Überraschender Fund in der Krebsforschung - Pressemitteilung der Uni Würzburg
Proteine, die in Krebszellen den Zelltod verhindern, sind das Ziel neuer Medikamente. Schadet eine neue Generation von Medikamenten gegen Krebs, die sich zurzeit noch in der klinischen Erprobung befindet, möglicherweise mehr als sie hilft? Eine Entdeckung Würzburger Wissenschaftler legt diesen Verdacht nahe. Weitere Untersuchungen sind deshalb dringend nötig.
Wenn Zellen des menschlichen Körpers nicht mehr so funktionieren, wie sie sollen, verhindert normalerweise ein ausgeklügelter Mechanismus, dass sich die defekten Zellen vermehren: der sogenannte programmierte Zelltod – im Fachjargon Apoptose genannt. Bei Krebszellen ist dieser Mechanismus außer Kraft gesetzt; sie produzieren in großer Menge Proteine, sogenannte IAPs, die ihrerseits den Start des Zelltodprogramms verhindern.
Unerwartete Nebenwirkungen
Für Mediziner sind diese Proteine deshalb von großem Interesse. Ihre Hoffnung ist es, Tumore am Wachsen zu hindern, indem sie die Bildung dieser Proteine blockieren. Denn dann müssten die Tumorzellen dank des Selbstschutzmechanismus des Körpers zerstört werden. Entsprechende Medikamente befinden sich zurzeit in der klinischen Testphase.
Doch die Hoffnung auf ein neues Anti-Krebs-Medikament hat jetzt einen Dämpfer erhalten: „Wir haben herausgefunden, dass es für die Betroffenen möglicherweise äußerst negative Konsequenzen hat, wenn man die Bildung der IAPs unterdrückt“, sagt Ulf R. Rapp, Professor am Institut für Medizinische Strahlenkunde und Zellforschung der Universität Würzburg, der gemeinsam mit Dr. Krishnaraj Rajalingam, inzwischen Leiter der Emmy-Noether-Gruppe am Institut für Biochemie II der Frankfurter Goethe-Universität, das Protein genauer untersucht hat.
Ein deutliches Warnsignal für die Kliniker
Wie die beiden Wissenschaftler, unterstützt von Kollegen von Universitäten in Frankfurt und Philadelphia, USA, entdeckt haben, besitzen die Proteine noch eine weitere Funktion im Körper. Fehlen sie, steigt an anderer Stelle die Aktivität einer Signalkaskade deutlich an, die unter anderem für die Wanderung von Zellen entscheidend ist. „Wenn wir gezielt Gene ausschalten, die für die Produktion der IAPs verantwortlich sind, führt das dazu, dass sowohl gesunde als auch Krebszellen ihre Form ändern und sich schneller bewegen“, sagt Rapp. „Das bedeutet als Konsequenz für den Patienten, dass das Medikament möglicherweise die Bildung von Metastasen begünstigt.“ Ein „deutliches Warnsignal für die Kliniker“ ist diese Entdeckung nach Rapps Ansicht.
„Diese Ergebnisse sind für uns sehr überraschend“, erklärt Krishnaraj Rajalingam. „Bisher kannten wir diese Proteine nur in ihrer Rolle als Unterdrücker der Apoptose, und jetzt stellen wir fest, dass sie auch einen Einfluss auf die sogenannte MAP-Kaskade und Zellwanderung haben“.
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