Leistungseinschränkung MCS

Leistungseinschränkung MCS

Beitragvon Jenny70 » Dienstag 29. September 2015, 10:10

Hallo zusammen,
gestern hab ich vor dem Sozialgericht meine Klage auf volle Erwerbsminderung wegen MCS verloren. Die Diagnose MCS wurde vollständig anerkannt -zumal zig Gutachter sie gestellt hatten, selbst die der DRV. Verloren hab ich deswegen, weil niemand eine Leistungseinschränkung bei der Krankheit sieht und man mich für leichte Pack-und Fertigungsarbeiten in Vollzeit leistungsfähig sieht. Meine eigene Anwältin ist der Auffassung, dass das gerechtfertigt ist, weil es Aufgabe der Agentur für Arbeit ist ein passendes Arbeitsumfeld zu finden. Betroffene wissen, dass das nicht umsetzbar ist und das wir unter ständiger Erschöpfung und Schmerzen leiden. Nichtmal das hat man in Abrede gestellt, aber darauf hingewiesen, dass ich da in der Beweispflicht bin und das nicht nachweisbar ist. Ein Labor hat nach Dr. Kuklinski für mich das Laktat/Pyruvat-Verhältnis gemessen im Ruhezustand und dieser Wert war deutlich erhöht, was Indiz für eine Mitochondriopathie ist. Das wurde auch wieder nicht akzeptiert, weil der Gutachter der Rentenversicherung das als Momentaufnahme für nicht relevant erklärt hat und ein Laborwert würde da nicht ausreichen. Da ich so wirklich nicht auf den Arbeitsmarkt kann, muss ich nun eine Lösung finden und ggf. in die Berufung. Ohne neue, klare Belege ist das aussichtslos. Nun meine Frage an Euch: kann mir irgendjemand, der vlt. erfolgreich berentet wurde oder einen solchen Fall kennt sagen, wie ich das umsetzen kann? Was kann ich tun um das Gericht von einer deutlichen Leistungseinschränkung zu überzeugen? Mein Plan war es nach Rostock zu Dr. Kuklinski zu fahren und mir eine Mitochondropathie bescheinigen zu lassen, nur der ist definitiv zu teuer für mein budget und es gibt ja nicht viele ärzte im Norden, die das faktisch bescheinigen.
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Re: Leistungseinschränkung MCS

Beitragvon mod13 » Dienstag 29. September 2015, 17:41

Willkommen im Forum Jenny70 :)

(Ich möchte Dich hiermit nett darauf hinweisen, dass es für uns leichter zu lesen ist, wenn Du in Zukunft so alle 3-4 Zeilen eine Leerzeile einfügst.) :roll:


Nette Grüße
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Re: Leistungseinschränkung MCS

Beitragvon Jenny70 » Dienstag 29. September 2015, 19:32

danke für den willkommensgruß, das mach ich dann doch glatt..
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Re: Leistungseinschränkung MCS

Beitragvon Twei » Mittwoch 30. September 2015, 09:33

Hallo Jenny70,

Du hattest also einen "Rentenantrag" gestellt, so wie ich das aus Deinem Beitrag oben deuten könnte?


...Da ich so wirklich nicht auf den Arbeitsmarkt kann, muss ich nun eine Lösung finden und ggf. in die Berufung. ...
- genau - ein höheres Gericht entscheiden lassen. Dieses ordnet dann z.B. eigene Gutachter an und wird aus meiner Erfahrung heraus einen Leistungstest anordnen, siehe:

...Durch die damaligen Widerspruchsverfahren zur Rentenbewilligung und Feststellung des Grades der Behinderung wurde mir letztendlich vom Sozialgericht die Teilnahme zu einer 2-3 Tägigen Begutachtung / Prüfung auferlegt. Das sozialgerichtliche Gutachten wurde von einem Team durchgeführt, bestehend aus je einem Psychiater und Orthopäden, zur Erstellung eines psychiatrischen Zusatzgutachtens. ...
ausführlich siehe Diagnostik - Erlebnisse zu MCS - viewtopic.php?t=18362

Nur nicht aufgeben :roll:
Hier in Deutschland liegt man in Sachen MCS gegenüber anderen hoch entwickelten Ländern sehr weit zurück :evil:
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Re: Leistungseinschränkung MCS

