Die ZEIT: Was hab ich bloß? Modekrankheit?

Die ZEIT: Was hab ich bloß? Modekrankheit?

Beitragvon Janik » Freitag 10. Juli 2009, 20:53

ZEIT ONLINE - K R A N K H E I T S B I L D E R

Was hab ich bloß?

Jeder zweite Patient, der in eine Arztpraxis kommt, leidet an Krankheiten, die sich
nicht nachweisen lassen. Sind wir ein Volk von Hypochondern? Oder sind die Ärzte
überfordert?

WERNER BARTENS

Der Anspruch ist wohl zu hoch. Wer ist schon alles auf einmal: geborgen in
der Familie und glücklich im Beruf, zufrieden in der Liebe und zugleich noch
kerngesund? Die Weltgesundheitsorganisation hat mit ihrer Definition von
Gesundheit als \"Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen
Wohlbefindens\" die Latte ziemlich hoch gelegt.

Solch ein Störungsbild dürfte auch die Multiple chemische Sensitivität (MCS)
oder das Sick Building Syndrome (SBS) sein. Hinter diesen Wortungetümen
verbergen sich Leiden, deren Existenz von vielen Schulmedizinern bestritten
wird. Sie sind klinisch nicht klar definiert und durch Studien nicht hinreichend
belegt. Menschen mit Multipler chemischer Sensitivität klagen über Gelenk- und
Muskelschmerzen, Kopfweh, Müdigkeit oder Ekzeme, die sie auf versteckte
Chemikalien in Teppichen, Möbeln, Kleidung oder Elektrogeräten zurückführen.
So entwickelte sich bei einem 48-jährigen Naturwissenschaftler eine so enorme
Überempfindlichkeit gegen jede Sorte Bücher, dass er schon beim Vorbeigehen
am Regal ein Brennen in Gesicht und Augen verspürte. Angesichts solcher
Patientengeschichten drängt es sich auf, Symptome als Symbole zu deuten...


...Selbst wenn bei Erkrankungen gewisse Konjunkturen nicht zu leugnen sind -
die Menschen leiden daran und sind deshalb ernst zu nehmen. \"Auch wenn das
Chronische Erschöpfungssyndrom ein Sammelbecken für verschiedene Störungen
sein mag, ist es falsch, dies als Modediagnose abzutun\", sagt Carl Scheidt. Neu
an diesem Leiden und verwandten Erkrankungen ist, dass es sich hierbei um
\"Störungsbilder aus der Selbstsicht der Patienten\" handelt, so Scheidt....

Schlagworte: Depressionen Erkrankungen Psychische Psychopharmaka

http://www.zeit.de/2001/07/200107_modekrankheiten..xml

Artikel als pdf
http://pdf.zeit.de/2001/07/200107_modekrankheiten..xml.pdf
- Editiert von Janik am 12.07.2009, 12:54 -
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Beitragvon Juliane » Samstag 11. Juli 2009, 07:57

Hallo Janik,

für manche Artikel gibt es ganz einfache Erklärungen:

Wer die SZ liest, wird ihn schon kennen, da hat er eine Plattform

http://www.werner-bartens.de/

Und bei der SZ darf auch ein Münchener Experte auftreten:


Werner Bartens im Verbund mit Peter Henningsen


http://www.sueddeutsche.de/thema/Peter_Henningsen
http ://www.med.tu-muenchen.de/de/gesundheitsversorgung/kliniken/psychosomatik/index.php
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Beitragvon Mia » Samstag 11. Juli 2009, 09:09

Das werde ich nicht unkommemtiert hinnehmen und darauf per Leserbrief antworten. Wer macht mit? Der diffamierende Artikel läuft auch noch unter der Rubrik "Wissen". Schlimmer geht`s nimmer.

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Beitragvon Sonora » Samstag 11. Juli 2009, 10:25

Wir müssen uns wehren, sonst denken die sie könnten es mit uns machen.
Mit uns kann man es nnicht mehr machen. Wir schweigen nicht mehr!
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Beitragvon Clarissa » Samstag 11. Juli 2009, 10:41

meinen namen könnt ihr bitte dazu setzen.

Clarissa, Berlin
Und allen Leugnern zum Trotz, im DIMDI
ICD-10-GM Version 2018 - Stand Oktober 2017 ist MCS immer noch im Thesaurus unter
T 78.4 zu finden und wirklich nur dort und an keiner anderen Stelle!
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Beitragvon Silvia K. Müller » Samstag 11. Juli 2009, 12:48

Dieser ZEIT Artikel hat mich ehrlich gesagt fürchterlich abgenervt und dafür gesorgt, dass ich mir im CSN Blog Luft machen musste.

Lest meine Meinung zu "MCS ist eine Modekrankheit" und schreibt gerne Eure Meinung über die "Modekrankheit MCS" in den Blog.


"Modekrankheit MCS", ein ausgeklügelter, bösartiger Plan zur Kostenabwehr
http://www.csn-deutschland.de/blog/2009/07/11/modekrankheit-mcs-ein-ausgekluegelter-boesartiger-plan-zur-kostenabwehr
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Beitragvon Juliane » Samstag 11. Juli 2009, 13:53

Der Herr Dr. Bartens brauchte sicher Geld (Finanzkrise?) und hatte keine neuen Ideen für seine Couch bei der SZ.

Offenbar hat er aus seinen letzten Buch einen Artikel gemacht, der Herr Dr. Bartens.


Amazone hatte aus dem Buch hier schon mal ein Zitat eingestellt:


"Diesen Wunsch nach rechtmäßigen Beschwerden sieht Wolfgang Merkle auch als Ursache dafür, dass in den vergangenen Jahren immer mehr moderne Krankheiten entstanden sind: Allergien und Burn-Out haben in der Wahrnehmung der Bevölkerung dramatisch zugenommen, neue Diagnosen wie die Wortungeüme Multiple
Chemikalienunverträglichkeit und Chronisches Erschöpfungssyndrom sind entstanden."


viewtopic.php?t=6348


Wir sollten uns mal den den Herausgeber der ZEIT wenden.


