Fehlinformationen über MCS in TV-Doku

Fehlinformationen über MCS in TV-Doku

Beitragvon Thommy the Blogger » Dienstag 20. Oktober 2009, 10:03

Fehlinformationen über MCS in TV-Doku

Psychiatrie deckt “Marktnische”

Aufklärung ist immer wichtig, wenn es darum geht, Krankheiten möglichst früh zu erkennen oder besser noch zu vermeiden. Das gilt auch für MCS (Multiple Chemikalien Sensitivität). Da den meisten Menschen über diese schwere Krankheit wenig oder nichts bekannt ist, tut möglichst exakte Aufklärung Not. Zeitungsartikel, Radiosendungen und Filme können zu dieser Aufklärung beitragen. Es gab schon mehrfach solche guten Medienberichte, die helfen konnten, zu informieren.

Schlimmer als gar keine Aufklärung ist aber die Verbreitung unwahrer “Fakten”. Darüber handelt der heutige Blog vom Amalie:


Fehlinformationen über MCS in TV-Doku
Psychiatrie deckt "Marktnische
http://www.csn-deutschland.de/blog/2009/10/20/fehlinformationen-uber-mcs-in-tv-doku
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Beitragvon Frank-N-Furter » Dienstag 20. Oktober 2009, 13:09

Solche psycholastigen Aussagen in Fernsehbeiträgen sind nicht zu entschuldigen.

Ärzte, die täglich MCS Patienten sehen und ihre Reaktionen mitbekommen, machen sich mitschuldig daran, dass wir in der Gesellschaft als Menschen mit einem Psychoproblem ausgegrenzt werden.

Danke für den Blog, das war notwendig. Von solchen Aussagen muss man sich total abgrenzen.
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Beitragvon Maria Magdalena » Dienstag 20. Oktober 2009, 13:30

Super Idee! Das mit dem Blog wollte ich euch schon vorschlagen, doch ihr denkt und arbeitet schneller als mein Raumschiff. ;-)

Es ist gegen die Menschenrechte, MCS-Kranke zu psychiatrisieren und damit ihre und die Gesundheit noch nicht Erkrankter aufs Spiel zu setzen, indem man per TV Vortäuschung falscher Tatsachen betreibt, um die Bürger zu desinformieren.

Pfui Teufel- so viel Menschenverachtung und Verlogenheit sind widerwärtig!
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Beitragvon Alex » Dienstag 20. Oktober 2009, 14:21

Es ist kein Versehen, Dr. Mai hat im Fernsehen in aller Deutlichkeit seine Meinung gesagt. Man konnte nichts mißverstehen.

Es ist auch kein Ausrutscher, diese Klinik ist seit Jahren für ihre Position bei MCS bekannt.

Ich erinnere mich noch als Dr. Schwarz eine Müllverbrennungsanlagen direkt in Kliniknähe befürwortete. Das würde MCS Patienten
nichts ausmachen meinte er damals in einem Interview einer Zeitung der Müll-Lobby. Sonstwo kämpfen Bürgerinitiativen gegen
diese Dreckschleudern.

Es gibt eine Reihe solcher Vorkommnisse und deshalb wundert mich nichts mehr, außer wieso man sich als Patient dafür
zur Verfügung stellt, um dann für Millionen als psychisch "geoutet" zu werden.
Alex
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Beitragvon Harry Voss » Dienstag 20. Oktober 2009, 20:51

Die Aussage von Dr. Mai ist völlig inkompataibel mit dem wissenschaftlichen Kenntnistand
zum Thema MCS. Zu sagen, die Patienten müssten sich mit den Parfüms auseinandersetzen kommt
für mich einer Aufforderung zum Provokationstest gleich.
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Beitragvon Gepaucker » Dienstag 20. Oktober 2009, 22:59

An Amalie erst einmal einen großen Dank und mein Kompliment für den sehr gelungenen Blogbeitrag!

Es ist schon paradox: Ausgerechnet in einem Land, wo MCS als schwere organische Krankheit mit Methode als zu behandelnde psychische Störung verniedlicht wird, wo sogar die staatliche Rentenversicherung die UN-Definition (WHO) über die Merkmale von MCS verdreht, wo MCS-Kranke der Verarmung ausgesetzt werden, weil sie auf die – nur für sie verträgliche – Biokost angewiesen sind, in Notfällen auf (selbstbezahlten) Sauerstoff zugreifen müssen, ausgerechnet in so einem Land ereifern sich selbsternannte Experten und wollen schlauer sein, als die Wissenschaftler, Forscher und Ärzte, die schon seit über 30 Jahren MCS nicht nur erforschen, sondern in beeindruckender Weise so behandeln, dass die übergroße Mehrheit der Patienten nach der Behandlung ein erheblich besseres Leben führen können. Meine Frau wurde im EHC-D in Dallas behandelt, weil sie in Deutschland nicht die nötige Hilfe erhielt. In einem Attest über den Gesundheitszistand meiner Frau schrieb Prof.Dr. Rea, Gründer und Leiter dieser weltbekannten Umweltklinik: “Die Patientin kann eine akute Verschlechterung ihrer Symptome erleiden, wenn sie auslösenden Substanzen ausgesetzt ist, auch in Konzentrationen weit unterhalb dessen, was für die Allgemeinbevölkerung als sicher erachtet wird. Dies kann auch durch zufällige oder geringfügige Expositionen geschehen, wenn sie Rückständen von Wachsen, Reinigern, Pestiziden, Petrochemikalien, Lösungsmitteln, Parfüms, Duftstoffen, Autoabgasen, Zigarettenrauch, Lufterfrischern, Pressspanplatten, Stäuben, Hausstaubmilben, Pollen, Schimmelpilzen, Photokopiererchemikalien und Hilfsmitteln, Vinyl- oder gepolsterte Möbeln, Schaumstoffen, minimale Unterschieden von warm und kalt, Kleidung, Stoffen, ungefilterter Luft, ungefiltertem Wasser, Farben, Lacken, Teppichböden, Kunststoffen und Ausgasungen von Elektronikgeräten einschließlich Kopierern und Laserdruckern, wie auch Büchern, Zeitschriften und Zeitungen ausgesetzt ist. Selbst alltägliche Expositionen gegenüber diesen Substanzen, denen man herkömmlich ausgesetzt ist, können sich nachteilig auf die Gesundheit dieser Patientin auswirken. Ihre Symptome können von der Art, Dauer und dem Schweregrad der auslösenden Substanz variieren und können von Beeinträchtigung bis Unbehangen bis behindernd bis lebensbedrohlich reichen.”

