Kalkputz reagiert mit Tapetenkleister

Kalkputz reagiert mit Tapetenkleister

Beitragvon Detlef » Montag 21. Dezember 2009, 20:39

Hallo
Habe immer noch eine Schadstoffquelle im Schlafzimmer. Möbel, Boden, Holzfenster, Bettzeug kann ich ausschließen, bleiben nur noch die Wände. Raufasertapete mit Ökotest Kleister und Kreidezeit Leimfarbe.
Die Tapete hatte ich vor ein paar Wochen schon im Visier und mich bei Fa. Kreidezeit nach Kalkputz als Ersatz erkundigt. Dort wurde mir im Zusammenhang mit MCS dringend geraten:
1.
Nichts in den Raum zu bringen, was man bei Unverträglichkeit nicht wieder problemlos entfernen kann. Also besser Tapete, als Putz / Kalkglätte o.ä.

Sowie 2.
Bei MCS keinesfalls Kalkputz auf alten Oberflächen aufzutragen, da Kalk hochalkalisch ist und zwangsläufig mit alten Kleister- und Farbresten reagieren wird. In der Folge also unkalkulierbare Reaktionsprodukte ausgasen können. Dieser Effekt, bzw. die Unverträglichkeit könne u.U. erst Jahre später einsetzten, die Materialien müssen ja auch erstmal reagieren.

Hat eine Weile gedauert, aber heute fällt bei mir endlich der Groschen, ich HABE doch Kalkputz an den Wänden und nach aller Wahrscheinlichkeit reagiert der bereits fleißig mit dem Tapetenkleister. Zumindest ist dies für mich im Moment die plausibelste Theorie und würde mit der derzeitige Reaktion vollständig zusammenpassen.

Tapete MUSS also runter und ich fürchte auch der alte Putz, denn es dürfte kaum möglich sein, die bereits eingedrungenen Kleisterreste vollständig auszuwaschen. Aber womit dann neu verputzen?

Irgendwelche Ideen dazu?

Grüße, Detlef
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Kalkputz reagiert mit Tapetenkleister

Beitragvon Blonde Babe » Montag 21. Dezember 2009, 21:20

Karlheinz könntest Du fragen, er hat dazu Ahnung, wie man durch seine Einträge sehn kann.
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Kalkputz reagiert mit Tapetenkleister

Beitragvon Karlheinz » Dienstag 22. Dezember 2009, 07:33

Bestimmte Farben, insbesondere auf Pflanzenölbasis und wenn ich recht entsinne Alkydharzlacke werden durch alkalische Medien zersetzt. Das nutzt man beim Abbeizen von Möbeln mit Natronlauge.

Dispersionsfarben können auch davon betroffen sein, es gibt aber wohl auch Alkalifeste, mit denen man neue Putzflächen grundieren kann.

Neuer Putz, der Kalk enthält ist immer alkalisch, da das enthaltene Caziumhydroxid nur sehr langsam mit dem CO2 der Luft zu Kalk (Calziumcarbonat) reagiert. Wenns feucht ist, gehts schneller.

Sehr alter Putz (> 20 Jahre?) enthält kaum noch Calziumhydroxid und ist dann auch nicht mehr alkalisch.

An Betonflächen im Freien kann man den Prozeß verfolgen, auf Betonplatten, die nicht mehr alkalisch, wachsen Algen, Flechten und später mehr und sie werden dann unansehnlich.

Tapetenkleister, der nur Methylzellulose enthält, sollte eigentlich keine Probleme machen. Bei Kleister mit Kunststoffzusätzen weiß ichs nicht, wäre möglich.

Ich habe mal auf weißer Dispersionsfarbe (auf Tapete) an zwei Stellen etwas Borsalz- bzw. Boraxlösung aufgepinselt. Nach einigen Wochen hat eine der Stellen angefangen nach Kunstharz o.ä. zu riechen. weiß aber nicht mehr welche. Borax und Borsalz sind in Lösung schwach alkalisch.

Ich habe leider auch regelmäßig Probleme mit Raümen mit neuen Kalkputz. Keiner hat drei Winter "funktioniert" und die Quelle der Problem ist mir bis heute schleierhaft. Eine Verdachtsmöglichkeit wäre evtl. dass Ablagerungen von meinem eigenen Mief letztlich vom Kalk zersetzt werden und Probleme machen. Wenn ich Wäsche in der Sonne trockne fängt sie für mich an zu stinken (unabhängig von Waschmittel oder Waschmaschine). Wenn ich im Sommer bei Sonne lüfte riechts auch etwas unangenehm. Vielleicht reagiert ja das Ozon mit meinem Mief.

