Wertvolle blaue Blume: Waldwegwarte

Wertvolle blaue Blume: Waldwegwarte

Beitragvon Juliane » Mittwoch 7. Juli 2010, 17:46

Jetzt blüht sie wieder, die Waldwegwarte.


Waldwegwarte (Cichorium intybus ssp. sylvestre)

"Schon die alten Griechen und Römer verwendeten die ebenso als Waldwegwarte bekannte Cichorienart als Heil- und Gemüsepflanze. Auch in der Volksmedizin setzte man sie seit jeher zur Beruhigung und Förderung der Verdauung ein."

....Unter Naturschutz steht die zwischen Juni und September blühende Blauwarte jedoch nicht: "Spaziergänger finden die bitter schmeckende Verwandte des Chicorée vor allem am Rand von Wald- und Feldwegen oder auf Brachland", weiß Prof. Richard Pott. Schon mit wenigen frischen Blättern kann man gemischten Salaten eine besondere bitter-pikante Note verleihen. Am besten schmecken diese übrigens kurz vor der Blüte. Obwohl fast allgegenwärtig, untersucht und entdeckt die Wissenschaft erst jetzt die heilbringenden Eigenschaften der blau blühenden Blume:

An der Charité Berlin läuft unter Leitung von Prof. Holger Kiesewetter gerade eine Studie zu den beruhigenden Eigenschaften der Blauwarte. Die ersten Ergebnisse einer Vorstudie sind vielversprechend: Circa 75 Prozent der Teilnehmer stellten eine deutliche Besserung ihrer inneren Unruhe fest, 69 % der Probanden fühlten sich weniger angespannt und antriebsarm als zuvor und 65 % konnten ihre Nervosität erheblich abbauen. "

Blauwarte wird Pflanze Europas 2005
http://www.innovations-report.de/html/berichte/biowissenschaften_chemie/bericht-36911.html

http://www.aerztezeitung.de/medizin/fachbereiche/sonstige_fachbereiche/naturheilkunde/article/337520/blauwarte-pflanze-europas-2005.html
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Beitragvon Juliane » Mittwoch 7. Juli 2010, 17:47

"Schon die alten Griechen und Römer kannten die Waldwegwarte als Heil- und Gemüsepflanze. Verschiedene antike und mittelalterliche Autoren haben sich mit der Pflanze beschäftigt, darunter Theophrastus, Horaz, Dioskurides, Hildegard von Bingen und Hieronymus Bock. Letzterer schrieb im Jahre 1539: „Eine decocation gemacht auss dem kraut vnd wurtzel mit wein oder wasser vnnd warm gedruncken eröffnet die Leber vnd Miltz soll genützt werden im anfang der Wassersucht vnd Cachexia. Solches vermag auch das gebrannt wasser vnnd ist trefflich gut zu dem hitzigen Magen zu allen brennenden Febern vnnd schwachheit des Hertzens getruncken... dienet auch zum hitzigen Podagra...“

Unsere europäischen Vorfahren haben die jungen Blatt-Triebe in Salzwasser gekocht, mit Butter geschmort und als Gemüse gegessen oder zusammen mit Fleisch gekocht. Medizinisch werden Blätter und Wurzeln seit jeher als Hausmittel gebraucht. Besonders ihre beruhigenden, enzündungshemmenden und verdauungsanregenden Eigenschaften sind seit Generationen in der Volksmedizin geschätzt.

Anwendungsgebiete
Wie Wissenschaftler vor kurzem herausfanden, entfaltet die „Pflanze Europas 2005“ ihre beruhigenden Eigenschaften besonders gut in Kombination mit bestimmten anderen urheimischen Gemüse- und Gewürzpflanzen. Blauwarte zeichnet sich durch einen außergewöhnlichen Reichtum an sekundären Pflanzenstoffen, wie den beruhigenden Bitterstoffen Lactucin und Lactucopikrin, aus. Darüber hinaus kann sie - je nach Provenienz - einen hohen Gehalt an pflanzlich gebundenem Chrom aufweisen. Dieses lebensnotwendige Spurenelement ist besonders in naturbelassenen pflanzlichen Lebensmitteln zu finden, kaum jedoch in aufgereinigten Produkten. Durch den Einfluß von Chrom kommt es zu einer Erhöhung der Konzentration von Tryptophan im Blut und im Gehirn. Tryptophan ist ein wichtiger Rohstoff für das Glückshormon Serotonin und das Ruhehormon Melatonin."

http://www.pandalis-stiftung.de/deutsch/pflanze_europas/pflanzeuropas_proklamation2005.html
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Beitragvon Juliane » Mittwoch 7. Juli 2010, 17:48

"Die Wegwarte ist eine sehr alte Heilpflanze. Ein Papyrustext aus dem 4. Jahrtausend v. Chr. erwähnt die Wegwarte bereits unter dem Namen Agon und rühmt sie als magenstärkendes Gemüse. Auch unsere Vorfahren, die alten Germanen nutzten die Wegwarte......