Ich wünschte, das ein Dr. Mai sich einmal selbst ein Bild im EHC-D machen würde. Auch wenn es den Herren der deutschen psychiatrischen Umweltklinik nicht gefällt, in dem Attest stand nicht: ”
Die Patientin kann eine akute Verschlechterung ihrer Symptome erleiden, wenn sie nicht eine umfassende psychologische Behandlung erfährt, die ihr vermittelt, dass Umweltgifte normale Bestandteile der Biosphäre sind.”

Stattdessen heißt es in diesem Attest weiter: “Strikte Vermeidung ist der wichtigste Aspekt in der Behandlung des Patienten, der Sensitivitäten gegenüber seiner Umwelt entwickelt hat, und es ist wichtig, größte Vorsicht walten zu lassen, um auslösende Expositionen zu minimieren. Die Patientin muss die Erlaubnis erhalten, ihre Umwelt unter Kontrolle zu halten, um optimal funktionieren zu können, und muss öffentliche Gebäude oder jede Umgebung rigide meiden, wenn dort Expositionen gegenüber auslösenden Substanzen eintreten können.”

Also da stand nix davon, dass sich meine Frau doch bitteschön an die auslösenden Stoffe zu gewöhnen habe oder ähnlicher, menschenverachtender, MCS-Kranke verhöhnender Quatsch! Ein Arzt, der 30 Jahre MCS-Kranke erfolgreich behandelt und der eine wirkliche Umweltklinik leitet, in der jährlich tausende umweltkranke Patienten behandelt werden, wird wohl einen mit Abstand besseren Einblick in dieser Krankheit haben, als ein Leiter einer psychiatrischen Klinik, die gerademal lächerliche 6 Betten für Umweltkranke zur Verfügung stellt und die von der Ausstattung und den Behandlungsprinzipien her bezüglich der Behandlung von MCS-Kranken, Lichtjahre entfernt ist von einem EHC-D.

In dem Attest heißt es noch: ”
Gemäß der derzeitigen Interpretation der Amerikanischen Schwerbehindertengesetzgebung (ADA) in Bezug auf umweltbedingte Sensitivitäten sind Personen die mit schwerwiegenden Reaktionen überdurchschnittlich gegenüber Umweltschadstoffen reagieren, ebenfalls in die Gesetzgebung eingeschlossen, um erforderliche Maßnahmen zu erhalten und um Zutritt in den verschiedenen Einrichtungen sicherzustellen, die unter dem Schutz dieser Schwerbehindertengesetzgebung stehen.”

Also, hier steht auch nix von psychisch bedingt oder ähnlich, sondern klipp und klar: “…Gemäß der derzeitigen Interpretation der Amerikanischen Schwerbehindertengesetzgebung in Bezug auf umweltbedingte Sensitivitäten sind Personen die mit schwerwiegenden Reaktionen überdurchschnittlich gegenüber Umweltschadstoffen reagieren, ebenfalls in die Gesetzgebung eingeschlossen,..”

Hier wird MCS gemäß der WHO-Definition von MCS als schwere organische Erkrankung anerkannt und die davon Betroffenen als SCHWERBEHINDERTE begriffen!!! Hallo – werte Umweltpsychiater: MCS ist eine schwere organische Krankheit, die Schwerbehinderung hervorruft!!!

Wenn ein Mann Zeuge wird, wie ein anderer Mann eine Frau krankenhausreif schlägt und er hinterher vor dem Gericht bezeugt, dass der betreffende Mann nicht seine Frau geschlagen habe, sondern vielmehr liebkost, gestreichelt und verwöhnt habe, dass sie sich das alles nur eingebildet habe, was ist so ein Zeuge vor Gericht wohl wert?

Wenn Mediziner in den USA, Kanada und Großbritannien eindeutige organische Merkmale von MCS bei ihren Patienten finden (extreme Polyallergie, umfassende Lebensmittelunverträglichkeiten, massive Unstimmigkeiten im Immunsystem, Entzündungen der Schleimhäute, Nerven und der Muskulatur im ganzen Körper und vieles andere mehr) und deutsche Mediziner stellen sich dann hin und behaupten, dass dies alles oder vorwiegend psychisch bedingt sei, was für einen Wert hat dann eine solche Medizin?

Also – ich rufe die Weltbevölkerung auf: “Wir glauben ganz stark daran, dass die Polkappen nicht abschmelzen, wir spüren überhaupt nichts davon, dass die Temperaturen der arktischen Gewässer wärmer geworden sind. Es ist alles nur psychisch, wenn wir das Gegenteil für richtig halten. Wir müssen nur bereit sein, die Zustände in der Arktis als völlig normal zu empfinden, dann schmelzen auch die Polkappen nicht ab.”

Ach – Ihr lieben Eisbären – alles wird gut, ihr müsst nur wollen und daran glauben, nein davon überzeugt sein!

Gerhard
Gepaucker
 

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Beitragvon Klein Erna » Mittwoch 21. Oktober 2009, 07:49

Danke Amalie und auch Gerhard.