Das war auch nicht der erste Klops, den die ZEIT veröffentlicht hat.
Mir ist da noch ein Artikel in Erinnerung. Fällt mir noch ein.
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Die ZEIT: Was hab ich bloß? Modekrankheit?

Beitragvon Alex » Samstag 11. Juli 2009, 15:38

Wenn die ZEIT AIDSKRANKE diskriminiert hätte oder Krebskranke, dann wäre was los.
Dazu ist man zu feige. Aber wir halten auch nicht mehr still wie die Opferlämmer.
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Die ZEIT: Was hab ich bloß? Modekrankheit?

Beitragvon Juliane » Samstag 11. Juli 2009, 15:43

Mein Nachbar erzählte mir gerade, die ZEIT hätte auch dieses umstrittene Interview als Anzeige abgedruckt. Großformat.

viewtopic.php?t=10265

Hat jemand von Euch die ZEIT?

Stimmt das?
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Beitragvon Alex » Samstag 11. Juli 2009, 15:59

Ist der Redaktion der ZEIT bekannt, dass
Diskriminierungen, prinzipiell unzulässig sind?

MCS ist in Deutschland als körperlich bedingte Krankheit mit dem ICD T78.4 und als körperlich bedingte Krankheit gelistet. Es ist also keine "Modekrankheit", etc.

Wir, als Erkrankte mit der Behinderung MCS, die jeden Tag mit Schmerzen und Restriktionen im Alltag zu leben haben, fühlen uns von Ihrem Artikel auf das Äußerste diskriminiert und verhöhnt.

2. März 2005: Das Plenum des Deutschen Presserats erweitert die Ziffer 12 des Pressekodex. Auf Anregung von Behindertenverbänden und Betroffenen fügt der Presserat einen Passus gegen die Diskriminierung von Behinderten in die Publizistischen Grundsätze ein.
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Beitragvon Toxicwarrior » Samstag 11. Juli 2009, 15:59

Der überarbeitete Kodex ist seit dem 1. Januar 2007 gültig.

Richtlinie 14.1 - Medizinische oder pharmazeutische Forschung - Pressekodex.

Die Berichterstattung über angebliche Erfolge oder Misserfolge der medizinischen oder pharmazeutischen Forschung zur Bekämpfung von Krankheiten verlangt Sorgfalt und Verantwortungsgefühl. In Text und Aufmachung ist alles zu unterlassen, was bei Kranken und deren Angehörigen unbegründete und mit dem tatsächlichen Stand der medizinischen Forschung nicht in Einklang stehende Hoffnungen auf Heilung in absehbarer Zeit erweckt. Andererseits sollen durch kritische oder gar einseitige Berichte über kontrovers diskutierte Meinungen Kranke nicht verunsichert und der mögliche Erfolg therapeutischer Maßnahmen nicht in Frage gestellt werden.

Die Annahme und Gewährung von Vorteilen jeder Art, die geeignet sein könnten, die Entscheidungsfreiheit von Verlag und Redaktion zu beeinträchtigen, sind mit dem Ansehen, der Unabhängigkeit und der Aufgabe der Presse unvereinbar. Wer sich für die Verbreitung oder Unterdrückung von Nachrichten bestechen lässt, handelt unehrenhaft und berufswidrig.
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Beitragvon Alex » Samstag 11. Juli 2009, 16:02

28.02.2005 - 13:03
Presse soll Behinderte nicht länger diskriminieren.Bonn (kobinet) Am kommenden Mittwoch (2.3.) will sich der Deutsche Presserat bei seiner turnusmäßigen Tagung in Bonn mit der Aufnahme eines Diskriminierungsverbots behinderter Menschen in den Pressekodex befassen. Dies fordert jetzt auch der Arbeitsausschuss des Deutschen Behindertenrates (DBR), der sich damit der «Initiative Ziffer 12» angeschlossen hat, die von Dr. med. Dipl.-Psych. Henning Schmölder koordiniert wird.

Diese Initative, den Pressekodex in Ziffer 12 um den Zusatz eines Benachteiligungsverbots Behinderter zu ergänzen, wird unterstützt von Behindertenverbänden wie dem Allgemeinen Behindertenverband in Deutschland (ABiD), dem Berliner Behindertenverband (BBV), dem Netzwerk Artikel 3, der Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen, der Bundesarbeitsgemeinschaft Gemeinsam leben Gemeinsam lernen und der Landesarbeitsgemeinschaft Hilfe für Behinderte Bremen. Der Forderung haben sich u.a. auch der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Karl Hermann Haack (SPD), der behindertenpolitische Sprecher der CDU/CSU Bundestagsfraktion, Hubert Hüppe, der PDS-Vorsitzende Lothar Bisky, Daniel Bahr, Sprecher für Pflege- und Behindertenpolitik der FDP-Bundestagsfraktion, Dr. Peter Widmann vom Zentrum Antisemitismusforschung der TU Berlin, und der Bundesvorstand der Gesellschaft Katholischer Publizisten angeschlossen. Der Geschäftsführer des Presserats, Lutz Tillmanns, hatte daraufhin bereits im vergangenen Jahr eine entsprechende Überarbeitung des Pressekodex in Aussicht gestellt.

«Mehr als zehn Jahre nach der Grundgesetzergänzung, dass niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden dürfe, ist es mehr als unverständlich, dass ausgerechnet dieser Diskriminierungstatbestand im Pressekodex ignoriert wird», erklärt hierzu der BBV-Vorsitzende Dr. Ilja Seifert. In der Presse werde oft unbewusst in diskriminierender Weise über Menschen mit Behinderungen berichtet. Eine Selbstverpflichtung im Pressekodex solle dazu anregen, bestimmte Äußerungen zu vermeiden, die auf den ersten Blick als eingängige Bilder erscheinen mögen aber behinderte Menschen als «ständig leidende Objekte» darstellen. «Das verstellt den Blick auf uns, auf unser Leben mit all seinen Facetten», sagte Seifert.

