Psychosomatik "Tendenz steigend"

Psychosomatik "Tendenz steigend"

Beitragvon Juliane » Montag 12. Dezember 2011, 07:47

"Deutschland hat etwa so viele Betten in psychosomatischen Rehabilitations- und Kurkliniken wie der Rest der Welt." (Klaus Dörner)

Klar, hier lässt sich noch mehr Kohle machen. Rezept: Man nehme ein abgetakeltes Landkrankenhaus, gebe ihm einen neuen Anstrich und einen neuen Namen, mache aus ehemaligen Krankenschwestern "Co-Therapeuten" , lege sich ein neuartiges Therapiekonzept zu, integriere notfalls noch Diabetes-Schulung , Umweltmedizin, Anti-Aging und schon läuft der Laden. Mit oder ohne LVA etc.


Kommentar Klaus Dörner:

"Mehr als 95 Prozent der Sozialhilfeleistungen fließen in den stationären Bereich.
Rehabilitation: Deutschland hat etwa so viele Betten in psychosomatischen Rehabilitations- und Kurkliniken wie der Rest der Welt, der unser Jammern über Geldknappheit nicht versteht, solange wir uns diesen – von Bismarck zur sozialen Befriedung geförderten – Zauberberg-Sumpfblüten-Zopf noch leisten. Dieser garantiert mehr Schaden als Nutzen, statt die Rehabilitation konsequent dorthin zu „ambulantisieren“, wo die Menschen leben. Aber wo die unsichtbare Hand des Marktes regiert, darf niemand so recht steuern, maßt sich daher auch niemand die Autorität der Verantwortung an, egal wie katastrophal das Ergebnis für die Gesundheit ist."


Dörner, Klaus
Gesundheitssystem: In der Fortschrittsfalle

http://www.aerzteblatt.de/V4/archiv/artikel.asp?id=33941

Wiki zum Thema Psychosomatik

"Neben der ambulanten Behandlung durch entsprechend weitergebildete Ärzte oder psychologische Psychotherapeuten, gibt es in Deutschland eine im internationalen Vergleich große Auswahl an ambulanten und stationären Rehabilitationsangeboten im Indikationsbereich Psychosomatik. Diese umfasst sowohl etablierte integrative und interdisziplinäre Konzepte an Universitätskliniken und anderen öffentlichen Krankenhäusern, aber auch Angebote in psychosomatischen Rehabilitationskliniken unterschiedlicher Prägungen und Trägerschaft. Das Angebot der psychosomatischen Rehabilitation umfasst 175 Fachabteilungen und ca. 16000 Betten in den Rehabilitationskliniken (Belegung nach §111 SGB) sowie etwa 2500 Betten in den psychosomatischen Akuteinrichtungen (Belegung nach §108 SGB). Jährlich werden in diesen Einrichtungen circa 125.000 stationäre Maßnahmen durchgeführt, Tendenz steigend.."

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"Alle niedergelassenen Ärzte, die Leistungen der psychosomatischen Grundversorgung (psychodiagnostisches Gespräch, psychotherapeutische Intervention, Entspannungsverfahren) für gesetzlich krankenversicherte Patienten abrechnen wollen, müssen eine Qualifikation nachweisen, die in einem 80-stündigen Kurs erworben werden kann. Eine verbreitete Methode der Fortbildung in Psychosomatik stellen die auf ein Konzept Michael Balints zurückgehenden Balint-Gruppen dar."

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"Seit ca. 1935 beschäftigt sich die psychosomatische Medizin als eigenes Fach mit systematischer wissenschaftlicher Forschung. 1942 wurde die American Psychosomatic Society gegründet. In Deutschland wurde 1950 mit finanzieller Unterstützung der Rockefeller Foundation in Heidelberg die erste Abteilung für psychosomatische Medizin eingerichtet (unter Leitung Alexander Mitscherlichs). 1951 gründete Johannes Cremerius die Psychosomatischen Beratungsstellen in der Medizinischen und der Pädiatrischen Poliklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München......


1962 wurde an der Universität Gießen auf den neu eingerichteten Lehrstuhl für Psychosomatik Horst-Eberhard Richter berufen. Richter baute das Psychosomatische Universitätszentrum auf, dessen Direktor er wurde."


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"Sozialpsychiater Asmus Finzen. 'Es sind die
Gebildeteren, die verbal und sozial Kompetenteren, die
Durchsetzungsfähigen, die Jüngeren, die mit einer stützenden Familie
im Hintergrund, die die Kliniken für Psychosomatische Medizin
aufsuchen.'......

