Baubiologisches Mehrfamilienhaus Teil 1

Baubiologisches Mehrfamilienhaus Teil 1

Beitragvon Krissie » Dienstag 10. November 2009, 18:33

Hallo,
Ich habe vor einigen Jahren mal ein baubiologisches Konzept für ein Mehrfamilienhaus entwickelt, weil ich eine Baugesellschaft überreden wollte, sowas zu bauen und die Wohnungen dann zu vermieten. Von MCS habe ich damals nicht geredet, nur von zukunftsfähig, gesundes lebensumfeld usw. Bin für blöd erklärt worden, seitdem schicke ich mein Konzept an Freunde.

Silvia hat mir geraten, das Konzept hier abschnittsweise bekannt zu machen, nicht weil ich denke, sowas könnte noch gebaut werden, sondern weil da viele Infos zu gesunden Baustoffen drin sind. Wenn ich ne Million gewinne, baue ich sowas an der Schleswig- Holsteinischen Nordseeküste.Also: Teil 1:

Quellen:

„Oekohaus“ ab 1999

„Gifte im Haus“
(Dr. med. Wormer)

„Gesund wohnen“
(M. + B. Hennek)

„Wege zum gesunden Bauen“
(Holger König)

„Holzschutz ohne Gift“
(Holger König, P. Weissenfeld)

„Handbuch der Umweltgifte“
(Klinische Toxikologie, Max Daunderer)

„Lehrbuch der Toxikologie“
(Marquard / Schäfer)

Ein gesundes Steinhaus mit 6 - 12 Wohnungen zu bauen, ist natürlich teurer als ein „herkömmliches“ Mehrparteienhaus.
Deshalb müssen gestalterische Elemente (Erker, Ecken, Bögen usw.) wegfallen.
Das einzige gestalterische Element ist die Farbgebung.

Die Wohnungen müssen, um bezahlbar zu sein, klein sein:
2 Zimmer: ca. 50 m²
3 Zimmer: ca. 60 m²

Die Küche muß mit Fenster sein und Platz für eine Küchenzeile und Gefrier- und Kühlschrank bieten. Das Bad kann innen liegen, Dusche würde reichen.


Das Dach -> Satteldach

Holz trocken liefern, keine Biozide, nicht imprägniert mit Holzschutz. Als relativ unbedenklich tränken mit Borsalz.

Dachhaut nicht dämmen, gut abdichten (gegen Schadinsekten), viele Lüftungslöcher, damit Bau und Dachholz nach dem Bau gut trocknen können, Lüftungslöcher verschließen mit Fliegengitter / Lochblechen.

Obere Geschoßdecke dämmen, Dachgeschoß als Boden / Abstellräume aufteilen.
Tondachziegel sind haltbarer, diffussionsoffen (Bau usw. kann trocknen) und pflegeleichter als z. B. Betonziegel

Bei Metallen einheitliches Material verwenden, in Verbindung mit Feuchtigkeit entstehen sonst galvanische Ströme, Spannungsreihe beachten (oben Alu, weiter unten Zink oder Kupfer); Trennschichten aus Ölpapier einbauen.

Pultdach, wenn (Bodenuntersuchung!) relativ kostengünstig ein Keller als Abstellraum gebaut werden kann.

Fenster

Kombifenster (außen Alu), innen Naturharzlasur. Hersteller hat Hagebau (Herr Strangemann, Gladbeck, Tel. 02043 / 686 82 22). Alufenster, einbrennlackiert (keine Naturharzlasuren!)

Fenstermontage ohne Montageschaum
Fenster werden in der Wandöffnung bei Mauerwerk mit Keilen und Eisenschlaudern, bei Holzständerwerk oder Blockwänden mit Stockschrauben befestigt. Die Fuge zwischen Fensterstock und Wand wird mit Jutestrick, Baumwoll- oder Flachszopf ausgestopft. Diese Naturstoffe quellen bei Durchfeuchtung und dichten dadurch die Fuge zusätzlich ab. Sie können danach wieder unbeschadet austrocknen, so daß sich in der Fuge keine holzzerstörende Dauerfeuchtigkeit bilden kann. Wenn das Material nichtbrennbar sein muß, wird mit Steinwollezopf ausgestopft.
Das Ausschäumen mit UF- oder PUR-Schäumen (sog. Ortschaum) ist wegen der Formaldehydbelastung bzw. wegen der enthaltenen ozongefährdenden Treibgase zu unterlassen. Außerdem reißt das spröde Material bei Bewegungen des Fensterstocks auf Dauer ab und bietet dann keine Winddichtigkeit mehr.