Für Hieronymus Bock ist die Wegwarte ein sehr vielseitiges und wirksames Heilkraut. Allein für die innerliche und äußerliche Anwendung räumt er der Wegwarte zwei Seiten ein. Worin ihn sein Schüler Tabernaemontanus noch übertraf. Tabernaemontanus schrieb schrieb ausführlichst über den Gebrauch der Wegwarte:
Es wird die Wegwarte heutiges Tages sonderlich in der Küchen zur Speiß gebrauchet, nicht allein die zahme Wegwarte sondern auch die wilde Wegwarte, wiewol die zahme Wegwarte zu der Speiß allwegen anmühtiger und lieblicher ist. Die brauchet man Sommers-Zeiten zu den Saläten. Beyde die Wurtzeln und das Kraut, deßgleichen auch im Winter, die kan man durch die Kunst bereiten, daß sie nicht allein den bittern Geschmack von sich lege, sondern daß sie auch dick, schön, weiß und mürb wird, wie man zu solchem Gebrauch dann die Endivien zu bereiten pfleget, wie in folgendem Capitel weiter davon Bericht gegeben wird. Man braucht aber die gemeldten Wegwarte nicht allein zu den Saläten, sondern man machet auch gute gesunde Müßlein daraus, seudet auch das Kraut bey dem Fleisch und Hünern, dieselbige damit zu alterieren, sonderlich in Sommerszeiten und hitzige Kranckheiten..."


http://www.heilpflanzenkatalog.net/heilpflanzen/heilpflanzen-europa/205-wegwarte.html
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Beitragvon Juliane » Mittwoch 7. Juli 2010, 18:01

Beschrieben ist auch eine blutdrucksenkende Wirkung und eine Erniedrigung des Cholesterolspiegels, die auf die Wirkung an Galle und Leber zurückgeführt wird.

Der Chromgehalt der Waldwegwarte ist hilfreich bei Insulinresistenz, denn Chrommangel führt zu Insulinresistenz
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Beitragvon Kaloo » Mittwoch 7. Juli 2010, 18:10

Was macht man damit? Trocknen und dann Tee?
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Beitragvon Juliane » Mittwoch 7. Juli 2010, 18:22

@ Kaloo

Wie oben beschrieben:

"Schon mit wenigen frischen Blättern kann man gemischten Salaten eine besondere bitter-pikante Note verleihen"


"Unsere europäischen Vorfahren haben die jungen Blatt-Triebe in Salzwasser gekocht, mit Butter geschmort und als Gemüse gegessen oder zusammen mit Fleisch gekocht."


Natürlich kann man auch trocknen. Getrocknet dann mit dem Mörser fein mahlen und zum würzen nehmen oder wie ein Medikament zur Mahlzeit.
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Beitragvon Juliane » Mittwoch 7. Juli 2010, 18:48

@ Kaloo


"In der Volksheilkunde verwendet man alle Teile der Wegwarte. Die Wurzeln der Wegwarte werden im Frühjahr ausgegraben, gesäubert und getrocknet. Bei den Blättern der Wegwarte beschränkt man sich meist auf die Verwendung der unteren Stengelblätter und der Wurzelblätter. Die Blütenblätter der Wegwarte werden zur Verwendung einzeln abgezupft.

Wegwartetee

Für einen Wegwartetee wird ein Teelöffel Wegwarte-Blätter mit 200 ml kochenden Wasser übergossen und 15 Minuten ziehen gelassen. Bei Beschwerden werden traditionell täglich 2 Tassen dieses Tees auf nüchternen Magen eingenommen. Wegwartetee fördert die Verdauung, beseitigt Magenverschleimung und Magendrücken, reinigt das Blut, die Leber, Milz und Nieren und wirkt heilend bei chronischen Hautausschlägen. Gegen Gelbsucht und Erkrankungen der Galle soll Tee der Wegwarte vorbeugend wirken. In der Naturheilkunde mischte man den Wegwarte-Tee zur Wirkverstärkung meist mit Kresse, Hirtentäschel oder Löffelkraut im Verhältnis 1:1.

Wegwarte-Saft
Einen Wegwarte-Saft gewinnt man aus der Wurzel der Wegwarte. Er wird in der Volksheilkunde gern als Frühjahrskur oder Blutreinigungskur genutzt und als noch kräftiger als der Tee beschrieben. Zur Blutreinigung mischte man 4 Eßlöffel Wegwarte-Saft, den man durch auspressen der Wurzel erhält, mit einer Tasse Milch. Für eine Kur trank man täglich eine Tasse dieser Mischung über einen Zeitraum von bis zu sechs Wochen.

Die Wurzel der Wegwarte zusammen mit Löwenzahn im Verhältnis 1:1 gemischt und mit etwas Fenchel in Wasser gekocht, soll eine noch kräftigere Wirkung zeigen.

Wegwarte-Wurzelabkochung
Eine Abkochung der Wurzel, 100g Wegwarte-Wurzel auf 250ml Wasser wurde traditionell bei Augenleiden und Brustleiden erstellt. Bei Entzündungen der Augen mischte man das Wurzelwasser mit Kornblumenwasser im Verhältnis 1:1 und legte damit getränkte Wattebäuchen auf die Augen.