Peter Henningsen in derselben Ausgabe von Psychologie Heute,
dass Psychiatrie und Psychosomatik voneinander lernen könnten und
sollten, "wenn es um die komplexe und sowohl theoretisch wie praktisch
nicht leicht zu fassende Wechselwirkung von biologisch-mechanistischen
und interpersonell-intentionalen, also psychosozialen Faktoren" in der
Entstehung und Therapie psychischer Störungen geht.

Man dürfe aber auch nicht verschweigen, so Henningsen, dass die
deutsche Psychiatrie lange skeptisch in Bezug auf die Psychotherapie
gewesen sei. Die emigrierten jüdischen Psychotherapeuten seien in den
USA in die Psychiatrie integriert worden, weswegen die Psychosomatik
dort nur eine Unterdisziplin der Psychiatrie sei.

Von Horst-Eberhard Richter ist überliefert, dass er in der Psychiatrie
geblieben und sich nicht für die Gründung einer eigenständigen
Psychosomatik eingesetzt hätte, wären die deutschen Psychiater nicht
so psychotherapiefeindlich gewesen. Noch heute werde die
Psychotherapie Henningsen zufolge in der Psychiatrie oft "nach
biomedizinischem Modell eingesetzt wie ein vom Stationspsychologen
verabreichtes zusätzliches Medikament, weit entfernt von einer
umfassend reflektierten Durchdringung des Interaktionsgeschehens
zwischen Patient und Behandlerteam"."

http://www.sueddeutsche.de/wissen/psychische-leiden-wohin-mit-der-seelennot-1.68891-2
Juliane
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Psychosomatik "Tendenz steigend"

Beitragvon Juliane » Montag 12. Dezember 2011, 07:53

23. Wissenschaftliche Fortbildungstagung
für Ärzte und Juristen aus den Bereichen
Sozialmedizin und Sozialrecht
6. Oktober und 7.Oktober 2010

Veranstaltet vomInstitut und der Poliklinik für Arbeits- und Sozialmedizin
des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Fachzeitschrift
‚Der medizinische Sachverständige’



Multiple Chemische Sensitivität - aus psychosomatischer Sicht
Prof. Dr. med. Peter Henningsen
Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Klinikum rechts der Isar der TU München


"Nach derzeitigem Wissensstand ergeben sich keine ausreichenden Hinweise dafür, dass das MCSSyndrom toxikologisch durch Exposition mit Chemikalien im unterschwelligen Bereich ausgelöst wird. Trotzdem ist klar, dass die meisten Patienten, die unter körperlichen und psychischen Beschwerden leiden und diese auf derartige Expositionen attribuieren, erheblich leiden und in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt sind. Das MCS-Syndrom sollte, analog zur Fibromyalgie, dem Chronischen Erschöpfungssyndrom oder auch dem Reizdarmsyndrom, den sog. Funktionellen somatischen Syndromen zugeordnet werden, die häufig überlappen und deren gemeinsames Merkmal erhebliches
Leiden an Körperbeschwerden meist in Verbindung mit psychischen Merkmalen wie anhaltender organischer Ursachenüberzeugung, verstärkter Gesundheitsangst, selektiver Aufmerksamkeit für Symptome etc. ist. Derartige psychische Faktoren, die die Intensität und Aufrechterhaltung der Beschwerden miterklären, sind auch beim MCS-Syndrom nachgewiesen. Im Unterschied zu früheren Konzepten wird heute aber nicht mehr davon ausgegangen, dass die sog. funktionellen oder auch somatoformen Störungen als gänzlich psychogen anzusehen sind.
Für gutachterliche Zwecke ist es wichtig zu betonen, dass der mangelnde Nachweis einer organischtoxikologischen Ursache der Beschwerden nicht bedeutet, dass Probanden nicht erheblich in ihrer Leistungsfähigkeit und ggf. in ihrer Berufsausübung bzw. Erwerbestätigkeit beeinträchtigt sein können. Zur sachgerechten Feststellung dieser möglichen Beeinträchtigung sollte immer auch eine nervenärztlich-psychosomatische Begutachtung erfolgen, acuh wenn manche Probanden diese in „selbstschädigender“ Weise ablehnen, weil sie sich dadurch in die Psycho-Ecke abgeschoben fühlen."

http://www.medsach.de/Gentner.dll/gesamt-abstracts-2010_MzAwMzIw.PDF?UID=00310FB275B5D7442A5F6F6BD379E60163E88047C4947864
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