@Gerhard

Ich bin noch nicht so lange auf CSN. Aber irgendwo habe ich schon mal gelesen, dass sich die Ärzte aus Bredstedt ich glaube auch die Frau Dr. Bauer auch schon in GB zur Meinungsbildung aufgehalten haben. Vielleicht finde ich das noch. Es sieht doch so aus als würden die deutschen Psychiater ihre Meinung auch im Ausland verbreiten.
Klein Erna
 

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Beitragvon Juliane » Mittwoch 21. Oktober 2009, 08:58

@ Erna

Hier ist der Strang, den Du meinst:

viewtopic.php?t=8856
Thommy the Blogger hatte die Übersetzung von Amalie eingestellt
VORTRAG DR: SCHWARZ IN LONDON - 11.03.2009, 18:36:17

Multiple Chemikalien Sensitivität – Wie für die Patienten sorgen?

Eberhard Schwarz, Anke Bauer

Das Auftauchen von Symptomen bei geringen Levels von Chemikalienexposition in seiner schweren Form wird als Multiple Chemikaliensensitivität bezeichnet. MCS ist eine erworbene und chronische Erkrankung mit deutlicher Beeinträchtigung von Wohlbefinden, Arbeit und sozialer Integration. Die Prävalenz von Chemikaliensensitivität mit schweren und oft täglichen Symptomen wird in verschiedenen Ländern auf 0,5% (Deutschland), 3,7% (Schweden), 3,8% (Japan) und 3,9% (USA) geschätzt, respektiv. Eine gemäßigtere Form der Chemikaliensensitivität ohne ausgeprägte Beeinträchtigung der Gesundheit tritt in der selben Population häufig auf (9-33%) [1,7,8,10,11].

Die Diskussion über MCS ist weiterhin bestimmt durch die die Ätiologie der Störung betreffende Kontroverse (psychiatrisch versus toxikologisch). Die anerkannten Risikofaktoren unterstützen keine der extremen Positionen, aber eine Kombination von beiden in einem „Bio-Psycho-Sozial“ Modell der Krankheit: Besonders Personen die nach einer anfänglichen Chemikalienexposition erkranken (meist Lösemittel, Pestizide, Desinfektionsmittel und Formaldehyd) haben ein höheres Risiko für MCS [2]. Andere bisher gefundene Risikofaktoren sind Allergien, Asthma, überreagierende Atemwege, Pseudoallergien und andere Intoleranzreaktionen sowohl auf Lebensmittel oder Medikamente als auch Belastungsstörungen und Angstmerkmale [3,5,9,10,11]. Die Leute, die eine Kombination aus mehreren dieser Faktoren aufweisen – Exposition plus Empfindlichkeit – haben ein höheres Risiko für MCS [3,5].

Patienten mit MCS leiden häufig unter schwerer Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen, Schwindel (Vertigo), weitflächig lokalisierten Schmerzen, Ausschlägen, Ödemen und vielen anderen Symptomen (Abbildung 1). Aufgrund der Unfähigkeit normale Level von Chemikalienkonzentrationen zu tolerieren, wie parfümierte Kollegen, den Geruch von Laserdruckern oder neuen Möbeln sind die Arbeitslosigkeitsraten bei MCS-Patienten hoch (30-50%) [12]. Soziale Isolation und Lebensqualität entwickeln sich mit der Dauer der Krankheit von schlecht zu schlechter (Abbildung 1). Wenn Krankenhäuser und Wartezimmer von Ärzten nach Desinfektionsmitteln und Parfüm riechen, können die Betroffenen noch nicht einmal medizinische Hilfe in Anspruch nehmen. Und viele Ärzte haben noch nie von MCS gehört [7]. Deutlich mehr als alle Personengruppen mit schweren Primärerkrankungen leiden diese Patienten häufig unter reaktiven psychischen Problemen die auch beachtet werden müssen [4,5,6].

Die erste Vorraussetzung der Behandlung von MCS ist die Minimierung der Chemikalienexposition in den für Diagnose und Behandlung verwendeten Räumen. Parfümierte Produkte sollten nicht verwendet werden, was sowohl die Kosmetika der dort arbeitenden Personen als auch die zur Reinigung, zum Händewaschen oder zur Desinfektion eingesetzten Produkte betrifft.

Die meisten MCS-Patienten zeigen ververteilte Sensitivitäten gegenüber neuroaktiven Substanzen, das bezieht nicht nur Chemikalien, sondern auch oft Alkohol, Koffein und viele Drogen ein. Daher sollte die gefragte Fallgeschichte sowohl Fragen zu allen oben genannten Risikofaktoren als auch Intoleranzreaktionen auf Lebensmittel und Medikamente mit einbeziehen.


Abbildung 1: Lebensqualität in Bezug auf die Gesundheit bei MCS im Vergleich mit Bevölkerungsdaten und Patientengruppen (hohe Werte beziehen sich auf niedrige Lebensqualität)

Aus: (1) Schwarz E et al. [12]; (2) Keinänen-Kiukaanniemi S, et al. (1996): Health Related Quality of Life in Diabetic Patients Measured by the Nottingham Health Profile. Diebetic Medicine 13:382-388; (3) Kohlmann T et al. (1997): The German Version of the Nottingham Health Profile (NHP): Übersetzungsmethodik und psychometrische Validierung. Soz-Präventivmed 42:175-185


Abbildung 2: Effektivität von therapeutischer Behandlung bei Patienten mit guter bis sehr guter Compliance, auf der Station für Umweltmedizin, bei der Dauer von 6, 12 und 24 Monaten nach dem ersten Besuch der Station (n=224) (aus: Research report on long-time follow up [12])

Lebensmittelintoleranzen können zur Fehl- oder Mangelernährung führen, was als erste Priorität behandelt werden muss. Andererseits kann die Verwendung von Medikation zur Behandlung gleichzeitiger Erkrankungen stark eingeschränkt sein und sollte vorsichtig eingesetzt werden.