Journalisten sollen sich dazu verpflichten, in nichtdiskriminierender Form über Menschen mit Behinderungen und/oder chronischen Erkrankungen zu berichten. Insbesondere sollen nicht immer wieder die abgegriffenen Bilder von «an den Rollstuhl Gefesselten» oder «unter ihrer Krankheit Leidende» benutzt werden. Ebenso soll eine leichte Sprache verwendet werden, die auch von Menschen mit Lernschwierigkeiten verstanden wird. Ferner fordern Behinderte von der Presse den Verzicht auf abwertende Vergleiche. Menschen mit Behinderungen wollen von Journalisten nicht mehr automatisch gedutzt werden.

In einem offenen Brief hat sich Dr. Schmölder, der Vater eines autistisch behinderten jungen Mannes ist, an den Vorsitzenden des Trägervereins des Deutschen Presserates, Herrn Fried von Bismarck (Verlagsleiter Spiegel) sowie an Frau Dr. Ilka Desgranges, Sprecherin des Deutschen Presserates und Vorsitzende des Plenums (Saarbrücker Zeitung) gewandt. Darin fordert er den Presserat nochmals auf, endlich das erwartete Zeichen zu setzen. «Zeigen Sie mit einer freiwilligen Selbstverpflichtung, dass Sie gewillt sind, das Leben mit den unterschiedlichsten Beeinträchtigungen als erfülltes Leben, als einen Gewinn für Alle darzustellen. Menschen mit Behinderungen, ihre Angehörigen und Helfer, verdienen mehr positive Anerkennung und Zuspruch und weniger - meist ungewollte und unbeabsichtigte - Diskriminierung in ihrem Bemühen, ein ganz normaler Teil der Gemeinschaft aller Bürger zu werden und zu bleiben», so Dr. Schmölder. Zuletzt hatte er auf diskriminierende Äußerungen im Spiegel und im Berliner Tagesspiegel aufmerksam gemacht (kobinet-nachrichten 10.02.2005).

http://www.kobinet-nachrichten.org/cipp/kobinet/custom/pub/content,lang,1/oid,7397/ticket,g_a_s_t
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Die ZEIT: Was hab ich bloß? Modekrankheit?

Beitragvon Alex » Samstag 11. Juli 2009, 16:06

Pressekodex ergänzt

Diskriminierungsverbot von Behinderten unterstrichen

04.03.2005 - 14:23 Uhr, Deutscher Presserat

Bonn (ots) - Das Plenum des Deutschen Presserats hat auf seiner
Sitzung am 02.03.2005 die Ziffer 12 des Pressekodex um ein Detail
erweitert. Der Anregung von Behindertenverbänden und Betroffenen,
einen Passus gegen die Diskriminierung von Behinderten in die
Publizistischen Grundsätze aufzunehmen, kam der Presserat damit nach.
Mit der Gleichstellung behinderter Menschen, die auch in Artikel 3
des Grundgesetzes ihre ausdrückliche Betonung gefunden hat,
unterstreicht der Presserat die besondere Verantwortung der Medien.
Ziffer 12 des Pressekodex lautet jetzt: „Niemand darf wegen seines
Geschlechts, einer Behinderung oder seiner Zugehörigkeit zu einer
rassischen, ethnischen, religiösen, sozialen oder nationalen Gruppe
diskriminiert werden.“

Deutscher Presserat
Lutz Tillmanns
Tel.: 0228 - 985720
Fax: 0228 - 98572 - 99
E-Mail: info@presserat.de
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Die ZEIT: Was hab ich bloß? Modekrankheit?

Beitragvon Maria » Samstag 11. Juli 2009, 16:50

Dieser Bericht in der “Zeit” ist m. E. als verzweifelter Versuch von gewissen Interssengruppen, alles wieder zurechtrücken zu wollen, um fachlich fundierte Fakten über Multiple Chemical Senstitivty - MCS - zu vertuschen, zu verharmlosen, zu bereinigen, die bereits massenhaft im Internet anzufinden sind, zu werten.

Doch die Leute von heute lassen sich nicht mehr so leicht verkohlen, bevormunden, verdummen - das sollte auch den Initiatoren dieses diskriminierenden Artikels in der “Zeit” bewusst sein. In den Medien gibt es mittlerweile genügend kritische Meldungen über Krankheiten-auslösende Chemikalien / Pestizide, vor denen nicht einmal das Ungeborene Leben geschützt ist.

Eigentlich ist der Bereicht lächerlich, aber es ein sehr trauriges Armutszeugnis, sich für solch diffamierendes Schreiben herzugeben, obwohl dem Autor sicherlich bewusst sein dürfte, dass er mit seinem Artikel voll daneben liegt und das Thema völlig verfehlt hat.
Maria
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Beitragvon Juliane » Samstag 11. Juli 2009, 16:53

Was haben Sie bloß, Herr Dr. Bartens?

Das scheint mir doch in der Tat eine Modekrankheit der schreibenden Medizinerzunft zu sein, den Überbau zur gesellschaftlichen Praxis allseitiger Psychopathologisierung zu liefern.

Was schätzen Sie denn eigentlich, wie viele Menschen hierzulande chemikaliensensitiv sind?

Die tauchen in keiner Statistik auf, Herr Dr. Bartens. Nein, wie denn auch. Die diagnostiziert nämlich keiner.

Man stopft ihnen das Maul. Mit allerlei Pillen. Dann landen Sie dort, wo man sie hinhaben möchte. Sie wissen schon. Es leben eine ganze Branchen davon.

Die Medizinbranche, die Pharmaindustrie, die Psychosomatikbranche, die Aufbewahrungsanstalten und betreuten Wohngruppen und natürlich auch die Bestatter.

Wer weiß schon, dass seine Depressionen von Duftstoffen kommen können, seine Kopfschmerzen, Schwindel, Herzprobleme vom Lösemittel aus dem Fußboden.

