MCS Kranker erschoss sich in Arztpraxis

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Beitragvon Silvia K. Müller » Dienstag 3. März 2009, 21:21

In Italien erschoss sich ein an MCS erkrankter 55 Jahre alter Mann in einer Arztpraxis weil er keine Hilfe bekam.

An Italian Multiple Chemical Sensitivity Sufferer Shouts an “Inconvenient” Truth with his Death
http://www.csn-deutschland.de/blog/2009/03/03/an-italian-multiple-chemical-sensitivity-sufferer-shouts-an-inconvenient-truth-with-his-death/

Deutsche Übersetzung folgt
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Silvia K. Müller
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MCS Kranker erschoss sich in Arztpraxis

Beitragvon Juliane » Dienstag 3. März 2009, 22:44

"Aufgeben ist das Letzte, was man sich erlauben darf"

Hannelore Kohl in ihrem letzten Interview zwei Monate vor ihrem Selbstmord.


Man kann es verstehen, dass ein Mensch keinen anderen Ausweg mehr gesehen hat.
Diese Gesellschaft nimmt es mutwillig in Kauf, dass Menschen, die bei ihrer Arbeit oder in ihren Wohnungen erkrankt sind, sich diesen letzten Schritt erlauben.
Dieser Mann hat um seine Krankheit gewusst. Tausende chemikaliensensitive Menschen
erhalten noch nicht einmal die Diagnose, leiden und werden mit Psychopharmaka und/oder anderen Medikamenten fehlbehandelt. Wer kennt schon die Dunkelziffer jener chemikaliensensitiver Menschen, die durch Fehlbehandlung versterben.

Wird es die kalten Herzen der Entscheidungsträger anrühren, wenn sie von der Verzweiflungstat hören? Das ist sehr unwahrscheinlich. Die Politiker und Manager begreifen ja noch nicht einmal, dass es schon lange um den eigenen Nachwuchs geht.


Herzliches Beileid der Familie und der Selbsthilfeorganisation.
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MCS Kranker erschoss sich in Arztpraxis

Beitragvon Clarissa » Mittwoch 4. März 2009, 07:12

So furchtbar wie es ist, heute kann ich diesen Menschen verstehen. ...traurig dass, das leider nichts bewegen wird.

Mein Beileid gilt den Hinterbliebenen aber die Verantwortlich sollten jede Nacht Albträume haben, dann hätte sein Tot zwar immer noch keinen Sinn aber er hätte es bewirkt.

Ich wünsche ihm eine gute Reise und eine bessere Ebene wo es ihm gut geht.
Und allen Leugnern zum Trotz, im DIMDI
ICD-10-GM Version 2018 - Stand Oktober 2017 ist MCS immer noch im Thesaurus unter
T 78.4 zu finden und wirklich nur dort und an keiner anderen Stelle!
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MCS Kranker erschoss sich in Arztpraxis

Beitragvon Distelfink » Mittwoch 4. März 2009, 08:05

In Deutschland hatten wir ebenfalls schon mehrere Suizidfälle.
Das Europäische Parlament muss konfroniert werden,
damit das menschenverachtende Verhalten
gegen MCS Kranke in den EU-Ländern endlich aufhört.

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Soziale Auswirkungen von chemikalieninduzierten Krankheiten
Hinweise für eine erhöhte Selbstmordrate bei Betroffenen

Dr. Hans-Ulrich Hill
Dipl. Biol. und Fachtoxikologe

Einige Selbsttötungsfälle unter bekannten MCS-Patienten legen nahe, dass die schweren Krankheiten, die durch Chemikalien ausgelöst werden, zu einer vielfachen Erhöhung der Suizidrate bei betroffenen Patienten führen. Schon allein dieser Aspekt sollte
genügen, die Anstrengungen für eine fachgerechte umweltmedizinische Therapie und eine wirksame präventive Umweltschutz-Politik in allen Umweltbereichen zu intensivieren.

Zur Situation der Umweltkranken
Die Symptome umweltbedingter Krankheiten wie des Chronischen Erschöpfungssyndroms (CFS) oder der Multiplen Chemikalien-Überempfindlichkeit (Multiple Chemical Sensitivity,MCS) äußern sich in der Regel unspezifisch. Dies stellt viele Haus- und Fachärzte vor ein Diagnose-Problem: Die Krankheit ist keinem der bekannten spezifischen Organleiden zuzuordnen, sodass als Ausweg anscheinend lediglich die psychische Diagnose übrig bleibt. Die Routine-Blutwerte der internistischen Labordiagnostik sind bei MCS- Patienten, anders als bei Allergikern, unauffällig. Selbst umweltmedizinische Ambulanzen, wie sie an einigen
Universitätskliniken bestehen, verfahren im Prinzip nicht anders, indem wie in Gießen etwa 70 Prozent der bei ihnen vorgestellten Patienten mit einer psychischen Diagnose belegt und entsprechend behandelt werden (EIKMANN 2002, HERR et al. 2008). Die dort zur Anamnese angewendeten Fragebögen führen regelrecht zur psychischen oder psychiatrischen Diagnose. Es scheint so, dass diese Institute, viele Gutachter und auch die Berufsgenossenschaften und Versicherungen in vielen Fällen bestrebt sind, Diagnosen möglichst nicht zuzulassen, mit denen Umweltbelastungen und hier insbesondere Chemikalien als Krankheitsursache in Frage kommen. Über politische und gesellschaftliche Hintergründe soll hier nicht spekuliert werden. Vielmehr sollen Folgen für Betroffene aufgezeigt werden:

Patienten mit schweren Krankheitssymptomen, die nachweisbar mit Chemikalien belastet...

