MCS im Büro

MCS im Büro

Beitragvon Lilly27 » Sonntag 1. Juli 2018, 21:29

Hallo zusammen,

ich bin neu hier und habe folgendes Problem:
Ich reagiere auf neue (relativ neue) Teppichböden im Büro und wollte fragen, ob jemand ähnliche Erfahrungen auf diesem Gebiet im Berufsleben hat. Ich habe vor, über den Betriebsarzt den Teppich mit Bioshampoo reinigen und danach eine Chemikalien-Versiegelung auftragen zu lassen. Aber ob das hilft? Ich kann ja nicht mit Maske arbeiten, obwohl ich das langsam in Erwägung ziehe.
Die gesundheitlichen Reaktionen sind wirklich übel und die Verzweiflung riesig, da ich immer die Einzige in allen Firmen bin, die so heftig reagiert und das Verständnis bei den Verantwortlichen relativ gering ist.

Ich würde mich gerne mit Euch austauschen und freue mich auf Tips und Erfahrungen.
LG
Lilly27
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Re: MCS im Büro

Beitragvon FriedrichZum » Dienstag 3. Juli 2018, 05:29

Sei gegrüßt Lilly27,

wünsche Dir gute Abhilfe Deiner Probleme!

Die Versiegelung hört sich an, als wenn man sich mit einem Fischernetz vor einen starken Regen schützen möchte.

Biologische Stoffe bestehen auch aus chemischen Bestandteilen; bei MCS gibt es keinen Unterschied zwischen natürlich oder künstlich.

Wenn Du auf Ausdünstungen reagierst, dann hilft nur eine Vermeidung dessen.

Fazit: Der Teppich oder Du solltest da raus. Fliesen mit Glasversiegelung sind auf Dauer die beste Verteidigung.

Man hat seinem Hausarzt und ebenfalls dem Betriebsarzt seine Beschwerden vorzutragen. Diese haben dann ihre Arbeit zu tun und zwar unter Anderem: Krankschreibungen, weitere Untersuchungen anzuregen, Arteste auszustellen, die Krankengeschichte und den Krankheitsverlauf zu dokumentieren.

Eventuell faßt man den Entschluß, daß Du Deine Arbeit aus gesundheitlichen Gründen aufgeben solltest.

Meine persönliche Erfahrung schließt normale Arbeitsverhältnisse mit MCS eh aus. In der Regel verschlimmert sich dadurch eine MCS.

Die Schäden hat man anschließend für seinen Rest des Lebens zu erleiden!


Ich wünsche Dir trotz alle Dem alles Gute!
Mit besten Grüßen
FriedrichZum
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Re: MCS im Büro

Beitragvon Spritzendorfer » Freitag 24. August 2018, 06:47

Zu vernachlässigen sind nicht Ihre Rechte als Arbeitnehmer auf einen - auch für Sie - gesundheitsverträglichen Arbeitsplatz. Im konkreten Fall sollte dazu - falls vorhanden der Betriebsrat aufgefordert werden, aktiv zu werden. http://www.eggbi.eu/fileadmin/EGGBI/PDF ... treter.pdf

In vielen Fällen werden Schadstoffbelastungen (beispielsweise Weichmacher, Flammschutzmittel) nur von Sensitiven unmittelbar wahrgenommen, von "Gesunden" möglicherweise aber ebenfalls als "Geruch" registriert werden, dessen Ursache aber auch für Gesunde Langzeitwirkungen durchaus möglich erscheinen lassen (z.B. hormonelle Langzeitwirkungen).

Ein verantwortungsbewusster Betriebsrat/ aber auch Firmenchef wird daher nichts gegen eine entsprechende (umfassende und qualitative!) Schadstoffprüfung im Interesse aller Beschäftigter einzuwenden haben.