Leute wie Sie, Herr Dr. Bartens arbeiten mit daran, dass niemand blickt, wovon es ihm schlecht geht. Das soll ja auch keiner blicken. Stellen Sie sich mal vor, wir müssten ja unseren Lebensstil komplett in Frage stellen. Also braucht es Schreiberlinge, die alles in flotten Ton schönschreiben.

Wenn Sie wieder mal von selbsternannten Experten klagen hören über beklagte Beschwerden seiner Patienten, dann lesen Sie mal hier im Blog. Bezahlen können wir Sie dafür freilich nicht.

Aber denken Sie immer daran, auch Erkenntnis kann ein Lustgewinn sein.
Juliane
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Beitragvon schlumpf » Samstag 11. Juli 2009, 17:26

Dr. Bartens hat sogar ein Forum bei Imedo:
http://www.imedo.de /group/overview/index/1019-lexikon-der-medizinirrtuemer
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Beitragvon Frank-N-Furter » Samstag 11. Juli 2009, 17:59

Er leitet das Forum "MEDIZIN-IRRTÜMER"?
Ich glaub's ja nicht.
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Beitragvon Amazone » Samstag 11. Juli 2009, 19:28

Falls jemand seinen Unmut direkt loswerden will:

Impressum:

Verantwortlich für den Inhalt:
Dr.Werner Bartens

c/o Eichborn AG
Kaiserstraße 66
60329 Frankfurt

http://www.werner-bartens.de
info@werner-bartens.de
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Die ZEIT: Was hab ich bloß? Modekrankheit?

Beitragvon Janik » Samstag 11. Juli 2009, 19:45

Weil dieser Bericht nicht durch einen "Medizinirrtum" zustande kam,
sondern aus Kalkül heraus, geht die Beschwerde besser gleich an den Presserat.
Soll man sich von deren Seite aus mit der AG des Dr. Bartels unterhalten
und Fragen stellen...
Janik
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Die ZEIT: Was hab ich bloß? Modekrankheit?

Beitragvon schlumpf » Samstag 11. Juli 2009, 19:56

Der hat sogar ein Buch darüber geschrieben:
Was hab ich bloß? Die besten Krankheiten der Welt (siehe Amazon.de)

Ob da wohl so ähnlich über MCS berichet wird? MCS als beste Krankheit der Welt?
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Beitragvon Clarissa » Samstag 11. Juli 2009, 20:10

Und allen Leugnern zum Trotz, im DIMDI
ICD-10-GM Version 2018 - Stand Oktober 2017 ist MCS immer noch im Thesaurus unter
T 78.4 zu finden und wirklich nur dort und an keiner anderen Stelle!
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Die ZEIT: Was hab ich bloß? Modekrankheit?

Beitragvon Analytiker » Samstag 11. Juli 2009, 21:41

Solche Diener der Industrie wird es immer wieder geben, die ihre Seele, ihre Patienten und den Eid des Hippokrates verkaufen, sich dadurch selbst allerdings bei ausländischen Wissenschaftlern der Medizin zum Gespött degradieren:

http://www.csn-deutschland.de/blog/2008/02/14/auslaendische-wissenschaftler-in-der-medizin-fragen-whats-up-in-germany/

http://www.csn-deutschland.de/blog/2009/05/27/wissenschaftlicher-stand-der-forschung-ueber-multiple-chemical-sensitivity-mcs/

Außerdem sollte man beachten, dass Psychiatrisierung von MCS-Kranken kein Kavaliersdelikt ist, sondern den Tatbestand der Diskriminierung erfüllt.

http://www.csn-deutschland.de/blog/2008/12/24/die-psychiatrisierung-von-mcs-kranken-stellt-in-deutschland-den-tatbestand-der-diskriminierung-koerperlich-behinderter-dar/

Soweit meine Gedankengänge zum Thema.
Analytiker
 

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Beitragvon Amalie » Samstag 11. Juli 2009, 22:35

Bartens Artikel: Ein echtes Lehrstück

Werner Bartens steckt sich in seinem Artikel in der ZEIT das hohe Ziel, den gesellschaftlichen Hintergrund der heutigen "neuen" Krankheiten zu erklären, und damit deren Auftreten.

Zuerst einmal erklärt er, unser Anspruch sei zu hoch. "Wer ist schon alles auf einmal: geborgen in der Familie und glücklich im Beruf, zufrieden in der Liebe und zugleich noch kerngesund?"
Stimmt, dieser Anspruch wäre zu hoch. Aber: Ich glaube nicht, dass die meisten Menschen diesen Anspruch haben und sich beklagen, wenn er nicht erfüllt wird. Statt Ansprüchen sollte er sich den Status qou vieler Einwohner Deutschlands - mit oder ohne Umwelterkrankung - ansehen: arbeitslos, geschieden oder Ehe-Hölle, dazu körperlich krank und von der Arbeit verbraucht. Dass diese Menschen sich wünschen, ihnen ginge es besser, kann er wohl schlecht ankreiden, aber wohl aus seiner Position als gutbezahlter Obere-Mittelschicht-Bürger nicht verstehen.

Stattdessen folgert er "Die Leute werden gesünder, aber es geht ihnen schlechter". Damit widerspricht er sich selbst. Vorher hat er noch die seiner Meinung nach zu hohe und wohl auch real nicht erreichbare Definition von Gesundheit der WHO als "Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens" angeführt. Demnach kann man nicht gesünder sein, wenn es einem schlechter geht.
"Nie war der gesundheitliche Zustand der Bevölkerung erfreulicher. Manche Wissenschaftler rechnen damit, dass die Menschen des 21. Jahrhunderts im Durchschnitt 100 Jahre alt werden könnten." Auch das möchte ich wagen zu bezweifeln. 40% der Bevölkerung erkranken im Laufe ihres Lebens an Krebs. Wer auf die Todesanzeigen in der Zeitung sieht oder über den Friedhof geht, sieht mehr und mehr Gräber von Menschen mittleren Alters, jung gestorben. Was sie hatten? Meistens Krebs. Wissenschaftlich nachweisbar können viele Schadstoffe Krebs auslösen.