Das Mauerwerk, auf dem der Putz aufgebracht ist, sollte eigentlich frei von Farbe u.ä. Rückständen sein.

Ich habe aber ein Stück Wand, das früher mal zu einem Badezi gehörte, wo es nach Jahren noch etwas nach Parfüm riecht. Durch den neuen Kalkputz. Wollte ich im Sommer sanieren. Als der Putz ab war roch es nach was anderem unangenehm, auch als neuer Putz drauf war. Nach Absperren mit Alufolie immer noch im Zi. Staub vom Putzabstämmen? Man begegnet immer neuen Wundern und Rätseln. Der Raum ist jedenfalls seither "hin". Hätte aber vielleicht auch aus anderen Gründen (s.o.) nicht noch mal funktioniert.
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Kalkputz reagiert mit Tapetenkleister

Beitragvon Detlef » Dienstag 22. Dezember 2009, 14:39

Hallo Karlheinz
Vielen Dank für Deine Umfangreichen Ausführungen.
Das Haus ist Bj. 1938, der Kalkputz also 70 Jahre alt, sollte dann also mehr als ausreagiert haben und sich neutral verhalten.
Mist, dann ist meine schöne Theorie zum Teufel.
Von meinen Symptomen her habe ich aber immer noch den Eindruck, daß die Ursache in / an den Wänden liegt, sind aber knochentrocken und kein Schimmel o.ä.! Vor vier Jahren tapeziert und mit Leimfarbe gestrichen, Geruch ist kaum wahrnehmbar, nur direkt an der Wand riecht es ganz schwach feucht- erdig- muffig, so ähnlich wie frischer feuchter Kalkmörtel. (evtl. die Leimfarbe?)
In den anderen Räumen 'riechen' die Wände absolut nicht, wurden vor 15 Jahren noch konventionell renoviert (Raufaser, Dispersionsfarbe).

Was mache ich jetzt, erstmal Tapeten abreißen und dann weitersehen?

Karlheinz, Du scheinst mit Deinen Wänden ähnliche Probleme zu haben? Hast Du außer mit Kalk auch mit anderen Putzen experimentiert, evtl. Erfahrungen mit Lehm?

Grüße, Detlef
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Kalkputz reagiert mit Tapetenkleister

Beitragvon Detlef » Dienstag 22. Dezember 2009, 14:42

[quote] Wenn ich Wäsche in der Sonne trockne fängt sie für mich an zu stinken (unabhängig von Waschmittel oder Waschmaschine). [/quote]

Welche Waschtemperatur?
Ähnlichen Effekt hatte ich bei 40° Wäsche, nur mit Seifenflocken (Sodasan), roch beim Trocknen nach Essig, vermute dahinter schlicht Bakterien.
Seither wasche ich konsequent auch Bunt mit 60° und Sauerstoffbleiche (Natriumpercarbonat), letztere wirkt desinfizierend, aber erst ab 50°.
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Kalkputz reagiert mit Tapetenkleister

Beitragvon sunday » Dienstag 22. Dezember 2009, 15:02

wer viel bei niedrigen temperaturen wäscht sollte unbedingt ab und zu mal einen waschgang mit hohen temperaturen durchlaufen lassen, sonst wird die ganze maschine schön von bakterien besiedelt und dann ist es kein wunder, wenn es muffelt.

lg
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Kalkputz reagiert mit Tapetenkleister

Beitragvon Detlef » Mittwoch 23. Dezember 2009, 00:03

So, wenn man lange genug darüber nachdenkt, kann man (fast) jedes Problem lösen.
Habe mal im Flur an der Wand geschnuppert, Putz, Tapete, Kleister, Alter identisch zu meinem Schlafzimmer, nur keine Leimfarbe (dank mangelndem Arbeitseifer, CFS). Dort riecht die Wand trocken und gaaanz leicht holzig. Der feucht- muffige Geruch kann also nur von der Leimfarbe herrühren.
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Kalkputz reagiert mit Tapetenkleister

Beitragvon Karlheinz » Mittwoch 23. Dezember 2009, 08:23

Mein Haus hier ist BJ 1912. Bei Umbauarbeiten vor einigen Jahren kamen einige Tapeten ab und es fanden sich darunter alte Farbreste. Teilweise ließ sich eine hübsche Bemalung mit Muster erahnen. Die Farbe hatte sich aber zersetzt und es roch leicht stechend. Solche Putzstellen kamen bei der zweiten Sanierung alle runter.

