelfen."


http://vollekanne.zdf.de/ZDFde/inhalt/27/0,1872,8480283,00.html?dr=1
mirijam
 

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