Auch tut Bartens nicht, als wäre es den Menschen früher besser gegangen - geht es ihnen also heute schlechter oder genauso schlecht? Bartens geht weiter von seiner Definition einer körperlich außergewöhnlich gesunden Bevölkerung des Industrielandes Deutschland aus.
"Und trotz alledem gibt es immer wieder Neues, was uns quält. Unbekannte Leiden und Beschwerden, die nicht so recht greifbar oder messbar sind. Oder werden sie heute nur anders wahrgenommen? Früher hießen diese Geißeln Neurasthenie, Bleichsucht und Hysterie. Heute fühlen sich Unzählige als Opfer von Technik, Stress und Allergien. Diese Begriffe sind zu Schlagworten unserer Epoche geworden."

Ein rechtes Verständnis für die "Eisenbahnkrankheiten" des 19. Jahrhunderts kann er aber schwer aufbringen, sonst würde er sie nicht als Frage des Verständnis, als "willkommenes Erklärungsmodell für diffuse Ängste und ihre körperlichen Erscheinungen" ansehen.
Dabei zitiert er sogar aus dem Brockhaus von 1892, der hier zumindest auf rein theoretischer Ebene mehr Verständnis aufbringt. Dieser erklärt, dass "Die äußern Einflüsse, denen das Maschinen- und Fahrpersonal der Eisenbahnen ausgesetzt ist, auf den Organismus in besonders ungünstiger Weise einwirken und verhältnismäßig früh Gebrechlichkeit und Dienstunfähigkeit herbeiführen. Infolge des Stehens auf der Maschine, des Dröhnens derselben und der fortgesetzt auf den Körper einwirkenden Erschütterungen" würden die Beschwerden der damaligen Eisenbahnarbeiter auftreten.
Auch schreibt Bartens "Die Chlorose, volkstümlich Bleichsucht, betraf vorallem junge Mädchen aus unteren Schichten, die viel arbeiten mussten. Sie wurden schnell müde, schwindelig, ohnmächtig. Angeblich verfärbte sich ihre Haut gelblich grün." Also - nur angeblich? Wenn ich in so eine Fabrik müsste, zehn oder auch sechzehn Stunden am Tag in Lärm, Hitze, Staub, Gestank, würde ich auch grün im Gesicht werden und ich wette, Bartens selbst auch.

Bartens meint dagegen über die Eisenbahnkrankheiten und die Chlorose "Man mag über diese historischen Diagnosen heute schmunzeln" und "Jede Zeit und jede Kultur hat passende Krankheitsbilder". Dann ist doch aus seiner Sicht Alles klar, oder? Die gesellschaftlichen Einflüsse schaffen Ängste und diese äußern sich in Krankheitsbildern. Die Sache hat einen Haken: Die historischen Krankheitsbilder, die er zum Beleg dieser Theorie heranzieht, sind simpel, gerade zu mechanisch aus rein körperlichen Einflüssen zu erklären. Das gelingt sogar dem Brockhaus 1892.

Außerdem glaubt Bartens, dass das Neue, das Ungewisse, zu den Ängsten oder anderen Empfindungen wie Unsicherheit und Nervosität führe. Sobald Alles erklärbar wäre, sei eine Krankheit bald "out". Das zeigt er zum Beispiel so: "Auch das Magengeschwür, bevorzugtes Beschwerdebild der Empfindsamen, ist aus der Mode. Seit 1985 wird der Keim Helicobacter pylori als Ursache für die Mehrzahl der Magengeschwüre angesehen." Sicher, und der Helicobacter wird heute auch noch oft diagnostiziert. Das Geschwür ist da, egal, wie man es sich erklärt.

Bartens Ansatz ist also simpel: Zuerst ist die neue, nicht erklärbare und ungewohnte Situation einer Gesellschaft. Daraus entsteht eine kollektive Unsicherheit, eine Angst oder eine Überforderung. Und mit den Ursachen der Angst, Überforderung, Unsicherheit werden dann die Krankheiten erklärt, die entweder wegen dieser psychischen Symptome oder ohnehin unabhängig ihrer Erklärung auftreten, das kann man Bartens Darstellung nicht klar entnehmen.
Also für Bartens: Ausgangssituation/ Tatsache - Erklärung - Folge (als Folge der Erklärung).
Logisch wäre doch viel eher: Ausgangssituation/ Tatsache - Folge - Erklärung.
Offenbar kann Bartens aber nicht denken, dass es vielleicht andersherum sein könnte als er glaubt, dass nämlich gesellschaftliche Situationen, hauptsächlich der Tribut, den unsere Wirtschaftsform täglich von uns allen fordert, sowohl sozial und geistig als auch körperlich, ganz simpel selbst Auslöser sind. Also nicht erst die Umstände, dann die sozialen und geistigen Folgen, dann die Unsicherheit und dann die Krankheit, sondern erst die Umstände, und dann alle körperlichen, geistigen, sozialen Folgen als direkte Folgen zusammen.

Wie soll er dieses ungewohnte Muster "Erst die Tatsache - dann die Erklärung" auch denken können. Das wäre auch riskant, Ungewohntes könnte ihn seiner Theorie nach schließlich krank mache.
Gehen wir doch vom heutigen wissenschaftlichen Ansatz aus. Wir wollen für eine Firma irgendein marktfähiges Konzept umsetzen, ein Produkt entwickeln. Das müssen wir uns erstmal eins ausdenken, und dann umsetzen, erst planen und dann produzieren.
Oder wir weisen für ein Unternehmen mit einer Studie z.B. die Unbedenklichkeit eines Medikamentes nach. Da muss man auch zuerst die Ergebnisse abwarten und hoffen dann, sie so vorzufinden, also die Studie auf diese Ergebnisse anlegen.
Erst ist die Erklärung, dann die Tatsache. Dass es in der Natur und im schließlich auch den Naturgesetzen unterliegenden menschlichen Körper vielleicht andersherum sein könnte, ist für einen Mediziner, einen Wissenschaftler unserer Gesellschaft und Wirtschaftsform, sicher schwer zu denken.

