Isoflavone in der Kritik

Isoflavone in der Kritik

Beitragvon Juliane » Donnerstag 27. September 2012, 09:29

Isoflavone

pharmazeutische-zeitung.de


"Neuere Daten zeigten jedoch, dass Isoflavone estrogen wirken und in
vitro die Proliferation von Mammakarzinomzellen verursachen. Auch an
den Geschlechtsorganen von Nagern wirken sie estrogen. Daher wird
diskutiert, ob Isoflavone das Wachstum von hormonabhängigen
Mammakarzinomen nicht sogar beschleunigen könnten. Die Bewertung wird
dadurch weiter erschwert, dass Isoflavone in verschiedenen
Experimenten das Zellwachstum vermindern und unterschiedliche
Mechanismen der Regulation des Zellwachstums beeinflussen können. Bei
allen genannten Versuchen lagen die Isoflavon-Konzentrationen jedoch
meist weit über denen, die bei einer stark sojahaltigen Ernährung
erreicht werden. Auch lassen sich die Ergebnisse von Tierstudien nicht
ohne Weiteres auf den Menschen übertragen. Deshalb ist unklar,
inwieweit diese Untersuchungen relevant für den Menschen sind

Erschwerend kommt hinzu, dass die Effekte der Isoflavone je nach
endogenem Estrogenspiegel variieren. In präpubertären und
postmenopausalen Frauen (mit niedrigem Estrogenspiegel) wirken sie
leicht estrogen. Bei hohen Estrogenspiegeln können sie entgegengesetzt
wirken, da sie eventuell Estrogene von ihren Rezeptoren verdrängen
(9).

Vor allem Genistein ist in vitro genotoxisch. In einer Konzentration
von 10 bis 100 µM führt es, je nach Testsystem, zur Induktion von
DNA-Strangbrüchen, Mikrokernen, chromosomalen Aberrationen und
Genmutationen im hrp-Lokus. Die Muster der Chromosomenaberrationen
sind charakteristisch für Topoisomerase-II-Hemmer und betreffen vor
allem das MLL-Gen. Die beobachteten Schäden ähneln denen bei akuter
infantiler Leukämie. Eine Korrelation zwischen dieser Form der
Leukämie und der Aufnahme von Isoflavonen konnte nicht überzeugend
belegt werden. Erhalten neugeborene Mäuse subkutan Genistein, steigt
ihr Risiko für Adenokarzinome der Gebärmutter im Erwachsenenalter.
Dies ist insbesondere deshalb interessant, weil Säuglingsnahrung auf
Sojabasis die Isoflavon-Aufnahme erhöht (5).

Weiterhin wirken Isoflavone goitrogen, fördern also die Kropfbildung.
Kinder, die sojahaltige Säuglingsnahrung bekommen, entwickeln häufiger
autoimmun bedingte Schilddrüsenerkrankungen. Nahmen gesunde Erwachsene
30 g Sojaprotein täglich über drei Monate ein, kam es bei der Hälfte
zu einer reversiblen Kropfbildung. Mechanistisch wird dies dadurch
erklärt, dass Isoflavone Substrate der thyreoidalen Peroxidase
darstellen und somit als kompetitive Substrate die
Schilddrüsenhormonsynthese beeinträchtigen. Zum anderen wurde gezeigt,
dass sie dieses Enzym direkt hemmen können. Diese Effekte bestehen nur
bei Unterversorgung mit Iod und werden durch ausreichende Iodaufnahme
aufgehoben (1, 5).

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Juliane
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