MCS-gerechte Wohnung-wie geht das?

MCS-gerechte Wohnung-wie geht das?

Beitragvon mirijam » Samstag 21. April 2012, 20:55

Ich habe eine dringende Frage:

Wie sind eure Erfahrungen und Erkenntnisse: Was ist zu beachten, wenn man eine MCS-geeignete Wohnung herrichten will?

Und zwar mit relativ wenig Geld?

Danke für eure hilfreichen Antworten.
mirijam
 

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Beitragvon Melville » Samstag 21. April 2012, 21:14

Gegenfrage: Was muss gemacht werden?

Streichen?
Fussboden?
Umbauten?

Oder nur einrichten?
Melville
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Beitragvon mirijam » Samstag 21. April 2012, 21:33

Einfach alles.
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Beitragvon Melville » Samstag 21. April 2012, 21:44

Boden: Fliesen (gibt es als Restposten ab 5€/m2)

Wände: Kreidefarbe (ein 20kg Sack reicht für fast eine ganze Wohnung)

Schlafzimmer: Metallbett (gibt es ab 100€) mit Naturmatratze

Küche/Esszimmer: Alustühle (10-15€/Stk) Alutisch (ab 30€)

Fenster: Metall Jalousien (ca.15€/Stk.)

Weitere Möbel: Metall/Glasregale, evtl. bei Ebay ersteigern.

Wenn die Wände oder irgendetwas belastet ist kann es teuerer, bzw. teuer werden und man muss mit dem Vermieter absprechen was man darf und was nicht.

Falls eine Metallsensibilität vorliegt und Naturholzmöbel gekauft werden müssen, ist mit sehr viel höheren Kosten für Möbel zu rechnen.
Solche Naturholzmöbel kann man auch fast nicht gebraucht kaufen, weil sie leicht kontaminieren und man nicht weiß was beim Vorbesitzer in der
Wohnung war.
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MCS-gerechte Wohnung-wie geht das?

Beitragvon Twei » Sonntag 22. April 2012, 10:28

Um eine Nicht-MCS-Gerechte-Wohnung in eine MCS-Gerechte-Wohnung selber umzuwandeln, sollte man besser gesund und vermögend sein!

Ich habe eine Katastrophe nach der anderen erlebt und bin heute noch nicht fertig damit, weil mir die Kraft, das Geld - also jegliche Unterstützung dazu gefehlt hatte und mir immer noch fehlt (außer die vernünftigen Vorschläge und der Rat vom CSN-Forum).

Vor einiger Zeit berichtete ich über meine Renovierungsmaßnahmen. Allerdings konnte ich mir die ausschließlich MCS-gerechten Materialien nicht Leisten und die Erfahrungen mit deren Umgang fehlen mir bis heute; ich wählte Materialien, die etwas herkömmlicherer Art waren und daher auch preisgünstiger sowie etwas schadstoffärmer als die modernen.

So bin ich zu einem Kompromiss gelangt, welcher ein ausreichendes Mindestergebnis sicherstellt - es fehlen noch die Luft- und Wasserfilter, dichte Fenster und eine absolute dichte Wohnungstür und einige Maßnahmen, bezüglich der vom Hauseigentümer eingebauten Trink- und Abwasserrohre sowie Kabeleinführungen bzw. Schächten (Luftfilteranlagen könnten helfen letzteres eventuell zu kompensieren).

Meine 2-3 Jahre Renovierungsodyssee wird in folgendem Thread geschildert:

Bericht nach längerer Zeit - viewtopic.php?f=37&t=16047
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Beitragvon Husky » Sonntag 22. April 2012, 11:31

Nicht unbedingt. Wenn nicht komplett saniert werden muss weil die Wohnung schadstoffbelastet ist,
gibt es Möglichkeiten mit wenig finanziellem Aufwand und schadstofffreien Materialien zu renovieren.
Wir sollten Tipps und Hinweise sammeln.

Kalk- und Kreidefarbe kostet nicht viel.
Mit Glasplatten kann man einiges verbessern. Man kann sie gebraucht bekommen, oft sogar geschenkt.
Schwer dabei ist der Transport, weil MCS Kranke oft kein Auto mehr haben und kaum noch soziale Kontakte.
Die fehlenden sozialen Kontakte wären auch beim Streichen oder Verlegen eine große Hilfe.
Handwerker ins Haus holen ist zu teuer und sie bringen Schadstoffe in ihrer Arbeitskleidung mit rein (Monteure, Anstreicher).
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Beitragvon Husky » Sonntag 22. April 2012, 11:35

Wichtige Tipps im Artikel: "Diagnose MCS – Ein Cleanroom schafft gesundheitliche Stabilität"

http://www.csn-deutschland.de/blog/2009/09/09/diagnose-mcs-ein-cleanroom-schafft-gesundheitliche-stabilitaet/
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Beitragvon Twei » Sonntag 22. April 2012, 14:28

In meiner Wohnung habe ich so viel bewerkstelligt. Meine verwendeten Baumaterialien belasten mich derzeit nicht,

- ABER die oben erwähnten Mängel der undichten Rohre und Schächte!
Weitere Reklamierungen beim Vermieter würden mein Mietverhältnis belasten!

Meine ganze Arbeit wird durch diesen Mangel so geschmälert, dass ich es zu vielen Zeiten in meiner Wohnung und auch in dem CLEANROOM nicht aushalte.

Die Renovierungsarbeiten waren so kostspielig und kraftaufreibend, dass das Ergebnis durch solche Baumängel für mich einer Katastrophe nahe kommt.