Dennoch, mit seinem Modell - Erst die Erklärung, dann die Tatsache - geht er auch an MCS, CFS und so weiter heran.
Es gibt lmeint Bartens nämlich Störungsbilder aus der Selbstsicht des Patienten, bei denen dieser Beschwerden hat, die er sich aus seiner Umwelt heraus erklärt - diese ist hier ja schließlich das Neue und Unheimliche - und damit dann seine Krankheit erklärt.
"Solch ein Störungsbild dürfte auch die Multiple chemische Sensitivität (MCS) oder das Sick Building Syndrom (SBS) sein. Hinter diesen Wortungetümern verbergen sich Leiden, deren Existenz von vielen Schulmedizinern bestritten wird. Sie sind klinisch nicht klar definiert und durch Studien nicht hinreichend belegt."
Er beschreibt zum Beispiel die Geschichte einer MCS-Kranken und erwähnt dabei den Satz "Angesichts solcher Patientengeschichten drängt es sich auf, Symptome als Symbole zu deuten."
Zum SBS sagt Bartens "Beim Sick Building Syndrom ist nicht das Gebäude krank, sondern der sich darin befindliche Mensch." Die Symptome der Betroffenen seien solche, "die durch "Ausdünstungen" aus Mauern und Wänden erklärt werden. Niemand bezweifelt, dass Baustoffe, Reinigungsmittel, Lacke oder Farben gesundheitschädlich sein können. [...] Doch bei manchen Menschen treten schon Beschwerden auf, wenn die gemessenen Schadstoffkonzentrationen am Arbeits- oder Wohnort weniger als ein Prozent des zulässigen Höchstwertes betrifft."

Er lässt auch den Oberarzt für Psychosomatik und Fachmann für das Erschöpfungssyndrom an der Freiburger Uniklinik sprechen, der meint, man müsste die "subjektive Realität" der Kranken anerkennen. "Sie sei Teil jedes Menschen. Beim einen sei es chronische Erschöpfung, beim anderen Hyperaktivität, beim nächsten eine Überempfindlichkeit."
Scheidt hat eine klare Meinung: "Die Betroffenen betreiben selbst Ursachenforschung und bieten daher auch ihre eigenen Diagnosen an [...] Diagnosen haben schließlich auch soziale Steuerungsfunktion." So würden, meint Bartens, die an den seltsamen neuen Krankheiten mit den komplizierten Namen Erkrankten von unangenehmen Aufgaben freigestellt werden und soziale Rücksichtnahme erfahren. Er spricht nicht an, dass das Gegenteil der Fall ist, Betroffene arbeitslos werden und von ihrem Umfeld verlassen werden.

Als Arzt hat Bartens natürlicherweise ein Problem mit der Eigeninformation der Patienten. "[...] nebenbei sind aus eingebildeten Kranken ausgebildete Kranke geworden. Im Internet und in den immer zahlreicher werdenen Selbsthilfegruppen diverser Leidender kursieren Ratschläge und Meinungen über Erkrankungen jenseits von Ärzten und medizinischen Fakultäten."
Ja, Herr Bartens, was wollen die Betroffenen sonst machen, außer sich zusammenschließen, wenn ihnen keiner helfen kann bzw. will? Außerdem, wo ist das Problem der Zusammenschließungen? Ist Zusammenarbeit denn nicht positiv? Oder nur, wenn sie innerhalb eines profitablen Unternehmens stattfindet? Das wäre aber dann Doppelmoral: Im Unternehmen ist Zusammenarbiet gut - Als Selbsthilfegruppe Profitgeschädigter nicht.

Nach all dem muss man eigentlich nicht weiter ausführen. Bartens Standpunkt nach dem Leitsatz - Erst ist die Erklärung, dann ist die Tatsache - ist geklärt: Die Patienten fühlen sich verunsichert und schreiben ihr Leiden dann den Dingen zu, die ihnen unheimlich sind. Es müsste sich also die Erklärung verändern, dann verändert sich auch die Tatsache.
Dieser Ansatz ist für die Psychiatrisierung der angeblich neuen Leiden geradezu perfekt. An psychischen Erkrankungen kann man gut verdienen, sie passen in unser System, in unsere Wirtschaftsform und die ihr entsprechende Gesellschaftsform. Umweltkranke dagegen wären erstens ein zugegebenes Problem, das unsere Wirtschaftsform verursacht, und zweitens können Umweltkranke nur die Auslöser ihrer Krankheit meiden, sind also kein Rohstoff für den profitablen Markt, in dem mit Patienten, Medikamenten, Therapiekonzepten, Ärzten und Therapeuten die Gewinne erwirtschaftet werden.

Aber Bartens ist nicht so unvorsichtig , diesen ganzen hier dargestellten Standpunkt ausschließlich und damit angreifbar, sehr leicht kritisierbar zu vertreten. Er verwirrt den potentiellen Kritiker, schlägt ihn mit seinen Argumenten. Zur Bezeichnung Kranker als Hypochonder meint er "Den meisten Kranken geschieht damit Unrecht." Er bringt ein, dass vielleicht doch Viren für CFS verantwortlich sein könnten.
Und dann meint er noch ganz korrekt: "Noch mehr als unter dem Vorwurf, sich eine Beschwerlichkeit einzubilden, leiden viele Betroffene unter vorschnellen Psychologisierungen. Dabei werden die Krankheitsfolgen - beispielsweise sozialer Rückzug oder Einschränkung der Alltagsaktivität - gern als Ursachen der Erkrankung angesehen. [...] Solche Vulgärpsychologie müssen sich Menschen immer anhören, deren Beschwerden noch nicht bekannt sind oder sich einer schlichten Erklärung entziehen."
Schlau führt er auch hier Beispiele an, zum Beispiel, dass Parkinson als psychisch galt, bis die neurologischen Ursachen gefunden wurden.
Auch nimmt er dann seinen Angriff auf die Zusammenschlüsse von Patienten einfach wieder zurück, "denn das Reden über Krankheit sei so demokratisiert worden [...]. Heute ist die Deutungsmacht über die Symptome aufgeteilt. Es gibt konkurrierende Modelle zur Erklärung einer Krankheit."
Bartens macht mit Zitaten deutlich, das Problem betreffe mittlerweile alle Schichten, Ärzte seien stärker gefordert als früher, man müsse den Patienten abholen wo er steht usw.
Bartens lässt also alle Meinungen einfach gelten?

