MCS in der DEGAM-Leitlinie Nr. 2

MCS in der DEGAM-Leitlinie Nr. 2

Beitragvon Juliane » Freitag 16. Dezember 2011, 22:08

Müdigkeit

DEGAM-Leitlinie Nr. 2

Seite 16


2.2.4.5 Multiple Chemical Sensitivity

Auch dieses Syndrom, das Müdigkeit mit umfasst, wird in Bezug auf Nosologie
und Ätiologie kontrovers diskutiert (179). Es wird von manchen
Autoren eine Schädigung durch sehr niedrige Konzentrationen mehrerer
Chemikalien gleichzeitig angenommen. Bisher steht ein Nachweis der Validität
dieses Zusammenhangs aus (180-184). Ebenso wie bei vermuteter
Amalgambelastung gibt es hier eine Assoziation mit psychischen Störungen
(185-187). Überzeugende Belege für eine Entstehung von Müdigkeit
durch elektromagnetische Felder liegen nicht vor (188-190).


Seite 24


Diagnosen wie CFS, Multiple Sensitivity-Syndrom, Amalgam-Belastung,
Elektromagnetische Überempfindlichkeit usw. werden oft von Patienten
selbst als Erklärung für ihre Beschwerden vorgebracht. Ärzte und Patienten
müssen sich gemeinsam um Erklärungen für diesen schwierigen Bereich
bemühen, gegensätzliche Auffassungen respektieren und eine biopsychosoziale
Sicht erarbeiten (187). Von allgemeinärztlicher Seite muss
ein Gegensteuern versucht werden, wenn bestimmte Auffassungen von
Patienten zu schädlichen Verhaltensweisen führen (Inaktivität, soziale Isolation,
Doctor-Shopping usw.).


Seite 27

Bei übertriebener somatischer Diagnostik besteht immer die Gefahr gemeinsamer
Somatisierung von Arzt und Patient.


Seite 43


Bei unspezifischen Befindensstörungen, die ohne pathologische somatische
Befunde oft mit starker Beeinträchtigung einhergehen, ist für Patient
und Arzt die Versuchung groß, sich vorschnell auf unzureichend
belegte (Pseudo-)Diagnosen zu einigen. Diese Etikettierungen entsprechen
z.B. biologischen (Eisenmangel, Hypotonie, Hypoglykämie), umweltmedizinischen
(MCS, Amalgambelastung, Allergien), infektiösen
(postvirale Syndrome, Candida) u. a. Hypothesen. Ihnen ist gemeinsam,
dass die entsprechenden Zusammenhänge wissenschaftlich nicht
dokumentiert oder sogar widerlegt, nicht plausibel und/oder im Einzelfall
nicht nachgewiesen sind. Allerdings fühlen sich Patienten häufig
mit solchen Diagnosen ernst genommen und entlastet. Problematisch
sind diese Etikettierungen, wenn sie einseitig somatisch ausgerichtet
sind oder ein notwendiges abwartendes Offenhalten verhindern. Damit
führen sie bei Arzt und Patient oft zu einer eingeengten Perspektive,
welche sowohl komplexe psychosoziale Faktoren außer Acht lässt und
entsprechende Lösungsmöglichkeiten verstellt (253), wie auch sich
anbahnende abwendbar gefährliche Verläufe vorschnell ausschließt.



Seite 48


Die Berücksichtigung der Besonderheiten im Interaktionsverhalten von
Patienten mit somatoformen Störungen führt zu therapeutischen Vorteilen
und Kostenvorteilen (286).



Seite 56


Diese Leitlinie wurde 2002 veröffentlicht und 2006 sowie 2010/11 überarbeitet.
Verantwortlich für die kontinuierliche Fortschreibung, Aktualisierung und
Bekanntmachung ist die Ständige Leitlinienkommission der DEGAM.
Eine erneute Überarbeitung ist vorgesehen bis 2015.




http://leitlinien.degam.de/uploads/media/DEGAM_LL_Muedigkeit_Langfassung_2011_2.pdf
- Editiert von Juliane am 07.02.2012, 23:42 -
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MCS in der DEGAM-Leitlinie Nr. 2

Beitragvon Juliane » Freitag 16. Dezember 2011, 22:15

Jener Prof., der von den DBU Leitlinienautoren zusammen mit Dr. Mai "gewonnen" werden konnte, wie das im dbu-Papier steht, jener Prof. ist auch auf DEGAM zu finden

Prof. Dr. Jens-Martin Träder auf degam.de


März 2004

Dr. Jens-Martin Träder wurde zum Honorarprofessor an der Universität Lübeck ernannt.
http://www.degam.de/index.php?id=archivpersonalia

Lübeck: H, L
Leiter: Prof. Dr. Jens-Martin Träder
Peter-Monnik-Weg 3
23562 Lübeck
Tel.: 0451/501816
Fax: 0451/503573

Sekretariat: Frau S. Heldt
Ratzeburger Allee 160, Pav. 21
23562 Lübeck
Tel.: 0451/5003057
Fax: 0451/5003740

E-mail: Lehrauftrag.Allgemeinmedizin@uni-luebeck.de

Internet: allgemeinmedizin.tk/
http://www.degam.de/index.php?id=hochschulstandorte
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MCS in der DEGAM-Leitlinie Nr. 2

Beitragvon Maria Magdalena » Samstag 17. Dezember 2011, 14:39

Liebe Juliane,

danke fuer diese hoechst interessante Info.

Ganz schoen gefaehrlich, diese Leidleitlinien, man sollte tatsaechlich mehr auf sich aufpassen, wenn man das Leben liebt.

Liebe Gruesse
Maria Magdalena
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