Das Geschäft mit der Psyche ist einträglich

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Beitragvon Juliane » Dienstag 13. Mai 2008, 11:05

Wer sich Zeit nimmt und die Suchmaschinen es http://www.bedient, findet machmal vollmundige Aussagen, warum das Psychgeschäft boomt:

Hier ein Beispiel aus der Fachpresse:

" Die an der Studie teilnehmenden Hausärzte zeichneten über ein Jahr Original-Gespräche aus ihrer Praxis auf. Dr. med. Klaus Wasserfuhr, Allgemeinarzt, Köln: „Ich war zunächst erschrocken über meine Gesprächsführung, aber man kann auf jeden Fall etwas verändern.“ Die Studie bestätigt, dass auch erfahrene ältere Ärzte ihr Gesprächsverhalten so verändern können, dass es von den Patienten positiv wahrgenommen wird. Umgekehrt verbessert eine lange Erfahrung nicht das Gesprächsverhalten.
Wie wichtig es ist, „Erzählungen“ der Patienten auch unter den zeitlich knappen Bedingungen einer Hausarztpraxis zuzulassen, betont ein anderer Studienteilnehmer, Dr. med. Thomas Reimer, Nideggen, Allgemeinarzt mit Zusatzbezeichnung Psychotherapie: „Es ist verblüffend zu sehen, was passiert, wenn man dem Patienten nur minimalen Raum gibt. Die Diagnostik und Therapie in seiner 20-jährigen Praxis habe sich durch sein geändertes Gesprächsverhalten enorm verbessert. Neben der größeren Zufriedenheit habe habe sich der Wechsel zur Psychosomatik auch finanziell gelohnt: Sein Jahresumsatz ist bei rückläufiger Patientenzahl gestiegen. Reimers profitiert in der Abrechnung jedoch von seiner Zusatzweiterbildung in Psychotherapie. Hausärzte, die die besser dotierten Gesprächsziffern nicht abrechnen können, seien gezwungen, den zeitlichen Aufwand für Gespräche durch mehr technische Leistungen auszugleichen, erklärte Wasserfuhr"


http://www.freie-arzt-jobs.de/v4/archiv/artikeldruck.asp?id=24460


Oder hier: Ein netter Geburtstagsgruß


Lieber, sehr geehrter Herr Professor von Uexküll,

anlässlich Ihres Geburtstages und Ihres lebenslangen Bemühens psychosomatische Medizin in den Alltag der Medizin zu integrieren, möchte ich Ihnen eine Rückmeldung aus meiner allgemeinärztlichen Praxis in Nideggen in der Eifel geben.

Im Rahmen der Praktika für Medizinstudenten in der Allgemeinmedizin haben wir unter anderem Arzt-Patienten-Gespräche während der täglichen Praxis kontinuierlich auf Video aufgezeichnet. Es kommen Gespräche von wenigen Minuten bis 20 Minuten und länger vor. Dank der Video-Konferenz-Technik wurde die Intimität der Gespräche nicht wesentlich beeinflusst, da der Mitschnitt in einem separaten Raum erfolgte. Mittlerweile verfügen wir über mehr als 14 Tage Dokumentation mit mehr als 150 Einzelgesprächen, die auf eine wissenschaftliche Auswertung warten.

Die erste grobe Durchsicht der Bänder ergab, dass ungefähr 90% aller dokumentierten Patienten-Gespräche mit Schilderungen von körperlichen Symptomen beginnen und ca. 80% der Gespräche mit Themen über Affekte oder Beziehungen enden.

Dies macht eine deutliche Veränderung sowohl meiner Gesprächsführung als auch meiner veränderten Beziehung zu Patienten deutlich. Dazu haben Sie einen wesentlichen Grundstein gelegt. Dafür möchte ich mich bei Ihnen aus Anlass Ihres 95. Geburtstages bedanken

und gratuliere Ihnen von Herzen
Ihr
Thomas Reimer

Nachzulesen hier:http://www.karl-koehle.de/archiv/uexkuell/gratulation/briefe.html
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Beitragvon Stier » Donnerstag 15. Mai 2008, 22:09

hallo Juliane,

als ich den Eintrag las wurde ich beim Namen Dr. Reimer, Nideggen, stutzig. Nideggen war doch schon häufiger in den Medien und in den Foren mit der Problematik der "Schadstoffschule", da gibts doch auch eine Interessengemeinschaft mit der Website: http://www.gift-in-schulen.de
Nachdem ich die Texte von Dr. Reimer gelesen hatte, kam mir der Gedanke:
Was mag wohl mit den armen Schülern und Schülerinnen passieren, die durch die "Schadstoffe" des Schulgebäudes z.B. Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Konzentrationsstörungen usw. bekommen und mit ihren Beschwerden bei Dr. Reimer landen?