Vom Gesundheitszustand her, sind solche Arbeiten eigentlich gar nicht zu schaffen oder zu meistern. Dieses sind Arbeiten, welche gesunde und eingewiesene Handwerker zu tätigen hätten. Ebenfalls wäre eine Fachkraft notwendig, welche alle Formalitäten zur finanziellen Bereitstellung und für Verhandlungen mit dem Vermieter vorzunehmen hätte.

Es ist für mich ein absolutes Unding, dass ich als kranker Mensch, mir irgendwelche Experimente ausdenken muß, um in einer so lebensfeindlichen Umgebung gesundheitlich überleben zu können. Während der Renovierungsphasen habe ich gelitten ohne Renovierung noch mehr. Das ist ein Teufelskreis. Es gibt auch MCS-Erkrankte, welche keinen Handschlag mehr tätigen können. - Die haben dann einfach nur Peche gehabt???
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Beitragvon Vicky Dee » Sonntag 22. April 2012, 14:43

Twei, ich pflichte Dir zu.

Als Gesunde hätte ich einiges in Angriff nehmen können. Als MCS/CFS Patientin ist es fast unmöglich.
Ich empfinde es als unmenschlich dass wir keine Unterstützung erhalten.
Andere Behinderte bekommen Zuschüsse und Unterstützung. Wir sind auch behindert.
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Beitragvon Clarissa » Sonntag 22. April 2012, 15:23

[quote]
Andere Behinderte bekommen Zuschüsse und Unterstützung. Wir sind auch behindert.[/quote]Nein wir haben ein Handycap, aber wir werden von anderen behindert. Das ist ein Riesen Unterschied.
Und allen Leugnern zum Trotz, im DIMDI
ICD-10-GM Version 2018 - Stand Oktober 2017 ist MCS immer noch im Thesaurus unter
T 78.4 zu finden und wirklich nur dort und an keiner anderen Stelle!
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Beitragvon Twei » Sonntag 22. April 2012, 16:45

Dieses ist nur meine Sichtweise und gilt nur für meine spezielle Erkrankungsform.

Ich kann keinen Kleister, keine Tapeten, kein Holz und zig andere Materialien vertragen.

Alutapete kommt für mich wegen der Kleisterung und der eventuellen Schimmelbildungsgefahr und der fehlenden Erfahrung damit nicht in Betracht.

Meine billigste Lösung:

- Glasierte Fliesen im größeren Format, wegen weniger Fugen
(preisgünstig sind nur die Tonfliesen mit zweifelhafter Herkunft)
(keine Flexkleber oder Spezialverfuger benutzen und für die Spalten kein Silikon sondern Acryl)
(Allerdings machen mir die Silikonfugen, die einige Monate vor meinen Bezug der Wohnung angelegt wurden, nichts aus?)

+ richtiges Fliesen würde heißen: alten Mauerputz abschlagen und Fliesen direkt in Speis einlegen. Dabei erspart man sich auch späteres Verfugen mit zweifelhaftem Verfugungsmaterial. Ebenfalls muß der Fußboden komplett gefliest sein.

- mindestens an zwei oberen Wandrändern einen 20-30cm breiten Kalk-Mauerputzstreifen auffüllen zum Feuchtigkeitsausgleich (nur nicht an den Wänden wo Rohre und andere Schächte drin sind - da komplett bis zur Decke fliesen - auch an allen Ecken und Kamine).

- für eventuelle Raumaufteilungen (nicht Cleanroom) kann ein Metallständerwerk und Gibsfertigplatten (keine Feuchtraumplatten!) verwendet werden, da alles überfliest wird
- ebenfalls können überarbeitete Fensterflügel und neue Stahltüren zum Einbau verwendet werden.

- Alle Steckdosen und Lichtschalter müssen abgedichtet werden - also bei Bedarf ausbauen und neue Unterputzdosen komplett, aber gut verfüllt mit Feinspachtel, neu einbauen.

- Einbau von Stahlzargen (am besten wären auch Stahl- oder Zinkaltürblätter), neue Fenster oder wenigstens neue Dichtungen, eine spezielle Wohnungstür und Zarge, welche absolut Luftdicht ist (sonst müssen unter extremen Bückvorgängen aufwendige 15-25 Minuten Abklebekünste erfolgen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht von Jedermann zu leisten sind!)

- Lüfteranlage - einmal zur Innenluftreinigung, und dann eine als Lufteinlass (Schieberegler oder eine immer ein- und absetzbare Blindkappe erforderlich) an einem Ende der Wohnung mit relativer Vorfilterung sowie eine zum Luftauslass (Rückstossklappen-Einbausatz erforderlich) am anderen Ende der Wohnung. Letzteres ist absolut notwendig, um Notlüftungen durchzuführen als auch zum Wäschetrocknen.

(Nähere Erfahrungen dazu siehe Link im Post 22.04.2012, 11:28:12)

+++ Das ist meine preisgünstigste und verträgliche Variante. +++


Nachtrag: Bei den Zinkaltürblättern bin ich mir nicht Sicher. Derzeit vertrage ich nach einigem Monaten auslüften auch die neuen Türblätter aus Pressspanholz mit Kunststoffbeschichtung - es gibt aber preisgünstigere, die ich niemals vertragen kann - also Glückssache.
Die Zinkaltür in der Zwischenwand ist absolut super. Ich weiß aber nicht, wie dieses nicht nachversiegelte Türblatt auf Dauer gesundheitsschädlich bei MCS sein kann?
- Editiert von Twei am 22.04.2012, 18:03 -
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Beitragvon Josef » Dienstag 24. April 2012, 14:32