Lehmputzenthält meist Stroh. Vertrag ich beim Verarbeiten vermutlich nicht. Hab eine kleine Wand mit Wandheizung mal mit Lehmputz verputzen lassen. Roch noch ca. 1/2 bis 1 Jahr vollkornmäßig, seither neutral. Ist aber auch kein Raum, in dem ich mich dauernd aufhalte (Küche).

Kannst Du nicht einfach das Alublech auch für Wände und Decken verwenden, wo das so gut geklappt hat?
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Kalkputz reagiert mit Tapetenkleister

Beitragvon Detlef » Mittwoch 23. Dezember 2009, 23:20

[quote]Kannst Du nicht einfach das Alublech auch für Wände und Decken verwenden, wo das so gut geklappt hat?[/quote]

Auf gar keinen Fall, will keinen Schimmel züchten, wenigstens die Wände müssen atmen können. Außerdem dürfte das Raumklima (Luftfeuchte) in einer allseitig geschlossen Blechkiste weder angenehm, noch gesund sein.
Ich werde die Tage mal anfangen die Tapeten abzureißen, dann sehen wir weiter. Lehm finde ich ja interessant, würde aber Stroh o.a. organischen Zuschlag eher meiden wollen. Na, mal sehen.
Grüße, Detlef
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Kalkputz reagiert mit Tapetenkleister

Beitragvon Detlef » Montag 28. Dezember 2009, 17:43

So, habe mal ein Stück Tapete trocken abgezottelt und stelle fest, der Muff- Geruch kommt nicht von der Tapete / Leimfarbe, sondern vom Untergrund. Kalkputz mit uraltem Anstrich, vermutl. auch Leimfarbe, könnte so alt wie das Haus sein (1938).
Damit steht fest, daß der Putz runter muß, aber was dann?
Wieder Kalk eher nicht, Karlheinz berichtete ja schon von eigener Unverträglichkeit.
Sympathisiere sehr mit Lehm, aber wenn dann ohne organische Zuschläge (Stroh, Tierhaar...), denke sogar daran, mir den Lehm selbst aus einer nahe liegenden Grube zu holen und nur mit Sand zu mischen.

Irgendwelche Ideen, Erfahrungen, Tips, Anregungen dazu, oder Alternativen?

Grüße, Detlef
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Kalkputz reagiert mit Tapetenkleister

Beitragvon Karlheinz » Dienstag 29. Dezember 2009, 06:41

Also, ich kann nicht genau sagen, ob gewisse Probleme mit einigen Räumen evtl. mit dem Kalkputz zusammenhängen.
Wäre nur eine Möglichkeit. Kann sein, dass es überhaupt nicht an der Art der Oberfläche liegt. Ist wohl nach wie vor mit das verträglichste Putzmaterial. Sollte man nicht einfach abschreiben.

Was auch immer, am besten nicht gleich im Lieblingswohnraum ausprobieren, sondern in einem anderen Raum. Oder erstmal auf einer kleinen Fläche.

Lehm ohne organische Zuschläge ist vermutlich eine gute Idee. Kommerziell aber kaum erhältlich. Bin glaub ich vor Jahren mal über einen Anbieter gestolpert. Mit Stroh ist das Zeug nach einiger Zeit (oder etwa einem Jahr)
scheinbar auch recht geruchlos.
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Kalkputz reagiert mit Tapetenkleister

Beitragvon Detlef » Sonntag 17. Oktober 2010, 14:15

Kalkputz ist entfernt und mit Lehm neu verputzt.
Der Kalk war sehr weich, ließ sich rel. leicht mit Hammer und Schaber bis auf die Ziegelwand entfernen. An der Decke, Holzschalung mit Schilfmatten, ließ sich der Putz auch einigermaßen abschlagen, so daß ich die alten Schilfmatten wieder verwenden konnte. Neukauf wollte ich vermeiden, aus Sorge um ggf. verwendete Pestizide / Fungizide.

Lehmputz kann man fertig kaufen, aber aus grundsätzlichem Mißtrauen habe ich mir den Lehm selbst besorgt, durfte mich in der Grube einer nahe liegenden Ziegelei bedienen.
Lehmputz aufbringen ist gar nicht so schwer, etwas handwerkliches Geschick vorausgesetzt. Lehm nur mit Sand abgemagert, keine Strohhäcksel o.ä., Haftung und Festigkeit nach dem Trocknen sehr gut.
Lehm verarbeitet sich kaum anders als Zement / Kalkmörtel, trocknet aber erheblich langsamer. Außer im Hochsommer sollte man unbedingt einen Bautrockner einsetzte, um Schimmel auf der feuchten Oberfläche vorzubeugen. Das ist mir prompt an der Decke passiert, ließ sich aber durch Anstrich mit Wasserglas 'reparieren'.
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