Werden bei diesen Schülern und Schülerinnen jetzt Probleme über Affekte und Beziehungen gesucht?

(s.Zitat von Dr. Reimer: "Die erste grobe Durchsicht der Bänder ergab, dass ungefähr 90% aller dokumentierten Patienten-Gespräche mit Schilderungen von körperlichen Symptomen beginnen und ca. 80% der Gespräche mit Themen über Affekte oder Beziehungen enden")

Das kann doch nur böse enden, denn diese Schüler und Schülerinnen brauchen zum einen Expositionsstopp und zum anderen eine gute Entgiftungstherapie.
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Beitragvon Stier » Montag 26. Mai 2008, 14:13

In der neuesten Ausgabe "Bild der Frau" ist als "Aufreger der Woche" auf S. 7 ein Artikel zur "Schadstoffschule" Nideggen.

In der Grund- und Realschule Nideggen sollen ja auch mehrere Lehrpersonen durch die Schadstoffe erkrankt sein, bzw. sogar dienstunfähig geworden und frühpensioniert worden sein.

Hoffentlich sind diese erkrankten Lehrpersonen nicht bei Dr. Reimer gelandet, bei dem bei Vorliegen von körperlichen Symptomen wohl primär nach Problemen über Affekte und Beziehungen gesucht wird.
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Beitragvon Sato » Montag 26. Mai 2008, 14:19

Man sollte bei Dr. Reimer zum besseren Verständnis nachfragen, wer denn die Gespräche so lenkt:

"dass ungefähr 90% aller dokumentierten Patienten-Gespräche mit Schilderungen von körperlichen Symptomen beginnen und ca. 80% der Gespräche mit Themen über Affekte oder Beziehungen enden."

Arzt oder Patient?
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Beitragvon Juliane » Samstag 9. August 2008, 20:55

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Beitragvon Juliane » Samstag 9. August 2008, 21:03

Der Insider, Prof. Klaus Dörner, beobachtet den Psycohmarkt skeptisch:

"Ich habe zwei Jahre lang aus zwei überregionalen Zeitungen alle Berichte über Forschungen zur Häufigkeit psychischer Störungen (zum Beispiel Angst, Depression, Essstörung, Süchte, Schlaflosigkeit, Traumata) gesammelt: Die Addition der Zahlen ergab, dass jeder Bundesbürger mehrfach behandlungsbedürftig ist. Die meist von bekannten Professoren stammenden Berichte versuchten in der Regel, dem Leser zunächst ein Erschrecken über den hohen Prozentsatz der jeweiligen Einzelstörungen zu suggerieren, um ihn dann wieder zu entlasten, weil es heute dagegen die zauberhaftesten Heilmethoden gäbe, fast immer in der Kombination von Psychopharmaka und Psychotherapie; denn hier verspricht die Kooperation der Konkurrenten den größten Gewinn."

http://equilibrismus.net/de/themen/verschiedenes/kd-fortschrittsfalle.htm
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Beitragvon Juliane » Samstag 9. August 2008, 21:14

"Deutschland hat etwa so viele Betten in psychosomatischen Rehabilitations- und Kurkliniken wie der Rest der Welt." (Klaus Dörner)

Klar, hier lässt sich noch mehr Kohle machen. Rezept: Man nehme ein abgetakeltes Landkrankenhaus, gebe ihm einen neuen Anstrich und einen neuen Namen, mache aus ehemaligen Krankenschwestern "Co-Therapeuten" , lege sich ein neuartiges Therapiekonzept zu, integriere notfalls noch Diabetes-Schulung , Umweltmedizin, Anti-Aging und schon läuft der Laden. Mit oder ohne LVA etc.