Die Telefonnummern sind wahrscheinlich nicht mehr gültig [hr]


Fensterfläche im Ganzen klein (10 %), nur 2-fach-Verglasung.

Oder: Einheimisches Holz (Kernholz), innen und außen Naturharzlasur, auf keinen Fall Holzschutzlasur, dafür folgender konstruktiver Holzschutz:















Außen muß (vor allem Wetterseite) das Wasser sehr gut abfließen können, nirgends Staunässe, alles muß wieder trocknen können.

Türen
Zargen werden festgeschraubt, Ritzen mit Jute oder Steinwolle gestopft.
Innentüren: Glas, Zargen aus Metall?
Oder?
Verleimte Holzwerkstoffe sind immer problematisch wegen der bedenklichen Inhaltsstoffe des Leimes (heute PU mit Ausgasen von Isozyanaten).

[hr]
Ich weiß jetzt nicht, wie das Layout geworden ist. da wo Lücken sind, habe ich Bilder und schade, dass das nicht im ganzen hier reingestellt werden kann mit meiner Formatierung.

Weiter demnächst. Die Fragezeichen bedeuten, dass es sicher auch noch andere Möglichkeiten gibt, ich erhebe nicht den Anspruch auf Vollständigkeit.
Ich hoffe, dass viele was von diesem Thread haben.

Ich habe eine Genossenschaftswohnung im Erdgeschoss, habe Fliesen gelegt, die Tapeten ab und Streichlehmputz. Das Umfeld ist halbwwegs in Ordnung, sodass ich mich in meiner Wohnung und auch draußen wohlfühle (Kleinstadt in Norddeutschland).
Viele Grüße
Christel[hr]
Krissie
 

Baubiologisches Mehrfamilienhaus Teil 1

Beitragvon Melville » Dienstag 10. November 2009, 21:56

Hallo Krissie,

das sieht nach Arbeit aus, was Du aufgeschrieben hast. Prima, dass Du es uns zugänglich machst.
Bilder kann man einfügen. Frag doch Clarissa sie kann es Dir erklären wie es geht.

LG,
Melville
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Baubiologisches Mehrfamilienhaus Teil 1

Beitragvon Mia » Mittwoch 11. November 2009, 09:04

Hallo Krissie,

eine tolle Arbeit und ein herzliches Dankeschön dafür! Das sind sehr wertvolle
Informationen!

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Baubiologisches Mehrfamilienhaus Teil 1

Beitragvon Monja » Mittwoch 11. November 2009, 15:58

Hallo Chrissi,
wäre es nicht sinnvoll und erleichternd, wenn du mal mit unserem
Christian Schifferle in der Schweiz mailst? Der hat doch ähnliches
dort schon in Gang gebracht. Er ist ein ganz lieber und uns allen
hier bekannt, der freut sich bestimmt, wenn du dich bei ihm meldest.
Hier seine Mail: ch.schifferle@bluewin.ch. Er war auch schon 2 x im
Fernsehen und ist/war (?) dort Leiter einer Selbsthilfegruppe soviel
ich weiß, kannst auch Silvia fragen. Der weiß gewiss am meisten Rat.

Herzlichst Monja
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Baubiologisches Mehrfamilienhaus Teil 2

Beitragvon Krissie » Donnerstag 12. November 2009, 11:05

So, zu Teil zwei: Außenwände, Geschossdecken, Mietvertrag:

Geschoßdecken

Beton mit Armierung oder (besser) Ziegelelementdecken auf Stahlträgern, die in Nord-Süd-Richtung ausgerichtet sein sollen (wegen des Erdmagnetfeldes, das auch in Nord-Süd-Richtung geht und so nicht gestört wird).