Weiterlesen: http://www.umg-verlag.de/umwelt-medizin-gesellschaft/408_mag1.pdf
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MCS Kranker erschoss sich in Arztpraxis

Beitragvon Juliane » Mittwoch 4. März 2009, 09:24

„Als Pilatus sah, dass er nichts erreichte, sondern dass der Tumult immer größer wurde, ließ er Wasser bringen, wusch sich vor allen Leuten die Hände und sagte: Ich bin unschuldig am Blut dieses Menschen. Das ist eure Sache!“ (Matthäus 27, 24).

Der Suizid eines chemikaliensensitiven Menschen hat uns erschüttert.
Wer wird sich verantwortlich fühlen?
In welcher Statistik wird ein solcher Tod auftauchen?
In Statistiken findet man keine Zahlen über den MCS Tod.
Wohl aber Daten über den Verkehrstod. Und das eine hat etwas mit dem anderen zu tun.
Sowohl der Verkehrstod als auch der MCS Tod ist ein Kollateralschaden unserer Lebensweise

Über den Verkehrstod kann man nachlesen:

" Die tatsächlichen Zahlen liegen jedoch wesentlich höher, da beispielsweise in einigen Staaten (speziell in Afrika) keine diesbezüglichen Statistiken geführt werden. Nach Erhebungen und Schätzungen von Weltbank und Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben weltweit jährlich etwa 1 Million (Weltbank) bis 1,2 Millionen (WHO 2003) Menschen an den Folgen von Verkehrsunfällen", heißt es im Wikiartikel Verkehrstod.

Das sind Schätzungen, denn ob jemand als Verkehrsopfer in der Stastik auftaucht, ist eine Frage der Interpretation:

" Europa wird derzeit üblicherweise die 30-Tage-Frist verwendet, das heißt, nur eine Person, die innerhalb von 30 Tagen an den Folgen eines Verkehrsunfalls verstirbt, gilt als Verkehrstoter."


Unter dem Wikipedia-Artikel findet man eine Anmerkung:


"In diesem Artikel oder Abschnitt fehlen folgende wichtige Informationen: Der Artikel behandelt den Verkehrstod nur als statistisches Phänomen. Es fehlen gesellschaftliche, moralische, soziologische und politische Aspekte über den Umgang mit dem Problem"

http://de.wikipedia.org/wiki/Verkehrstod


Die Bevölkerung der Industrienationen ist geprägt von einer jüdisch-christlichen Ethik mithin von der römischen Rechtsprechung, die den Schuldbegriff mehr an die Intention als an die Konsequenzen gebunden sieht.

Diese Moralkodizes, die sich nur gegen indentierte Gewalt richten, versagen aber immer dort, wo es um strukturelle Gewalt geht.

Das ist der Grund, warum sich Menschen in verantwortlichen Positionen bildlich gesprochen ihre Hände in Unschuld waschen .

Die Kollateralschäden unserer Lebensweise lernen wir von Kindesbeinen an auszublenden. Politiker, Wissenschaftler, Manager tun das, was wir alle erlernt haben. Das Ausblenden lässt sich trefflich vereinbaren mit geltenden Moralkodizes.

Angesicht der zunehmenden strukturellen Gewalt in unseren Gesellschaften ist es anachronistisch immer noch
an veralteten Moralkodizes festzuhalten.
Juliane
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MCS Kranker erschoss sich in Arztpraxis

Beitragvon Maria » Mittwoch 4. März 2009, 09:29

Mein aufrichtiges Beileid gilt den Angehörigen des Verstorbenen.
Es tut mir unendlich Leid, dass sich schon wieder ein Suizid unter MCS Betroffenen zugetragen hat.

Die Ausweglosigkeit, in die MCS Kranke schnell hineingeraten können, muss endlich ein Ende finden.
Aber wie soll das gehen, da sich die Verantwortlichen lieber um andere Dinge kümmern und uns MCS Kranke
förmlich im Regen stehen lassen und sich um unsere Belange nicht kümmern, sondern uns weiterhin abschieben.
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Beitragvon Silvia K. Müller » Mittwoch 4. März 2009, 13:24

Die Mitteilung über den traurigen Selbstmord eines italienischen MCS Kranken ist jetzt im Blog in deutscher Sprache zu nachzulesen.


Italienischer MCS Kranker offenbart durch seinen Tod eine “unbequeme” Wahrheit
http://www.csn-deutschland.de/blog/2009/03/04/italienischer-mcs-kranker-offenbart-durch-seinen-tod-eine-unbequeme-wahrheit/
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