Schweizer kämpfen für MCS Anerkennung

Schweizer kämpfen für MCS Anerkennung

Beitragvon Alex » Samstag 9. Februar 2008, 15:54

Medienarbeit als Kampf gegen Diskriminierung
Christian Schifferle engagiert sich für MCS-Betroffene

Christian Schifferle aus Egg betreibt intensiv Medienarbeit. Er will Menschen helfen, die wie er an der Chemikalienallergie MCS leiden. Nun schafft er den Sprung ins ZDF.

Interview Bettina Sticher


Herr Schifferle, von Ihnen und Ihren Anliegen konnte man in letzter Zeit häufig in der Zeitung lesen. Sie geniessen inzwischen einen gewissen Bekanntheitsgrad. Betreiben sie gezielt Medienarbeit?

Medienarbeit ist der einzige Weg, um dem Thema MCS (Multiple-Chemical-Sensivity) Anerkennung zu verschaffen. Ich kämpfe gegen die Diskriminierung gewisser Krankheiten. Wer wie ich an einer Krankheit leidet, die durch die Schulmedizin nicht eindeutig diagnostizierbar ist, landet schnell in der «Psychoschublade». Ich selber war bereits als Kind krank und wurde wie andere auch jahrelang als «Simulant» hingestellt. Zum Teil ist das heute noch so. Viele Betroffene getrauen sich unter diesen Umständen fast nicht mehr, sich zu outen.

Am nächsten Dienstag haben Sie um 22.15 Uhr haben Sie zusammen mit anderen Betroffenen im Zweiten Deutschen Fernsehen ZDF in der Doku-Reihe «37 Grad» unter dem Titel «Wenn Düfte krank machen» einen grossen öffentlichen Auftritt. Wie haben Sie das geschafft?

Eine Schweizer Journalistin, die schon seit Jahren für das deutsche Fernsehen arbeitet, hat das Thema auf Grund eines in der Schweiz erschienenen Zeitungsartikels über mich und meine Krankheit vorgeschlagen. Sie nahm den Bericht zum Anstoss, über die Krankheit MCS eine Doku-Sendung zu produzieren. Diese Sendung wird nun ausgestrahlt. In Deutschland ist man mit dem Thema MCS bereits viel weiter als bei uns.

Was sehen Sie als Gründe dafür?

In der Schweiz stehen die Gesundheitssendungen unter dem Druck der Chemieindustrie, davon bin ich überzeugt.

Was erhoffen Sie sich von Ihrem Auftritt im Fernsehen?

Die Sendung wird die Krankheit einer breiten Öffentlichkeit verständlicher machen und damit den Betroffenen helfen. Ich bin in der Schweiz sozusagen das Sprachrohr für die an MCS Leidenden, die zum Teil tagtäglich ums Überleben kämpfen und doch häufig nicht ernst genommen werden. Das ist, als ob man zwei Krankheiten gleichzeitig hätte. Es gibt zum Thema auch Selbsthilfegruppen und einen Verein. (Informationen findet man unter http://www.mcs-liga.ch.) Die Dokusendung hat mir übrigens bereits weitere Medienanfragen beschert. Zur Zeit muss ich daher meine Kräfte etwas schonen. Denn die Medienarbeit ist auch anstrengend, und nicht alle verstehen mein Engagement.

Seit wann betreiben Sie Öffentlichkeitsarbeit in dieser Sache?

Intensiv mache ich seit rund zehn Jahren Öffentlichkeitsarbeit. Doch bereits vor 20 Jahren war einmal ein Zeitungsartikel über mich erschienen. Doch damals war das Echo darauf gering, und ich hatte wieder für ein paar Jahre resigniert. Seit 15 Jahren vernetzten sich nun die MCS-Betroffenen in den verschiedenen Ländern. Eines unserer Ziele ist der gesunde Wohnungsbau und entsprechende Wohnmöglichkeiten auch für weniger Betuchte. Mir beispielsweise macht es keinen Spass, im Wohnwagen in Egg zu wohnen.