Wir bemühen uns seit Jahren, MCS Betroffene bei der Auswahl von Bauprodukten zu unterstützen und können inzwischen auf eine Produtkdatenbank mit über 1500 streng geprüften emissionsarmen Produkten zurückgreifen.
Aus unserer Erfahrung gibt es aber nur wenige \"allgemein MCS-verträgliche\" Produkte - viel zu unterschiedlich sind die individuellen Sensibilisierungen (meist v.a. abhängig von den ursprünglichen \"Auslösern\" der Krankheit wie z.B. Holzschutzmittel, Insektizide, Amalgam.... ); daher könne auch wir nur jeweils individuelle \"Empfehlungen\" weitergeben. Die eigentliche Verträglichkeit sollte der Betroffene selbst vor dem Kauf persönlich noch mit einem Materialmuster \"austesten\".
So haben wir im Einzelfall bei Bauberatungen bereits erfolgreich sowohl Häuser in Ziegelbauweise als auch in Holzbauweise \"begleitet\" (stets nach gründlicher Prüfung der Anamnese). Manche Allgemeinaussagen sind daher aus unserer Sicht sehr oft riskant.

Besser als nachträglich erneut \"sanieren\" zu müssen ist es vor allem, die Produkte im Vorfeld sorgfältig auszuwählen und gerade eben die \"persönliche\" Verträglichkeit möglichst zu testen:
http://www.sentinel-haus-stiftung.eu/beratung/mcs-multiple-chemikaliensensitivitaet/baustoffauswahl-fuer-mcs-kranke/

Bei Fragen zu einzelnen Produkten/Produktgruppen zu deren Inhatsstoffen/zum Emissionsverhalten stehen wir aber MCS Betroffenen gerne für eine kostenlose(!) Beratung zur Verfügung:
http://www.sentinel-haus-stiftung.eu/service/
Entscheidend ist neben der Produtkauswahl vor allem auch das Verhalten der Handwerker - auch dafür können wir im Einzelfall Handlungsrichtlinien zur Verfügung stellen.
- Editiert von Josef am 24.04.2012, 15:33 -
Josef
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MCS-gerechte Wohnung-wie geht das?

Beitragvon Twei » Dienstag 24. April 2012, 17:43

Ja Josef, Deine Info finde ich interessant.
Sehr interessant könnte es werden, wenn von staatlicher Seite her ein MCS-gerechtes Wohnen gefördert bwz. unterstützt werden würde.

Häufig verfügen die meisten MCS-Erkrankten über keine finanziellen Mittel, um sich ein neues Haus zu bauen. Ebenfalls haben viele mit einer sehr schlechten Bausubstanz und mit vielfältigen Kontaminierungen der Vormieter zu tun.

Wegen Geldmangels, mußte ich auf Produkte ausweichen, welche ich kannte, aber trotzdem bei MCS fragwürdig sind. Ebenfalls kann die Krankheit so fortschreiten, dass einige Materialien in Zukunft für mich vielleicht doch nicht mehr verträglich sind. Allerdings profitiere ich davon, dass der bedenklichste Zeitraum, eben der Umgang mit den frischen Materialien, schon lange vorüber ist.

Hier im Forum erhielt ich den Tipp, glasierte Fliesen zu benutzen. Alu-Tapete hält die Ausgasungen der kontaminierten Wand auch zurück - zudem sogar noch elektromagnetische Strahlen - was man beim Fliesen eventuell mit einem untergearbeiteten Drahtgewebe auch kompensieren könnte.

Eines der übelsten Probleme der Wohnungen, sind die gegebenen vielen versteckten Undichtigkeiten von Kabel- und Rohrverlegungen!

Die Frage in diesem Thread lautet: MCS-gerechte Wohnung-wie geht das?

Trotz der vielfältigen Erscheinungsformen von MCS, glaube ich schon, dass einige Grundregeln, die für ALLE gelten könnten, herausgearbeitet werden könnten. Das könnte später bei einer Berechnung für eine Kostenpauschale für MCS-gerechtes Wohnen hilfreich sein.

Feste und vernünftige langfristige Möglichkeiten dazu könnten z.B. sein:

- glasierte Fliesen (evtl. mit untergearbeitetem Drahtgeflecht)

- eine absolute "dichte" Wohnungseingangstür

- "dichte" Kunststofffenster (neue Dichtungen), besser wären neue Fenster

- diverse Filter- und Reinigungsanlagen


Möbel, Kleidung, Raumaufteilung, Bett usw. sind ebenfalls wichtige Themen.

Was fällt Euch Mit-Usern noch ein?
Welche Erfahrungen habt Ihr gesammelt, ich bin auch neugierig?

Was ist preisgünstig?
Ist Fliesen doch preisgünstig? - z.B. weil man sich späteres regelmäßiges Renovieren erspart...?
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MCS-gerechte Wohnung-wie geht das?

Beitragvon Yol » Dienstag 24. April 2012, 18:51

@ Mirjam:
Ich habe eine dringende Frage:

Wie sind eure Erfahrungen und Erkenntnisse: Was ist zu beachten, wenn man eine MCS-geeignete Wohnung herrichten will?

Und zwar mit relativ wenig Geld

Da gibt es nicht DIE Antwort auf diese Frage!
Zuerst Bestandaufnahme und Analyse was nicht geht. Sehr wichtig empfinde ich es ein Lastenheft anzufertigen
Das erlaubt eine bessere Übersicht - auch finanziell.

Wir haben 7 Jahre gebraucht um unser jetziges Haus für mich verträglich zu machen - es tauchten immer noch andere Probleme auf, die auf den ersten Blick keine waren. Es war ein Abenteuer - und teuer. Und das passiert auch mit Umweltbauberater, mit wird nur sehr vieles vermieden.