Die Therapie sollte dem individuellen Fall angepasst sein und besteht aus im ersten Schritt Trainingsmaßnahmen zum Verbessern von Bewältigungsstrategien; Beratung und Empfehlungen zur Reduktion von Expositionen, der Veränderung von Ernährungs- und Lebensgewohnheiten und Nahrungsergänzung. In den Fällen, in denen Depressionen, Angst-, Anpassungs- oder Stressstörungen MCS komplizieren, sollten psychotherapeutische und verhaltenstherapeutische Maßnahmen ergriffen werden. Dennoch hat sich das nur als effektiv erwiesen, wenn der Psychotherapeut über MCS informiert ist und psychologische Maßnahmen als zusätzlich angesehen wurden (Abbildung 2) [12].

Ambulante Behandlung ist ausreichend bei Patienten, die nur unter mäßigen neurologischen und neuropsychologischen Symptomen, mäßigen Intoleranzen, wenigen Komplikationen und weiteren Erkrankungen, psychosozialer Unterstützung (Familie, Freunde), schlüssigen Ansichten von ihrer Krankheit und nur mäßigen reaktiven psychischen Problemen. Um diese Versorgung zu bieten wird ein breites Curriculum zur Ausbildung von Medizinstudenten und Ärzten im Fach Umweltmedizin benötigt.

Stationäre Behandlung ist bei Patienten mit starken neurologischen und neuropsychologischen Symptomen, starken Intoleranzen, ernsthaften Komplikationen und weiteren Erkrankungen, weiteren Intoleranzen (Lebensmittel, Medikamente gegen weitere Krankheiten), fehlende psychosoziale Unterstützung (Familie, Freunde), nicht schlüssige Ansichten über ihre Krankheit (d.h. etwa „Ich werde von allem vergiftet“), problematischen Bewältigungsstrategien oder schweren reaktiven psychischen Problemen notwendig. Kleine umweltmedizinische Stationen die die oben genannten Vorraussetzung erfüllen, saubere Raumluft und verträgliche Lebensmittel, können leicht in größeren Krankenhäusern integriert werden. Gemäß der auf unseren eigenen Fällen basierten Schätzungen würde ein Bett pro 400.000 Personen in der Bevölkerung benötigt.

Die primären therapeutischen Notwendigkeiten sind Folgendes:

1. Frühere Diagnose und Behandlungsbeginn (die Dauer der Krankheit bei Therapiebeginn ist 5.10 Jahre! [5,12])

2. Verbreitung der Informationen über MCS in Gesundheitsberufen und in der Bevölkerung um Punkt 1 zu ermöglichen.

3. Schaffen eines spezifischen Diagnosecodes in der ICD-10 und DRG, anders als T78.40 (=andere Allergien und Intoleranzen), um die schweren Formen von MCS anzuerkennen und die Behandlung und deren Erstattung zu erleichtern.

Die primären Notwendigkeiten klinischen Forschungsbedarfs sind Folgendes:

1. Identifizierung der zugrundeliegenden Faktoren, die MCS auslösen oder beeinflussen, einschließlich neurobiologischer Veränderungen, sowohl in Bezug auf die endocrino-neuro-immunologische Achse als auch auf genetisch bedingte hohe Reaktionsbereitschaft auf äußere Reize.

2. Die Etablierung von anerkannten Diagnosekriterien, die für klinische und wissenschaftliche Gruppen akzeptabel sind.

3. Effektive Behandlungs-/Bewältigungsprotokolle für MCS, basiert auf
positiver therapeutischer Zusammenarbeit und individuellen Selbsthilfestrategien.


Für weitere Informationen oder zum Download unserer Publikationen verweisen wir auf unsere Homepage:
fklnf.de/umweltmedizin/fachinformationen-und-service/publikationslistedownloads.html#c224

Oder zu dem neusten Entwurfreport einer Arbeitsgruppe der australischen Regierung:

http://www.fklnf.de/fileadmin/downloads/Umwelt/MCS_austr_draft_report.pdf

Authors: Dr. med. Eberhard Schwarz, Dr. rer.nat. Anke Bauer

Fachkliniken Nordfriesland GmbH Tel. 0049 4671 904 140
Unit of Environmental Medicine Fax. 0049 4671 904 240
Krankenhausweg 3 email: dr.eberhard.schwarz@fklnf.de
D-25821 Bredstedt email: dr-anke-bauer@web.de
Germany Homepage: fklnf.de

Referenzen:

1. Andersson L, Johansson A, Millqvist E, Nordin S, Bende M. Prevalence and risk factors for Chemical Sensitivity and sensory hyperreactivity in teenagers. International journal of hygiene and environmental health. 2008 (8. April 2008: epub ahead of print)
2. Ashford NA, Miller CS. 1998. Chemical exposures: Low levels and high stakes. 2nd ed. Van New York:Nostrand Reinhold: xx
3. Bauer A, Schwarz E, Hauf FO, Mai C. Update on Multiple Chemical Sensitivity. Umwelt Medizin Gesellschaft 2008;21(4):9-15
4. Bauer A, Schwarz E, Martens U. Patients with multiple chemical sensitivities: A case for environmental or psychosomatic medicine? Zeitschrift für Allgemeinmedizin (ZFA). 2007;83:442-446.
5. Bauer A, Schwarz E, Martens U. Exposure and Susceptibility as risk factors for Chemical Sensitivity. Umwelt Medizin Gesellschaft 2004;17:151-159
6. Caress SM, Steinemann AC, Waddick C.. Symptomatology and etiology of multiple chemical sensitivities in the southeastern United States. Arch Environ Health. 2002;57:429-436.
7. Hausteiner C, Bornschein S, Hansen J, Zilker T, Förstl H. Self-reported chemical sensitivity in Germany: A population-based survey. Int J Hyg Environ Health. 2005;208:271-8
8. Hojo S, Kumano H, Yoshino H et al. Application of Quick Environment and Exposure Sensitivity Inventory (QEESI) for Japanese population: Study of reliability and validity of the questionnaire. Toxicol Ind Health. 2003;19:41-49
9. Johansson A, Millqvist E, Nordin S, Bende M. Relationship between self-reported odor intolerance and sensitivity to inhaled capsaicin: proposed definition of airway sensory hyperreactivity and estimation of its prevalence. Chest. 2006;129: 1623-1628.
10. Kreutzer R, Neurta RR, Lashuay N. Prevalence of people reporting sensitivities to chemicals in a population based survey. Am J Epidemiol. 1999;150:1-12.
11. Meggs WJ, Dunn KA, Bloch RM et al. Prevalence and nature of allergy and chemical sensitivity in a general population. Arch Environ Health. 1996;51:275-282.
12. Schwarz E, Bauer A, Mai C, Hauf O, Bobrowski D (2006): Longtime Follow-up of Patients with Chronic Environmental Illness and Multiple Chemical Sensitivity (MCS) following Multidimensional Therapeutic Intervention. (“Langzeit-Verlaufskontrolle bei umweltmedizinischen Patienten einer Fachklinik - unter der besonderen Berücksichtigung der Patienten mit chemischen Intoleranzen bzw. Multiple Chemical Sensitivity (MCS)“) Scientific Report: fklnf.de/fileadmin/downloads/Umwelt/English_Abstract_Follow_up_2006.pdf
13. Schwarz E, Bauer E (2005): Hospital treatment in environmental medicine and multiple chemical sensitivies. In: Environment and Health & Indoor Air Quality. June 13-15th 2005 Conference under the Luxembourg Presidency of the European Union. Publishers: AKUT asbl in cooperation with the Health Ministry of Luxembourg (eu.lu)
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Beitragvon Juliane » Mittwoch 21. Oktober 2009, 11:50

"Stationäre Behandlung ist bei Patienten mit starken neurologischen und neuropsychologischen Symptomen, starken Intoleranzen, ernsthaften Komplikationen und weiteren Erkrankungen, weiteren Intoleranzen (Lebensmittel, Medikamente gegen weitere Krankheiten), fehlende psychosoziale Unterstützung (Familie, Freunde), nicht schlüssige Ansichten über ihre Krankheit (d.h. etwa „Ich werde von allem vergiftet“), problematischen Bewältigungsstrategien oder schweren reaktiven psychischen Problemen notwendig. Kleine umweltmedizinische Stationen die die oben genannten Vorraussetzung erfüllen, saubere Raumluft und verträgliche Lebensmittel, können leicht in größeren Krankenhäusern integriert werden. Gemäß der auf unseren eigenen Fällen basierten Schätzungen würde ein Bett pro 400.000 Personen in der Bevölkerung benötigt."


Also die Autoren hätten gerne 205 Betten für 82 Millionen
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Beitragvon Nautilus » Mittwoch 21. Oktober 2009, 15:05

Was sagte Dr. Schwarz in London? """Raumluft und verträgliche Lebensmittel, können leicht in größeren Krankenhäusern integriert werden."""

Das ist nicht zu fassen. Große Krankenhäuser haben Zentralbelüftung. Sie werden desinfiziert und und und

Aber das was Dr. Schwarz noch sagte passt dann als i-Tüpfelchen dazu:

"""Die Therapie sollte dem individuellen Fall angepasst sein und besteht aus im ersten Schritt Trainingsmaßnahmen zum Verbessern von Bewältigungsstrategien; Beratung und Empfehlungen zur Reduktion von Expositionen, der Veränderung von Ernährungs- und Lebensgewohnheiten und Nahrungsergänzung. In den Fällen, in denen Depressionen, Angst-, Anpassungs- oder Stressstörungen MCS komplizieren, sollten psychotherapeutische und verhaltenstherapeutische Maßnahmen ergriffen werden. Dennoch hat sich das nur als effektiv erwiesen, wenn der Psychotherapeut über MCS informiert ist und psychologische Maßnahmen als zusätzlich angesehen wurden (Abbildung 2) [12]."""


Psychogelabber auf Kosten von Schwerkranken. Gut zu wissen.
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Beitragvon Fee » Mittwoch 21. Oktober 2009, 15:25

Ich bin Allen so sehr dankbar, die die ganze Sendung sehen konnten und hier weiter aufklären.
Das musste einfach mal raus an dieser Stelle, auch wenn's hier vielleicht nicht so ganz dazupaßt.

Leider konnte ich nach dem Bericht über den Fischer nicht mehr weiterschauen...
Meine Begeisterung hatte sich darauf reduziert, dass mein Mitbewohner meinte, jetzt verstehe er etwas besser worum es geht.
Meine kleine Freude halt - dabei der anderen Leid, weil in der Folge wohl so unglaublich verkannt und dermaßen verdreht dargestellt wurde.

Schön, dass es dieses Forum und Euch gibt. Danke!

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Beitragvon Beam me up Scotty » Mittwoch 21. Oktober 2009, 21:43

Das Verdrehen hat in diesem Fall System Fee. Juliane und andere User haben einen
Berg von Dokumenten zusammengetragen aus denen hervorgeht, dass man in Bredstedt schon länger
lieb Kind mit der Psyche ist.