Am Donnerstag wurden Sie in Uster zum Präsidenten einer neugegründeten Baugenossenschaft gewählt, die sich für gesundes Wohnen zugunsten von MCS-Betroffenen einsetzen will (siehe Kasten oben).
Die Genossenschaft will geeigneten Wohnraum schaffen für Leute, die unter MCS leiden. Auch ich selbst würde gerne wieder in einer Wohnung leben. In einer gesunden Umgebung ist das Leben mit der Krankheit viel einfacher.
Sie haben Ihr Büro in der Stadt Zürich. Warum ziehen Sie nicht einfach in eine weniger belastete Umgebung, hinaus in die Natur?

Ich habe acht Jahre lang in den Bergen gelebt, war acht Jahre sozusagen im «Exil» auf der Lenzerheide. Doch dort war ich allein. Meine Freunde leben in Zürich, ich liebe die Stadt. Zudem habe ich gemerkt, dass ich nur in der Stadt mit der Öffentlichkeitsarbeit wirklich vorwärtskomme. Wohnen tue ich ja ausserhalb der Stadt. Aber auch auf dem Land gibt es Probleme wegen der Krankheit. Die Agrochemie beispielsweise, die in der Landwirtschaft eingesetzt wird, bereitet mir auch manchmal Schwierigkeiten.


http://www.zo-online.ch/article3058/Ressorts/Fokus-Region/Kampf-gegen-Diskriminierung.htm
- Editiert von Alex am 09.02.2008, 15:55 -
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Beitragvon Alex » Samstag 9. Februar 2008, 15:58

9. Februar 2008, Neue Zürcher Zeitung
«Gesundes Wohnen MCS»

In Uster wurde am Donnerstagabend die Wohnbaugenossenschaft «Gesundes Wohnen MCS» gegründet. Ihr Ziel laut Statuten ist es, in der ganzen Schweiz baubiologisch hochwertigen Wohnraum für alle Bevölkerungskreise anzubieten, besonders aber geeignet für Menschen mit MCS. Zu den Gründungsmitgliedern gehören neben Betroffenen mehrere Ärzte. Zum Präsidenten wurde Christian Schifferle gewählt. Er erklärte an der Versammlung, über geeigneten Wohnraum hinaus brauche es eine Hilfsorganisation, denn MCS-Kranke seien oft unterstützungsbedürftig und auf umfassende Betreuung angewiesen.

Neue Zürcher Zeitung
http://www.nzz.ch/nachrichten/zuerich/gesundes_wohnen_mcs_1.668105.html
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Beitragvon Alex » Samstag 9. Februar 2008, 16:57

In der Schweiz wurde eine MCS Baugenossenschaft gegründet.
Sicher die Erste in Europa.

Video: http://www.zo-online.ch/section4/webtv.htm
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Beitragvon Silvia K. Müller » Samstag 9. Februar 2008, 17:47

Ein Chapeau in die Schweiz für die powermäßige MCS Aufklärungsarbeit
und den beinharten Einsatz.

In einer Woche vier Artikel über MCS, ich weiß nicht, welches Land
das toppen könnte.

Hier kommt der Link zu Artikel Nummer 4 aus der Schweiz, indem MCS-SOS die Gruppe von Heidi aufgeführt wird:

Quälende Düfte
Astrid Falk leidet an einer Chemikalien-Unverträglichkeit – demnächst erscheint dazu ein Buch
Wittenbach. Lange Zeit hat Astrid Falk nicht gewusst, weshalb sie so oft gereizt, so oft krank war. Inzwischen ist ihr klar, was bei ihr heftige körperliche Reaktionenauslöst: synthetischeDuftstoffe.

http://www.tagblatt.ch/index.php?artikelxml=1464568&ressort=tagblattheute/stgallen/frontseite&jahr=2008&ms=hauptseite
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Beitragvon Silvia K. Müller » Samstag 9. Februar 2008, 21:35

Ich sage es gerade heraus, ich bin richtig stolz auf unsere Schweizer Aktivistenfreunde und
auf ihren Erfolg in der Öffentlichkeitsarbeit zur Verbesserung der Situation CHemikaliensensibler.
Was Heidi und Christian auf die Beine gestellt haben in den letzten Monaten sucht seinesgleichen.