Allgemein würde ich sagen: Fliesen, wenn machbar - lösen eine ganze Menge Probleme - sind hygienisch - pflegeleicht. Und es braucht keine eigentlichen Pflegemittel - es geht hier ohne! Auch sollte man bedenken, dass Fliesen auch von kranken Menschen noch irgendwie sauber gehalten werden können - Holzböden sind zu pflegeintensiv als dass schwerkranke Menschen das schaffen.

Holz mag verlockend sein - aber Holz braucht irgendwie immer Pflege - auch wenn man viele Kompromisse eingeht. Und - es gibt keine Pflegemittel wo keine Zusätze drin sind, die bei MCS vertragen werden Meine Gespräche mit einigen Chefchemikern von bekannten Oekoprodukten liefen alle daraufhin, dass es nicht heute und nicht morgen ein Mittel geben wird, das den Ansprüchen MCS-Kranken genügen könnte - weil es technisch nicht machbar wäre.

Bei vorgemixten Kalkputzen sollte man vorsichtig sein. Technisches Datenblatt und Sicherheitsdatenblatt - IMMER BEIDE - unbedingt anfragen. Nur so hat man die Möglichkeit ALLE Bestandteile zu übersehen. Aber nur, wenn auch alle angegeben wurden, was nicht immer der Fall ist. Mein Unternehmer sagte mir, dass grade eben eine Sorte Kalkputz einer bekannten Firma aus dem Verkehr gezogen werden musste - es sind Stoffe drin, die nicht harmlos sind! Und anfangs nicht aufgelistet.

Es gibt nicht die Rezeptur wie man eine Wohnung MCS-gerecht machen kann - es gibt nur Anleitung was besser zu vermeiden wäre. Das ist schon viel.

WICHTIG IST UND BLEIBT: DAS LASTENHEFT
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MCS-gerechte Wohnung-wie geht das?

Beitragvon Twei » Dienstag 24. April 2012, 19:17

An Yol,

wieso geht es bei Euch ohne Fliesen?

Bei mir stinkt unter den Fliesen nicht nur der Mauerputz, sondern auch die Kalksandsteine, sowie der Mauermörtel nach Wasch- und Putzmittel als auch nach anderen Geruchs-Cocktails.

Ein Abschlagen des Putzes hier, wäre eigentlich unablässlich. Wenn dann wieder neuer Putz drauf müßte, dann wäre ein direktes Fliesen nur die halbe Arbeit gewesen.

Ich durfte hier in der Mietswohnung den alten Putz nicht abschlagen. Deshalb mußte ich mit widerlichem Fliesenkleber arbeiten, was keine dauerhafte haltbare Lösung verspricht.

Eine Persönlichkeit, welche einem MCS-Erkrankten zur Seite steht, um entsprechende Renovierungsmaßnahmen mit dem Vermieter zu regeln, wäre ebenfalls eine große Hilfe.
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MCS-gerechte Wohnung-wie geht das?

Beitragvon Yol » Dienstag 24. April 2012, 20:28

@ Twei

Ich habe Deine Frage nicht ganz verstanden: Wieso geht es bei euch ohne Fliesen?

Es kann hier nicht in ein paar Worten gesagt werden, wie man eine MCS-gerechte Wohnung haben kann.
Eine Altbauwohnung oder eine schon bestehende Wohnung - das sind andere Begebenheiten und müssen anders beurteilt werden.

Warum wir unsere Wände nicht gefliesst haben - ausser in Badezimmer/Dusche? Weil wir Kaklmörtelputz aufgetragen haben - dies aber erst nachdem der alte Gipsputz RESTLOS abgetragen war - dazu gehört auch, dass der Hochdruckreiniger im gesamten Wohnbereich eingesetzt werden musste usw. usw. Ich sprach von einem Abenteuer - mit sehr viel Dreck, sehr viel Arbeit, sehr viel Wissen, sehr viel Selberanpacken, was alles aber nötig ist will man bei MCS kein weiteres Risiko eingehen. Der Kalkmörtelputz, den haben wir selber gemischt, d.h. wir haben die genauen Proportionen zwischen den Sandsorten, Kalk und Weisszement bestimmt. Das kann man nicht so kaufen. Das Wohnklima ist sehr angenehm - aber es hat auch Nachteile. Der Putz darf keine Erschütterung haben, sonst reisst er - darf nicht verschmutzt werden - kann nicht ersetzt werden - nicht ausgebessert werden. Der Vorteil dieses Putzes liegt darin, dass wir genau wissen welche Bestandteile wir verwendet haben - wir aber auch wissen mussten wie die Mischung aussehen muss um die nötige Festigkeit usw. zu haben - und dass es der Endputz auf Sicht ist - d.h. ca 30 Jahre und mehr lebt man ohne jegliche Arbeit in diesen Räumen. Wir können dieses Abenteuer nicht mehr wiederholen - dieser Putz braucht ca 14 Tage eine sehr hohe Feuchtigkeit um so abzubinden dass er nicht "verbrennt" und somit bröckelig wird.D.h. ALLES was nicht Kalkputz ist muss pingelig hermetisch abgeklebt werden, kontrolliert werden - sonst hat man Schimmel! Wir haben uns 30 Jahre lang mit Freskenputz befasst,auch vorher in Kalkmörtelputz gelebt - deshalb konnten wir uns diese Verrücktheit erlauben - auch alle Risiken. Es wäre zu wünschen dass es noch Handwerker gäbe, die diese alten Kratz-Kalkmörtelputze noch fertigen könnten - aber dem ist nicht so.
Was ich dann noch zu Kalkputzen sagen möchte - wenn es keine längere Feuchtigkeitspanne braucht - dann müssen Zusatzmittel drin sein die das "verbrennen" verhindern.

