Dr. Bieger zur Degam Leitlinie Müdigkeit

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Beitragvon Amazone » Sonntag 25. März 2012, 12:36

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Dr. Bieger zur Degam Leitlinie Müdigkeit

Beitragvon Kira » Sonntag 25. März 2012, 14:23

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Dr. Bieger zur Degam Leitlinie Müdigkeit

Beitragvon mirijam » Sonntag 25. März 2012, 14:42

Dort kann man auf Seite 3 Folgendes lesen- Zitat:

"Denn diese Leitlinie ist eine Anleitung zur systematischen Fehldiagnose des ME/CFS als Depression oder einer anderen psychischen Störung. In der Folge werden die Patienten zu Psychiatern geschickt und in psychosomatische Kliniken gezwungen, wo sie aufgrund der für sie ungeeigneten Behandlungsformen in der Regel noch kränker wieder herauskommen.

Angemessene medizinische Versorgung und Rentenzahlungen werden den Patienten infolge dieser Leitlinie weiterhin verweigert werden mit der Begründung, es läge allein in ihrer Hand, wieder gesund zu werden (Verhaltensstörung)."


http://www.cfs-aktuell.de/DEGAM%20Leitline-Kommentar-23%203%2012%20one.pdf
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Dr. Bieger zur Degam Leitlinie Müdigkeit

Beitragvon Twei » Sonntag 25. März 2012, 15:12

Da ist ja erschreckend, was Dr. Bieger da zurecht wiedergibt. Vor allen Dingen, dass die degam-ll bis 2016 wohl unverändert in Kraft bleiben sollen.

Endlich mal ein Doktor, der einen ordentlichen kritischen Blick hat, Kompetenz und Mut.
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Dr. Bieger zur Degam Leitlinie Müdigkeit

Beitragvon Juliane » Sonntag 25. März 2012, 18:10

Neue DBU Leitlininen bringen neues Behandlungskonzept auch für CFS:

Zitate aus dem

Therapeutisches Konzept
für die Krankenhausbehandlung von Menschen mitpsychosomatischen Erkrankungen Schwerpunkt Umweltmedizin:

Seite 35

Die spezifischen medizinischen Indikationen für eine Behandlung an der Abteilung für Psychosomatische Medizin - Schwerpunkt Umweltmedizin der Fachkliniken Nordfriesland sind in

Tabelle 5.1 dargestellt.

Umweltmedizinische Störungen
G93.3: Chronisches Müdigkeitssyndrom

Seite 20

Ergänzende kognitive verhaltensorientierte Verfahren sind insbesondere zur Therapie des Chronic Fatigue Syndroms entwickelt und bereits erfolgreich eingesetzt worden

Seite 21

Methoden, die bei der Behandlung des CFS wirksam sind, sollen zukünftig an den Fachkliniken Nordfriesland in modifizierter Form in das therapeutische Konzept aufgenommen werden.


Seite 24
Nach dem Vorbild der bei chronischen Schmerzen und dem chronischen Erschöpfungssyndrom (CFS) erfolgreichen kognitiven Verhaltenstherapie soll an den Fachkliniken Nordfriesland eine neue modifizierte Verhaltenstherapie für die Patienten mit Hypersensitivität entwickelt werden.
Dieses Vorhaben liegt darin begründet, dass diese Erkrankungen ebenfalls mit einer vermuteten „neurobiologischen Hypersensitivität“ einhergehen.


Seite 25

Zwar sind neurobiologische Veränderungen dem Grunde nach „organische Störungen“, diesekönnen jedoch mit „psychotherapeutischen Methoden“ beeinflusst werden.