Wegwarte-Zucker
Für einen Wegwarte-Zucker nimmt man die blauen Blüten der Wegwarte, die man klein schneidet in einem Mörser zerstösst. Dazu gibt man 3 Teile unraffinierten Zucker. Sobald der Zucker eine musartige Konsistenz aufweist, stellt man diesen Wegwarte-Zucker in die Sonne. Anschließend ist der Zucker ein Jahr lang verwendbar. Er soll in der Wirksamkeit dem Kraut der Wegwarte in nichts nachstehen und bei den meisten, unter Indikationen aufgeführten, Beschwerden hilfreich sein.

Eingemachte Wegwarte-Wurzel
Verwendet werden die im Frühjahr gesammelten Wurzeln. Sie werden gewaschen und in Stücke geschnitten. Anschließend wird die Wegwarte-Wurzel mit Wasser und Zucker gekocht, bis es eindickt. Die eingedickte Wurzel wird mit etwas Rosenwasser vermengt und erneut gekocht, bis zur Konsistenz eines Sirups. Zum Schluß bewahrt man die eingemachte Wegwartwurzel in einem dunklen Glas auf.




Gegenanzeigen und Nebenwirkungen
Bei massvoller Verwendung sind keine Nebenwirkungen bekannt. Schulz schrieb 1929 in Vorlesungen über Wirkung und Anwendung der deutschen Arzneipflanzen über Nebenwirkungen wie Bildung von Hämorrhoiden und Varizen bei regelmäßigen Genuß von Zichorienkaffee.

Anbieter und Preis
Im Kräuterhandel werden Wegwarte-Kraut und Wegwarte-Wurzel zum Kauf angeboten. 100g Wegwarte-Kraut erhält man zu einem durchschnittlichen Preis von 2 Euro. 100g Wegwarte-Wurzel kann man zum durchschnittlichen Preis von 3 Euro kaufen."

http://www.heilpflanzenkatalog.net/heilpflanzen/heilpflanzen-europa/205-wegwarte.html
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Beitragvon Juliane » Freitag 17. Dezember 2010, 18:29

"Botanisch nah verwandt mit Löwenzahn und auch heilkundlich sehr ähnlich, ist die Wegwarte (Cichorium intybus). Schon Tabernaemontanus schrieb - "Sie thut Widerstand aller Vergiftung." Wir verwenden sie als Bitterpflanze zur Anregung von Leber, Milz und Pankreas, dies vor allem, wenn während oder nach Infektionen Immuntoxine die Organe belasten.
Eine weitere wichtige Indikation, die man in alten Bergarbeiterrezepten findet, sind Intoxikationen durch Schwermetalle, was sich vom Wachstumsort ableiten lässt. "Sie blüht sogar (...) auf den Mittelstreifen der Autobahnen. (...) Dort stinkt es nach Abgasen und der Boden ist vergiftet (...). Die Pflanze hält der Belastung jedoch stand und blüht scheinbar unverzagt weiter, während die Zivilisation um sie herum tobt und stinkt" (M. Madejsky, 2001).
Verblüffend ist die Verwandlungsfähigkeit dieser Pflanze. Während sie morgens in unvergleichlicher Pracht ihre blauen Blüten zur Sonne streckt, ist sie abends ein graues hässliches Mauerblümchen. So in etwa kann man sich den Wandel von Gesundheit in Krankheit durch giftige Schwermetalle vorstellen.
Die Firma Weleda liefert sogar ein Präparat von Wegwarte gedüngt mit potenziertem Blei zur Behandlung von Immunopathien und Ausleitung von Schwermetallen, "Cichorium Plumbo cultum" D2 ...."


Signaturen entgiftender Heilkräutervon Olaf Rippemit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Naturheilpraxis

http://www.natura-naturans.de/artikel/entgift_sig.htm
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Beitragvon Juliane » Freitag 17. Dezember 2010, 18:36

Siehe auch

Cichorium Plumbo Cultum
viewtopic.php?t=14647
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Beitragvon Juliane » Mittwoch 22. Dezember 2010, 11:05

Zitat


"Möchte man Wurzeln und Blätter als Wildgemüse oder Heilpflanze anbauen dann wird sie im Gemüsebeet wie die Schwarzwurzel in Reihen angepflanzt. Man braucht sich nicht die Mühe zu machen wildwachsende Pflanzen auszugraben, nein es ist denkbar einfacher Wegwarte im Garten anzusiedeln. Im Frühjahr sät man Radicchio oder Chicorée Pflanzen und läßt sie übers Jahr wachsen. Im zweiten Jahr schlagen die ursprünglichen Eigenschaften der Pflanzen durch und sie wachsen zu kräftigen und mehrjährigen Wegwarten aus..."

http://www.das-naturforum.eu/forum/thema-wissenswertes-von-der-wegwarte
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Beitragvon Gundermann » Mittwoch 22. Dezember 2010, 11:18

Toll, richtig toll!!!
Wir sollten uns alle viel mehr um Wildkräuter und Wildgemüse kümmern.
Da ist Energie drin und es kostet nichts.
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