Zu Fliesen: auch da muss überlegt werden - wenn der Untergrund nicht brauchbar ist - dann nutzen Fliesen nichts. Der Untergrund muss dann runter - daran geht kein Weg vorbei. Es geht nun mal nicht bei MCS ohne einen grösseren Aufwand als man vorhatte. Die Basis für jegliches Material muss schon so sein, dass sie kein Problem darstellt - sonst lohnt das andere nicht zu machen.

Twei - mach ein Lastenheft. Liste auf was da ist. Liste auf was Du anstrebst. Dann kannst Du besser abschätzen was machbar/bezahlbar ist. Am Bau wird immer ein Lastenheft angefertigt - warum denn nicht bei Sanierung?

Es ist nun mal so dass MCS keinerlei Kompromisse duldet, will man eine MCS-kompatible Wohnung haben/machen - das wäre der Idealfall. Und das gelingt wohl den Allerwenigsten - auch uns nicht. Es bleiben immer wieder noch Fakten wo man passen muss.

Und weil das so ist wäre es sinnvoll sich dafür einzusetzen dass finanzielle Beihilfe zur Wohnungssanierung bei MCS selbstverständlich wird!!!!
Yol
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MCS-gerechte Wohnung-wie geht das?

Beitragvon Twei » Dienstag 24. April 2012, 21:47

Danke Yol, für die Antwort.

Es gibt Notsituationen, in denen man also einen guten Kalkputz nicht verwirklichen kann.

Als Mieter hat man schon gar keine Change. Wie lange meine Lösung hält, ist mir ersteinmal egal. Ich habe oben und in meinem "Bericht nach längerer Zeit" ganz klar begründet, dass es für mich nur diesen Kompromiss gab. Vermutlich stoßen die anderen HarzIVer und-oder niedrigsten Erwerbsminderungsrentner auf ähnliche Katastrophen.

Ein Lastenheft ist nicht die Antwort auf diese Threadfrage - ein Lastenheft kann auf Dauer auch immer größer werden - also wäre Umsicht und Vorausschau angebracht. Die Umsetzung ist das A und O, eine "Übergangslösung" für eine Dauerlösung ist zu suchen, aber kein NEIN.

Und wenn es erforderlich ist, in eine andere katastrophale Wohnung zu ziehen, aber mit anderen Voraussetzungen z.b. Steinboden stat Holzfußboden und Decke, so dass man Fliesen kann - kein PVC.

Derzeit genehmigen die Behörden einen Umzug aus gesundheitlichen Gründen. Dieses ist schon mal ein "Teilerfolg", den verarmte MCS-Erkrankte nutzen können. Die Kosten des Umzuges werden mit Möbelpackern übernommen, ebenfalls die "Rückrenovierung" der Wohnung samt Arbeiterlohn, wenn dieses gesundheitlich begründet werden kann.

Für die neue Wohnung gab es den höchsten Satz an Renovierungsbeihilfen. Leider reichte dieses für Arbeiterlohn oder dem gesamten Material für eine MCS-gerechte Wohnungsübergangslösung nicht aus.

Dieses muß vermittelt werden.

Darum ist es für mich auf jeden Fall immer noch interessant von anderen eine Antwort auf Mirjams Frage zu hören.

Jeder seine Antwort - seine Lösung - seine Probleme - seine Umsetzung - seine Voraussetzungen - seine Wünsche - seine Verbesserungen - seine IDEEN...

Eine Antwort von Behörden, Ärzten oder Politikern werden wir nicht hören - WIR HABEN DIE ANTWORTEN ZU LIEFERN!
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Beitragvon mirijam » Mittwoch 25. April 2012, 14:20

Eure Erfahrungsberichte und Tipps sind sehr interessant und lehrreich.

Vielen Dank an alle.
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Beitragvon Yol » Donnerstag 26. April 2012, 09:11

Wäre es nicht sinnvoll zusammen an einem Lastenheft zu arbeiten - wie ein MCS-Haus im Idealfall aussehen könnte? Dann hätte jeder eine Art Leitlinie und würde sich besser zurechtfinden. Ausserdem müsste man nicht jedes Thema X-mal behandeln. Denn immer kommen ja neue hinzu, die keinerlei Informationen haben - dann gehen wir alle wieder in die gleiche Runde.
Josef hat schon einen Anfang gemacht - man müsste nur weiter aufbauen.

Da ich beruflich ein Leben lang mit Plänen, Schemas und Lastenheften zu tun hatte, kann ich mir keine seriöse Arbeit am Bau ohne diese absolut notwendige Planung vorstellen. Auch Sanierung nicht - denn da gibt es noch vorhandene Begebenheiten - die anders berücksichtigt werden müssen.

Ohne Planung ist eigentlich keine sinnvolle Information möglich.
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MCS-gerechte Wohnung-wie geht das?

Beitragvon Twei » Donnerstag 26. April 2012, 09:54

an Yol,

sorry - ich habe Dich falsch verstanden. Mit dem Lastenheft meinst Du also nicht eine Sammlung von den Stoffen, welche der Einzelne nicht verträgt, sondern eventuell eher eins im positiven Sinne definiert zur Sammlung von Materialien, die jeder Verträgt und die zur Anwendung eventuell in fast JEDE räumliche Begebenheit passen.

Zumindest schwebte mir dieser Gedanke vor und Du hast evtl. den richtigen Begriff dafür gefunden - Kurzinfo zu Lastenheft: http://de.wikipedia.org/wiki/Lastenheft

1.) Wenn Du Dich mit Lastenhefte auskennst, könntest Du mir und den anderen dafür bitte eine Einweisung geben oder helfen einen Leitgedanken zu formulieren?