Ob die Ärzte die sich im TV hinstellen oder vor Publikum nachdenken über den Schaden den sie anrichten
mit die Psycho- und Verhaltenstherapievorschlägen? Der Schaden ist da, da gibt es kein Vertung.
Ich möchte nicht wissen in wievielen Familie der Kranke zu hören bekommt: Siehste, siehste, sag ich doch
schon lange, das ist psychisch geh in Therapie.
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Beitragvon Milena » Montag 26. Oktober 2009, 00:39

Also, ich weiß nicht, ob man nicht ein bisschen mehr anerkennen sollte, dass Dr. Schwarz (der ja nunmal aus dem Psycho-Gebiet kommt) immerhin herausgefunden und beachtet hat, dass bei einigen seiner Patienten MCS vorliegt, dem nicht mit den gängigen Methoden der Klinik beizukommen war. Dann haben sie auch noch einige Betten für MCS-Kranke geschaffen, eigentlich sogar mehr, als jetzt zur Verfügung stehen (böse KK). Ok, sie gehen auch mit den Mitteln ihres Fachgebietes an die Krankheit heran, aber vielleicht hilft es ja auch - also wirklich nur auf der Ebene, auf der es gedacht ist. Aber sie bieten auch Maßnahmen zur Entgiftung, was ja nunmal der gleiche Ansatz (immerhin!) wie Dallas ist und was in Dtl. nicht sehr oft angeboten wird.

Im Übrigen habe ich letztens erst zufällig den Bericht mit Dr. Mai gesehen, nachdem ich hier die Kommentare gelesen hatte. Meines Erachtens hat Dr. Mai es nicht so dargestellt, als würden wir nur ein bisschen Psychotherapie benötigen. Er sagte: _nachdem_ der Patient stabilisiert ist... und das ist ein großer Unterschied. Und wenn man sich das Beispiel des Mannes in dem Film anschaut, dann sieht man, dass es bei den Methoden - sich wieder etwas zutrauen - nicht darum geht, z. B. ins verrauchte Vereinsheim (oder halt in den Supermarkt oder so) zu gehen, sondern dass es z. B. bedeutet, dass man _ab und an_ mal wieder seine Freunde sehen kann, sofern sie auf Duftstoffe an dem Tag verzichten. Und das Ganze, wie gesagt, nach körperlicher Stabilisierung. Mag sein, dass ich die Zwischentöne nicht gehört habe. Ich denke halt nur, wir sollten hier in Dtl. die paar Mitstreiter, die uns wenigstens ein bisschen entgegenkommen, nicht vergraulen. Ich denke für keinen Mediziner ist es hier in Dtl. einfach, sich auf die Seite der MCS-Kranken zu schlagen. Es mag so sein, dass sie uns nur den kleinen Finger reichen und wir hätten gerne den ganzen Arm. Nicht weil wir gierig sind, sondern weil wir einfach die 100% \"Richtigkeit\" im Vorgehen gegen die Erkrankung brauchen. Trotzdem ist der kleine Finger doch ein Anfang. So sehe ich das. Bitte nicht steinigen. ;)

Viele Grüße
Milena
- Editiert von Milena am 25.10.2009, 23:48 -
Milena
 

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Beitragvon Maria Magdalena » Montag 26. Oktober 2009, 01:00

@ Milena

Jeder darf seine Meinung äußern, klar. Bloß das Problem ist nicht der einzelne Arzt, sondern die Herangehensweise an MCS, die den Ernst der Krankheit verharmlost. Psychologisch gesehen, kann man das Verhalten von Dr. Schwarz, Dr. Mai und wie die alle heißen sogar sehr gut verstehen, doch gerade deshalb, weil man sie so gut versteht, kann man solche faulen Kompromisse als MCS-Patient nicht akzeptieren.

MCS ist leider eine sehr schwere Krankheit, die keine Kompromisse zulässt. Aufgrund seines erbärmlichen Zustandes ist es einem MCS-Patienten schlichtweg nicht möglich so viel Verständnis für den Zwiespalt der Mediziner aufzubringen. Bei MCS gibt es keine Kompromisse, wenn man überleben will.
- Editiert von Maria Magdalena am 26.10.2009, 00:08 -
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Beitragvon Gepaucker » Montag 26. Oktober 2009, 02:12

Milena,

ein zu Tode Verurteilter wird sich bei seinem Henker nicht dafür bedanken, weil er ihn verspricht, dass er nach dem Fall am Strick, wenn dieser abgeschnitten, schön weich auf einer Schaumgummimatte fallen würde.

Wenn überhaupt, braucht ein MCS-Kranker meistens Jahre, um sich soweit zu stabilisieren, dass wirklich von einem stabilen Zustand gesprochen werden kann. Nur hängt diese Stabilität erstens immer an dem seidenen Faden der Vermeidung mit den auslösenden Stoffen und zweitens muss dieser seidene Faden für den Rest des Lebens reichen. Diese \"Stablisierung\" ist kein Freibrief sich jetzt \"etwas mehr zu zutrauen\" nach dem Motto: \"Du verträgst jetzt wieder mehr Gift, nur zu, sei mutig!\" Diese Stabiliesierung bricht sofort zusammen, wenn die Abstinenz vor den auslösenden Stoffen aufgegeben wird, zumindest bei den schweren MCS-Fällen. Den anderen tut es zumindest nicht gut. Warum stimmen solche Mediziner einer Entgiftung erst zu, um dann die Bereitschaft für eine erneute Vergiftung psychologisch zu wecken? MCS-Kranke können genauso wenig an Gifte gewöhnt werden, wie Blinde an das Lesen von großen Buchstaben. Ist doch toll, man reicht den Blinden dann wenigstens den kleinen Finger, dass ist doch besser wie gar nichts, oder? Wäre das ein Anfang für die Behandlung oder Betreuung von Blinden?
- Editiert von Gepaucker am 26.10.2009, 01:14 -
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Beitragvon Juliane » Montag 26. Oktober 2009, 10:55

Die Sache ist eigentlich ganz einfach, Milena.