Kommentar Klaus Dörner:

"Mehr als 95 Prozent der Sozialhilfeleistungen fließen in den stationären Bereich.
Rehabilitation: Deutschland hat etwa so viele Betten in psychosomatischen Rehabilitations- und Kurkliniken wie der Rest der Welt, der unser Jammern über Geldknappheit nicht versteht, solange wir uns diesen – von Bismarck zur sozialen Befriedung geförderten – Zauberberg-Sumpfblüten-Zopf noch leisten. Dieser garantiert mehr Schaden als Nutzen, statt die Rehabilitation konsequent dorthin zu „ambulantisieren“, wo die Menschen leben. Aber wo die unsichtbare Hand des Marktes regiert, darf niemand so recht steuern, maßt sich daher auch niemand die Autorität der Verantwortung an, egal wie katastrophal das Ergebnis für die Gesundheit ist."


Dörner, Klaus
Gesundheitssystem: In der Fortschrittsfalle

http://www.aerzteblatt.de/V4/archiv/artikel.asp?id=33941
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Beitragvon Juliane » Samstag 9. August 2008, 21:27

Also Literaturtipp :

"Der Zauberberg" von Thomas Mann

Ist sogar billiger als

"Psychosomatische Umweltmedizin.
Die Stadtlengsfelder Umweltstudie"

Für die Autoren der "Umweltstudie" hätte ich auch noch einen Literaturtipp:
Weil sie sich ja mit Zauberbergen schon auskennen, empfehle ich
Heinrich Mann: "Der Untertan". Den gibt es sogar preiswert als Taschenbuchausgabe.
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Beitragvon Juliane » Samstag 9. August 2008, 21:32

Wie kommt Juliane denn auf den Literaturtipp für die Umweltstudien-Autoren?
Hier steht es. Von Klaus Dörner formuliert:

"Im Kern muss der Arzt unverfügbar sein."




"Fehler werden sich noch vermehren, wenn man im Verhältnis zur Selbst- einseitig auf die Fremdkontrolle setzt. Denn dann entsteht die tödliche Doppelzange aus den Zwängen des Marktes und der Bürokratie. Im Kern muss der Arzt unverfügbar sein. Unbeugsam. Wenn diese Basis eines Gesundheitssystems kaputt ist – und die marktwirtschaftlichen Tendenzen zerstören sie – dann ist der Arzt kein Arzt mehr."

Klaus Dörner im Interview .DIE ZEIT 06.03.2003 Nr.11

http://www.zeit.de/2003/11/D_9arner-interview?page=3
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Beitragvon green poison » Samstag 9. August 2008, 22:09

Erstaunlich, der Professor Dörner, sagt mein Lebensabschnittspartner.
Ob der den Dr.Otto Versand* schon kennt, frage ich mich.


*http://www.oegd-portal.de/
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Beitragvon Annamaria » Sonntag 10. August 2008, 00:39

"Dr. Otto Versand" gefällt mir natürlich sehr! Danke.
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Beitragvon Mary Poppins » Sonntag 10. August 2008, 14:36

Bekommen Kliniken eine Zulasseung von Rentenvericherern und BGen wenn sie keine
Psychologen, Psychiater angestellt haben oder ist das Grundvoraussetzung?
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Beitragvon Amazone » Sonntag 10. August 2008, 15:19

Plassmann und Stadtlengsfeld waren übrigens schon in den 90ern berühmt-berüchtigt (siehe Link unten). Dass er immer noch sein Unwesen treibt ist unglaublich.

http://www.facharzt.de/content/red.otx/410,7370,0.html?sID=9a1395a67462d247287b63d2b76e131b

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Beitragvon Yol » Sonntag 10. August 2008, 19:06

Was ich nicht verstehe: Wo nimmt Deutschland denn die vielen psychisch Kranken her? In den 20 Jahren, in denen ich ehrenamtlich in Sachen Psychische Krankheit engagiert bin, hat sich die Rate von 2 % der Weltbevölkerung, die von dieser Krankheit betroffen ist, nicht verändert. Sicherlich ist diese Gruppe einer der bestmöglichen, an der man sich finanziell gesund stossen kann. Doch woher nimmt man denn die Masse die man dazu braucht, wenn es eben 2 % betrifft?? Züchtet man sich denn nun diese in dieser Kondition gebrauchten Patienten aus umweltkranken Menschen?