Seite 28

Als eine der Ursachen des CFS werden weiterhin Mitochondropathien diskutiert. Die Mitochondrien stellen 95% des Energiebedarfs bereit und Gewebe mit besonders hohem Energiebedarf wie das Gehirn haben eine hohe Dichte an Mitochondrien. Die Mitochondrien sind besonders anfällig für oxidativen Stress (Bains 2008). Auffällig ist, dass auch bei Patienten mit Depressionen Störungen im Bereich der Mitochondrien festgestellt wurden (Koene et al. 2008, Rezin et al. 2008). Daneben konnte gezeigt werden, dass bei depressiven Patienten antioxidativ wirksame Enzyme im Gehirn vermindert waren, jedoch durch Antidepressiva mit anti-inflammatorischer Wirkung wieder normalisiert wurden. Die Gabe von Antioxidantien warjedoch nicht wirksam (Zafir et al. 2008). In experimentellen Tierstudien wiederum waren
Chemikalien, die oxidativen Stress auslösen, auch Auslöser von Angst und
Verhaltensänderungen


Seite 29

Die edukativen und psychotherapeutischen Elemente der Therapie wurden gestärkt. Dies erfordert eine Veränderung des Personaleinsatzes, da nun vermehrt Psychologen, Psychotherapeuten, Pädagogen, Sporttherapeuten, Ergotherapeuten und Ernährungswissenschaftler die Therapie gestalten. Die Therapiedauer hat sich aus demselben Grund verlängert. Gegenüber der rein psychosomatisch-psychotherapeutischen Therapie ergibt sich erhöhter Aufwand für die unter Punkt 2.1 (S. 8-9) benannten und begründeten Aspekte. Gleichzeitig kann jedoch nun vorteilhaft das modulare Therapiekonzept der Abteilung für Psychosomatik mit genutzt werden. Die umweltmedizinisch-psychosomatischen Patienten können allerdings aufgrund den unter Punkt 2.1 (S. 9) beschriebenen Schwierigkeiten nicht in jeder Gruppe integriert werden.


Seite 32

Entspannungsverfahren, wie Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung oder
Imaginationsverfahren unterstützen den Heilungsprozess von Reiz- oder Erschöpfungszuständen und verbessern das Coping.


Die Sport- und Bewegungstherapie ist unabdingbar in der Behandlung chronisch Kranker
und kann den Verlauf nachhaltig positiv beeinflussen. Bei bestimmten Krankheitsbildern, z.B. bei dem Chronischen Erschöpfungssyndrom (CFS), erfolgen spezifische Bewegungstherapien („graded exercise“), wenn der Gesundheitszustand der Patienten dies zulässt.


Verantwortlich für den Inhalt:

Dr. med. Christoph Mai, Chefarzt und Geschäftsführer

Ralf Tönnies, Leitender Therapeut

Dr. med. Susanne Steinlechner, Oberärztin

Dr. rer. nat. Anke Bauer, Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Stand:

Bredstedt, 30.11.2011

http://www.fklnf.de/fileadmin/downloads/Umwelt/C2_Konzept_Psychosom_Schwerp_Umwelt_11_2011.pdf
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Dr. Bieger zur Degam Leitlinie Müdigkeit

Beitragvon Juliane » Sonntag 25. März 2012, 18:32

Ob Dr. Bieger sich auch zu den Leitlinien des DBU äußern wird??


Seite 15

Es wird empfohlen multifaktorielle Syndrome, welche häufig mit UME assoziiert sind, systematisch zu erfassen (vgl. Risikogruppen und Folgeerkrankungen).

Hierunter sind chronische Multisystemerkrankungen zu verstehen, deren Entstehung mit Risikofaktoren aus dem somatischen, psychischen und sozialen Bereich assoziiert ist („biopsycho- soziales“ Krankheitsmodell), insbesondere:



Chronisches Erschöpfungssyndrom/CFS
Es wird empfohlen, die Ursachenüberzeugung bzw. subjektive(n) Krankheitstheorie(n) sowie Ressourcen, Bewältigungsstrategien und krankheitsfördernde Mechanismen zu erfragen. Diese stellen für die Entwicklung chronifizierter Krankheitsbilder wichtige Prädiktoren dar.....