Dämmschicht: Latexierte Kokosmatten oder Holzweichfaserplatten (ohne Kunstharzbindemittel, Volldeklaration verlangen). Als Trennschicht Ölpapier, darauf Zementestrich ohne Zusätze, auf der Baustelle hergestellt. Wegen Trocknungszeit Zeitplan aufstellen, Arbeiten an Außenhaut.
Oberste Schicht Feinsteinzeugfliesen, sind bei 1300° gebrannt, nicht glasiert, werden nicht behandelt (Hagebau, ca. 10,--Euro).
Oekokleber von Haga, Oekobaumarkt, bei Verwendung von Feinsteinzeug muss dem Haga-Kleber eine definierte Menge Haga-Plast zugesetzt werden, da Feinsteinzeug zu kleine Poren enthält. Alternativ glasiertes Steinzeug.



Außenwände:

Ziegel der Uniporgruppe porosieren mit Sägemehl (Volldeklaration verlangen).
Wienerberger nehmen Styropor (gast Styrol aus, krebserregend, höchst bedenklich). Wienerberger stellt auch Ziegel mit Sägemehl als Porosierungsmittel her, Deklaration verlangen.
Einschalig, außen Silikatfarbe?
Zweischalig, als Dämmung Glas- oder Steinwolle (ein Kompromiss).

Schutzmaßnahmen auf der Baustelle (bei Glas- oder Steinwolle):
Nicht mit der Säge, sondern mit dem Messer schneiden, am Arbeitsplatz auspacken.
Schutzanzug, Schutzbrille, Feinstaubmaske. Winddichte Ausführung (Baupapiere als Sperrschichten).

Innen Kalkputz „Mamorit“-System: Rotkalkunterputz, Kalkfilzputz (Hagebau) oder Lehmputz (oder die Innenschale auch zur Wohnungsseite nur mit Silikatfarbe streichen?) Was genau ist „schön“? Weniger ist mehr!!

Innenmauern als Wohnungstrennung Kalksandstein, sind schalldicht, trocknen schlecht, hohes Raumgewicht. Auch die sonstigen Mauern Kalksandstein, evtl. Glas?
Kalksandstein ist plangeschliffen, damit er geklebt werden kann, deshalb wahrscheinlich überall porosierte Tonziegel.
Mörteln, nicht kleben! Klebemörtel enthält Kunstharzkleber.
Mörtel und Zement auf Baustelle anrühren, keine Zusatzstoffe.
Zement von Dückerhoff.

Baupapiere Proklima, Ampak mit Kartuschenkleber (Naturharzkleber), Hagebau.

Erdberührte Bauteile
Kiesbett, Drainage, waagerechte Sperrschichten, sorgfältig, in Spritzhöhe?

Silikone auf Wasserbasis (nicht Essigsäure)
„Brillux“???, siehe Ökotest, mindestens sollte draufstehen: „Ohne Schimmelverhütungsmittel“ (Fungizide)

Mietverträge

1. Vorschriften für alle, was die Innenfarbe angeht.

2. Teppichböden dürfen auf den Fliesen keinesfalls verlegt werden.

3. Im 1. Jahr lüften (stoßlüften, nicht Kippfenster-lüften, da Feuchte (Schimmel auf auskühlender Außenwand), heizen - heizen - heizen damit der Bau gut trocknen kann und die Möbel nicht an die Wände stellen (10 cm Platz lassen)

Wasserkreislauf für Regenwasser / Brauchwasser? Ökologisch sinnvoll, verteuert das ganze am Annfang.


Sonnenkollektoren?

Keine Kunststofftapeten, kein Laminat, aber das versteht sich fast von selbst, Mietvertrag!

Klebemörtel ist kunstharzhaltig
Dämmstoffe dürfen nicht durchfeuchten
Dampfsperren u. Windsperren (ableiten ist besser als sperren)

REA-Gips aus Steinkohlekraftwerken ist dem Naturgips ebenbürtig

Keine Feuchtraumgipskartonplatten (Kunstharze u. Silikonverbindungen)

Keine Betonsteine -> porosierende Chemikalien, Hochofenschlacke

Keine Fertigmörtel und -Putze, sind mit Kunststoffen versetzt. An Baustelle anrühren!