Was mir aufgefallen ist beim Blättern im Stadlengsfelder Studienbüchlein:
- Studienprobleme, da sind nur 3 Punkte patientenseitig angefallen
Kein Problem ist angefallen, die geeigneten Studienleiter, Studienbewerter usw. zu finden.

Muss also recht einfach zu sein deutsche Studien zu "machen", denn international gibt es sehr wohl strenge Kriterien, unter denen Studien überhaupt als Studien zulassen werden bezw. anerkannt werden.
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Beitragvon Amazone » Sonntag 10. August 2008, 20:47

Hallo Yol,

das ist doch ganz einfach. Siehe Vortrag Thomas Eikmann 2007 "Multiple Chemical Sensitivity und andere umweltbezogene Syndrome" anläßlich 400 Jahre Universität Gießen:

Diagnosen bei MCS-Patienten in Vorbefunden = 60% S00-T98 (Verletzungen, Vergiftungen)
Diagnosen bei MCS-Patienten nach der interdisziplinären Diagnostik der UMA = 96% F00-F99 (Psychiatrische und Verhaltensstörungen) und angeblich nur noch 2% verbliebene MCS-Patienten mit Verletzungen/Vergiftungen.

Äußerst fragwürdig, wie ich finde.

Gruß Amazone
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Beitragvon Yol » Sonntag 10. August 2008, 21:28

@ Amazone

Jetzt verstehe ich das besser. Eikmann jongliert mit den 2 % solange bis er sie da hat wo er sie haben will. Es ist nur so, dass die 2 % psychische Erkrankungen international nicht manipulierbar sind und eine anerkannte Rate darstellen, was immer auch man sich einfallen lässt. Ob der Giessener Umweltstuhl, aus Entschädigungsgeldern aus dem Holzschutzmittelprozess von der Chemie-Industrie finanziert, international überhaupt als existent eingestuft wird? Oder ist es nur eine Beschäftigungstherapie auf nationaler Ebene (es geht ja die Rede von Psy, da braucht es diese Therapien-auch für Psychiater die zuwenig rotieren)?

Ich lese da Uni Giessen gibt es seit 400 Jahren! In der Wirtschaft gilt die Regel, dass Unternehmen, die 100 Jahre bestehen, meist den Krebsgang gehen.
Bei Uni's mag das anders sein, doch können auch hier 400 Jahre durchaus nicht immer verhindern, dass die Institution reformbedürftig , bezw. kopflastig geworden ist und ggf. einiges ausgemustert werden muss um dem Status noch gerecht zu werden.
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Beitragvon Annamaria » Sonntag 10. August 2008, 22:24

Vielleicht habt ihr es heute Abend auch in den TV-Nachrichten gesehen, das Interview mit dem "selbsternannten Präsidenten" im Kaukasus. Möglicherweise sind Eikmann, Eis und Herr jetzt zu Studien in Georgien. Dann könnten sie auch den Welt-Durchschnitt heben. Und der Dr. Otto - Versand liefert eigentlich schon lange in Richtung Osten.
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Das Geschäft mit der Psyche ist einträglich

Beitragvon Dundee » Montag 11. August 2008, 20:06

Das Geschäft mit der Psyche ist ein Scheingeschäft.
Es funktioniert wie eine Geldwäscherei und irgendwann fliegt es auf.
Aus das Geschäft mit Manipulation, Tricks und falschen Diagnosen.
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Beitragvon Prinz von Hamburg » Donnerstag 14. August 2008, 13:58

Otto find ich gut!
Dr. Otto find ich absolut ungut!

Der Otto Versand bietet wenigstens Vielfalt. Sogar Ökomode.
Der Dr. Otto Versand bietet... ach ja, was ist das Gegenteil von Vielfalt?
Kann mir jemand helfen. Ist es Einfalt?
Prinz von Hamburg
 

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Beitragvon Juliane » Mittwoch 23. November 2011, 20:14

Klar doch: Das Geschäft mit der Psyche ist einträglich

Siehe auch


DBU Online Umweltmedizinische Leitlinie erschienen
viewtopic.php?t=16581
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Beitragvon Juliane » Donnerstag 23. Februar 2012, 15:24

http://www.welt.de| am 06.11.2011


"Das Geschäft mit der kranken Seele.......