Beitragvon Jenny70 » Samstag 3. Oktober 2015, 19:11

Hallo Twei,
Danke für Deinen Beitrag.
ein psychologisches Gutachten wurde bereits vom Sozialgericht veranlasst, dabei wurde festgestellt, dass ich diesbezüglich völlig in Ordnung bin. Die MCS wurd ja tatsächlich zweifelsfrei anerkannt, die wußten wohl alle irgendwie nicht was das tatsächlich für die Gesundheit und Lebensumstände bedeutet. Allerdings wurde nie ein Belastungstest gemacht und anhand ein paar Bewegungen als nicht körperlich leistungseingeschränkt bewertet zu werden, kann ja nicht bedeuten, dass man deswegen 8 Stunden am Lager oder in der Fertigung arbeiten kann, so wie das Gericht meint. Der Sozialverband wird mich wohl in nächster Instanz nicht mehr vertreten, die sehen die Erfolgsaussichten als zu gering, was mich sehr wundert. Mit der entsprechenden Argumentation müsste es doch mal möglich sein eben keinen Psychologen, sondern einen Umweltmediziner in die Verhandlung zu bringen, der bestätigt, dass man mit MCS nicht nur auf grobe Umweltbelastungen, sondern schon auf ganz kleine reagiert. Auf jeden Fall werde ich versuchen einen Anwalt auf Armenrecht zu bekommen und mit der Suche am Montag beginnen. Nichts desto trotz bin ich für hilfreiche Unterstützung, Tipps und Berichten über postitive Erfahrung von den Leuten hier sehr dankbar.
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Re: Leistungseinschränkung MCS

Beitragvon Hannibal64 » Montag 12. Oktober 2015, 21:06

Jenny70 hat geschrieben: Die MCS wurd ja tatsächlich zweifelsfrei anerkannt, die wußten wohl alle irgendwie nicht was das tatsächlich für die Gesundheit und Lebensumstände bedeutet.


das wissen die schon, wollen das nur nicht zugeben...kommt ja ne Lawine ins rollen, Sozialkassen müssen noch mehr sparen, Geld wird anderweitig gebraucht...

erst mal sammeln und formal Berufung einlegen, Frist beachten (normal 1 Monat).

voll erwerbsfähig definiert die DRV übrigens ab 6h, nicht 8. und egal welcher Beruf und ob es den real überhaupt gibt.

die verminderte Leistungsfähigkeit muss halt irgendwie schlüssig dokumentiert werden. dazu sind eigene Aufzeichnungen, ggf. mit Zeugen, auch möglich. also Tagebuch/Tagesablauf, genaue Auflistung WAS man WANN macht, wie oft und wie lang Pausen, Auswirkungen CFS/MCS, je umfangreicher, desto besser. daraus sollten sich halt max. 6 Stunden täglich ableiten lassen.

einzelne Befunde von Ärzten und Diagnosen bringen *allein* nicht sooo viel, die sind immer angreifbar.

gibts noch andere Krankheiten (meist hat man CFS/MCS ja nicht alleine, sodnern auch andere Allergien, Unverträglichkeiten etc.)? wenn ja, welche?

ist eine Schwerbehinderung festgestellt worden? wenn ja, wie hoch ist der GdB, wenn nein, warum wurde kein Antrag gestellt?

von einem Anwalt mit Beratungsschein (PKH) würde ich allerdings wenig erwarten. insofern muss man da gut zuarbeiten, die 2. Instanz braucht aber mW einen Rechtsbeistand.

wie gesagt die Argumentation kann nicht alelin über die Diganose(n) erfolgen, die Auswirkungen sind entscheidend.
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Re: Leistungseinschränkung MCS

Beitragvon Galaxie » Freitag 16. Oktober 2015, 05:15

:)

Hallo Jenny70,

von Dr. Tino Merz...