Es geht nur um den Profit.
Das ist leider so.

Es gibt auch keine marktfreie Zone/Nische induLa.

Auch ein bestimmtes Bild in die Medien zu bringen, dient letzlich der Gewinnmaximierung.

Und noch was: Sozial war diese sogenannte Marktwirtschaft noch nie.

Na, jetzt ist die Tigerentenflagge in Berlin gehisst. Da wird das vielleicht klarer rüber kommen.

Vielleicht besser so. Da weiss man wenigstens, wo man dran ist.


Ansonsten ein Lesetipp:
viewtopic.php?t=8392
Juliane
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Beitragvon Maria Magdalena » Montag 26. Oktober 2009, 11:55

Igrendwann brauchen wir diese \"Therapien\" nicht mehr, denn wenn genügend Menschen krank sind, werden sie nicht mehr gezwungen sein, \"Herantrauensstrategien\" zu erlernen, weil dann alle keine Duftstoffe benutzen können. Und dieser Zeit nähern wir uns immer rasanter.

Das Problem von \"Strategen\" ist, dass sie nicht in der Lage sind, alle wichtigen Aspekte eines Plans zu berücksichtigen. Der Begriff heißt \"Fachidiot\". Die ganzen Milchmädchenrechnungen sind unbrauchbar. Dass man erst mal ordentlich kassieren kann, heißt nicht, dass man das Geld morgen nicht wieder verliert bzw. es gar nicht mehr ausgeben kann. Aber so weit können und wollen viele gar nicht denken.

- Editiert von Maria Magdalena am 26.10.2009, 11:00 -
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Fehlinformationen über MCS in TV-Doku

Beitragvon Silvia K. Müller » Montag 26. Oktober 2009, 17:51

MCS ist eine Erkrankung die fortschreitet und weiter chronifiziert, wenn kein Expositionsstopp eintritt. Vermeidung ist der wichtigste Aspekt in der Therapie. Findet sie nicht statt, kann dies zu einem „Point of no Return“ führen, einem Stadium indem ein Patient auf fast alles reagiert und keine Behandlungsmaßnahme Linderung bringt oder Abhilfe verschafft.

Von einem Umweltmediziner muss man erwarten können, dass er sich vor seine Patienten stellt und eine Erkrankung wie MCS korrekt darstellt. MCS ist nicht durch Verhaltensanpassungen und bewusstes Exponieren heilbar, das ist allgemein bekannt und auch ohne großartige Fachkenntnis rein logisch nachvollziehbar.

Dr. Mai sagte im Fernsehen: Zitatanfang „Wir vermitteln ihnen aber auch, dass sie sich wieder daran gewöhnen sollen, die übliche Umgebung mit Parfum und mit anderen Reizen auszuhalten.“ Zitatende

Diese Aussage ist nicht akzeptabel und jeder der MCS hat ist im Recht wenn er Kritik vorbringt. Man braucht kein Mitleid mit Dr. Mai und seiner Umwelt- und Psychoklinik zu haben, er hatte die freie Wahl wie er MCS darstellt. Die Worte die er gewählt hat repräsentieren ihn als Umweltarzt, seine Umweltklinik und sein Therapieangebot.

Ich habe die Erlaubnis für Euch aus einem Arztbericht von Prof. Rea, Leiter des EHC-Dallas, zitieren. Das EHC ist eine Klinik mit Cleanroom Standart die seit über 30 Jahren Therapieerfolge aufzuweisen hat. Die beiden nachfolgenden Passagen dürften jedem verständlich machen, dass es nicht angemessen ist dass ein Umweltarzt, in diesem Fall Dr. Mai, sich im Fernsehen öffentlich vor Millionen von Zuschauern hinstellt und von Gewöhnungstherapien spricht. Es ist auch nicht angebracht, einen Umweltarzt in Schutz zu nehmen für solche Aussagen, weil sie vielen Tausenden Chemikaliensensiblen nachhaltig schaden können. Ganz abgesehen, dass es Dr. Mai extrem schwerfallen dürfte seine Aussage mit kapitelfesten, kontrollierten Studien zu untermauern die Therapieerfolge darlegen.


Zitate aus einem aktuellen Arztbericht von Prof. Rea für eine deutsche Patientin:
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„…Unser Ziel ist es, die auslösenden Substanzen zu identifizieren, die jetzt zu den Funktionsstörungen dieser Patientin beitragen, und einen individuellen Plan zu erstellen, um alle Auslöser unter Kontrolle zu bringen und deren Auswirkungen zu behandeln…“

„…Expositionen gegenüber den geringsten Konzentrationen von Auslösern können eine akute Verschlimmerung der Erkrankung der Patientin hervorrufen. Expositionen gegenüber diesen Auslösern können ihr physisches und neurologisches Funktionieren signifikant beeinträchtigen. Ihre Symptome können durch Schwere, Art und Dauer der Exposition variieren. Diese Patientin unterliegt einem Behandlungsprogramm mit strikter Vermeidung auslösender Expositionen, welche Exposition gegenüber Petrochemikalien, Lösungsmitteln, Reinigern, Pestiziden, Parfüms, Reinigungsprodukten, Teppichboden, Zigarettenrauch, minimale Unterschiede von warm und kalt, Kleidung und Stoffe, ungefilterte Luft, ungefiltertes Wasser, Photokopiererchemikalien und Zubehör, Staub und Hausstaubmilben, Pollen, Schimmelpilze, formaldehydhaltige Materialien, Autoabgase, Schwermetalle und andere Verbindungen umfasst.

