Auch Spermien können riechen - Maiglöckchenduft

Auch Spermien können riechen - Maiglöckchenduft

Beitragvon Toxicwarrior » Montag 8. Juni 2009, 07:47

Habe einen sehr interessanten Artikel über die Frage: Wie können Spermien eine Eizelle, bzw. ein Ei finden, um sie/es zu befruchten.

Zitat: Die Eizelle reift in den Follikeln in einer wässrigen Lösung heran. Wenn der reife Follikel platzt, gelangt das Ei in den Eileiter, zusammen mit etwas Follikelflüssigkeit. Diese haben wir getestet. Damit konnten wir tatsächlich den von uns entdeckten Maiglöckchen-Duftrezeptor auf dem Spermium aktivieren, also muss da auch ein Duft drin sein. Zitat-Ende. Prof. Hanns Hatt.

Aber lest selbst, sehr interssant: http://www.pm-magazin.de/de/heftartikel/artikel_id722.htm

Viel Spass
- Editiert von Toxicwarrior am 08.06.2009, 08:50 -
Toxicwarrior
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Auch Spermien können riechen - Maiglöckchenduft

Beitragvon Westi » Montag 8. Juni 2009, 09:07

Habe in der BR-3-TV-Sendung \"Pelzig unterhält sich\" den Prof. Dr. Dr. Dr. Hatt erlebt.
Sehr witziger - aber auch interessanter Beitrag.
- Editiert von Westi am 08.06.2009, 10:08 -
Westi
 

Auch Spermien können riechen - Maiglöckchenduft

Beitragvon Juliane » Montag 8. Juni 2009, 10:53

Hatt hat"s:Veilchenduft gegen Prostata-Krebs
viewtopic.php?t=9685



Hier mal Hatt im Interview mit der SZ

"Je mehr Firmen mit ätherischen Ölen … rumsauen,desto mehr lösen sie Allergien aus"


Hatt hat auch ein Patent angemeldet für ein Duftmedikament:

"Der Duft wirkt wahrscheinlich zehn mal so stark wie Valium"
http://www.nansenundpiccard.de/textproben/34



Hanns Hatt am Arbeitsort:

Ruhr-Universität Bochum.
Inhaber des Lehrstuhls für Zellphysiologie Prof. Dr. Dr. Dr. habil. Hanns Hatt .
http://www.cphys.rub.de/
http://www.uv.ruhr-uni-bochum.de/pvz-planung/i3v/00032900/01475422.htm

Hatt in NEUROrubin 2003

Von der Nase bis ins Gehirn:
Düfte nehmen Gestalt an

The human olfactory system detects
odorants at low concentrations with
remarkably precise discrimination. Our
knowledge about the molecular components
of the transduction cascade has
increased considerably. Recently, we
were able to functionally express and
characterize the first human olfactory
receptor protein. We demonstrated
additionally that odorant-induced activation
of the biochemical cascade initiates
modulatory activities which lead
to activation of PKA and/or phosphoinositides,
affecting not only the
transduction current but also the input/
output relationship of olfactory cells.

http://www.ruhr-uni-bochum.de/neurorubin/pdf/beitrag3.pdf
http://www.ruhr-uni-bochum.de/neurorubin/beitraege/beitrag3.htm
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Beitragvon Juliane » Montag 8. Juni 2009, 15:25

Ach ja, er hat auch ein gut lesbares Buch geschrieben.

Das Maiglöckchen-Phänomen: Alles über das Riechen und wie es unser Leben bestimmt
Hanns Hatt Regine Dee

http://www.amazon.de/Das-Maigl%C3%B6ckchen-Ph%C3%A4nomen-Alles-Riechen-bestimmt/dp/349205224X/ref=sr_1_1/278-5688641-8369248?ie=UTF8&s=books&qid=1244470862&sr=11


und eine CD veröffentlicht

Dem Rätsel des Riechens auf der Spur. 2 CDs: Grundlagen der Duftwahrnehmung [Audiobook] (Audio CD)
von Hanns Hatt (Erzähler)


http://www.amazon.de/Dem-R%C3%A4tsel-Riechens-Spur-Duftwahrnehmung/dp/3932513703/ref=sr_1_2/278-5688641-8369248?ie=UTF8&s=books&qid=1244470862&sr=1-2
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Auch Spermien können riechen - Maiglöckchenduft

Beitragvon Juliane » Dienstag 9. Juni 2009, 14:54

Professor Hans Hatt zum nachhören und nachlesen:

Und noch mehr Experten auch zum nachhören
Professor Gerhard Neuweiler, Neurobiologe an der Universität München
Dietrich Wabner, Professor für Chemie und Diplom-Chemiker

Dr. Blanka Pophof Biologin am Biozentrum der Universität München

in der Sendung


Die geheimen Botschaften der Düfte
von Florian Hildebrand

Das Riechen entwickelt sich zeitlich früher als alle anderen Wahrnehmungen und reicht weit zurück in die Geschichte des Lebens - lange bevor das Bewusstsein entstanden ist. Erst in neuerer Zeit hat die Wissenschaft damit begonnen, die komplexen Vorgänge dieser Sinnesleistung zu erforschen. Von Riechzellen und Rezeptoren für je einen Duft ist die Rede - aber welche der 350 Rezeptoren für welche Duftstoffe zuständig sind, das ist noch weitgehend unbekannt.