Es wird empfohlen, aktuelle Stressoren (biologische, biochemische, biophysikalische und psychosoziale Stressoren (z.B. Beruf, Partnerschaft, Schule, Familie)) und biographische Belastungsfaktoren zu erfragen. Personen mit deutlich erhöhtem Level an Stressoren gehören zu den Risikogruppen bezüglich der Entwicklung einer UME. Sie tragen ebenfalls ein erhöhtes Risiko, chronifizierte Folgeerkrankungen entwickeln.......


http://www.dbu-online.de /fileadmin/grafiken/Sonstiges/Leitlinie_Langfassung_11_2011_Umweltmed.Praxis.pdf
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Beitragvon Hanne » Sonntag 25. März 2012, 20:15

Es wird auch zum Mitzeichnen der Stellungnahme von Dr. Bieger aufgefordert
http://www.cfs-aktuell.de/april12_1.htm
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Beitragvon Kira » Dienstag 27. März 2012, 13:03

dies sollte man auch mal lesen:
http://www.cfs-aktuell.de/Leitlinienkritik.pdf
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Beitragvon Silvia K. Müller » Dienstag 27. März 2012, 17:13

CSN hat die Leitlinienkritik ebenfalls unterzeichnet.
An dieser Stelle herzlichen Dank an Dr. Bieger und Frau Clos für ihr Engagement!
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Beitragvon mirijam » Donnerstag 29. März 2012, 00:19

Zitat (siehe Seite 12 im u. a. Link):

"Margaret Williams erläutert das biopsychosoziale Modell in
"More concerns about the current UK Welfare Reform"
vom 22. Januar 2012

“Der Begriff ,biopsychosoziales Modell’ wird beinahe ausschließlich von
den Psychiatern Wessely-School verwendet, um sich auf Erkrankungen zu
beziehen, die sie weiterhin als psychosomatisch betrachten (insbesondere
ME/CFS), und dieser Begriff wird von anderen Fachrichtungen nicht
verwendet.

So sprechen Kardiologen beispielsweise nicht davon, dass ihre
Patienten eine “biopsychosoziale” Erkrankung hätten, und Onkologen
beschreiben Krebs nicht als “biopsychosoziale” Erkrankung, und sie
behaupten auch nicht, dass ihre Patienten in die Erwerbstätigkeit
zurückgezwungen werden müssten, indem man ihnen die staatlichen
Leistungen entzieht, weil es doch die anormale Überzeugung der Patienten
sei, körperlich krank zu sein, was ihre Krankheit aufrecht erhält.

Der Gebrauch eines solchen Begriffes kann als eine sprachliche Irreleitung
durch diese Psychiater angesehen werden, der es ihnen erlaubt, ihre
Überzeugung zu verbergen, dass ME/CFS keine körperliche Krankheit,
sondern ein anormaler Geisteszustand sei, der durch psychologische
Faktoren und Verhalten aufrechterhalten wird (also die psychosozialen
Komponenten von "biopsychosozial").

Das einzige "bio" in ihrem "biopsychosozialen Modell" ist ihr zögerliches Zugeständnis, dass ME/CFS
manchmal eine sich selbst limitierende virale Infektion vorausgeht (und,
trotz der überwältigenden internationalen Beweise des Gegenteils,
bestehen sie darauf, dass ME/CFS durch psychosoziale Elemente
aufrechterhalten würde, die nicht aus irgendeinem organischen
Krankheitsprozess erwachsen.)"


Aus http://www.cfs-aktuell.de/Leitlinienkritik.pdf
mirijam
 

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Beitragvon mirijam » Donnerstag 29. März 2012, 00:22

Weiter auf Seite 13- Zitat:

"In einem Kommentar auf eine Antwort auf seinen Artikel “Illness as
Deviance, Work as Glittering Salvation and the ‘Psyching-up’ of the
Medical Model: Strategies for Getting the Sick ‘Back to Work’ ”
( http ://www.democraticgreensocialist.org/wordpress/?page_id=1716 ), schreibt
Gill Thorburn: "Ich war erschüttert, als ich entdeckte, was man der
Gemeinde der ME-Kranken über so viele Jahre angetan hat.