Womit haben wir es hier zu tun? Mit einem Autor, der nicht weiß, was er will? Schließlich nehmen diese Argumente, die eigentlich Bartens Kritiker bringen würden, einen beträchtlichen Teil des Artikels ein, in dem er sich damit ständig selbst widerspricht. Aber nein. Unser Autor weiß, was er will.
Bartens Artikel ist ein Lehrstück der Taktik des Pluralismus (Pluralismus = Alle Meinungen gelten lassen). Indem man alle Meinungen gelten lässt, auch die des Gegners bzw. Kritikers, nimmt man diesem den Wind aus den Segeln. Der kann dann verzweifelt mit all seinen Argumenten kommen - wer den Pluralismus anwendet, kann sich diese still lächelnd anhören und dann sagen "Aber das habe ich doch gar nicht bestritten."
Wer braucht Pluralismus als Taktik? Jemand, der seine Theorie nicht allein mit klarer Logik belegen, seine Meinung einfach und logisch vertreten, und auf diese dem eigenen Standpunkt treue Weise den Kritiker widerlegen kann.
Dieses Lehrstück ist ein Beispiel, in dem wirklich jede letzte Ecke dieser Taktik innerhalb eines Artikels ausgeschöpft wurde. Wenn sich keine logischen Argumente letztendlich für unsere Wirtschaftform mehr finden, lassen ihre Träger und Verteidiger schlicht und einfach alle Argumente gelten und führen selbst alle Argumente - auch die der Kritiker - ins Feld. Die können dann nicht mehr sagen, ihre Meinung würde nicht diskutiert. Wenn wir den gesamten Mainstream der öffentlichen Diskussion betrachten, sehen wir diese Taktik in jedem Thema, sie ist überall wiederzufinden.

Nun, Herr Bartens. Nicht allen Menschen ist so leicht der Wind aus den Segeln zu nehmen. Die Argumente der Patienten, die sich zum Ärger Ihrer Kollegen im Internet zusammenschließen, austauschen, gegenseitig unterstützen, weil sie nur hier Unterstützung bekommen, die wissen, dass sie mit ihrer Meinung auf der Seite des gesunden Menschenverstandes stehen.

Ich würde nun gern sagen, ihr könnt uns Alles nehmen, aber nicht unsere Meinung.

Haken:

In Zeiten von Psychopharmaka sind auch die Gedanken nicht mehr frei. Ich möchte hier an die Kranken erinnern, die arm und verlassen sind, aber die ihre Gedanken und ihre Meinung noch haben. Und ich möchte an die Psychiatrie-Insassen erinnern, denen man wirklich Alles genommen habt, die man von Menschen zum Industrie-Rohstoff degradiert und diese Degradierung komplett vollzogen hat.
Amalie
 

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Beitragvon Toxicwarrior » Samstag 11. Juli 2009, 23:33

Liebe Forum Mitglieder und Zaungäste!

Ja, solche Artikel sind für alle MCS-Betroffenen verletzend und diskriminierend, aber wir sollten uns nicht länger von solchen "Wahrheitsverdrehern des Journalismus" das Leben schwerer machen als es schon ist. Lasst uns gemeinsam weiterhin ums wesentliche kämpfen und kümmern, und das ist in erster Linie unsere Gesundheit - Stunde für Stunde, Tag für Tag. Denn Rest macht die Zeit und unsere gemeinsame Kraft für Recht und Anerkennung zu sorgen.

Wer ist den schon dieser Herr Bartens, ein abhängiger Schreiberling von vielen; mehr nicht. Diese Zunft bringt so viele Versager zu Tage, und ich vermute dass er einer davon ist - Sodom und Gomorrha.

Zudem schätze ich bzw. man könnte meinen, dass wenn Herr Bartens von einem Psychoanalytiker auseinander genommen werden würde, übelste Dinge aus seiner Psyche zu Tage kommen würden. Zudem bekomme ich den Eindruck von Herrn Bartens, dass er vor lauter getriebener Geltungssucht, Hochmut, Narzissmus und Trägheit seines Geistes - siehe Foto http://www.werner-bartens.de/ - in Wirklichkeit eine ganz arme Sau ist, und wahrscheinlich 5-Hydroxytryptophan (5-HTP) abhängig ist - siehe Dauergrinsen!

Denn wer sich ernsthaft als anerkannter Mediziner - und diesen Titel Dr. bekommt ja in Deutschland, fast schon jeder hinterher geschmissen - medizinisch und psychisch mit MCS beschäftigt, der kann solch einen Artikel nicht ernsthaft und glaubwürdig verfassen. Somit entsteht der Eindruck, dass er entweder keine oder wenig Ahnung über das Thema MCS hat, oder er bekommt dafür irgend eine Leistung für den von ihm verfassten Artikel bzw. Schwachsinn. Alles andere ist reine Spekulation mit Spielhallen Charakter, also nicht der Rede wert.

Mit freundlichen Grüßen
Toxicwarrior
Toxicwarrior
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Die ZEIT: Was hab ich bloß? Modekrankheit?

Beitragvon Prinz von Hamburg » Samstag 11. Juli 2009, 23:55

Der Bartens schrieb das bereits im Jahr 2001

Krank ohne Befund
Werner Bartens | © DIE ZEIT, 07/2001

http://www.zeit.de/2001/07/Krank_ohne_Befund


Was hab ich bloß?