Eine ganze Industrie ist entstanden, die die Erkundung der eigenen Seele wie ein karrierenützliches Hobby oder einen Entspannungsurlaub behandelt. Viele Angebote zielen auf die Bedürfnisse wohlhabender Burn-out-Patienten, auf Akademiker und Besserverdienende. Abschalten, möglichst weit weg vom Wohnort und vom Alltag, so lautet das Geschäftsmodell. Es ist chic und sehr erfolgreich. So erfolgreich, dass es zum Maßstab dafür geworden ist, was die Deutschen von ihren Krankenkassen bezahlt haben wollen. Und inzwischen bezahlt bekommen.



Ein gutes Beispiel dafür sind psychosomatische Kliniken. Viele von ihnen findet man an abgelegenen Orten, in Brandenburgs Wäldern, am Chiemsee oder am Starnberger See. Sie gleichen oftmals eher Wellnesshotels mit Vier- Sterne-Ausstattung als Krankenhäusern. Es gibt Hunderte solcher Kliniken oder zumindest eigene Stationen in Krankenhäusern, von Jahr zu Jahr werden es mehr. Denn sie sind für Krankenhauskonzerne so lukrativ, dass sie in den vergangenen Jahren weitere Häuser gegründet oder bestehende vergrößert haben.



Der Aufenthalt dort ist in der Regel eine sehr teure Möglichkeit, einen Patienten zu behandeln, aber nicht unbedingt die sinnvollste. Manche dieser Kliniken tun im Prinzip, was Hans Kreis tut: Ein Patient kann sich dort wohlfühlen, spazieren gehen, schlafen. Eine Auszeit nehmen. Die Frage ist nur, ob ihm das wirklich hilft. Denn viele psychische Störungen behandeln die Wellnesskliniken gar nicht. Vor allem schwere nicht, die zu therapieren viel Zeit erfordert, speziell ausgebildetes Personal. Das alles ist entsprechend teuer. Diese Patienten überlässt so manche psychosomatische Klinik lieber anderen.

Und sie sind nicht die Einzigen, die entscheiden können, welche Patienten sie annehmen wollen. Jeder Therapeut kann es. Ob er jemanden mit komplexen Problemen behandelt oder jemanden, dessen Therapie mit weniger Aufwand schöne Erfolge verspricht, ist aus finanzieller Sicht egal. Die Kassen zahlen für jeden Fall das gleiche Honorar.


Nicht nur Klaus Dörner hält das für einen folgenschweren Systemfehler. Wissenschaftler, Ökonomen, Ärzte und Gesundheitspolitiker teilen diese Einschätzung.......



Das Ergebnis ist, dass es einem von vier Patienten nach einer Therapie nicht besser geht als vorher, jedem zehnten sogar schlechter. Nachzulesen sind diese Zahlen zum Beispiel in Veröffentlichungen der Abteilung klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Bern, auch in den USA gab es mehrere Studien mit ähnlichem Ergebnis. Dass Falschbehandlungen ein Problem sind, bestätigen fast alle Experten. Sie gefährden die Patienten, und sie sind teuer. Mehreren Schätzungen zufolge sollen sie in Deutschland fünf Milliarden Euro Kosten verursachen, jedes Jahr. Der Bochumer Psychologe Jürgen Margraf, ein renommierter Fachmann, würde "den Betrag eher noch höher ansetzen". Denn es seien ja nicht bloß die Behandlungen und Folgebehandlungen, die viel Geld kosteten, sondern auch die Wochen oder Monate, in denen beispielsweise ein Schwerdepressiver nicht arbeiten geht.