Ärztlich attestiert MCS Betroffen empfehlen wir aber grundsätzlich, sich möglichst um einen "Behindertenausweis zu bemühen" (sicher nicht immer einfach! - immer öfter aber erfolgreich)- in diesem Fall hätten Sie - zumindest in einem größeren Betrieb unmittelbar einen "Rechtsanspruch" auf einen "barrierefreien" Arbeitsplatz - grundsätzlich aber im Rahmen der UN Behindertenrechtrskonvention Anspruch auf Unterstützung bei der Suche nach einem solchen.
Siehe auch: http://www.eggbi.eu/fileadmin/EGGBI/PDF ... rankte.pdf
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Re: MCS im Büro

Beitragvon Lilly27 » Dienstag 2. April 2019, 14:53

Hallo zusammen,

jetzt melde ich mich mal wieder. Mit dem Teppich komme ich jetzt ganz gut klar. Er ist nicht mehr nagelneu und das Shamponieren hat doch einiges gebracht. Aber was mir nach wie vor Probleme bereitet, ist die zentralgesteuerte Klimaanlage. Ich mag diese Dinger ja garnicht und hatte früher zum Glück nie welche im Büro. Was für ein Mist! Und ich kann nicht nachvollziehen, was da reingepumpt wird. Angeblich nur Luft. Hm....Ich habe ein Einzelbüro, ein großes Fenster mit frischer Luft, also das Raumklima ist wirklich super, nur habe ich ständig Nebenhöhlenentzündung, rasende Kopfschmerzen und seit neuestem Hautprobleme. Ein Infekt jagt plötzlich den nächsten.
Das kenne ich so gar nicht. Habe einfach enorm körperlich abgebaut. Habe einen Luftbefeuchter bekommen, wenigstens geht jetzt die Luftfeuchtigkeit von 17% auf 30% hoch, aber ich fühle mich einfach gesundheitlich nicht wohl. Das Schlimme für mich ist, dass mich die wenigsten verstehen. Geht Euch das auch so, dass Ihr mit Bronchitis, Atemproblemen oder Herzrasen zum Arzt kommt und dann stellt er nichts fest? Wenn ich das Thema MCS anspreche, schauen mich die meisten Ärzte verständnislos an und fragen: Wie wollen Sie das beweisen? Tja wie soll ich das beweisen? Wie soll ich denn beweisen, dass die Symptome bei Chemikalien auftauchen?
Am meisten bedrückt mich, dass ich keinen einzigen Arzt finde, der das Krankheitsbild kennt und anerkennt oder mir auch helfen kann. Außer meine Heilpraktikerin, aber momentan sind wir da auch in einer Einbahnstr. und es kostet viel Geld. So langsam schlägt dieses ständige Unwohlsein und die Existenzangst wirklich auf die Psyche und schon fühlen sich die Ärzte wieder bestätigt. Ein wirklich unglücklicher Kreislauf!
Es würde mir ohne die Büroumgebung sicherlich besser gehen, aber das geht nun mal vom Alter her noch nicht.

Habt Ihr auch diese Erfahrungen im Job? Gerne würde ich mich mit anderen zu diesem Thema austauschen.
LG
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Re: MCS im Büro

Beitragvon Twei » Donnerstag 4. April 2019, 06:07

Hi Lilly,

ein Lungenfacharzt (Pneumologe) kann nach einer umfangreichen Untersuchung einen Verdacht auf MCS äußern. MCS wird auch im Register für "Vergiftungen" geführt als "Allergie nicht näher bezeichnet" ;)

... Mit dem Teppich komme ich jetzt ganz gut klar. Er ist nicht mehr nagelneu und das Shamponieren hat doch einiges gebracht. ...
Eine solche Versiegelung hält nur einige Monate und kann eventuell auch nur die schadhaften Expositionen kurzfristig reduzieren bzw. übertünchen. Bei MCS reagiert man später auf immer geringere Dosen von Expositionen, sodaß eine Verschlimmerung der Erkrankung meist damit nur Vorschub geleistet wird. Zudem baut der Körper in dieser Zeit neue Abwehrreaktionen gegen andere Expositionen auf - bei mir z.B. auch gegen Febres - eine chemische Keule gegen Gerüche, die ich damals gegen meine Matratze eingesetzt hatte. :shock:


...Außer meine Heilpraktikerin, aber momentan sind wir da auch in einer Einbahnstr. und es kostet viel Geld. ...
Dieses Geld kann man meiner Meinung nach besser in eine bessere MCS-gerechteren Ausstattung seiner Wohnung oder Kleidung investieren :roll:


... Habt Ihr auch diese Erfahrungen im Job? ...
Bei mir wurde die MCS-Erkrankung durch die Arbeitstätigkeit immer Schlimmer - daher bin ich mittlerweile Rentner wegen völliger Erwerbsunfähigkeit. :cry:


Ich empfehle Dir mal folgenden Thread meiner Fußzeile durchzulesen als auch dessen Nebenthreads. Da werden vermutlich viele Fragen und Unsicherheiten Deinerseits beantwortet ;)
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Re: MCS im Büro

Beitragvon Hannibal64 » Samstag 13. April 2019, 02:44

Lilly27 hat geschrieben:Hallo zusammen,

Hm....Ich habe ein Einzelbüro, ein großes Fenster mit frischer Luft, also das Raumklima ist wirklich super, nur habe ich ständig Nebenhöhlenentzündung, rasende Kopfschmerzen und seit neuestem Hautprobleme. Ein Infekt jagt plötzlich den nächsten.
...
Geht Euch das auch so, dass Ihr mit Bronchitis, Atemproblemen oder Herzrasen zum Arzt kommt und dann stellt er nichts fest? Wenn ich das Thema MCS anspreche, schauen mich die meisten Ärzte verständnislos an und fragen: Wie wollen Sie das beweisen? Tja wie soll ich das beweisen? Wie soll ich denn beweisen, dass die Symptome bei Chemikalien auftauchen?
...
Habt Ihr auch diese Erfahrungen im Job? Gerne würde ich mich mit anderen zu diesem Thema austauschen.
LG



so ähnlich hatte das bei mir auch angefangen....Augen- und Hautbrennen, Schwindel, Übelkeit usw., ganze Palette an "unspezifischen" Symptomen. Irgendwann war es zu spät, noch Blutkrebs bekommen (zumindest ich vermute Kausalität), seit einigen Jahren nun Erwerbsminderungsrentner und anerkannte Schwerbehinderung.

Normale Ärzte, Berufsgenossenschaft, wink(t)en damals alle ab. Letztere trotz von denen nachgewiesener Schadstoffbelastung.

Wenn beispielhaft von 10 Leuten in der Arbeit nur 1 erkrankt, CFS und MCS weder medial noch sonstwie öffentlich näher seriös Beachtung finden, und wenn, alles in die Psychoecke gestellt wird, habe die "Kollegen" in der Regel auch wenig Verständnis.

Also alles ganz toll. Kannst irgendwann nur wählen, Gesundheit oder finanzielle Existenz...beides ist mit MCS schwierig.

Es gibt aber ein paar Ärzte, die zumindest die Diagnose bereit sind zu stellen.
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Re: MCS im Büro

Beitragvon Tüpfelponcho » Montag 15. April 2019, 10:49

@Hannibal64 , Wie Du es entgegen dieser nicht weiter ausgeführten Punkte jedoch an anderer Stelle treffend beschrieben hast........
...Wenn ein Land bzgl. Teilhabe Schwerbehinderter fette Gesetze braucht, läuft ohnhin was falsch. ...

.......so ist es hier auch mit der Verdrehung der Tatsachen.


Aber bitte gehe auch auf die Art der Verdrehungen mit Entwirrung ein, besonders jetzt auch für Lilly27 . Näheres findet man vor allem bei Dr. Tino Merz.

7. März 2013
Wissenschaftlicher Kopfstand

Irreführung bei Gutachten gelingt am besten, wenn man beim Grundsätzlichen ansetzt. Da wagt keiner zu widersprechen...

von Dr. Tino Merz
http://www.blog.dr-merz.com/?p=319


31. Dezember 2014
Unterlaufen der Gesetze – ein Fazit

...Die Liste ist weder vollständig, noch nach Wichtigkeit geordnet, sie ist einfach typisch.
Die Anerkennungsverfahren behandeln eine falsche Normalität. Jenem Treiben ist bisher keiner entgegengetreten: Seit den 80er Jahren ist bekannt, wie und warum kleine Dosen auf lange Zeit krank machen.

Seither wird alles getan, den Erkenntnisstand zu vernichten. Das ist das rechtlich relevante Thema. …

von Dr. Tino Merz
http://www.blog.dr-merz.com/?p=391



Verankerung im Sozialgesetzbuch V
http://www.csn-deutschland.de/icd_t78.pdf

Viel Erfolg auch noch mit Euren Recherchen und ebenfalls alles Gute!
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