NDR Info
nun bricht erstmals ein Mitarbeiter des Hofs das Schweigen.
"Elf Tage ist es her, dass das Telefon klingelte. Das Gesundheitsamt war dran: Marek sei EHEC-positiv und damit ansteckend, er solle zu Hause bleiben und sich immer gut die Hände waschen. Das war es dann aber auch. Es kam niemand vorbei, keine Behörde, kein Arzt. Ab und zu liegt ein Päckchen vom Gesundheitsamt im Briefkasten: Becher für Stuhlproben. "Das läuft alles per Post", erzählt Marek. "Bei uns zu Hause war niemand. Es hat auch keiner gesagt: Kommen Sie bei uns vorbei."
Niemand hat sich für Mareks Nieren interessiert, niemand eine Blutprobe genommen. Vom Landrat kam nur Post. Er habe "erforderliche Untersuchungen zu dulden", heißt es in der amtlichen "Zustellungsurkunde". Doch es kommt keiner, der untersucht, wie es dem 42-Jährigen geht. Acht Tage dauert es, bis auch ein Päckchen für Frau und Kind im Briefkasten liegt: Becher für Stuhlproben. Ein Ergebnis haben sie bis heute nicht. "Ich fühle mich unsicher, weil ich weiß nicht: Was ist wirklich mit mir los? Und was ist mit meinem Kind und meiner Frau? Wir haben keine Ahnung, obwohl wir die Proben abgeschickt haben. Wir haben bislang keine Nachricht bekommen", sagt Marek.
Am Freitag ist Marek dann selbst zum Arzt gegangen, auf eigene Initiative. Er will endlich wissen, ob seine Nieren in Ordnung sind. Bescheid hat er noch nicht. Auch von seinem Arbeitgeber nicht. Als EHEC-Kranker bekommt er Lohnfortzahlung, sechs Wochen lang. Über seine Arbeitsstelle macht er sich keine Illusionen. "Ich denke, das ist vorbei. Jetzt bin ich arbeitslos und habe noch diese Krankheit. Das ist alles doof gelaufen." Im Dorf hat Marek noch keinem gesagt, dass er EHEC-positiv ist. Aber jedem, der es wissen will, sagt er, dass der Gärtnerhof ein guter Biohof ist. "Sehr sauber" sei es dort, "hoch hygienisch" sogar. Über all die Jahre, in denen er und seine Kollegen dort arbeiteten, hätten sie die Erzeugnisse des Gärtnerhofes gegessen. Es werde kein tierische Dünger verwendet und die Keime wüchsen nur auf Sand und Wasser, so der 42-Jährige. "Ich frage mich: Wie kann das sein?' "
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