Eine besondere Form des "Zufalls" sind Diagnosen, die dramatisiert oder erfunden werden, weil der Behandelnde daran gutes Geld verdient. Um etwas darüber zu erfahren, muss man sich abseits von Praxen und Kliniken zu vertraulichen Gesprächen treffen. Dann hört man Geschichten über Chefs oder Klinikdirektoren, die schon mal festlegen, welche Behandlungen in welcher Stückzahl zu erfolgen hätten, damit die Bilanz gut aussieht. "Wenn ich wollte, bräuchte ich fünf Minuten, um Ihnen eine Störung zu diagnostizieren, die Sie dringend behandeln lassen müssten", sagt etwa der Chefarzt einer Klinik. "Und ihre Kasse wird Ihnen anstandslos sechs Wochen in meiner teuren, privaten Klinik bewilligen. Das kommt oft genug vor."

Es sind viele, die Ähnliches erzählen. Und die bestätigen, was Klaus Dörner, der Kritiker aus Hamburg, sagt: dass das Profitstreben die Seelenheilkunde über die Jahre ziemlich verändert hat. Und zwar nicht zum Guten.......

Klaus Dörner, der Systemkritiker, denkt oft über eine Abendveranstaltung vor einiger Zeit nach. Eine Therapeutenvereinigung hatte ihn als Redner eingeladen. "Wenn Sie alle ehrlich wären", hat er dort gesagt, "müssten Sie jeden dritten Menschen, der zu Ihnen in die Praxis kommt, wieder nach Hause schicken." "

http://www.welt.de/print/wams/wirtschaft/article13700764/Das-Geschaeft-mit-der-kranken-Seele.html
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Beitragvon Twei » Donnerstag 23. Februar 2012, 19:45

Psychotherapie

[url]http://bit.ly/zg640R[/url]

"...Also Psychotherapie. Psychotherapie sei aber sehr teuer im Vergleich zu anderen Krankheitstherapien...
...Ein Milliardenmarkt der Pharmaindustrie. Dafür gibt's freilich Studien-Geld...
...Und ob und wie gut die Psychotherapie wirkt, dafür gäbe es "keine aussagekräftigen Studien"....
...Die Ergebnisse bedeuten, dass wir auf sehr dünner Wissensbasis die Versorgung Schwerkranker organisieren....
...Dass wir rätseln, raten, ausprobieren. Dass wir mittelalterliche Medizin auf hohem Niveau betreiben.

Genauso ist das in der Psychotherapie. Sag nicht ich, sagt der gemeinsame Bundesausschuss. (WAMS 06.11.11)..."

(Aussagen von Dr.Strunz, die in o.g. Artikel, siehe Link, zitiert wurden).
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Beitragvon Juliane » Donnerstag 23. Februar 2012, 19:57

Strunz redet immer Klartext:

"30 Milliarden Euro sind in den letzten Jahren in die Behandlung seelischer Leiden geflossen. Tendenz steigend. Der zweitteuerste Posten im deutschen Gesundheitswesen nach den Herzerkrankungen.

http://www.strunz.com/news.php?newsid=1731"
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Beitragvon Juliane » Donnerstag 23. Februar 2012, 19:57

Und hier kommt das Paradebeispiel:


Hotel- und Landkrankenhausbetten neu belegen

viewtopic.php?t=17211
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Beitragvon Juliane » Freitag 24. Februar 2012, 09:18

FAZ 08.11.2011


" die Psychotherapie?

Die sei, so der Freiburger Psychotherapeut Mathias Berger, "allein
betrachtet nicht besser als die Pharmabranche". In den 350
Psychotherapie-Schulen hierzulande würden genauso Daten versteckt und
"mindestens 700 Millionen Euro jährlich für Behandlungen ausgegeben,
die nie richtig evaluiert wurden". "

http://www.faz.net/aktuell/wissen/mensch-gene/psychische-krankheiten-da-zappelt-die-seele-11521956.html
http://www.berger-mathias.de/
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Beitragvon Kira » Freitag 24. Februar 2012, 11:29

Aufklärung über Risiken und Nebenwirkungen von Psychotherapien
http://www.aulbach-philosophy.de/Themen/Psychotherapie/psychotherapie.html

Psychotherapie in ihrer modernen Hauptfunktion als ideologisch notwendige Quacksalberei
http://www.reflexion.aulbach-philosophy.de/html/psychotherapie_als_quacksalber.html
"Wo der Mut keine Zunge hat, bleibt die Vernunft stumm."
(Jupp Müller, deutscher Schriftsteller)