2.) Wenn Josef so was schon gemacht hat, könntest Du dann bitte den Link angeben und andere Infos zum Lastenheft für MCS ebenfalls, falls Dir wichtige noch bekannt sein sollten? - Danke -

3.) Könnten wir eine vorzeitige Trennung zwischen "Hausbauen" und "Mietwohnungsrenovierung" vornehmen?

Ich selbst finde es vordringlicher sich um die Sparte zu kümmern, die den traurigsten und den häufigsten Fall aufweist - und zwar:

- Arm, vom Amt abhängig also bevormundet, Mietswohnung und dem Überleben müssen im Hier und Jetzt sowie dem Zwang einer "völligen Erwerbsminderung" zu unterliegen, d.H. ausgestattet zu sein mit einer sehr begrenzten Eigen- bis KEINEleistung.

+++ Gibt es weitere Vorschläge und Anregungen +++ oder Ideen für Nebenthreads? +++
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Beitragvon Twei » Donnerstag 26. April 2012, 11:12

Fertige Lösungen für MCS-gerechte HÄUSER gibt es schon.
Diese bräuchten wir nicht mehr zu erarbeiten.

Siehe Urs Beeler: http://www.mcs-haus.com/index.html
________________________________________________________________________________________________

Eine "Wohnungssanierung" wäre m.E. ein fälschlicher Begriff, da dieses Wort eine Maßnahme anspricht, die viel zu teuer erscheint. Es könnte sogar sein, dass Sozialämter, Jobcenter u.ä. Behörden "Sanierungen" für Kunden gar nicht geregelt und vorgesehen sind.

Für Behörden dürften die Kosten vermutlich eine Grenze von 3 bis 4 tausend Euro nicht überschreiten. Ein Umziehen in eine andere Wohnung, könnten so die Kosten dann kleiner halten. Ebenfalls müßte berücksichtigt werden, dass eine Renovierungsmaßnahme ein gleichzeitiges Wohnen nicht erlaubt.

Ein Begriffsvorschlag könnte z.B. sein:
"Wohnungsrenovierung, MCS-gerecht"
"Wohnungsrenovierung, gesundheitsschonend"

Letzteres "gesundheitsschonend" könnte m.E. eine größter Akzeptanz erhalten und läßt sich auch auf andere Krankheitsformen übertragen wie z.B. Asthmatiker, also eine neue Zusatz-Kategorie für "Renovierungskostenpauschale" für einen erhöhten Regelsatz, z.B.:
"Renovierungskostenpauschale, gesundheitsschonend"
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Beitragvon Yol » Donnerstag 26. April 2012, 16:40

@ Twei:
Ein Lastenheft ist eine Auflistung dessen was man braucht - was man haben will - wie es aussehen soll - was es kosten soll/darf. Es ist sozusagen eine Rundum-Planung - je gewissenhafter, bewusster man dies macht - umso weniger Überraschungen hat man nachher. Im Lastenheft sind allgemein alle Bereiche vertreten. Das ist so für allgemein verträgliche Häuser - aber auch wenn spezielle Bedürfnisse/Wünsche da sind. Auch Sanierung oder Renovation - egal was man am/im Haus ändern soll - es gibt eine Global-Übersicht was auf einen zukommt.

Es ist sozusagen die Planungsleitlinie allgemein.

Normalerweise stellen Fachleute die Lastenhefte zusammen. Das kann man aber auch selber tun - bei MCS ist es eigentlich so spezifisch auf die Person gerichtet, die in der Wohnung leben soll/muss, also soll/muss es die Person selber tun. Im Idealfall ist diese Person in allen Bereichen gut informiert - wenn nicht dann ist Hilfe angesagt. Das Lastenheft kann anfangs Provisorium als überblick sein - muss aber vor der Ausführung/Entscheidung aber relativ definitv gültig ausgearbeitet sein, sonst nutzt es nichts.

Vielleicht sollte ich es so ausdrücken: Einne SOLL/KANN-Liste der man eine NICHT-Liste gegegnübersetzt. Die Summe dessen, was dann bleibt wäre dann nur noch personenspezifisch zu analysieren.

Besser kann ich es vereinfacht nicht ausdrücken - denke aber, dass Du damit etwas anfangen kannst.

Denk mal darüber nach wie es ist mit anderen Unverträglichkeiten. Da hilft eine Soll/Kann/Bedingt/Nicht-Liste auch sehr viel. Ich habe mich auf mit der Auflistung von Symptomen und dem was ich gegessen bezw. was so alles am Tag los war - bis zu den Auslösern vorgearbeitet. Das war eine wichtige Hilfe um mir eine Überlebenstrategie aufzubauen. Sezt das um für den Bau, dann verstehst Du was ich meine.
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Beitragvon Yol » Donnerstag 26. April 2012, 17:06

Zum Thema: MCS-gerechtes Haus - gibt es schon.

D A S MCS-gerechte Haus schlechthin, das gibt es so nicht. Ich sehe es aber als eine gute Annäherung.
Ich wäre nicht so blauäugig und würde das einfach so übernehmen. Kein Haus - vielleicht ausser wenn es den Normen der EC-Klinik von Dallas entspricht - wird allen MCS-Kranken gerecht, bezw. den meisten. Das ist einfach so und deshalb kann man nicht von DEM mcs-gerechten Haus sprechen.