Es hat mich so sehr gefreut, dass ich Euch darüber heute im CSN Blog geschrieben habe.

MCS in der Schweiz: Vier auf einen Streich und noch Eins obendrauf

http://www.csn-deutschland.de/blog/2008/02/09/schweiz-vier-auf-einen-streich-und-eins-obendrauf/
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Beitragvon Kai Uwe » Sonntag 10. Februar 2008, 11:47

Wirklich super Ihr Schweizer!
Weiter so.
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Beitragvon Maria » Sonntag 10. Februar 2008, 14:28

Herzlichen Glückwunsch in die Schweiz für das Vollbrachte!!!

Das ist ein Meilenstein für MCS!
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Beitragvon Marina » Sonntag 10. Februar 2008, 18:15

Es hat sich gelohnt. Herzlichen Glückwunsch in die Schweiz!
Das brauchen wir hier in Deutschland auch.
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Beitragvon Betty Zett » Sonntag 10. Februar 2008, 21:06

Supergenial!

Herzlichen Glückwunsch an Christian, Heidi, Astrid und die anderen Schweizer Aktivisten,
wünscht Euch
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Beitragvon Maria » Montag 11. Februar 2008, 08:57

Was die Schweizer da vollbracht haben ist wirklich unglaublich und das alles ohne Dachverband.

Man kann auch ohne eine solche Institution aktiv sein und letztendlich effektiv sein und viel bewirken, wie uns dieses aktuelle Beispiel zeigt.
Das sollten wir alle bedenken!
Maria
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Beitragvon Mia » Dienstag 12. Februar 2008, 07:50

Herzlichen Glückwunsch an Christian, Heidi, Astrid
und ihre Mitstreiter in der Schweiz!
Ich wünsche, dass wir alle von Eurem Mut und Eurer
Tatkraft lernen und intensiv Öffentlichkeit
herstellen.

Mia
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Beitragvon Silvia K. Müller » Dienstag 12. Februar 2008, 21:39

Noch eine letzte abendliche Mail von Heidi aus der Schweiz.
Christian ist jetzt in Zürich gelandet und es geht ihm gut.
Wir sind alle richtig stolz auf ihn und dankbar, dass er diese
Strapaze auf sich genommen hat.
----------------


Mail von Heidi aus der Schweiz an alle:


Im letzten Moment noch eine Mitteilung zu heute Abend:

Soeben habe ich einen Anruf aus Hamburg erhalten, dass Christian Schifferle der Einladung zum Talk mit Johannes B. Kerner gefolgt ist. Er ist heute Nachmittag nach Hamburg geflogen und gut dort gelandet. Die Aufnahmen für die heutige Sendung sind bereits gemacht und Christian konnte das Studio wieder verlassen. Begleitet wurde er von Dr. Ohnsorge. Die beiden werden gleich zu Beginn der Sendung sprechen.

Hier der Text zur Sendung:

"Für die 1000. Ausgabe am Dienstagabend hat Johannes B. Kerner folgende Gäste eingeladen: Sky und Mirja du Mont, die mit Industriemanager Hans-Olaf Henkel, dem Kinderarzt Dr. Klaus Kühn und dem Vorsitzenden des Deutschen Philologenverbandes Heinz-Peter Meininger über das Thema "überforderte Kinder" diskutieren, das Schauspielerduo Fritz Wepper und Tochter Sophie Wepper sowie Christian Schifferle, der an multipler Chemikaliensensibilität leidet. Der 52-Jährige ist zuvor bereits um 22.15 Uhr in der 37°-Reportage "Ich kann dich nicht riechen" zu sehen."
http://www.presseportal.de/pm/7840/1133994/zdf


Aber vorher nicht verpassen, die Reportage über MCS!
Weitere Informationen unter diesem Link:
http://37grad.zdf.de/ZDFde/inhalt/25/0,1872,7157369,00.html?dr=1

Das war sehr mutig von Christian. Hoffen wir, dass er auch die Rückreise gut übersteht und sich anschliessend ein wenig erholen kann.
Übrigens gab es in der Nähe seines Wohnwagens einen Zwischenfall, so dass er ev. vorübergehend nicht darin hausen kann, weil sich der Geruch im Innern der Wohnwagens ausgebreitet hat. Christian musste schon letzte Nacht im Wald schlafen. Um so mutiger, dass er trotz allem nach Hamburg gereist ist.

