Neuropsychiatrische Maskerade

Neuropsychiatrische Maskerade

Beitragvon CSN Blogger » Dienstag 10. Februar 2009, 11:29

Anfang Februar 2009 erschien in der amerikanischen Fachzeitschrift für Psychiatrie ein Bericht über einen bewusstseinserweiternden Kongressvortrag von Josè Maldonado/Stanford University. Maldonado legte anschaulich dar, dass psychische Symptome klar von psychiatrischen Krankheiten unterschiedene werden müssen, da deren Ursache nur zu oft nicht in der Psyche begründet ist, sondern in der Wirkungsweise von bestimmten Chemikalien, Medikamenten und den Begleiterscheinungen von anderen Krankheiten. Ein Aspekt, dem in der Praxis sicher in den allerseltensten Fällen Beachtung geschenkt wird und wodurch man vielen Erkrankten therapeutisch nicht gerecht wird.

Neuropsychiatrische Maskerade – Die Psyche ist nicht immer Ursache für psychische Symptome
http://www.csn-deutschland.de/blog/2009/02/10/neuropsychiatrische-maskerade-die-psyche-ist-nicht-immer-ursache-fuer-psychische-symptome/
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Beitragvon Franz » Dienstag 10. Februar 2009, 12:29

Toll, was José Maldonado da veröffentlicht hat. Wenn das Schule machen würde, müsste sich Ulla Schmidt weniger Gedanken machen, wie die psychiatrischen Volkskrankheiten noch zu finanzieren sind. Diesen Professor sollte man mal nach Berlin holen nach Fasching zur Demaskierung.
Aber vorher müsste auch mal eine flächendeckende Demaskierung von LobbyControl vorgenommen werden.
Franz
 

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Beitragvon Maria » Dienstag 10. Februar 2009, 12:42

Man könnte, wie dieser Blogbeitrag belegt, die Ursachen für viele psychische Erkrankungen differenzieren und dann gezielt gegen die Erkrankung angehen und den Patienten dadurch individuell helfen. Aber bei uns werden psychisch Kranke über einen Kamm geschoren und ihnen Psycho-Pharmaka verordnet bzw. weitere Schritte eingeleitet. Viele landen in der Psychiatrie, obwohl ihre Erkrankungen auf Belastungen von Chemikalien oder Nebenwirkungen anderer Medikamente basieren. Gerade durch die aktuelle Gesundheitsreform sehe ich die Gefahr, dass sich diese Situation sogar noch verschärfen könnte, da die Ärzte nun noch weniger Zeit für ihre Patienten haben, um eine individuelle Diagnostik vornehmen zu können.
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Beitragvon Juliane » Mittwoch 11. Februar 2009, 09:44

Meine Güte, wenn ich mir dagegen die deutsche Medizinlandschaft anschaue. Hier macht man sich eher Gedanken, was man denn noch so alles aus dem psychologischen Blickwinkel betrachten könne.

So kommen beispielsweise deutsche Dermatologen auf die Idee, dass die psychodermatologische Sichtweise dazu “befähigt (…) eigenen Ressourcen besser zu kennen und sich ggf. adäquat von Patientenforderungen abgrenzen zu können. Dies vermeidet das nach 15-20jähriger Praxistätigkeit häufig anzutreffende Burn-out-Syndrom bei Ärzten ”

Den Kollegen wird angetragen, Krankheiten psychodermatologisch zu betrachten:

“Der Vorstand möchte dabei die dermatologischen Kollegen motivieren, auch im Zeitalter der knapperen Ressourcen (Zeitdruck, Budgetierung abrechenbarer Leistungen) den Vorteil der psychodermatologischen Sichtweise bei der Therapie von anspruchsvolleren Patienten und Problempatienten oder Kommunikationsproblemen aufzugreifen.”
http://www.akpsychderm.de/downloads/APD-Rundbrief_2007.pdf

Und hier bringt es ein Mediziner in der Fachpresse auf den Punkt:

“Dr. med. Thomas Reimer, Nideggen, Allgemeinarzt mit Zusatzbezeichnung Psychotherapie: ‘Es ist verblüffend zu sehen, was passiert, wenn man dem Patienten nur minimalen Raum gibt.’ Die Diagnostik und Therapie in seiner 20-jährigen Praxis habe sich durch sein geändertes Gesprächsverhalten enorm verbessert. Neben der größeren Zufriedenheit habe sich der Wechsel zur Psychosomatik auch finanziell gelohnt: Sein Jahresumsatz ist bei rückläufiger Patientenzahl gestiegen. Reimers profitiert in der Abrechnung jedoch von seiner Zusatzweiterbildung in Psychotherapie. Hausärzte, die die besser dotierten Gesprächsziffern nicht abrechnen können, seien gezwungen, den zeitlichen Aufwand für Gespräche durch mehr technische Leistungen auszugleichen, erklärte Wasserfuhr”

http://www.freie-arzt-jobs.de/v4/archiv/artikeldruck.asp?id=24460
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Beitragvon Yol » Mittwoch 11. Februar 2009, 16:07

Was heisst Psychotherapie und was soll sie bewirken?

Vielleicht hierzu eine Reflexion von Erich Fromm (Prof. Psychologie, Philosophie, Soziologie):
...wird die Auffassung vertreten, dass sich seelische Gesundheit von der Anpassung an die Lebensweise einer gegebenen Gesellschaft her bestimmen lasse, und zwar völlig unabhängig davon, ob diese Gesellschaft als solche gesund oder verrückt ist. Das einzige Kriterium ist, dass der Mensch an sie angepasst ist.

Jede Gesellschaft setzt alles daran, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln den Persönlichkeitstypus zu schaffen, der das tut, was die Gesellschaft von ihm verlangt, damit sie REIBUNGSLOS funktioniert.

Psychisch Auffällige (also nicht ans Schema angepasste) stören den kalkulierbaren, reibungslosen Ablauf des Geschehens, deshalb werden sie ausgesondert. MCS stört das auch, zwar aus andern Gründen.
Da es für psychische Krankheit keine Biomarker gibt, auch keine Verantwortlichen - kann hier alles gelagert werden, was aus dem engen Gesellschaftsrahmen fällt, ungeachtet dessen was und wer denn nun verrückt ist.
Und das gesamte fällt dann auch unter Kolletivverantwortung, was es noch einfacher macht, alles Nichtpassende/angepasste auszulagern. Und Helfer hierzu produziert jede Gesellschaft in ausreichendem Masse. Immer schon/noch.
Yol
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