Bildunterschrift: Im Test: Partnersuche per Geruch

Bekannt ist: Gerüche werden im Stammhirn verarbeitet und lösen Zuneigung, Ekel, Liebe und Hass aus, ohne dass wir davon wissen. Obwohl der Mensch im Vergleich zu manchen Tieren nur wenig Riechpotenzial besitzt, kann er mit ein wenig Übung über 10.000 Düfte wahrnehmen und unterscheiden. Doch diese genau zu benennen gelingt ihm nicht: Denn unsere Sprache mit Sitz im Neocortex hat für all diese Düfte nicht genügend Begriffe parat. Bei allen Geheimnissen rund um das Riechen steht eines fest: Die Nase besitzt ein untrügliches Gespür für Freund und Feind, für Liebe und Lust.

[Sendung nachhören]



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http://209.85.129.132/search?q=cache:GzK0A-DfbPgJ:http://www.br-online.de/wissen-bildung/collegeradio/medien/biologie/nase/manuskript/2._manuskript_nase.pdf+blanca+biologin+m%C3%BCnchen&cd=1&hl=de&ct=clnk&gl=de
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Auch Spermien können riechen - Maiglöckchenduft

Beitragvon Juliane » Donnerstag 28. Oktober 2010, 07:51

Kunden-Rezension auf Amazon

geschriben von S. Lindner


"not found in nature", 9. April 2010

Rezension bezieht sich auf: Das Maiglöckchen-Phänomen: Alles über das Riechen und wie es unser Leben bestimmt (Gebundene Ausgabe)

Maiglöckchen enthalten, wie GC/MS-Analysen zeigen, die Duftstoffe Citronellal, Citronellol, Citronellylacetat, Geranylacetat, Nerol, Geraniol, 2-Phenylethylalkohol, Benzylalkohol, cis-3-Hexenylacetat, cis-3-Hexenol, Benzylcyanid, cis-3-Hexenal, Alkylmethoxypyrazine sowie ß-Ionon. Sowie den berüchtigten Giftstoff Convallatoxin, ein Herzglykosid. Jedoch kein Bourgeonal (3-(4-tert-butylphenyl)propanal) oder ähnliches.

Maiglöckchenduft lockt Spermien zur Eizelle, so macht uns Prof. Hanns Hatt glauben. In einem Akt wissenschaftlicher Effekthascherei verschweigt er uns, daß der Titel seines Buches auf einer Dreistigkeit beruht: Bourgeonal, die von ihm benutzte Chemikalie, wird von "The Good Scents Company" (einer Institution auf diesem Gebiet, mit präzisen Informationen zu über 6.000 Riechstoffen) als "not found in nature" klassifiziert! Mit anderen Worten: der Stoff Bourgeonal mag zwar im Geruch entfernt an Maiglöckchen erinnern, kommt aber in Maiglöckchen nicht vor.

Was hat Prof. Hatt dann gefunden? Nichts als eine chemische Reaktion zwischen einer industriell hergestellten Chemikalie und einem Biorezeptor! Genauso gut könnte man sagen, daß die Augen eines in der Kosmetikindustrie gefolterten Kaninchens beweisen, daß es Haarwaschmittel als "Rot" erkennt [Ironie]... Die Schlagzeile "Synthetische Chemikalie lockt Spermien zur Eizelle" hätte aus dem Buch ja wohl kaum einen populärwissenschaftlichen Erfolg gemacht.

Das ist nicht die einzige Ungenauigkeit in Prof. Hatts Buch. Chanel No. 5 ist kein "synthetischer Duft" sondern enthält neben Naturstoffen wie Jasmin auch äußerst geringe Mengen synthetischer Aldehyde (C-10, C-11 und C-12). Das erste Parfüm, das synthetische Stoffe enthielt, war auch nicht Chanel No. 5, sondern ein Herren-Duft: "Fougère Royal" von Paul Parquet (Firma Houbigant) - bereits 39 Jahre vorher auf den Markt gebracht. Wiederum schlecht recherchiert. (Die Antwort auf die Frage, was das erste rein synthetische Parfüm war, würde mich übrigens sehr interessieren.)

Im Weiteren versagt das "Maiglöckchenphänomen" an einer zentralen Stelle: wenn es erklärt, wie das Riechen funktioniert. Der Autor erliegt der Versuchung, sich von seinen Forschungen auf diesem Gebiet davontragen zu lassen und die "anderen Strömungen" wie auch eigene (und offensichtlich mühselige) Forschungsergebnisse zu ignorieren: "Bis heute, zehn Jahre später, sind außer OR17-40 und OR17-4- nur zwei weitere menschliche Rezeptoren erforscht, alle anderen 346 gilt es erst zu entschlüsseln. Viel Arbeit, noch mehr Kosten, aber wir finden: Es lohnt sich.", so Hatt. Sicher lohnt sich das vor allem für den Geruchsforscher selbst (und folgende Forschergenerationen!), wenn es rechnerisch noch weitere 865 Jahre dauert, um die "fehlenden" Rezeptoren zu entschlüsseln. Ein Schelm, der Arges dabei denkt.