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Beitragvon Juliane » Freitag 23. März 2012, 09:04

Prof. Dr. Klaus Dörner


"Die zunehmende Überantwortung der Gesundheit an die Wirtschaft zwingt
zur Erschließung immer neuer Märkte. Das Ziel muss letztlich die
Umwandlung aller Gesunden in Kranke sein, also in Menschen, die sich
möglichst lebenslang sowohl chemisch-physikalisch als auch psychisch
für behandlungsbedürftig halten, um "gesund leben" zu können. Das
gelingt im Bereich der körperlichen Erkrankungen schon recht gut, im
Bereich der psychischen Störungen aber noch besser. Denn hier gibt es
keinen Mangel an Theorien, nach denen fast alle nichtgesund sind, vor
allem, wenn das "vollständige Wohlbefinden" fehlt. Das zeigt einmal
mehr, wie fragwürdig die analoge Übertragung des Krankheitsbegriffs
vom Körperlichen auf das Psychische ist. Wo partout keine Bedürfnisse
sind, muss man solche künstlich herstellen"


Prof. Dr. Klaus Dörner: Die Gesundheitsfalle

Quelle: Frankfurter Rundschau vom 6.12.2003

http://web.archive.org/web/20080519030159/http://uk.geocities.com/franz_daniels/doerner.html
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Beitragvon Clarissa » Freitag 23. März 2012, 09:13

das ist ein problem welches am deutschen gesundheitssystem liegt. hier werden ärzte NICHT dafür bezahlt menschen gesund zu machen, hier gibt es nur richtig geld für kranke menschen und warum soll ich sie dann gesund machen? die ärzte, labore, apotheken, pharma, kliniken alles haben kein interesse daran das kranke gesund werden.
Und allen Leugnern zum Trotz, im DIMDI
ICD-10-GM Version 2018 - Stand Oktober 2017 ist MCS immer noch im Thesaurus unter
T 78.4 zu finden und wirklich nur dort und an keiner anderen Stelle!
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Beitragvon Yol » Freitag 23. März 2012, 12:00

Alles in allem ist es dennoch wie in der gesamten Wirtschaft. Der "Konsument" - denn in der Medizin diesen Namen zu gebrauchen ist nicht abstrakt - er hat die Möglichkeit nicht zu konsumieren.

Natürlich will jeder der sich nicht wohl fühlt sich besser fühlen - das gelingt ihm nicht, wenn er sich blauäugig den medizinischen Versprechen hingibt.

Ich bin aus mancher Arztpraxis rausgeflogen - bevor ich wusste was mir fehlte. Und das nur weil ich Fragen stellte, Fragen die man mir nicht beantwortete, was ich aber nicht hinnehmen wollte, die Pillen die mir verschrieben wurden nicht nehmen wollte ohne die Beantwortung eben dieser Fragen usw. Es kam meist darauf raus, dass ich gefragt wurde, warum ich denn überhaupt einen Arzt aufsuchen würde, worauf ich nur eine Antwort hatte: Ich suche einen Partner der mir hilft gesund zu werden bezw. gesund zu bleiben, was ich ja noch bedingt bin - und wie mir scheint sind wir beide nicht die richtigen Partner.

Meist wurde mir dann auch noch die Tür sperrangelweit geöffnet damit schneller nach draussen kam.
Gestorben bin ich nicht an dieser Verweigerung - vielleicht grade deswegen - auch wenn es mir nicht gut ging - ohne Behandlung ging es mir jedenfalls besser.

Ich habe bisher keinerlei Probleme gehabt mich durchzusetzen - allerdings konnte sich so über die Jahre MCS sehr gut installieren, was sicherlich besser verlaufen wäre, hätte ich früher den guten Arzt-Partner gefunden.

Was verliert man oder gewinnt man mit - was ohne Behandlung. Das ist die Frage die im Vordergrund stehen sollte, bevor man sich auf eine Behandlung einlässt.

Bei uns wird jetzt daran gefeilt, das wir einen Referenzarzt haben sollen. Noch scheint nicht alles grade zu laufen, es sollte schon seit Anfang 2012 so sein. An sich eine gute Sache - wenn es dann klappt.
Yol
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