Mit lieben Grüssen
Heidi Streminger und Team MCS-SOS
http://www.mcs-sos.ch
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Beitragvon Juliette » Mittwoch 13. Februar 2008, 10:22

Hallo,

beide Sendungen, 37 Grad und Johannes B. Kerner waren sehr gut und sachlich gestaltet. Grosses Lob an alle Mitwirkenden!

Was mir aufgefallen ist und wo es noch erheblicher Aufklärung bedarf ist das künstliche Parfüme und Duftstoffe, als normal angesehen werden. Ich denke das ist hier zu Lande noch ein Gesellschaftsproblem.

Grüsse von Elloran
Juliette
 

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Beitragvon Lulabee » Mittwoch 13. Februar 2008, 10:55

Hallo Christian,
Du warst große Klasse und hast die Schweiz und uns alle super vertreten.

Alles Gute für Dich,
Lulabee
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Beitragvon Lucca » Mittwoch 13. Februar 2008, 11:49

Saubere Arbeit und voller Einsatz - Danke dafür Christian.

Wir sind stolz auf Dich und die anderen,
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Beitragvon Janik » Donnerstag 14. Februar 2008, 08:27

Hallo Christian,
Du warst prima und Dein Einsatz ist enorm.
Weiter so unserer Rückendeckung hast Du.
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Beitragvon Analytiker » Donnerstag 14. Februar 2008, 10:06

Auch ich möchte Euch mutigen und emsigen Schweizern meinen Respekt und Dank für diese Glanzleistung aussprechen. Ganz besonders bedanken möchte ich mich bei Christian, für seinen unermüdlichen Einsatz. Das war ein Mega-Filmbeitrag und ein gelungenes Gespräch bei Johannes B. Kerner.

Was Eric in seinem Kommentar vorschlägt, die momentane Stimmung zu nutzen und den Weg weiter zu verfolgen, deute ich als den richtigen Weg.

Vielleicht könnten wir eine Unterschriften-Aktion ins Leben rufen, wie dies z. B. gegen die Machenschaften gegen Prof. Rea in Texas zum Erfolg führte. Ich könnte mir vorstellen, dass wir noch nicht all unsere Möglichkeiten ausgeschöpft haben.

http://www.csn-deutschland.de/blog/2008/02/09/schweiz-vier-auf-einen-streich-und-eins-obendrauf/

Oder den Aufstand der MCS-Kranken in Deutschland proben. Wenn wir eine Demonstration auf die Beine stellen würden, bei der wir für die Anerkennung seitens der Rententräger und Versorgungsämter demonstrieren, auf die Strasse gehen, mit Atemmaske und entsprechenden auffallenden Plakaten, warum nicht!? Der Christian hat es vorgemacht. Ohne Einsatz kein Erfolg. Jedenfalls würden wir mit solchen Mitteln die Aufmerksamkeit auf uns lenken, was nicht der Fall ist, wenn wir uns nur per Computer in Foren wehren. Ich denke wir müssen noch mehr veranstalten.
Analytiker
 

Re: Schweizer kämpfen für MCS Anerkennung

Beitragvon Kira » Mittwoch 10. Februar 2016, 19:03

Heidi Streminger und das Team von MCS-SOS in der Schweiz haben eine neue Webseite/Umgestaltung

http://mcs-sos.ch

Flyer von MCS-SOS http://mcs-sos.ch/wp-content/uploads/20 ... yer_de.pdf
"Wo der Mut keine Zunge hat, bleibt die Vernunft stumm."
(Jupp Müller, deutscher Schriftsteller)

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