Das ist nichts Geringeres als legitimierte Misshandlung. Das Entmutigendste, was habe
ich bei all meinen Recherchen bis jetzt entdeckt habe ist, dass über so
viele Jahre hinweg so viele authentische Belege von den Mächtigen einfach
missachtet wurden, und zwar zugunsten dieses fadenscheinigen
psychologischen Ansatzes. Manche der Berichte, die man im Internet
findet, sind einfach herzzerreißend, und es ist unfassbar, dass diesen
Leuten weiterhin gestattet wird, mit ihren ‚Methoden’ und ‚Theorien’
weiterzumachen.“"


Aus http://www.cfs-aktuell.de/Leitlinienkritik.pdf
mirijam
 

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Beitragvon mirijam » Donnerstag 29. März 2012, 00:27

Und noch dies (auf Seite 13)- Zitat:

"Außerdem haben zahlreiche Studien gezeigt, dass das ‚biopsychosoziale
Modell’ in der Behandlung des ME/CFS nicht nur erfolglos ist, sondern dass
das Modell als solches nicht evidenzbasiert ist und sogar aktiv Schaden
anrichten kann:

(i) Die Belege, dass Techniken zur Verhaltensmodifikation in der
Behandlung des ME/CFS keine Funktion haben, sind bereits beträchtlich
und wurden jetzt von einer Studie aus Spanien bestätigt, die
herausgefunden hat, dass die zwei Interventionen, die eingesetzt werden,
um das biopsychosoziale Modell zur rechtfertigen (kognitive
Verhaltenstherapie und ansteigendes körperliches Training – CBT und
GET) bei ME/CFS-Patienten die Werte der gesundheitsbezogenen
Lebensqualität (health-related quality of life – HRQL) 12 Monate nach der
Intervention nicht verbessert hat und tatsächlich zu einer schlechteren
körperlichen Funktionsfähigkeit und schlechteren Werten für Schmerzen
bei der behandelten Patientengruppe geführt hat.

(Nunez M et al; Healthrelated
quality of life in patients with chronic fatigue syndrome: group
cognitive behavioural therapy and graded exercise versus usual
treatment. A randomised controlled trial with 1 year follow-up. Clin
Rheumatol 2011, Jan 15: Epub ahead of print)"


Aus http://www.cfs-aktuell.de/Leitlinienkritik.pdf
mirijam
 

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Beitragvon Juliane » Montag 2. April 2012, 14:33

http://www.neurolab.eu
Senden Sie uns einen Kommentar zur Stellungnahme an info@neurolab.eu.

Stellungnahme zur Leitlinie Müdigkeit
http://www.neurolab.eu/allgemein/stellu ... #more-2064
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Beitragvon mirijam » Montag 2. April 2012, 15:02

Zitat aus der Stellungnahme:

"Mit diesem Fehlgriff wurde das Thema ME/CFS von den Autoren der DEGAM-Richtlinie verfehlt. Damit könnte man den Text beiseitelegen, denn auch inhaltlich verfehlt die Richtlinie das Thema.

Sie befasst sich eigentlich nur am Rande mit ME/CFS,

vielmehr mit psychosozialen Störungen oder

biopsychosozialen Gesundheitsstörungen

(was immer mit diesem schwammigen Begriff gemeint sein soll)

psychischer Genese, bei denen „Müdigkeit“ eigentlich eher „Antriebsschwäche“ ist und die einer psychotherapeutischen Behandlung zugänglich sind."


http://www.neurolab.eu/allgemein/stellungnahme-zur-leitlinie-mudigkeit/#more-2064



"biopsychosozialen Gesundheitsstörungen

(was immer mit diesem schwammigen Begriff gemeint sein soll)"


Ja, "schwammig" ist wohl treffend. Oder "schleimig".
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Beitragvon Vicky Dee » Freitag 4. Mai 2012, 11:54

Wie stehen die dbu Leitlinien Autoren zu dieser Aussage?

"Außerdem haben zahlreiche Studien gezeigt, dass das ‚biopsychosoziale
Modell’ in der Behandlung des ME/CFS nicht nur erfolglos ist, sondern dass
das Modell als solches nicht evidenzbasiert ist und sogar aktiv Schaden
anrichten kann"

http://www.cfs-aktuell.de/Leitlinienkritik.pdf

Im Moment wird so viel für uns Umweltkranke zerstört. Es ist unfassbar.
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