Selbst beiläufige Expositionen gegenüber diesen gängigerweise anzutreffenden Umweltagenzien können sich nachteilig auf die Gesundheit der Patientin auswirken. Sie muss öffentliche Gebäude oder jede andere Umgebung, in der Expositionen stattfinden können, rigide vermeiden. Strikte Vermeidung ist der allerwichtigste Aspekt in der Behandlung eines Patienten, der sensibilisiert wurde…“
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Fehlinformationen über MCS in TV-Doku

Beitragvon Maria Magdalena » Dienstag 27. Oktober 2009, 14:26

Dr. Mai- Zitate:

\"Menschen, die in ihrem Leben extrem intensive Traumata erleiden mussten, wie man sie vielleicht in einer Kriegssituation erleiden muss, aber auch als Opfer einer Vergewaltigung oder eines sexuellen Missbrauchs in der Kindheit, haben ein vielfach erhöhtes Risiko an MCS zu erkranken…\"

\"Die beiden wesentlichen Eckpfeiler sind die Balance zwischen Rückzug und sich wieder etwas zutrauen. Wir vermitteln unseren Patienten, dass sie insbesondere in ihrer Wohnung, und da insbesondere im Schlafzimmer, eine ganz reizarme Umgebung schaffen. Wir vermitteln ihnen aber auch, dass sie sich wieder daran gewöhnen sollen, die übliche Umgebung mit Parfum und mit anderen Reizen auszuhalten.\"
Zitat Ende.

Was soll ein Umweltpatient von einem Arzt halten, der solche Psycho-Lügen verbreitet über eine von der WHO als schwere organische Erkrankung anerkannte chemische Vergiftung wie MCS?

Und was hat ein Psychiater mit Umweltkrankheiten zu tun? Dr. Mai ist doch Psychiater. Warum kümmert er sich nicht einfach um seine psychisch kranken Patienten und lässt die Umweltpatienten in Ruhe?

Sollen wir dem Dr. Mai etwa noch dankbar dafür sein, dass er auf solch hinterhältige Art und Weise MCS-Patienten im Fernsehen diskreditiert? Der Trick, den er dabei einsetzt, ist doch zu primitiv, um nicht durchschaut zu werden.

- Editiert von Maria Magdalena am 27.10.2009, 14:52 -
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Fehlinformationen über MCS in TV-Doku

Beitragvon Maria Magdalena » Dienstag 27. Oktober 2009, 15:27

Zitat Milena: \" Es mag so sein, dass sie uns nur den kleinen Finger reichen und wir hätten gerne den ganzen Arm. Wir sollten die paar Mitstreiter, die uns wenigstens ein bisschen entgegenkommen, nicht vergraulen. \" Zitat Ende.

Wir brauchen solche \"Mitstreiter\" wie Dr. Mai wirklich nicht. Seinen Finger kann er sonst wo lassen.

Keiner hat ihn darum gebeten, sich in Dinge, für die er nicht die nötige Kompetenz besitzt, einzumischen.
- Editiert von Maria Magdalena am 27.10.2009, 14:31 -
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Fehlinformationen über MCS in TV-Doku

Beitragvon Moriko » Donnerstag 29. Oktober 2009, 12:51

Hat Dr. Mai sich in irgendeiner Weise geäußert zu seinem Satz im TV der MCS Kranke reinreißt?
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Fehlinformationen über MCS in TV-Doku

Beitragvon Wüstenfieber » Freitag 30. Oktober 2009, 09:42

Das wird ausgesessen bis zum nächsten Fernsehbeitrag.
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Fehlinformationen über MCS in TV-Doku

Beitragvon Alex » Samstag 7. August 2010, 22:06

Die Sendung, in der Dr. Mai äußerte:

"Wir vermitteln ihnen aber auch, dass sie sich wieder
daran gewöhnen sollen, die übliche Umgebung mit Parfum und mit anderen Reizen auszuhalten.“

wurde in dieser Woche wiederholt. Das gibt einem zu denken, in einiger Hinsicht.

Der Link dazu:
(es steht auf Seite 4, im ersten Absatz)

http://www.swr.de/odysso/-/id=5495054/property=download/nid=1046894/ca9sok/Odysso_100805.pdf
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Fehlinformationen über MCS in TV-Doku

Beitragvon Morlock » Samstag 7. August 2010, 22:34

Alex, welche Fachrichtung ist Dr. Mai?

Allergiker können auf das auslösende Allergen auch mit anaphylaktischen Schockzuständen reagieren. Kein kompetenter Arzt empfiehlt hochgradigen Allergie-Patienten, sich dem Allergen auszusetzen. Ganz im Gegenteil, auch hier gilt, genau wie bei MCS, das Allergen strickt zu meiden. Es wird mit zweierlei Maß gemessen und MCS-Patienten werden durch derartiges Anraten, möglicherweise lebensbedrohlichen Situationen ausgeliefert, das dürfte wohl kaum dem Eid des Hippokrates entsprechen.

Kaum zu glauben, dass Dr. Mai an der hochgelobten Deutschen Umweltklinik tätig ist. Aber somit erhält der kritische Betrachter des Beitrags, einen ersten Eindruck von der Qualität der Klinik Nordfriesland. Ich selbst habe schon oft gehört, dass es Umweltpatienten nach einem dortigen Aufenthalt wesentlich schlechter ging als vorher. Na, nun wundert mich nichts mehr.
Morlock
 

Fehlinformationen über MCS in TV-Doku

Beitragvon mirijam » Sonntag 8. August 2010, 01:07

Wenn ein Arzt mir bei meiner MCS-Diagnose vermitteln wollte, ich solle Parfüm und andere Schadstoffe aushalten, ich würde ihn rechtlich belangen.

Wenn ich viele andere MCS-Kranke sein könnte, täte ich das gleiche mit allen Ärzten, die den anderen MCS-Patienten ebenfalls Exposition mit den Symptomauslösern medizinisch nahelegen. Ich könnte mir den Effekt ausmalen.
mirijam
 


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