Mein Haus ist für mich verträglich geworden - nach 7 Jahren Abenteuer und trotz guter Planung dennoch mit vielen Raus-Rein-Raus usw. - und "clean" und MCS-gerecht ist es dennoch nicht zu nennen. Es ist aber nicht verträglich für eine MCS-kranke Freundin z.B. - wir können uns nur bei mir auf der Terrasse treffen.
Ihr Haus - auch seit vielen Jahren das ewige Abenteuer Raus-Rein-Wieder Raus - es ist für mich nur bedingt verträglich - ganz kurze Zeit kann ich da sein. 5 andere mit MCS vertragen mein Haus - wenigstens den Lebensbereich mit Küche für die Zeit eines Besuches - einige hier von csn gehören dazu.

Ich würde eher von einer höchstmöglichen Annäherung an die Bedürfnisse MCS-kranker Menschen sprechen - damit nicht der Irrglaube aufkommt alles sei schön fertig zu übernehmen - und alle Probleme seien gelöst. Jeder mit MCS mus einen Teil seiner Probleme selber lösen - weil es nur seine eigene Empfindlichkeit betrifft.

Ich möchte nicht hier die Arbeit von Urs oder andern schmälern - aber ich spreche aus der Erfahrung 7 Jahre lang in viele Fallen getappt zu sein - dies trotz guter Vorbereitung, trotz Wissen - der eigene Körper bestimmt allerdings bei MCS die Regeln. Das zu wissen kann viele Enttäuschungen und Geld sparen helfen und Energie.
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MCS-gerechte Wohnung-wie geht das?

Beitragvon Twei » Donnerstag 26. April 2012, 22:06

So wie ich das vorher schon gefühlt habe, führt ein direktes "Lastenheft" in die Sackgasse.

Wir müßten einen anderen Weg erarbeiten oder einfach gehen, anders geht es nicht. Wenn jemand einen extra Thread für ein Lastenheft eröffnen möchte, dann würde es mich freuen. Ich selbst würde mich daran beteiligen, trotzdem verfolge ich einen "undefinierten" Weg weiter.

Es würde mich sehr freuen, wenn es weitere Beteiligungen gäbe, denn sonst kann man wirklich alles sein lassen. Dann brauchen wir auch kein Zukunftsdialog, keine MCS-Diagnose und auch keine Hilfsmittel. Medikamente können wir ja eh nicht vertragen, Ärzte können wir nicht besuchen - ja dann tuen wir eben gar nichts mehr.

Pustekuchen!

Ich selbst habe auch schon Erfahrung sammeln können, genauso wie Ihr. Wir müssen diese nur austauschen, dann eröffnen uns neue Wege und Lösungen.

Jetzt leben wir ja auch, also gibt es schon mal ein "Wohnen mit MCS". Es gibt auch ein "NICHT Wohnen mit MCS", weil die Wohnung u n m ö g l i c h ist.

Den Idealzustand wie "Wohnen OHNE MCS" wird es nie mehr geben.

Welche Maßnahmen haben sich bei Euch am besten gelohnt?
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MCS-gerechte Wohnung-wie geht das?

Beitragvon Yol » Freitag 27. April 2012, 13:36

@ Twei: Schade dass Du den Sinn eines Lastenheftes nicht verstanden hast. Ich begrenze mich aber hier. Jeder macht seine Erfahrungen nach seinem Gusto - gute und weniger gute.

Kein einziges Haus kann technisch und bauseits funktionieren, wenn nicht eine Planung existieren würde, die eine Globalübersicht ermöglichen würde - auch finanziell. Aber das führ hier zu nichts. Obwohl es bei MCS sehr spezifische Bedürfnisse gibt, die es aufzulisten gilt.

Ich dachte hier würden Ideen zusammengetragen werden um soviele Fallen wie möglich bei MCS auszuklammern. Das würde aber nur über Hilfsmittel gehen wie sie Profi's auch benutzen.

Wie z.B. kann man ein ganzes Haus elektrifizieren ohne ein Schema ausgearbeitet zu haben? Das genau ist ein Lastenheft umgesetzt auf den Bau. Nicht mehr und nicht weniger.
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Beitragvon Twei » Freitag 27. April 2012, 21:31

An Yol,

wenn ein "Lastenheft" so wichtig ist, dann bitte ich Dich hiermit, damit anzufangen.

Ich habe nicht geschrieben, dass ich mich daran nicht beteiligen würde. Vermutlich gibt es in meiner Gegend ein anderes Wort dafür. Das Wort wird aber nicht wichtig sein, sondern die Tat.

Du hast dieses Wort hier hereingebracht, also tätige bitte den ersten Schritt. Du mußt verstehen, dass ich dieses selber nicht kann, weil Du das Kind geboren hast.

Ich bin hier in den Thread hinein gegangen, weil ich Mauern bzw. Hindernisse beseitigen möchte und keine neuen schaffen will.
Mein sehnlichster Wunsch ist es, einen Masterplan für eine Übergangslösung bis zur tatsächlichen Schaffung neuer MCS-gerechter Wohnungen mit zu finden. Und da schien mir der Thread von Mirijam geeignet, da nur eine preisgünstige Variante und möglichst "einfache" also möglichst nur die "Ein-Lösung" höchstens die "Zwei-Lösung" für Behörden in Frage kämen.

Also lass uns einfach weitermachen...
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Beitragvon mirijam » Freitag 27. April 2012, 22:36

Ja, die Diskussion ist sehr spannend und daher aufschlussreich und geeignet, kreative Denkprozesse anzuregen.

Das Thema ist tatsächlich schwierig, doch die Herausforderung, die Schwierigkeiten durch intelligente Lösungen zu überwinden, ist eine Voraussetzung für einen Lern- und Entwicklungsprozess, der erfreuliche Früchte tragen kann.
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Beitragvon Thommy the Blogger » Montag 11. Juni 2012, 17:53

Eine Blogfrage zum Thema:

Wohnt Ihr in einem Mehrfamilienhaus oder Wohnblock?
Nicht einfach mit MCS, aber in einer Stadt hat ein MCS-Kranker kaum eine Chance ein bezahlbares Haus für sich alleine zu finden.
MCS-gerechte Wohnprojekte gibt es nicht.