Werner Bartens
DIE ZEIT, 07/2001

http://www.zeit.de/2001/07/200107_modekrankheiten..xml

Wir haben aber hier an einigen Forenbeiträgen gesehen, dass er immer noch die alten Denkmuster im Kopf hat. Hoffnungslos.

Die ZEIT hat das Geschwafel online. Insofern sollten wir Kritik üben.
Prinz von Hamburg
 

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Beitragvon Juliane » Sonntag 12. Juli 2009, 00:20

@ Prinz

Das war mir also in Erinnerung. Na ja, schon schon lange her.
Nein, Neues hat man nicht gehört von Dr. Vielschreiber

Steht nach wie vor auf Psychosomatik:


"Das Wechselspiel zwischen Genen, Umwelt und Psyche wurde von anderen Referenten kaum ausgelotet - ein Psychologe oder Psychosomatiker war nicht eingeladen, nur der obligatorische Feigenblatt-Ethiker. Die Gefahren durch Feinstaub, Radon im Boden, Passiv-Rauch oder einseitige Ernährung sind interessant. Spannend wird es aber, wenn diese Risiken in Beziehung zum Lebensstil gesetzt werden.
"

Die vergebliche Suche nach der Gesundheit
21.02.2009

http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/509/459154/text/

http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/509/459154/text/3/
Juliane
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Die ZEIT: Was hab ich bloß? Modekrankheit?

Beitragvon Kobold » Sonntag 12. Juli 2009, 12:15

Patienten zu verraten und zu verkaufen ist mit das Niederträchtigste was es gibt. Die meisten MCS Kranke liegen sinnbildlich auf dem Boden, diese zudem noch mit Füßen zu treten, um gewissen Interessen gerecht zu werden, ist kein Heldentum sondern Söldnertum.
Arm arm, wirklich nur arm.
Kobold
 

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Beitragvon Tonda » Sonntag 12. Juli 2009, 17:23

Der Bericht von Dr. Bartens ist untragbar und spiegelt wider, wie man in diesem Land mit MCS Kranken verfährt. Der Herr Doktor müsste einmal einen Tag als MCS Kranker verbringen müssen, damit er weiß über was erschreibt.

Absolut unfassbar, dass Ärzte dieses Kalibers auf die Menschheit losgelassen werden. Aber wie meine Vorredner schon feststellten, es ist ein Armutszeugnis, dass so jemand überhaupt öffentliche Berichte abliefern darf und die "Zeit" geht nicht mit der Zeit, sondern vertut die Zeit mit der Verbreitung von Lügenmärchen.
Tonda
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Die ZEIT: Was hab ich bloß? Modekrankheit?

Beitragvon Juliane » Samstag 18. Februar 2012, 10:36

Prof. Dr. med. Peter Henningsen lässt seinen Hofjournalisten mit einem öffentlichen Vortrag das Tagungsprogramm eröffnen:

Die Zukunft der Psychosomatik 28. – 31. März 2012 TU München

63. Arbeitstagung des Deutschen Kollegiums
für Psychosomatische Medizin (DKPM)
20. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft
für Psychosomatische Medizin und
Ärztliche Psychotherapie (DGPM)



Öffentlicher Vortrag:

Mittwoch 28.3.2012


„Was hab ich bloß – die Zukunft des Leidens“

(W. Bartens, München)

http://www.deutscher-psychosomatik-kong ... mm_WEB.pdf

http://www.deutscher-psychosomatik-kongress-2012.de



Was hab ich bloß?

Das hat Bartens 2001 schon mal öffentlich gefragt.
Damals in der ZEIT:

Was hab ich bloß?

http://www.zeit.de/2001/07/200107_modekrankheiten..xml


Wir dürfen gespannt sein, was die anwesenden Journalisten und insbesonderee die SZ über die Tagung zu berichten hat.
Juliane
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Die ZEIT: Was hab ich bloß? Modekrankheit?

Beitragvon Yol » Samstag 18. Februar 2012, 19:41

Vielleicht sollte man beim gleichen Worttext bleiben - MCS ist tatsächlich eine Krankheit die mein Grossvater noch nicht haben konnte - es gab noch nicht die Unmenge an Giften in der Umwelt!
Wenn man denn nun modern einfach mal so sieht - dann braucht man sich nicht aufzuregen.

Mir fällt aus der Ferne auf, dass es wenig Sinn macht sich ewig zu verteidigen. Das ist wohl anvisiert mit solch ironisch/deplazierten Provokationen - nur wir sollten uns da nicht blenden - nicht provozieren lassen.

Wer sich nicht für Wahrheit interessiert ist sowieso nicht erreichbar dafür - wer sich auf einem anderen geistigen Niveau bewegt - der ist nicht erreichbar zum begreifen - wer sich nur für Schlagzeilenjargon interessiert - ist nicht zugänglich für mehr. Ich könnte diese Wortspielereien noch bis Undenliche treiben - würde natürlich dann auch noch sehr viele provozieren mit meiner Ausdrucksweise, deshalb höre ich hier mal auf. Was aber anders ist dieses unfundierte Gefasel unter einem Dr.-Titel - ohne den geht es ja wohl nicht? Nichts von Bedeutung - nichts von der Bedeutung dass wir unsere Zeit - Energie einsetzen sollten hier Fakten einzusetzen - die dagegen nicht ankommen - es fehlt die Leserschaft dazu!
Yol
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Die ZEIT: Was hab ich bloß? Modekrankheit?

Beitragvon Juliane » Mittwoch 24. Oktober 2012, 10:04

Neue Version: Was hab ich bloß

Dr. Bartens

32 Minute im Video

„Man könnte das Gesundheitsministerium abschaffen und zwar sofort oder man sollte es umbenennen in Ministerium für Interessenpolitik .......“

Video-Mitschnitt, Dr. Bartens; Länge 46:39 min
Die Mitschnitte von den Plenarvorträgen können Sie über das Auditorium Netzwerk beziehen.
http://www.deutscher-psychosomatik-kongress-2012.de/
http://www.auditorium-netzwerk.de/advanced_search_result.php?keywords=dkp12&x=0&y=0
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