Flammschutzmittel für pflanzliche Baustoffe: Wasserglas, auch Borsalze

Dichtstoffe: wasserlösl. Silikon/ Acrylat

Dichtprofile: „EPDM“ (?) ist ein chlorfreies Produkt, das eine gute Gebrauchstauglichkeit aufweist.

Baupapiere: (Hagebau)
Rieselschutzpapier
Estrichabdeckpapier
Windsperre, Dampfbremse: Kraftpapier

PE-Folie u. Alufolie haben höhere Sperrwirkung als nötig, Spezialklebebänder sind toxisch bedenklich.
Celluloseflocken sind aus Altpapier hergestellt, enthalten Lösungsmittel und sonstwas.

Dämmmaterial:
Blähton, Perlite
Caliumsilikat-Dämmplatten

Fenster: Alu, pulverbeschichtet (siehe oben zu den Fenstern)

Außenwand aus Ziegel wegen der Entfeuchtungseigenschaften

Fundamenterder nicht vergessen, Rohrleitungs- und Heizungserder!

Sperrschichten, Sickerschichten, umlaufende Drainage, wasserfeste Baustoffe im Spritzwasserbereich.

Kein Dämmputz:
1. wenig Wirkung
2. kunststoffhaltig

Stehende Luftschichten nicht verfüllen.

Blaue zerstört das Holz nicht.

Keine Kunstharzzusätze zum Estrich

Gedämmte Hohlraumkonstruktionen, die belüftet werden mit Lochblech (Fliegengitter) versehen.

Jedes Gewerk muß bei der Ausschreibung die Anforderungen genau mitgeteilt bekommen. Die Angebotsabgabe muß Garantie für Einhaltung enthalten, außerdem muß für jedes wichtige (im gesundheitlichen Sinne) Bauteil extra Garantie abgegeben werden.
Beispiel: Zementestrich ohne Zusätze, kein Fertigzement, auf Baustelle angerührt (ebenso Mörtel, Beton usw.).

Gute Zeitplanung, weil Trockenzeiten einzuhalten sind.

Kein Styropor, gast Styrol aus, ist Nervengift und krebserregend.






[hr]

So, das wars für heute, morgen gibts noch was zur Hauselektrik.

Liebe Grüße, ich hoffe, mancher/ manche können was damit anfangen.

Liebe Grüße
Christel
Krissie
 

Baubiologisches Mehrfamilienhaus Teil 1

Beitragvon Juliane » Donnerstag 12. November 2009, 12:30

Danke, Christel.

Hier auh noch ein Nachtrag:

Ziegelsteine aus Ton und Perlit produziert die Firma Wienerberger

"Auch die neuen gefüllten Ziegel, POROTON-T 8 und POROTON-T 9, entsprechen diesem Prinzip: ihre Füllung besteht nicht etwa aus Styropor, sondern aus hoch wärmedämmendem natürlichem Vulkangestein. "


http://www.wienerberger.de/servlet/Satellite?pagename=Wienerberger/Page/CallArticle05&cid=1182877302185&sl=wb_de_home_de


In Ökotest Heft 12/2008 wurde ein Massivhaus (Senitel) mit diesen Steinen
vorgestellt.

viewtopic.php?t=7929
Juliane
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Baubiologisches Mehrfamilienhaus Teil 1

Beitragvon Moriko » Donnerstag 12. November 2009, 15:33

Klasse Thread Christel. Ich habe Dir gerade die verdienten Sternchen gegeben.
Moriko
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Baubiologisches Mehrfamilienhaus Teil 1

Beitragvon Krissie » Donnerstag 12. November 2009, 15:55

Ui jui jui, danke für die Sternchen!

Monja, ich hab meine Datei dem Christian Schifferle geschickt.

Gruß an alle
Christel
Krissie
 

Baubiologisches Mehrfamilienhaus Teil 1

Beitragvon Yol » Freitag 13. November 2009, 00:38

Borsalze sind nicht unbedenklich bei MCS. Mich hat es in die Notaufnahme gebracht.
Yol
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Baubiologisches Mehrfamilienhaus Teil 1

Beitragvon Karlheinz » Freitag 13. November 2009, 08:00

Bei mir halten bislang alle Feinsteinzeugfliesen auch ohne Plastzusatz im Kleber.
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