"Ein dicker Bauch erhöht das Risiko für Prostatakrebs
POTSDAM (dpa). Ein dicker Bauch erhöht das Risiko für Prostatakrebs. Das hat eine Langzeitstudie Potsdamer Forscher ergeben. Dabei spiele das Verhältnis zwischen Taillen- und Hüftumfang eine entscheidende Rolle: Bei einem Quotienten über 0,99 ist das Risiko für Prostatakrebs um 43 Prozent höher im Vergleich zu einem Quotienten unter 0,89.
Möglicherweise beeinflusse Bauchfett den männlichen Hormonhaushalt ungünstig, vermuten die Wissenschaftler um Professor Heiner Boeing und Privatdozent Tobias Pischon vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) in Potsdam-Rehbrücke am Dienstag. Sie stellen ihre Analyse im Fachjournal "Cancer Epidemiology Biomarkers & Prevention" (17, 2008, 3252) vor. Prostatakrebs ist bei europäischen Männern das häufigste Krebsleiden und die dritthäufigste Krebstodesursache.
"Im Vergleich zu Männern mit einem Taillen-Hüftumfang-Quotienten unter 0,89 haben Männer mit einem Quotienten über 0,99 ein um 43 Prozent erhöhtes Risiko für fortgeschrittenen Prostatakrebs", berichtete das Institut. Der Taillen-Hüftumfang-Quotient werde berechnet, indem der Taillenumfang durch den Hüftumfang geteilt werde.
Für ihre Studie standen den Potsdamer Wissenschaftler die Daten von mehr als 153 000 Männern aus der EPIC-Studie (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition) zur Verfügung. Von den berücksichtigten knapp 130 000 Teilnehmern erkrankten im Untersuchungszeitraum von mehr als acht Jahren 2 446 Männer an Prostatakrebs.
Die Ursachen für Prostatakrebs sind laut DIfE noch wenig erforscht. Als Risikofaktoren seien ein fortgeschrittenes Lebensalter, eine erbliche Vorbelastung und die Zugehörigkeit zu bestimmten ethnischen Gruppen bekannt. Allerdings vermuteten Wissenschaftler seit langem, dass die Bauchfettmenge das Risiko für Prostatakrebs beeinflusst. Bislang hätten aber nur wenige epidemiologische Studien den Zusammenhang zwischen der Körperfettverteilung an Taille und Hüfte und dem Prostatakrebsrisiko untersucht.
Über die ursächlichen Zusammenhänge der Krebserkrankung sei bisher nur wenig bekannt, erläuterte Boeing. Es gebe verschiedene Theorien. Denkbar sei ein ungünstiger Einfluss des Bauchfetts auf den Androgenspiegel. Androgene sind Geschlechtshormone, die Wachstum und Reifung der Prostata beeinflussen. "Neben den Geschlechtshormonen könnten aber auch andere Botenstoffe für das erhöhte Prostatakrebsrisiko bei Männern mit erhöhtem Taillen-Hüftumfang-Quotienten relevant sein", ergänzte Pischon."
http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/krebs/prostatakrebs/?sid=522005
Dasselbe Institut kam 2007 zu einem ganz anderen Schluß:
"We examined consumption of animal foods, protein and calcium in relation to risk of prostate cancer among 142 251 men in the European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition. Associations were examined using Cox regression, stratified by recruitment centre and adjusted for height, weight, education, marital status and energy intake. After an average of 8.7 years of follow-up, there were 2727 incident cases of prostate cancer, of which 1131 were known to be localised and 541 advanced-stage disease. A high intake of dairy protein was associated with an increased risk, with a hazard ratio for the top versus the bottom fifth of intake of 1.22 (95% confidence interval (CI): 1.07–1.41, Ptrend=0.02). After calibration to allow for measurement error, we estimated that a 35-g day-1 increase in consumption of dairy protein was associated with an increase in the risk of prostate cancer of 32% (95% CI: 1–72%, Ptrend=0.04). Calcium from dairy products was also positively associated with risk, but not calcium from other foods. The results support the hypothesis that a high intake of protein or calcium from dairy products may increase the risk for prostate cancer."
Hier die Autoren und Institute der Untersuchung:
4Division of Cancer Epidemiology, German Cancer Research Centre, Heidelberg, Germany
5German Institute of Human Nutrition, Potsdam-Rehbücke, Germany
Linseisen4, S Rohrmann4, H Boeing5, T Pischon5,
http://www.nature.com/bjc/journal/v98/n9/abs/6604331a.html