Kommentiert bitte die Blogfragen der Woche im CSN Blog:

Wohnen im Mehrfamilienhaus ist nicht einfach
Allergiker und MCS-Kranke haben es besonders schwer
http://www.csn-deutschland.de/blog/2012/06/11/wohnen-im-mehrfamilienhaus-ist-nicht-einfach/


Thommy’s Blogfrage der Woche:

* Wie kommt Ihr im Mehrfamilienhaus zurecht mit MCS und Allergien?
* Habt Ihr oft Gesundheitsbeschwerden durch Eure Nachbarn und ihre Lebensgewohnheiten? Welche?
* Was schränkt Eure Gesundheit am Meisten ein im Mehrfamilienhaus?
* Sind Eure Nachbarn kooperativ und unterlassen das, was Euch krank macht, oder konfrontieren sie Euch noch extra mit dem, was Euch krank macht?
* Was war die schlimmste Reaktion, die Ihr erlitten habt durch das Leben im Mehrfamilienhaus?
* Was war der Auslöser und welche Symptome traten ein?
* Musstet Ihr bereits umziehen, weil das Leben im Mehrfamilienhaus Euch noch kränker gemacht hat?
* Wie habt Ihr Euch mit dem Leben im Mehrfamilienhaus arrangiert, um gesundheitlich einigermaßen über die Runden zu kommen?
* Welche Hilfsmittel oder Umbauten waren hilfreich?
* Wie geht Ihr auf Nachbarn zu, um sie um Kooperation zu bitten? Hattet Ihr Erfolg?
* Was würde Euch am Meisten helfen, um im Mehrfamilienhaus zurecht zu kommen?
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MCS-gerechte Wohnung-wie geht das?

Beitragvon Yol » Dienstag 12. Juni 2012, 12:41

Viel kann ich zur Blogfrage nicht sagen, da ich in der Isolation lebe.

Dennoch soviel: in einer Stadt - in einem Mehrfamilienhaus - da wäre für mich Überleben nicht möglich.
Manchmal gehe ich mit dem Hund in Vororten der Stadt spazieren - da sind eigentlich nur Mehrfamileinhäuser angesiedelt - deshalb ist mir das voll bewusst. Schon die Vorgärten sind beduftet - damit kein Hund oder Katze zu nahe kommt. Aus den Waschküchen, die meist im Keller sind, wird auf Gehsteighöhe die Luft abgelassen - das haut mich schon beim Vorbeigehen um. Ich könnte definitv damit nicht klarkommen - allerdings habe ich auch eine echte Parfümallergie, vielleicht deshalb so schlimme Reaktionen?

Isolation muss man aber aushalten können - man ist tatsächlich auf sich allein gestellt - Tag und Nacht und immer - egal ob man von der Leiter fällt, im Glatteis ausrutsch - es ist niemand da der ggf. Hilfeschrei hören würde. Sozial gibt es nur einen minimalen Austausch - dann wenn Besucher neutral riechen oder zumindest den Versuch mitmachen neutral zu riechen.

Eigentlich müssten Menschen mit MCS sozusagen in Reservaten leben können - doch das gibt es nicht. Da wäre zumindest tlw. ein untereinander möglich, sozial gesehen besser.

Die paar Freunde/innen, die in der Isolation leben, sowie ich auch - sie haben allerdings die Persönlichkeit das auszuhalten. Einige haben einen Hof mit vielen Tieren, andere beschäftigen sich mit gestalterischer Kunst. Ich lebte schon immer zurückgezogen - beruflich aber immer unter Menschen - doch ich habe die Kunst und die Tiere - ich kann allein sein - deshalb. Ohne sinnvolle Beschäftigung ist wohl Isolation nicht erträglich auch wenn es körperlich besser wäre - der Mensch, selbst der Hund bräuchte den Austausch mit andern. Nur heute mit MCS ist das wohl eine Gratwanderung geworden.
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MCS-gerechte Wohnung-wie geht das?

Beitragvon Sileah » Dienstag 12. Juni 2012, 17:05

Zu den Kosten...
Ich habe mal mit einem Bürgerbeauftragten des Landtags telefoniert. Er fragte mich, ob ich durch diese Krankheit behindert bin. Dann kann man eine der Behinderung angemessene Wohnung fordern. Allerdings machte er mir nicht die größten Hoffnungen diesbezüglich.

Ich habe mir viel gemerkt, was die 2 Baubiologen sagten. Wäre allerdings sicher nicht für jeden tolerierbar.

Mir halfen in Stuttgart mein Ex und unser Mitwohnie bei der Sanierung meines dortigen Zimmers und meine Mom bei der finanziellen Unterstützung. Alleine ist es wesentlich schlimmer!

Allerdings hab ich "My hammer.de" im Hinterkopf.
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Re: MCS-gerechte Wohnung-wie geht das?

Beitragvon Twei » Mittwoch 28. August 2013, 17:27

Dieser Thread hier rief folgendes Projekt ins Leben:

Vorschläge für eine Behindertengerechte ÜBERGANGSREGELUNG
für Umwelterkrankte (BÜfU) bis zur tatsächlichen Schaffung von
MCS-gerechten Wohnraumes und Krankenversorgung
weiterlesen http://www.csn-deutschland.de/MCS_Ueber ... hnraum.pdf

#MCS #SBS #Allergie #Wohnung #Wohnen #Krankenkasse #Soziales #BÜfU #Politik
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