Dabei soll natürlich nicht die Existenz von 350 Rezeptoren angezweifelt werden, sondern nur die Erklärung, wie diese Rezeptoren Düfte erkennen können: "Jeder Rezeptor ... reagiert auf eine bestimmte molekulare Teilstruktur, die zwingend vorhanden sein muss.", läßt uns Hatt wissen. Das ist lediglich eine Vermutung und wissenschaftlich keinesfalls bewiesen. Es lassen sich (siehe Luca Turin "The Secret of Scent") viele Gegenbeispiele finden, wo gleiche Geruchsempfindungen durch gänzlich unterschiedliche Molekülstrukturen ausgelöst werden. Turin ist es auch, der eine andere, und leichter nachvollziehbare Theorie aufstellt: nicht die Form der Moleküle macht laut Turin den Geruch ("Shape Theory") sondern die Molekül-Vibration ("Vibration Theory") ist dafür verantwortlich. Turin beschreibt die 350 Rezeptoren ähnlich den inneren Haarzellen in der Cochlea (Hörschnecke): jeder Rezeptor ist auf eine bestimmte Molekülfrequenz spezialisiert. Wir riechen ähnlich wie wir hören und sehen: basierend auf Vibrationen. Molekülfrequenzen können mit Turins Methode zudem genau berechnet und vorhergesagt werden. Es ist ihm und seiner Firma Flexitral auf dieser Basis gelungen, eine Reihe von Riechstoffen am Computer zu entwerfen und herzustellen - ein schlagender Beweis für die Richtigkeit seiner "Vibrations"-Theorie! Prof. Hanns Hatt hätte diese andere Strömung/Theorie zumindest erwähnen können. Insider wissen: der Streit sitzt tief. Ein "Richard-Axel-Jünger" wie Hatt darf den Namen "Turin" nicht in den Mund nehmen.

Das Buch ist kein Parfüm-Buch, auch wenn es die Namen einiger Riechstoffe und Anekdoten zu berühmten Duftkompositionen enthält und üppige Anleihen bei Süskind's Meisterwerk "Das Parfum" nimmt. Im Wesentlichen geht es im "Maiglöckchenphänomen" um Sexuallockstoffe / Pheromone bei Mensch und Tier. Das thematisch mit Parfüm zu mischen, verwirrt den Leser nur: eine Duftkomposition mit Pheromonen zu vergleichen ist, als würde man Glutamat und Ecstasy in einen Topf werfen, weil beide oral verabreicht werden. Um es klar zu sagen: Marketingfachleute in aller Welt möchten uns nur zu gern glauben machen, eine gute Duftkomposition könnte ähnliche Wirkungen entwickeln, wie Pheromone - nur leider ist das Unsinn und wird ein Wunschtraum bleiben - es sei denn, man setzt direkt Pheromone ein - die dann aber nicht besonders "gut" riechen, was Hatt sogar zugibt. Es ist ein fundamentaler Unterschied ob mir jemand unangenehm ist, weil er das falsche Eau de Cologne benutzt oder weil seine Pheromone mir (unbewußt) inkompatibel und daher "meidenswert" erscheinen. Ersteres "rieche" ich bewußt, letzteres läuft ganz unbewußt ab, ist aber hundertfach effektiver. Nur mit "Duft" im Sinne von Parfüm hat das nicht zu tun. Süskind mochte man diese Unschärfe gerne verzeihen, sein Roman war reine Fiktion. Hatt erhebt einen wissenschaftlichen Anspruch, läßt jedoch die erforderliche Systematik vermissen.

Es gibt auch positives über das " Maiglöckchenphänomen" zu sagen. Hatt macht uns darauf aufmerksam, daß olfaktorische Wahrnehmungen, ob nun bewußt oder unbewußt rezipiert, an vielen Stellen unser Leben bestimmen. Er schreibt in angenehmem, leicht lesbarem Stil und streut viele unterhaltsame und interessante Anekdoten und Informationen ein.

Es nervt nur, wenn ganz im Stile eines Erich von Däniken die zuvor beschriebenen wilden Parallelen konstruiert werden, die dem mäßig interessierten Leser ein "Pseudo-Wissen" suggerieren, daß er dann auf Partys mit Verweis auf die vermeintliche Autorität Hanns Hatt im vollen Brustton seiner Überzeugung von sich gibt. Deshalb nur zwei Sterne.


http://www.amazon.de/product-reviews/349205224X/ref=cm_cr_dp_synop?ie=UTF8&showViewpoints=0&sortBy=bySubmissionDateDescending#R2YU7K1JD0L518

Gebundene Ausgabe
http://www.amazon.de/Das-Maigl%C3%B6ckchen-Ph%C3%A4nomen-Alles-Riechen-bestimmt/dp/349205224X/ref=pd_cp_b_1

Taschenbuchausgabe
http://www.amazon.de/Niemand-riecht-gut-wie-Botschaften/dp/349225747X
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