"Immer das gleichge Lied" - Dieser Beitrag soll Betroffenen und ihren Anwälten mitteilen, dass die Akte(n) meist alle Fakten liefert(en), um Beweis führen zu können. Das Problem ist also meist nicht die Beweislage, sondern dass sie nicht genutzt wird. Die Fehlbewertung ist gut etabliert und eingeübt und alle halten sich brav daran – gegen die eigenen Interessen... http://www.blog.dr-merz.com/?p=420


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Re: Leistungseinschränkung MCS

Beitragvon Jenny70 » Montag 26. Oktober 2015, 12:01

hallo hannibal,
man kann doch aber auch erwerbsminderungsrente beantragen, wenn sie der arbeitsmarkt völlig verschließt und genau da sehe ich den ansatz, denn es ist doch so, wenn man als betroffener schon lange zuhause ist, so wie ich, dann geht es einem relativ gut und man hat auch nicht so viele pflichten, was hilft da ein tagebuch? mal davon ab, dass ich sowas nie geführt hab. meines erachtens sagt die wiederhote diagnose doch schon allein am krankheitsbild aus, dass es sich zum einen um eine körperliche krankheit handelt, so ist es zumindest in der knochenliste definiert und das erkrankte bereits auf kleinste mengen chemie mit schweren reaktionen zu kämpfen haben. mein arzt hat anfangs eine menge diagnosen gestellt von chronischer erschöpfung über hws, allergien, nahrungsmittelunverträglichkeiten bis tinnitus, aber all das wurde von den gutachtern nicht berücksichtigt, ist also bis hierher wertlos.
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Re: Leistungseinschränkung MCS

Beitragvon Jenny70 » Montag 26. Oktober 2015, 12:06

hallo galaxie,
auf der seite von dr. merz hab ich bereits so einiges gelesen, das spiegelt zwar gut die situation wieder, hat aber denke ich weniger rechtliche bewandnis. hab einen anwalt genommen, der für mich in berufung geht. der zweite kontaktierte anwalt wohlgemerkt, der erste hat das mandat wegen geringer erfolgsaussichten abgelehnt, so wie der sozialverband auch. es ist ja mal ein glückspiel jemanden zu finden, der einen bei der krankheit ernst nimmt. der erste anwalt war zwar nett, aber erzählte mir er habe eine tiefe stimme und könnte auch arbeiten, ich soll mal realistisch sein. sowas nimmt schon ordentlich selbstvertrauen. mittwoch hab ich termin beim jobcenter, die dürfen mich ja jetzt vermitteln. wie ich damit klar kommen soll, ist mir wirklich ein rätsel.
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Re: Leistungseinschränkung MCS

Beitragvon Jenny70 » Montag 26. Oktober 2015, 12:14

achso, ich vergaß, ja hab einen GdB von 50.
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Re: Leistungseinschränkung MCS

Beitragvon Hannibal64 » Freitag 6. November 2015, 21:50

Jenny70 hat geschrieben:hallo hannibal,
man kann doch aber auch erwerbsminderungsrente beantragen, wenn sie der arbeitsmarkt völlig verschließt und genau da sehe ich den ansatz, .


beantragen kann man vieles....

Erwerbsminderungsrente wird nur gewährt, wenn beitrags- und gesundsheitsrelevante Regelungen zutreffen. Konkret bzgl. Leistungsfähigkeit diese unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes weniger als 6h täglich beträgt.

0-3h = volle Erwerbsminderungsrente, befriset oder unbefristet
3-6h = halbe Erwwerbsminderungsrente, immer befristet, max. 3 Jahre

Ist bei der halben Rente der Arbeitsmarkt verschlossen, gibts (noch) eine sog. Abeitsmarktrente = volle Erwerbsminderungsrente (auch Befristung max. 3 Jahre).

Und wie gesagt, Diagnosen allein bringen wenig, deren Auswirkungen auf die Leistunsfähigkeit ist zu bemessen, bzw. muss darlegbar sein. deswegen scheitern ja viele, gerade mit CFS/MCS. Tagebuch hilft da, ein "Leistungstagebuch" ist natürlich gemeint. oder findest einen Gutachter, der das ähnlich belegt.


denen vom JC sag halt, dass Du in Berufung gehst, notfalls mal nen Schreiben vom Anwalt vorlegen etc., dann lassen die einen normalerweise in Ruhe; allerdings habe ich schon gehört, dass aktuell der Druck mächtig zugenommen hat. die haben zurzeit mächtig Kunden-Zulauf...kann natürlich sein, dass jetzt jeder der sich noch irgendwie bewegen kann voll vermittelbar ist.

trotzdem viel Glück und starke Nerven, die wirste brauchen.
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Re: Leistungseinschränkung MCS

Beitragvon Nanuu » Sonntag 14. Januar 2018, 21:17

Hallo Jenny,

darf ich einmal nachfragen, was nun über 2 Jahre später dabei rausgekommen ist, und ob du Tips für andere hier hast, die einen ähnlichen Weg beschreiten möchten?
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